07 | Quer durch Tschechien

05.07. – 10.07.2016 | Prag hatten wir in den frühen Morgenstunden verlassen und es dauerte nicht lange bis wir wieder auf dem Lande waren. An jenem Tag geht es mir nicht gut und wir schaffen nur um die 30 km. Wir entscheiden uns spontan an einem wohl von Menschenhand angelegten See den Fahrtag zu beenden und hier zu campieren. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, die Umgebung ist ruhig und nur das Säuseln des Windes in Blättern sowie das Muhen der Kühe untermalt die Szenerie. Wir schlagen unsere Zelte auf, springen in den See und entspannen unter dem Vordach der kleinen Hütte vor dem See. Da wir einfach ungefragt unsere Zelte aufgeschlagen haben, hoffen wir, dass niemand vorbei kommt bzw. uns von dannen jagt. Gegend Abend kommt ein kräftiger Mann vorbei und schaut nach dem rechten. Vielleicht gehört ihm das Grundstück und einer der wenigen Autofahrer hat ihm Bescheid gesagt, dass da zwei Radfahrer campieren. Glücklicherweise nickt er nur und lässt uns machen.

Am nächsten Tag geht es weiter. Wälder und Felder wechselten sich in der durchweg hügeligen Landschaft regelmäßig, durch die die ruhigen Straßen wie Flüsse mäandrierten. Immer wieder passieren wir kleine Dörfer, wo die Zeit still zu stehen scheint. Ich fühle mich noch immer etwas platt und so beschließen Robert und ich, dass wir in Pelhrimov zwei, drei Nächte verweilen werden bis es mir wieder besser geht. Glücklicherweise haben wir eine preiswerte Unterkunft und der netten Kleinstadt gefunden, die mich irgendwie an Pritzwalk erinnert lässt. Keine Ahnung warum. Das tschechische Essen ist lecker und wir haben eine entspannte Zeit hier, die mit dem Schauen der Fußball-EM versüßt wird.

Nach drei Nächten geht es weiter durch das ländliche Tschechien und am Ende des Tages kommen wir in Jemnice an, wo noch eine freudige und überraschende Begegnung auf uns wartete. Der Dorfkern von Jemnice befindet sich auf einer kleinen Anhöhe, die nur durch eine steile Straße erklommen werden kann. Doof nur, dass diese sich momentan in der Sanierung befindet und wir uns quasi auf einer Buckelpiste noch oben quälen. Wir fluchen über dieses Stück Straße als wir ein Paar überholen. Oben angekommen, machen wir kurz halt, nehmen einen Schluckwasser und sehen das alte Pärchen auf uns zukommen. Die freundliche Dame fragt mit einem sanften Lächeln, ob wir aus Deutschland kommen. So kommen wir ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass die Dame Christa heißt, aus Regensburg kommt und der Mann an ihrer Seite Milan und Tscheche ist. Wir erzählen ein bisschen von unserer bisherigen Reise und wo es noch hin gehen soll. Zwischendurch verschwindet Milan kurz und holt für jeden von uns viern ein kleines Glas und eine Flasche selbstgebrannten Sliwowitz. Stößchen! 😀 Nach einer Weile fragen wir, ob die beiden wissen, ob und falls ja, wo wir denn unsere Zelte aufschlagen können. Milan schlägt den örtlichen Park vor, der sich nicht weit von uns befindet. Sicherheitshalber macht sich Milan auf den Weg zum Bürgermeister und fragt nach seinem Ok. Ein Lächeln umspielt Milans Lippen als er zurückkommt und erzählt, dass das Campen im Park für den Bürgermeister kein Problem sei. Daraufhin machen Robert und ich uns auf den Weg in den Park. Milan und Christa kommen später noch einmal bei uns vorbei. Nachdem wir die Zelte aufgeschlagen haben, überlegen wir, wo wir eine Dusche nehmen können. Nicht weit von uns sehen wir einen Sportplatz. Spontan beschließen wir dahin zugehen und bei der trainierenden Fußballmannschaft nachzufragen, ob wir eine Dusche nehmen können. Zwar spricht keiner Englisch, aber man signalisiert uns, dass die kein Problem sei. Schön unkompliziert. Feine Sache 🙂 Christa und Milan kommen mit einem Korb vorbei, gefüllt mit Obst, Gemüse, Wasser und Salamiwurst und meinen, dass das für uns sei. Da haben wir nicht schlecht gestaunt und haben uns sehr gefreut 🙂 Wir saßen noch rund eine Stunde zusammen, bevor sich unsere Wege trennten. Kurz davor fragte Christa noch, wo es am folgenden Tag hingeht. Wir antworteten mit „in Richtung Wien“, woraufhin sie sagte, dass Kalladorf wohl auf unserem Wege liegen wird. Dort habe sie eine Freundin, bei der wir gewiss für eine Nacht unterkommen können. Sie werde ihrer Freundin eine SMS schreiben, sobald sie zu Hause angekommen ist. Da haben wir uns gefreut. So einfach kann es sein, einen Schlafplatz zu finden 🙂

2018-06-26T13:37:20+00:00 14.07.2016|Tschechien|Kommentare deaktiviert für 07 | Quer durch Tschechien