14 | Auf in den ungarischen Süden

31.07. – 03.08.2016 | So haben wir es doch tatsächlich geschafft uns von Budapest zu verabschieden 😉 Ein kurzer Rückblick. In unserem Budapest-Beitrag wollten wir schon am Samstag auf dem Weg nach Belgrad sein. An jenem Morgen des besagten Tages saßen wir wieder gemeinsam mit unserer Gastgeberin Edina am Frühstückstisch und sie erzählte, dass sie sich abends mit Kris aus Belgien, Maria aus Schweden und ihrer Freundin Katus treffen will. Wir horchten ganz aufmerksam und sie könnte für ihre Freundin und uns was leckeres zu Essen machen. Wir schauten uns an und dachten „ach scheiß drauf, dann fahren wir halt morgen“. Zudem hatten wir so noch Zeit den Budapest-Beitrag zu veröffentlichen. War somit eine Win-Win Situation für alle 😉 Wir hatten uns dafür vorgenommen, den Tag nicht zu doll zu feiern. Schon Wahnsinn, da waren wir schon fast zwei Wochen in Budapest. Wir fühlten uns wie Einheimische. Tobi empfand das Zusammenleben als eine WG, in der Edina immer gekocht hat. Es soll jetzt nicht der Eindruck entstehen, dass wir dies schamlos ausgenutzt haben. Wir wollten gerne mal selber kochen, als ein Zeichen des Dankes. Aber das wurde stets abgelehnt. So durften wir stets genießen. Bis auf abwaschen und mal einkaufen, ging unsere Beteiligung gegen null. Ob das für sie so gut kommt, wenn wir das so in die Bewertung bei Warmshowers reinschreiben? Dann kommen ja nur noch solche Lappen wie wir. Schauen wir mal, da fällt uns bestimmt noch eine schöne Umschreibung ein 😉

Abends waren wir dann tatsächlich nicht so lange auf der Piste. Mit Maria aus Schweden hatten wir noch eine witzige Diskussion. In Budapest laufen sehr viele Superhelden rum – Shirts von Captain America und Batman waren am beliebtesten. So sahen wir auch abends Superhelden und fragten Maria die Schwedin, wie Batman auf schwedisch heißt. Sie wusste es nicht und wir erzählten ihr den schwedischen Namen von Batman. Kennt ihr die schwedische Bezeichnung für Batman? Tobi und ich waren beide der Meinung, dass Läderlappen der schwedische Name sei. Chris konnte nicht mehr vor Lachen. Maria wollte das nicht glauben, aber wir konnten sie überzeugen, kommen ja schließlich aus Deutschland und die Regel Nummer eins: die deutschen haben immer recht… War wieder ein sehr geiler Abend. Vor allem mit Chris aus Belgien wurde es nie langweilig. Nach dem Vorglühen in einem Art Biergarten haben wir uns verabschiedet und gingen in Richtung Heia. Es viel mir wirklich nicht leicht, aber unsere… was machen mir nochmal… Weltreise nach Australien oder so, sollte doch noch zumindest im Ansatz eine werden. Also gar nicht lang überlegen und tschüss. Auf dem Weg konnten wir einem Döner nicht widerstehen. Wir sollten ein Dönerguide nach unserer Reise herausbringen 😀

Am nächsten Morgen lagen wir bis 12 Uhr im Bett. Wir gingen ein letztes Mal zum Markt und verabschiedeten uns von unseren Lieblingsständen. Die haben ein tatsächlich schon erkannt und uns mit einem Lächeln begrüßt. Wir wollen hier nicht weg. Außer den üblichen Fressalien kauften wir für Edina einen Blumenstrauß und ihre Lieblingsschokolade. Auf dem Weg nach Hause machten wir noch ein paar Scherze, von wegen wir könnten ja auch morgen abfahren. Aber so ganz fern war und der Gedanke beiden nicht. 14 Uhr fingen wir an zu frühstücken. Um 15 Uhr fing Edina an, die nächste Mahlzeit vorzubereiten. Es war noch ihre Freundin Kata und ein Freund zu Besuch. Alle haben über Nacht bei ihr geschlafen. Wir konnten dem nicht widerstehen und so fingen wir gegen 16:30 Uhr wieder an, mit essen und es war lecker. Ich hatte mich wie bereits in Wien von ein paar Habseligkeiten verabschiedet (2 Töpfe und 2 Pfannen). Immerhin 400 g Gewicht wieder eingespart.

