03 | Leipzig, du schöne Stadt!

22.06. – 24.06.2016 | Als wir in Dessau vor einem Supermarkt standen und das Six-Pack Wasser auf unsere Räder verteilten, überlegten wir, wo an diesem Tage die Reise hingehen sollte. Wir entschieden uns spontan für Leipzig. Johann Sebastian Bach City. Für uns beide sollte es der erste Besuch überhaupt sein. Und wie sich später herausstellten sollte, sollten wir eine fantastische Zeit haben.

Nachdem wir uns entschieden haben, habe ich Svea (eine gute Freundin aus dem Geographiestudium) angerufen und gefragt, ob wir bei ihr pennen können. Das ging zwar nicht, aber wir fanden Obdach bei Niklas, Sveas Freund. Feine Sache!

Wir kamen von Norden, überquerten die Elster und die ersten schönen Viertel (welche uns an die KTV erinnerten) ließen bereits einen tollen Aufenthalt vermuten. Vor Niklas Wohnhaus trafen wir auf Svea und brachten anschließend unser Gepäck in die Dachwohnung. Später kam Niklas dazu und haben anschließend zusammen zu Abend gegessen. Im Anschluss daran sind wir an das Elsterufer gefahren und haben uns dort auf die Wiesen gelegt. Olga, eine Freundin von Svea, kam auch noch vorbei. Während wir quatschten, tranken, lachten und Frisbee spielten, flogen zig Kamikaze-willige Junikäfer durch die Abendluft. Andere Insekten vergnügten sich an uns und vor allem an Robert. Später gesellten wir uns zu Jochen, ebenfalls ein Kumpel von Svea, auf der sogenannten ‚Hipsterbrücke‘. Hier sitzen vor allem in lauen Sommernächten viele junge Leute und Junggebliebene, Alternative und Studenten, Einheimische und Zugezogene. Das Knacken von Kronkorken, Sprachen aus aller Welt, Musik und Gelächter, von Alkohol geschwängerte Zungen und leise Lippen sowie das Geräusch vorbeifahrender Radfahrer und das nächtliche Firmament ergaben zusammen eine schöne, entspannte Kulisse.

Radreisen und Reisen überhaupt, leben ja nicht nur von der Schönheit der Landschaften und Städte, die man durchquert, sondern vor allem auch von Menschen, welchen man begegnet. Eine spannende Begegnung war insbesondere jene mit Jochen. Der gute Mann hat vor knapp einem halben Jahr eine wahnwitzige Odyssee erlebt. Er hatte damals ein schrottreifes Auto gehabt und sein Projekt war es, dieses Auto buchstäblich über den Jordan zu fahren. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wie viele Pannen er unterwegs hatte, aber es waren eine Menge. Er hatte das Glück, dass der ADAC ihn bei seinem Vorhaben unterstützte. Dies zeigte sich besonders in Kooperationen mit Abschleppdiensten in jenen Ländern, welche Jochen durchquerte. Er hat viele lustige Geschichten auf dieser Fahrt erlebt. Eine davon möchten wir kurz gerne wiedergeben (soweit wir sie noch rekonstruieren konnten), weil wir sie alle so lustig fanden. Jochen war mit seiner Klapperkiste bereits weit gekommen. Jedoch knapp 150 km hinter Sofia kam er mal wieder zum Erliegen. Das nächste Dorf befand sich in 10 km Entfernung. So hieß es für Jochen, 10 km zurückgehen, um die örtliche Polizeistation aufzusuchen. Dort angekommen, war es bereits 22:10 Uhr und die Station somit seit zehn Minuten geschlossen. Mmmmh, dachte sich Jochen und ging in das nahegelegene Gästehaus. Der Besuch mündete in einem kleinen Besäufnis mit dem bulgarischen Wirt. Am nächsten Morgen ging Jochen wieder zur Polizeistation und dank der ADAC-Hilfe/Kooperation oder wat auch immer, wurde das Auto abgeschleppt. 150 km zurück nach Sofia! Ganz zum Glück von Jochen. Dort aber stellte der Abschleppdienst das Auto im Parkverbot ab. Schwupsdiwups war auch hier das Auto wieder weg und Jochen musste sich auf zum nächsten Abschlepphof machen. Dort angekommen teilte man ihm mit, dass er 300 Euro zahlen solle, woraufhin er meinte „Nicht mit mir! Die Kiste könnt ihr behalten!“. Nach einer Weile des Verhandelns hat er sein Auto für 30 Euro wiederbekommen und weiter ging die Reise 😀 Herrliche Geschichte! Na ja, ist etwas doof sie nur zu lesen, man muss sie eigentlich gehört haben, so wie sie erzählt wurde. Falls ihr euch fragt, ob das Auto es tatsächlich über den Jordan geschafft hat, müssen wir euch leider enttäuschen.

