11 | Bratislava

17./18.07.2016 | Der Tag begann wie schon oft auf unserer Reise mit zusammengekauften Frühstück aus dem Supermarkt. Aber bevor wir unsere Leckereien verspeisten, suchten wir uns ein Plätzchen in der Altstadt von Bratislava. Mit Blick auf das Michaelertor, das einzig erhalten gebliebene Tor der mittelalterlichen Stadtbefestigung von Bratislava, füllten wir unsere hungrigen Mägen und beobachteten das bunte Treiben in der Altstadt. Tagsüber lädt die Altstadt zum Bummeln, Flanieren und Shoppen ein, aber zum Abend hin verwandelt sie sich in ein Partymekka. Jugendliche und ‚Twentysomethings‘, vorwiegend aus Westeuropa, kommen hier her, um preiswert die Sau rauszulassen.

Direkt im Tordurchgang ist ein Bronzering mit Entfernungsangaben zu anderen bedeutenden Städten in den Boden eingefasst. So wurden bspw. auch die Distanzen nach Istanbul und Sydney angezeigt, was bei uns dazu führte, dass wir mit einem freudigen Strahlen sagten „Ey Digger, schau mal, da geht es auch noch hin! Geil!!“ 🙂

Wir streiften durch die kleinen Straßen der Altstadt. Links und rechts passierten wir zahlreiche Restaurants und Cafés. Wir entschlossen uns, dem Wahrzeichen der Stadt an der Donau einen Besuch abzustatten. Die Burg, thront auf einem ca. 85m hohen Felsen wahrlich majestätisch. Steile Treppen und Wege ließen unsere Lungen etwas pumpen, aber die kleine Anstrengung hat sich gelohnt. Denn von der Burg hatten wir einen wunderbaren Ausblick über Bratislava. Vor uns die Donau, die Altstadt und die weiten Neubausiedlungen auf der anderen Seite der Donau. Der Mexikaner vom Vortag hatte uns empfohlen, vom Ufo auf der ‚Novy Most‘ (Neue Brücke) den Ausblick zu genießen, aber wir fanden diesen schon ganz fetzig. Wir wollten eine kleine Pause machen und suchten uns dafür ein geeignetes Plätzchen. Es sollte ein Teil der Burgmauer sein, welcher schon ganz gut von der Sonne erwärmt war. Eigentlich wollten wir nur ein kleines Päuschen machen, aber wir sind dann doch für eine Stunde weg geratzt und lagen wie Geckos in der Sonne. Das Aufstehen fiel dann etwas schwerfällig. Als wir uns auf den Heimweg machten, durchquerten wir noch einen Stadtpark mit allerfeinsten Sozialismuscharme.

Unterwegs zum Hostel habe ich schon Witze gemacht, ob wir vielleicht zwei Mädels in unserem 4-Bettzimmer willkommen heißen können 😀 Aber stattdessen begrüßten wir Aswo, einen 35-jährigen Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen aus Schweden. Ich quatschte ihn gleich an, verabschiedete mich aber kurze Zeit später wieder, um dem heißgeliebten Ort der Erleichterung einen Besuch abzustatten und ließ Robert mit Aswo allein…hehe.

Robert und Aswo kamen fix ins Gespräch. Es stellte sich schnell heraus, dass Aswo ein ganz sympathischer Kerl ist und er das erste Mal in einem Hostel übernachtet. Auweia, und das dann auch noch mit uns beiden Lappen in einem Zimmer, armer Kerl 😀 Robert und ich fanden es recht amüsant, dass ein Professor in einem Hostel übernachtet und konnten mit ihm gemeinsam darüber lachen. Er konnte mit uns Lappen ganz gut umgehen und war froh, nicht in irgendeinem Hotel gelandet zu sein. Da Aswo sich noch die Innenstadt anschauen und wir erst einmal ruhen wollten, verabredeten wir uns für später in der City auf ein paar Bierchen. Wir haben fix die Handynummern ausgetauscht, um später den Treffpunkt auszumachen. Die Zeit nutzten wir, um ein kleines Nickerchen zu machen und den Blog zu pflegen.

