06 | Prag, die goldene Stadt

02.07. – 05.07.2016 | Wenn ich an Prag denke, kommen mir, warum auch immer, Szenen in den Kopf, welche glatt aus einem Agentenfilm stammen könnten. Nebel, der wie eine bleierne Decke auf der Moldau liegt, Laternenlichter spiegeln sich auf den Fluss, welcher die Stadt entzwei teilt, graue Gestalten verschwinden unter den Silhouetten der Statuen auf der Karlsbrücke im Dunst der Nacht und aus einer unscheinbaren Spelunke hallen tiefe Klänge eines Cellos.

Aber so kühl ist Prag, wie man beim Lesen der ersten Zeilen vermuten könnte, natürlich nicht. Die Hauptstadt Tschechiens ist vital und voller Geschichte. Prager Burg, Veitsdom, Wenzelsplatz, Altstädter Ring, Teynkirche, Karlsbrücke, Alter Jüdischer Friedhof oder das Tanzende Haus sind nur ein paar Beispiele.

Die Prager Altstadt rund um den Altstädter Ring (westlich der Moldau), in der wie uns hauptsächlich aufgehalten haben, ist überwiegend von Touristen geprägt. Die Prager Bevölkerung sucht man hier vergebens und kommt nur zum Arbeiten her. Wie in vielen anderen europäischen Großstädten, haben die Einheimischen ihre eigenen Szeneviertel fernab der innerstädtischen Touristenkarawanen. Auch wir gehörten zur Karawane, da sich hier die Vielzahl der Prager Sehenswürdigkeiten befindet. Bedingt dadurch, das wir mit dem Fahrrad unterwegs sind, haben wir aber auch viele Seiten gesehen, die dem normalen touristischen Auge verborgen bleiben. Fette Plattenbauviertel (schön und weniger schön, mit oder ohne Gemeinschaftskräutergarten), schicke Viertel im Jugendstil weit vom Zentrum, Relikte des (Real)Sozialismus, Armut, Industrie- und Gewerbegebiete.

Was uns aufgefallen ist, besonders wenn die Nacht langsam Einzug hält und die Stadt sich in ein orange-gelbliches Lichtermeer verwandelt, waren die Massen an männlichen Horden – v.a. Jugendliche und Zwanziger (wir vermuten größtenteils Touristen) – welche in imponierender und zum Teil aufgeblasener Gestik durch die Straßen zogen, auf der Suche nach Frauen, Alkohol und Spaß. Wir dachten dann, ob es denn überhaupt so viele Frauen in Prag gibt 😀

Robert und ich waren bei unseren Prager Streifzügen vor allem von der Architektur begeistert und fasziniert. Die Moldaumetropole mit ihren ca. 1,2 Mio. Einwohnern gleicht mit all ihren Gotik-, Barock-, Neoklassizismus- und Jugendstilfassaden einem steinernen Geschichtsbuch. Wahnsinn! Exemplarisch ist hier vielleicht der Wenzelsplatz, an dem die Truppen des Warschauer Paktes den „Prager Frühling“ niederrollten und Jan Palach sich aus Protest gegen das Niederschlagen des Liberalisierungs- und Demokratisierungsprozesses selbst anzündete.

Statt weiteren Worten wollen wir nun Bilder sprechen lassen. Wir wollen euch ja nicht mit schnöden Zeilen langweilen 😉 Es bleibt nur noch zusagen, dass es nach drei Nächten in Prag weiter gen Wien ging und die Stadt uns definitiv gefesselt hat! Auf bald Prag! 🙂

2018-06-26T13:37:44+00:00 07.07.2016|Tschechien|0 Kommentare