01 | RobTob-Ahoi!

12.06. – 19.06.2016 | Moin moin liebe Leudde,

nun liegen die ersten drei Etappen bereits hinter uns und wir verweilen momentan in Glöwen bei Tobis Großeltern. Aber fangen wir mal von vorne an …

Die letzten Wochen und Tage haben Robert und ich fast jeden Tag damit verbracht, unseren Kram bzw. unsere Angelegenheiten zu erledigen, damit wir uns ruhigen Gewissens auf die Reise machen konnten. So kündigten wir unsere Jobs und Verträge, zogen aus unseren WGs aus, verstauten Sachen bei unseren Eltern, recherchierten Auslandskrankenversicherungen, montierten die letzten Teile an unseren Fahrrädern und jede Menge anderer Kram …

An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an alle, die uns bei der Umsetzung unseres Vorhabens unterstützt haben! Ohne die Hilfe hätten wir nicht so schicke Bilder, unsere unabhängige Stromversorgung, ein funktionierendes Fahrrad, eine so geile Webseite und soviel Spaß, trotz der knappen Vorbereitungszeit, bei alledem gehabt.

In der letzten Woche vor der Abfahrt hat jeder von uns noch einmal in kleinem Kreis Familie, engste Freunde und Arbeitskollegen in entspannter Grillatmosphäre verabschiedet.

In der letzten Nacht haben wir noch bis spät nachts unsere Taschen gepackt. Ich (Tobi) hatte stets das Gefühl, irgendetwas vergessen zu haben (wie sich später herausstellte, habe ich meine Regengamaschen vergessen :D), aber hatte gleichzeitig auch das Gefühl, dass ich viel zu viel mitnehme. Naja, die nächste Zeit wird zeigen, ob was zurückgeschickt werden muss oder nicht. Bevor es hieß, am nächsten Morgen auf den Drahtesel zu steigen, genoss ich noch einmal eine letzte Nacht im heimischen gemütlichen Bettchen und eine letzte Dusche und die Aufregung bahnte sich so langsam ihren Weg.

Von unseren Elternhäusern ging es mit den vollbeladenen Rädern in den Rostocker Stadthafen, von wo aus wir später gen Australien starteten. Dort angekommen hielten wir noch einmal einen letzten Schnack mit Bekannten und Arbeitskollegen und nahmen Familie und Freunde ein letztes Mal in den Arm. Mit so vielen Leuten im Hafen hatten wir letztlich gar nicht gerechnet, umso größer war aber unsere Freude, das ein oder andere für uns überraschende Gesicht zu sehen 🙂

Dazu haben wir noch viele nützliche Geschenke und Souvenirs für unsere Reise bekommen. An dieser Stelle ein fettes DANKESCHÖN!

Nach ein paar letzten Abschiedsworten trugen uns unsere gut bepackten Drahtesel von dannen. Frida und Micha begleiteten uns noch bis zur Stadthalle, danach ging es für uns alleine weiter. Wir durchquerten die Mecklenburger Grund- und Endmoränenlandschaft, deren Hügel uns mit zum Teil ca. 6 % Steigung die ersten Freuden bereiteten 😀 Dörfer, die ihre besten Zeiten schon lange hinter sich haben, zogen an uns vorbei. Die Landflucht lässt grüßen. Zwischendurch machten wir mehrere kleine Pausen und verdrückten die ersten Kinderriegel, welche uns Roberts Vater geschenkt hat. Auf dem Weg gen Süden wurde der Himmel immer dunkler und erschien uns wie ein Menetekel. Die ersten Nieseltropfen plätscherten auf uns herab und mit der Zeit gleichte die Landschaft einer seichten Dauerwaschanlage. Aber Dank unserer guten Jacken von Auguste 86 waren wir gut eingepackt und trotzten der grauen feucht-fröhlichen Wolkendecke. Tobsen durfte unter diesen Bedingungen auch gleich ein bisschen Lehrgeld zahlen, da die Regenhose in einer der Hinterradtaschen verstaut war. So hieß es, die vielen Schnüren losmachen, Zelt und das große Rackpack abnehmen sowie die beiden Back-Roller durchsuchen. Das hält natürlich auf, aber am Anfang läuft natürlich nicht alles sofort perfekt. Positiv daran war aber, dass wir nun wussten, was wir beim nächsten Mal besser machen müssen. Aufgrund des Wetters wollten wir bei Lalendorf an der B104 eine Abkürzung quer durch den Wald nehmen, welche sich aber als Flop herausstellte. Denn für die 10 km über nassen Stock und Stein benötigten wir ca. 1 ½ h. Als wir diesen Streckenabschnitt hinter uns hatten, flitzen wir 15 km vor Waren/Müritz über eine abgefräste Straße und nachdem wir wieder auf einem gepflasterten Gehweg unterwegs waren, fing auf einmal Tobis Hinterrad an zu schlackern. Hallelujah, ein Platten! Die Wolken beschenkten uns weiterhin mit Wasser und darüber hinaus setzte die Dämmerung ein. So hieß es dieses Mal, alle Taschen abnehmen, Flickzeug heraussuchen, Hinterrad ausbauen sowie Reifen und Schlauch auf die Unglücksstelle untersuchen. Schnell haben wir das kleine Steinchen, welches die Form eines geriffelten Haifischzahns hatte, gefunden und aus dem Reifen herausgezogen. Ein tiefes Loch auf der Lauffläche verblieb. Andere fahren mit einem Reifen ca. 30.000 km, bevor sie diesen im tiefsten australischen Outback das erste Mal wechseln müssen und wir kommen noch nicht einmal bis Waren/Müritz 😀 Alter Lachs, naja, wir haben es mit Humor genommen … Die Kälte, der Regen und die ungewollte lange Pause sollten Robert später noch zu schaffen machen. Das erste EM-Spiel der deutschen Elf sollten wir somit verpassen dürfen.