Gleich nach dem Essen machten wir uns auf, unsere Fahrräder zu beladen. Wir mussten kämpfen nicht noch einen Tag länger zu bleiben. Gegen 18 Uhr haben wir es endlich geschafft. Die Drahtesel waren beladen und alle drei standen unten. Wir verabschiedeten uns von allen ganz herzlich, vor allem von Edina. Da sie überhaupt keinen Wert auf materielle Dinge legt, haben wir sie zu uns nach Hause eingeladen. Darüber hat sie sich gefreut 🙂 Von ihrer Freundin hatten wir schon das dritte Mal verabschiedet ^^

Es war nun schon 18:05 Uhr und wir fingen jetzt erst an in die Pedale zu treten – neuer Rekord. Für den Tag haben wir uns nur 40 km vorgenommen. Noch war das Wetter aber ein Traum. Tobi hatte schon mal vorsichtig in die Wettervorhersage geschaut und demnach werden Gewitter erwartet. Das Ganze soll 6 Stunden anhalten. Aber zum Glück erst in der Nacht. Während wir Budapest allmählich hinter uns ließen, sahen wir schon die ersten Wolken am Horizont, die finster waren. Die erste halbe Stunde haben wir wenig gesprochen. Jeder musste für sich auf Wiedersehen sagen und wieder auf die neue und alte Lebensgewohnheit einstellen – Schlafplatz finden, um Verpflegung kümmern, neue Gegenden neue Kontakte…

Teils fuhren wir durch seltsame Wohngebiete. Wir fühlten uns jedenfalls nicht so sicher. Hier und da standen eine Gruppe von Männern, die böse guckten. Einer dieser Gruppen fuhr mit ihrem Auto an uns vorbei und laberten irgendwas zu uns. Wir Antworten ‚halt dein Maul‘ und schauten dabei so, als wenn wir denen ‚Hallo‘ gesagt hätten. Nein kleiner Scherz. Aber wir hatten schon öfters darüber nachgedacht, wenn einer einem unsympathisch ist, einfach so was zu sagen und dabei ganz lieb lächeln. Das ist gar nicht so einfach, versucht das mal!

Als wir uns wieder sicherer fühlten, fingen wir an nach einem Schlafplatz zu suchen. Zum Glück fanden wir schnell eine kleine Lichtung im Wald, wo wir unsere Zelte aufschlagen konnten. Die Dämmerung war inzwischen schon über uns und der Himmel am Horizont regelrecht am Flackern durch die Blitze. Nach dem wir die Zelte aufgebaut hatten, verspeisten wir die Leckerbissen, welche uns Edina mit auf dem Weg gegeben hat. Einfach zu gut diese Frau. Wir schauten uns die schnell näherkommenden Gewitterwolken an. War sehr beeindruckend. Tobi verkrümelte sich in sein sicheres Zelt und ich machte noch fix ein paar Fotos. Die Fotos geben leider nicht die wahre Pracht der Blitze wieder.

Im Zelt war es immer wieder für einen kurzen Moment taghell, gefolgt von einem Donner, der einen schon zum Nachdenken bringt ‚bin ich hier wirklich sicher‘. Dazu kam teils starker Regen. Es wurde ziemlich laut im Zelt. Ich war so fasziniert, dass ich noch bis 2 Uhr nachts der Show lauschte (nebenbei habe ich genau diese Zeilen für den Blog geschrieben). Man muss sich das so vorstellen: War ein Gewitter vorbeigezogen, folgte das nächste. Und immer wieder dachte ich, noch heftiger geht es nicht, bis das nächste Gewitter über unseren Köpfen tobte. Ich fühlte mich sicher und genoss es B-)

Am nächsten Morgen war unser Zelt wieder trocken. An diesem Tage hatten wir uns 60 km vorgenommen. Somit hätten wir am nächsten Tag 80 km vor uns, um Szekszárd zu erreichen, unsere letzte Raststadt vor Belgrad. Dort ‚planen‘ wir zwei Nächte Aufenthalt.

Am Ende des Tages sind wir in Dunavesce gelandet. Ein kleiner beschaulicher Ort an der Donau. Wir hatten Hunger, kein Geld und waren auf der Suche nach einem Geldautomaten. Wir haben schon über Umwege versucht in zwei vorherigen Orten einen zu finden, jedoch vergeblich. Nun hatten wir einen und suchten uns die nächstbestmögliche Gelegenheit unsere Mägen zu füllen. Wie gut das da eine Hamburger-/Eisbude keine 100 m weiter war. Die Straßen waren regelrecht belebt von jungen und alten Menschen. Wir fühlten uns sofort wohl. Dazu das traumhafte Wetter (30 Grad und Sonne). Wir bestellten uns jeweils einen Hotdog, zwei Cheeseburger und eine Cola. Der Mann hinter der Theke fing erst einmal an zu lachen. Wir erklärten ihm, dass wir wirklich sehr hungrig seien. Es war sehr lecker, auch wenn er nicht an den Janburger aus Rostock herankommt 😉 Die Familie von dem ‚Mann hinter der Theke‘ war auch anwesend und schaute uns ganz gespannt beim Essen zu. Als wir fertig waren, haben wir uns gleich noch ein Eis gegönnt. Nun fing auch seine Familie an zu lachen und wir kamen ins Gespräch. Die Leute konnten gut Englisch. Die Frau ist sogar des Öfteren in Leipzig bei Bekannten. Nach 15 Minuten verabschiedeten wir uns und die Herrschaften haben uns eine Unterkunft im Kanuklub besorgt – Geil. Abends haben wir mal genüsslich einen Film geschaut, wobei wir genüsslich unser Hirn abschalten konnten und gut gelacht haben (Bang Boom Bang). Dazu gab es noch eine Tüte Flips 😀

