10 | Hallo Slowakei

16.07.2017 | Unser Gastgeber Felix von Warmshowers hat es uns absolut nicht leicht gemacht weiter zu fahren. Wir fühlten uns bei ihm und seiner Familie sehr wohl. Warum? Weil wir schon bei unserer Ankunft mit leckerem Essen empfangen wurden, weil wir gleich einen Teil seiner Familie kennen lernen durften, welche alle sehr offen waren,… Wir fühlten uns wie ein Teil des ganzen. An dieser Stelle nochmal ein fettes Dankeschön an die Familie, insbesondere Felix für die absolut unkomplizierte Gastfreundschaft. Als wir uns schließlich von ihm verabschiedeten, nahmen wir uns noch einmal kräftig in die Arme und merkten schnell, es muss ein Wiedersehen geben. Vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit und sie besuchen uns mal an der Küste. Dann habt auch ihr alle die Chance, zu erleben, was wir erlebt haben 😀 Als wir gegen 15 Uhr endlich los fuhren, hatten wir noch ca. 80 km vor uns und noch keine Unterkunft in Bratislava. Wir überlegten noch kurz, eine weitere Nacht bei Felix in Wien zu bleiben. Er hat es uns angeboten. Es war uns nicht leicht dem zu trotzen, aber wir wollen ja auch nicht, dass unser Abenteuer in Wien endet??

Bevor es tatsächlich auf die Piste ging, fuhren wir noch ein paar Kilometer durch Wien. Dabei fuhren wir noch fix zur Post, um ein Paket nach Hause zu schicken. Hierzu nochmal ein kleiner Rückblick. Wir hatten uns am Vortag beim Abendbrot mit der Familie über unser Gepäck unterhalten und dabei für den einen oder anderen Lacher gesorgt. Man muss dazu sagen, fast alle in der Familie haben schon Reisen für mehrere Wochen oder gar Monate mit dem Fahrrad absolviert. Daher konnten sie uns ihre Erfahrungen mit uns teilen und wir haben begonnen, kritisch über unsere Habseligkeiten, welche wir tagtäglich mit uns mitschleppen, nachzudenken. Wohlgemerkt unabhängig voneinander. Erst am nächsten Morgen (gegen 12 Uhr ^^) fingen wir an, offen darüber zu reden. Felix hat uns schnell einen Karton für den Versand bereitgestellt und wir fingen an, alles auf den Kopf zu stellen. Das soll jetzt nicht so rüber kommen, als hätten wir uns nicht vorher damit beschäftigt. Ganz im Gegenteil. Wir haben uns viele Packlisten anderer Weltreisende angeschaut und auch teils angeschrieben. Letztendlich gibt es aber unterschiedliche Vorstellungen von Komfort und somit kein richtig oder falsch. Der eine kommt mit einer Unterhose (welche er links, rechts und vorwärts und rückwärts trägt ^^) aus und der andere hat dann doch lieber drei dabei, während der andere kein Wert auf Technik wie zum Beispiel Fotoapparat legt und der andere wiederum ganz besonders darauf, um die Erinnerungen bestmöglich festzuhalten. Wir kamen am Ende auf jeweils 45 kg Gepäck, was nicht ungewöhnlich ist für eine Reise mit solch einer Dauer und den bevorstehende Klimazonen. Dennoch schauten wir mit unserer jetzt bereits gesammelten Erfahrung, ob wir nicht hier oder da zu sicher gedacht haben. Am Ende kamen wir auf 3 kg zusammen. Immerhin und vom Packvolumen und der Logistik auch nicht zu unterschätzen. Wir waren sehr zufrieden, aber immer noch weit Entfernt von Felix seinem Gewicht. Er hatte bei seiner Einradtour (Link) von Montreal nach Mexiko nur 25 kg dabei (s. Wienaufenthalt) . Gut unsere Tour dauert doppelt so lang und wir fahren statt den 4500 km ca 22000 km, so zumindest die Idee, und das teils durch Gegenden, welche nicht den nordamerikanischen oder europäischen Standard besitzen bzgl Ersatzteile etc. Daher haben wir auch ein bisl Werkzeug und Ersatzteile mehr dabei.