Nach ca. 96 km kamen wir im Dunkeln bei Daniel (einem Freund von Robert aus alten Bachelorzeiten) und seiner Frau Nadine in Neu Schloen bei Waren an, froh über ein festes Dach und einem Bett für die erste Nacht. Neben den beiden empfingen uns noch zwei Freunde von unseren Gastgebern. So endete der erste Reisetag in einem gemütlichen und lustigen Beieinandersein mit reichlich Grillwürsten und -fleisch. An dieser Stelle noch einmal einen riesigen herzlichen Dank an Daniel und Nadine für die tolle Gastfreundschaft, welche wir sehr genossen haben! 🙂

Wie der Sonntag endete, so hat auch der Montag begonnen. Mit einem reichhaltigen Frühstück haben wir uns für die nächste Etappe gestärkt. Ziel des Tages war Bork. Aber bevor wir dort ankommen wollten, hieß es 79 km radeln. Zwar hatte der Wetterbericht für jenen Tag Regenschauer angekündigt, letztendlich hatten wir aber sehr viel Glück gehabt. Wir radelten durch den wunderschönen Müritz-Nationalpark, von dessen Natur wir ziemlich begeistert waren. Ich hatte ganz vergessen wie schön die heimische Natur doch ist, mit all ihren Seen, urigen Wäldern, Wiesen und Weiden etc., da ich mich eher für die Natur in ferneren Ländern begeistere. Wir durchquerten kleine, aber feine Dörfer mit ihren charakteristischen Hallen- und Gutshäusern. Mit Rainald Grebes lustigen Song „Brandenburg“ im Ohr überquerten wie die Grenze von Mecklenburg-Vorpommern zu Brandenburg. Abends erreichten wie Bork, wo Elke (die Cousine von Tobis Mutter) schon auf uns wartete und ein paar Würste brutzelte. Nach reichlich lustigen Geschichten von Elke ging es langsam in die Federn.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Glöwen zu Tobis Großeltern und ließen uns dort ein paar Tage verwöhnen. Durch die kalt-feuchte Pause, bedingt durch die Reifenpanne am ersten Tag, waren Roberts Bänder am Knie gereizt und machten das Fahrradfahren alles andere als zum Vergnügen. Von daher legten wir hier eine längere Pause ein, um die Bänder ein wenig zu schonen, mit der Hoffnung, dass die Beschwerden auf der weiteren Fahrt nicht mehr auftauchen werden. Insgesamt blieben wir drei volle Tage in Glöwen. In den drei Tage haben wir gefühlt drei Kilo zugenommen :))

Am ersten Tag schliefen wir bis tief in den Tag hinein und haben einfach mal nichts gemacht -GEIL-, außer Essen, schlafen und uns Glöwen angeschaut. Am zweiten Tag ging es mit dem Brandenburg-Ticket nach Berlin. Dort ging es gleich weiter zu Globetrotter zum Shoppen. Aus einer halben Stunde wurden mal locker zwei Stunden shoppen – Düdüm. Von wegen nur Frauen geht es so und das Portemonnaie hat sich auch gefreut :)) Nach einem leckeren Döner haben wir uns mit unserem sehr guten Freund Veit verabredet zusammen mit seinem 9 Monate alten Sohn namens Janis. Später gingen wir zu einem Beachvolleyballplatz und haben uns mit Eileen (eine Bekannte von Tobi / Tochter von Elke (Tag zwei in Bork)) getroffen. Zusammen mit ihr und drei weiteren Freunden haben wir bei herrlichem Wetter erst einmal ein paar Runden Beachvolleyball gezockt. Das hat richtig Laune gemacht. Einer hatte immer die Ehre den kleinen Janis beim Sabbern zuschauen zu dürfen. Und wie es so ist, wenn es Laune macht, vergeht die Zeit viel zu schnell. Um pünktlich Abends zum Anpfiff Deutschland gegen Polen zurück in Glöwen zu sein, mussten wir uns leider bei Zeiten zurück auf dem Weg machen.

Am dritten Tag in Glöwen haben wir unsere Fahrräder geputzt, alle Schrauben der Gepäckträger nachgezogen und unser Packsystem weiter optimiert. Während wir uns dabei im Garten aufhielten, klingelte im Haus das Telefon. Wir waren schon gespannt, weil wir nämlich einen Anruf vom Radiosender NDR 1 erwarteten. Wir hatten bereits am ersten Tag in Glöwen auf einen Kommentar von NDR 1 Radio MV auf unserer Homepage geantwortet. Der NDR hat angefragt, ein Telefoninterview mit uns aufzuzeichnen. Da sagen wir mal nicht nein und haben uns für Freitagmittag verabredet. Wir fanden das Interview ganz in Ordnung.
Abends wurden wir noch von den Nachbarn ans Lagerfeuer eingeladen. Leider hatten wir nicht so viel Zeit und nach einer Bierlänge mussten wir schon wieder zurück, um endlich mal den ersten Blog zu Ende zu schreiben.

An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an die Großeltern von Tobi für das tägliche 5-Sterne Essen und das warme Dach über unseren Köpfen. Die Zeit in Glöwen hat uns richtig gut getan 🙂

Bis dahin,

viele Grüße Rob und Tob

2018-06-26T13:45:01+00:00 21.06.2016|Deutschland|0 Kommentare