Die Zeit schritt voran und mittlerweile hatte sich die Dunkelheit über Bratislava gelegt. Aswo schrieb und fragte, wo wir uns denn treffen wollen. Wir antworteten „Vor dem Boobies-Club in der Obchodna-Straße, nicht das wir da rein wollen, aber ist an einer markanten Stelle“ 😀 Gesagt, getan und dann ging es erst einmal Essen fassen. Leider nicht in eins der zahlreichen vielversprechenden Restaurants oder Bars, sondern zum Döner neben dem Boobies-Club. Unser Gegenüber war ein recht amüsanter Herr aus Albanien, der eine flotte Zunge und dementsprechend viele lockere Sprüche parat hatte. Mit ein paar herzhaften Lachern fiel das Warten auf den Döner gleich viel leichter. Vielleicht werden nach unserer Reise einen World-Döner-Guide herausbringen 😀

Nach dem Abendessen ging es in den ‚Slovak Pub‘ in der gleichen Straße. Aswo hatte diesen bereits schon ausgekundschaftet. Obwohl sich dieser im touristischen Hotspot befindet, waren hier nur Einheimische am Start, was wir drei aber so ganz cool fanden 😉 Robert und Aswo bestellten sich gleich jeweils ein großes Bier, ich eine Cola und schon waren die Zungen gelockert. Aswo, der kleine Romantiker, hat vier Jahre an einer Frau ‚gearbeitet‘, um mit ihr zusammen zu kommen. In seinem Fall sollte sein Durchhaltevermögen belohnt werden. Wünschen wir ihm mal alles Gute^^ Aswo erzählte uns auch von seinen kurdischen Wurzeln, was für Robert und mich ganz interessant war und wir auch viel für uns Neues über die Kurdistanthematik erfahren haben. Die meiste Zeit haben wir aber rumgealbert und viel gelacht. Nach seinem Bratislavaaufenthalt wollte er weiter nach Budapest, wo wir auch hinwollten. Zufällig überschnitten sich auch unsere Aufenthalte, weshalb wir sagten, in Budapest gehen wir dann abends auch noch einmal weg. Nach jeweils zwei weiteren mehr oder weniger starken Bieren für die Herren, ließen die Kräfte uns so langsam im Stich und in Anbetracht des frühen Checkouts machten wir uns zurück ins Hostel. Aswo war ein wenig lauffaul, weshalb er für uns ein Taxi orderte. Die Taxifahrt erinnerte ein bisschen an jene aus der französischen Filmreihe „Taxi“, kotzen musste aber keiner 😀 Kaum im Zimmer angekommen, lagen alle flach in ihren Betten. Ich blickte runter zu Robert, sah dabei auch noch Aswo auf sein Handy starren. Sekunden später hörten wir ein Schnarchen, was nach und nach zu einem wahren Orchester anschwoll. Man hätte meinen können, eine Schar von besoffenen Piraten aus dem Roman „Die Schatzinsel“ läge um uns rum, Flaschen voller Rum und Violinen in den Händen. Aber es war nur Aswo. Mein lieber Scholli, konnte der schnarchen! 😀 Robert und ich mussten erst einmal laut lachen, was aber unseren schwedischen Professor beileibe nicht störte…haha.

Am nächsten Morgen mussten wir leider schon um 10 Uhr aus dem Hostel sein. Dies war natürlich eine Gräueltat für uns beide, da wir Langschläfer sind 😀 Um Aswo nicht zu stören, nahmen wir all unsere Sachen auf den Flur und packten dort unsere sieben Sachen zusammen. Dann ging es ab zum Partnerhostel, in dessen Keller wir unsere Drahtesel abgestellt haben. Dabei erwischten wir jedoch unglücklicherweise die Zimmerdamen beim Umziehen…muahaha! Die Fahrräder wurden geschnappt und beladen. Danach ging es zum Supermarkt, wo für das Wochenende eingekauft wurde. Kekse, Eintöpfe, Gemüse, Schoki, Brot, Wasser, Müsliriegel und natürlich etwas Schokolade. Bepackt wie Andenesel ging es gen Budapest. Das allerdings auch erst gegen 13 Uhr. Ob wir das nochmal früher hinbekommen werden, wer weiß 😀

2018-06-26T13:34:41+00:00 23.07.2016|Slowakei|0 Kommentare