So und jetzt zurück zur Etappe. Als nächstes rollten wir in Wien einen Supermarkt an. Während Tobi uns was zu essen und trinken für den Tag holte, beobachtete ich ein junges Mädchen aus Rumänien. Sie stand vor dem Supermarkt und verkaufte Zeitungen. Mehrere Leute gaben ihr was zu Essen oder Geld. Eine nette Frau gab ihr eine Milchschnitte. Blöd nur, dass sie bei den geparkten Hunden stand, die alle was abhaben wollten. Also gab sie den zwei Hunden was. Genau in diesem Augenblick kam der Besitzer von beiden Hunden, ein junger Mann, raus. Als er bemerkte was sie tat, fing er an sie auszumeckern: „…Wie blöd muss man sein, einem Hund Schokolade zu geben! Das ist Gift für den Hund!…“ Dazu gestikulierte er ohne Pause. Sie tat mir irgendwie leid, weil sie selber nur geteilt hat und es anscheinend einfach nicht besser wusste. Ich ging zu ihr rüber und versuchte ihr auf deutsch und englisch zu erklären, dass sie sich lieber auf die andere Seite des Eingangs stellen sollte, wo nicht der Hundeparkplatz ist. Irgendwie verstand sie mich und sie wechselte die Seite. Sie konnte nur ganz gebrochen deutsch, aber es reichte für eine Unterhaltung. Sie fragte, wo wir mit dem Fahrrad hin wollen. Sie wollte es nicht glauben, als ich die ganze Zeit Australien sagte. Sie glaube etwas misszuverstehen. In der Zwischenzeit kam Tobi mit nem vollen Einkaufssack. Anschließend quatschten wir noch ein Weilchen mit ihr und aßen gemeinsam Frühstück vor dem Supermarkt. Am Ende wünschte sie uns mit einem lieben Lächeln alles Gute.

Jetzt endlich, es war inzwischen 16 Uhr, verließen wir Wien. Die ganze Nacht hatte es gewittert und in strömen geregnet. Für den Tag war erst für abends Regen prognostiziert. Wie gut das wir nicht mehr soweit davon entfernt sind – düdüm 🙂

Somit nahmen wir uns vor ein wenig kräftiger in die Pedalen zu treten. Der Wind war zu unserem Glück absolut auf unserer Seite und wir fuhren ohne große Anstrengungen 25 km/h. Das ist ein neuer Rekord. Leider war der Regen so stark, dass die Donau über die Ufer trat und ganze Radwege darin verschwanden. Wir mussten wieder ein Stückchen zurückfahren und ein Modderweg als Alternative wählen. Mensch das passt ja richtig gut in unseren Zeitplan 😉
Später ging es wieder auf dem gut ausgebauten Donauradweg weiter. Es blieb zum Glück bei dem einen Umweg für die weitere Fahrt.

Wir machten an diesem Tag wenig Pausen und überholten andere Radreisende. Später überquerten wir die Donau und hatten das Ziel schon fast vor Augen. Wir bewältigen ein paar kleinere Anstiege im Ort Hainburg an der Donau und der Himmel hinter uns wurde allmählich dunkler. Der Wind legte auch noch mal an Geschwindigkeit zu. Was für ein Glück das es bis zur Slowakei nur noch 10 km waren und Bratislava direkt hinter der Grenze liegt. Dazu kam noch eine super Straße mit leichtem Gefälle bis zur Grenze und vollem Rückenwind. Wir fuhren einfach mal 35 bis 45 km/h durchweg. Die entgegenkommenden Radfahrer hatten ganz schön zu kämpfen und wir konnten unsere Schadenfreude nicht verstecken.

So da war sie nun, die österreichische-slowakische Grenze. Das vierte Land auf unserer Reise. Wir machten schnell ein Foto und suchten schnell das Weite. Der Regen kam immer näher und wir ganze Kerle wollten ja nicht nass werden 😉

Auf dem Weg in die Stadt Bratislava kamen uns trotz des Wetters viele Radfahrer und Läufer entgegen. Darunter waren sogar zwei Laufgruppen mit vielleicht je 20 Läuferinnen und Läufern. Die sahen alle sehr sportlich aus. Gerade noch rechtzeitig kamen wir in Bratislava an und fanden Schutz unter der Brücke Most SNP, benannt nach dem Slowakischen Nationalaufstand (SNP) 1944.