Irgendwann in der lauen Sommernacht flitzten wir über den Asphalt. Es ist immer wieder schön nachts bei warmen Temperaturen entspannt über die leeren Straßen zu fahren. Keine bis wenig Autos auf den Straßen, das Firmament und die Stadtlichter über uns, Musik von Zulu 9:30 kam aus unseren Minimusikboxen. Spaßig war es! Bis zu jener Kreuzung. Die Ampel auf Rot und Robert flitzt als erster rüber. Niklas, Svea und ich waren etwas dahinter und sahen nur noch wie sich die Polizei zu unserer rechten Seite langsam in Bewegung setzte, so als ob die Beamten vorher noch eine Runde Stein Papier Schere gespielt haben, um zu entscheiden, ob sie hinterherfahren oder nicht. Vielleicht hat Stein gewonnen, jedenfalls wurde Robert angehalten und durfte die übliche Prozedur über sich ergehen lassen. Die Beamten und Robert kommunizierten ganz nett, so dass es keine Strafe gab und wir mit einer kleinen lustigen Geschichte für unseren Blog davon kamen.

Am nächsten Morgen wollten wir mit unseren Rädern gen Dresden aufbrechen. Wir bepackten unsere Räder und fuhren zum nächsten Supermarkt, um Wasser zu kaufen. Mein Knie war schon seit ein, zwei Tagen an einer Stelle leicht geschwollen. Nicht wirklich dolle, aber ich merkte, dass was im linken Knie nicht so fein ist, wie es eigentlich sein sollte. Es war auch wärmer als das rechte. Ich vermutete Anzeichen einer Schleimbeutelentzündung. Ob es das wirklich war bzw. noch ist oder ob es vielleicht das Erbe einer Kriebelmücke oder eines anderen Insekts ist, vermag ich nicht eindeutig zu bestimmen. Wir entschieden uns noch einen Tag im wunderschönen Leipzig zu verbringen und am nächsten Tag mit dem Zug nach Dresden zu fahren. Kann sein, dass es eine normale Reaktion des Körpers auf die letzten Tage war, da wir vor unser Abreise überhaupt nicht trainiert haben. Letzten Endes aber wollten wir nichts riskieren. Falscher Stolz bringt in diesem Falle nichts, auch wenn es etwas schwergefallen ist, die Entscheidung zu treffen.

Vor dem Aldi haben wir durch Zufall und bedingt durch unsere vollgepackten Räder, Olaf getroffen. Ein Musiklehrer und großer Liebhaber der Musik von Johann Sebastian Bach. Ein sympathischer Kerl ist er obendrein. Wir kamen fix ins Gespräch und haben uns auf Anhieb verstanden, was wir u.a. darauf zurückführten, dass er selbst ein großer Reisefreund ist. Er fand unser Vorhaben sehr toll und war regelrecht begeistert. Wir hatten einige sehr amüsante Momente und bekamen noch den ein oder anderen Tipp für Leipzig und Myanmar. Wir verabschiedeten uns mit einem breiten Lächeln und gegenseitigen Glückwünschen und fuhren zum Cospudener See. Dort entspannten wir, gammelten rum und sprangen ins kühle Nass. Später gesellte sich noch Svea zu uns. Wir waren am Westufer des Sees, welches von vielen Wiesen und Bäumen gesäumt wird. Menschen von jung bis alt, vor allem viele Jugendliche, Studenten und junge Berufstätige, liegen auf den Wiesen, spielen Musik und Frisbee, grillen und chillen, genießen das Wetter und ein kühles Bier unter Freunden. Der See ist ebenfalls aus der Flutung eines ehemaligen Braunkohletagebaus entstanden. Zusammen mit der Umgebung wurde er als attraktives Naherholungsgebiet und als Expo 2000 Projekt gestaltet. Als die Sonne langsam unterging und einen sanften, goldbraunen Schleier über die Seenlandschaft warf, ließen wir diese hinter uns und verbrachten den restlichen Abend im Garten von Olga. Dort philosophierten wir über das Paarungsverhalten von Regenwürmern, aßen Reisepfanne mit gebratener Ente, schwangen die Axt und hörten Titelsongs von Zeichentrinkserien 😀 Abends ging es wieder zurück zu Niklas Wohnung. Nachts trafen wir noch zwei sympathische Nachtgestalten auf einem Leipziger Hinterhof und hatten noch einen amüsanten Wortwechsel. Solche Begegnungen wie eben oder oben beschrieben, versüßen uns die Reise sehr. Sowohl Robert als auch ich waren von Leipzig sehr begeistert und für uns steht fest, dass wir auf jeden Fall wiederkommen wollen! Ob kurz oder für länger wird sich zeigen. An dieser Stelle einen großen Dank an Niklas, dass wir bei dir nächtigten durften!

2018-06-26T13:40:07+00:00 26.06.2016|Deutschland|Kommentare deaktiviert für 03 | Leipzig, du schöne Stadt!