Wir sahen das als Chance eine Kleinigkeit zu uns zu nehmen und zu schauen, wo wir diese Nacht Unterschlupf finden. Tobi schaute, ob ihm bei Warmshowers jemand geantwortet hat. Leider nur Absagen. Unsere letzte Hoffnung war eine cycle kitchen. Tobi hat tags zuvor eine Antwort bekommen, in der stand, wir sollen dorthin kommen. Da wird wohl für Radreisende gekocht und dabei findet sich bestimmt jemand, der uns aufnimmt. Wir waren frohen Mutes und machten uns auf dem Weg. Inzwischen hat der Wind uns gut durchgepustet und wir wollten schnellstmöglich was warmes zu essen und eine warme Dusche. Blöd war nur die Wegbeschreibung von dem Typen. Wir wurden daraus nicht so richtig schlau. Wir suchten nach einer alten Fußgängerbrücke im Stadtteil Petržalka. Wir fuhren durch ein großes Plattenbauviertel und wurden zunehmend skeptischer, weil dies gar nicht so gut zur Beschreibung passte. Wir fragten uns, ob er eine Brücke übers Wasser oder über die Straße meinte. Wir fanden eine ziemlich heruntergekommende und alte Fußgängerbrücke. Nur von dieser Küche keine Spur. Tobi quatschte einen jungen Passanten an, der super Englisch konnte. Als wir nach einer alten Fußgängerbrücke fragten, fing er an zu lachen und meinte, dass wir hier total verkehrt sind. Jene Brücke befindet sich nur ein kurzes Stück hinter der SNP Brücke. Wie gut das wir auf dem Weg hierher schon vorbeigefahren sind. Wir fragten nach der cycle kitchen und er zuckte mit den Schultern. Wir zeigten ihm die Nachricht mit der Wegbeschreibung und er verstand sie genauso wenig wie wir.

Uns wurde langsam kalt, bekamen Hunger, es war inzwischen schon 21 Uhr und wir sind schon seit über einer Stunde in Bratislava. Wir fuhren den kompletten Weg zurück zur besagten Brücke und fragten sämtliche Passanten. Keiner konnte uns weiterhelfen. Inzwischen sind weitere 45 Minuten vergangenen und es wurde allmählich dunkel. Somit Zeit für eine Entscheidung, ob mitten im Park zelten oder weitersuchen. Vom ersteren wurde uns von den Einheimischen abgeraten. Wir fuhren frustriert in die Innenstadt auf der Suche nach einem Döner zum Reinsetzen und Aufwärmen. Wir hatten die ganze Zeit noch einen Zeltplatz im Kopf, aber irgendwie hatten wir heute darauf keine Lust und es war ja auch schon spät 😉 Kaum in der Stadt angekommen, fanden wir einen Döner nach unseren Vorstellungen inklusiv WiFi. Da wurde nicht lange gefackelt – Döner mit einer türkischen Cola bestellt und nach Hostels gesucht. Inzwischen war es schon 22:30 Uhr und wir fanden zwei günstige Hostels, welche in unsere Preisvorstellung (so günstig wie geht) passte. Das erste gab es einfach mal nicht, aber dafür fuhren wir mitten durch die Partystraße, gefüllt mit Pubs, Clubs und boobie clubs. Unsere Laune stieg wieder 😀

Das zweite Hostel existierte wirklich und wir fanden in einem Vierbettzimmer Platz. Wir haben gleich für zwei Nächte gebucht, als wir gesehen haben, dass um 10 Uhr Check out ist. Damit können wir Mittagskinder nicht umgehen.
Ein kurzer Einwurf zu Mittagskinder. Auf Arbeit hatte ich das Glück Gleitzeit zu haben. Daher bin ich statt um 07:00 Uhr manchmal (oder auch öfter) erst 07:10 Uhr (oder vielleicht auch später) auf Arbeit erschienen. Somit wurde mir von einigen Kollegen anstelle von „Moin“ mit „Mahlzeit“ nach einem kräftigen Händedruck auf mein „moin“ geantwortet 😀 Und jetzt klingelt unser Wecker, wenn wir uns überhaupt einen stellen, erst gegen 08:00 Uhr (oder auch später ^^) Fazit: RobTob = Nachmittagskinder ^^

In dem Vierbettzimmer waren noch ein Deutscher und ein Mexikaner. Von dem Deutschen haben wir nicht viel mitbekommen, da er wohl gerade auf Party war und als wir am nächsten Morgen aufgewacht sind, war dieser schon wieder aus dem Haus. Die Mittagskinder haben halt bis 10:30 Uhr durchgeschlafen 😉
Den Mexikaner hat Tobi gleich nach betreten des Raumes angesprochen: Hey guy. How are you? My name is Tobi. Where do you come from?…. Der Mexikaner lächelte und ging sofort auf das Gespräch ein. So quatschen wir erst einmal eine Runde und die heiß ersehnte Dusche war auf einmal zweitrangig. Schon witzig, wie schnell sich sowas ändert. Den Namen haben wir vergessen, aber er macht gerade eine viermonatige Reise quer durch Europa.
Nach dem Gespräch folgte die Dusche und dann das Bett.

2018-06-23T16:30:32+00:00 19.07.2016|Slowakei|0 Kommentare