Wie gut das wir mit der Dame vom Kanuclub den Checkout von um 10:00 Uhr vereinbart haben. Ursprünglich wollte sie uns schon um 07:00 Uhr den Schlüssel wiederhaben. Da blieben wir Mittagskinder aber hartnäckig ^^

Gegen 10:30 Uhr verließen wir den Verein und steuerten gleich die nächste Kaufhalle in dem Ort an. Dort wurde erst einmal wieder der Magen mit Nahrung gefüllt. Wir ließen uns auch wieder gut Zeit, sodas eine gute Stunde wieder ins Land ging :D.

Diesen Tag wollten wir mal ein wenig schneller vorwärtskommen. Dafür zogen wir diesen Tag befestigte Straßen vor, was uns nicht immer gelang. Hat leider auch den Nachteil, dass man meist auf mehr bis stark befahrenen Straßen unterwegs ist.

Die Sonne gab an diesem Tag wirklich ihr bestes, dennoch kamen wir super vorwärts. Wir leerten eine Flasche Wasser nach der anderen. Am Ende des Tages hat jeder von uns um die 7 Liter Flüssigkeit verschlungen und ausgeschwitzt.

Gegen 15:00 erreichten wir die Donau und wollten mit der Fähre ans andere Ufer nach Gerjen übersetzen. Auf der Suche nach der Fähre fuhr ein Polizeiwagen an uns vorbei und grüßte freundlich. Wir erwiderten dies. Als wir die Anlegestelle gefunden hatten, sahen wir, dass die Fähre gerade auf der anderen Seite war. Wir schauten uns um und sahen Gelegenheiten wieder Nahrung aufzunehmen. Als Erstes steuerten wir eine kleine Bar neben dem Fähranleger an und fragten nach Essen. Die Frau hinterm Tresen sprach sehr gut deutsch. Leider hatte sie kein Essen für uns, konnte uns aber sagen, wo wir was bekommen. Gleichzeitig erfuhren wir noch, dass die Fähre aufgrund eines Motorenschadens für unbestimmte Zeit außer Betrieb ist. Wir dachten nur ‚Düdüm‘.

Wir gingen erst einmal essen fassen und bestellten uns Schnitzel mit Pommes und arbeiteten einen neuen Schlachtplan aus. Szekszárd war nun nicht mehr unser Ziel, sondern Baja. Dafür mussten wir noch 41 km anstatt 16 km fahren. Unsere Beine fühlten sich noch gut an und unsere Mägen waren wieder gut gefüllt 🙂 Zudem sparen wir eine Tagesetappe damit ein.

Als wir uns auf die Fahrräder schwingen wollten, kam ein kleiner, alter Opa auf uns zu uns fing auf ungarisch an mit uns zu reden. Wir signalisierten ihm, dass wir ihn nicht verstehen können und er begriff schnell, dass wir Deutsche sind. Dann fing er an ein Liedchen zu singen: „Fuchs, du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her! …“ Wir sangen glücklich und freudestrahlend mit. Wir konnten nicht mehr vor Lachen 😀

Dazu eine kleine Vorgeschichte. Seit der zweiten oder dritten Woche unserer Reise singen wir permanent das Lied und gingen uns damit schon regelrecht gegenseitig auf den Sack. Nun kam der Opa und tat dasselbe – GEIL 😀

Danach ging es nun weiter entlang der Donau in Richtung Baja.

In Baja angekommen staunten wir nicht schlecht. Ein wirklich kleines, schickes Örtchen mit kleinem süßen belebten Boulevard und einen netten Strand direkt an der Donau. Hier lässt es sich aushalten für zwei Nächte.

Wir machten uns auf die Suche nach einer Unterkunft. Dazu sprachen wir einen Passanten auf Englisch an und er antwortete uns auf Deutsch. Seinem Hinweis folgten wir und landeten am Ende in einem Hostel keine 200 m weiter. Der Mann vom Hostel antwortete auf unsere Fragen, ob denn noch ein Zimmer frei sei, ebenfalls mit Deutsch. Wir fragten ihn, ob es normal sei, dass hier so viel Leute deutsch sprechen. Daraufhin erklärte er, dass seine vorfahren aus Deutschland kommen und viele Schulen ganze Fächer auf Deutsch unterrichten. Wir staunten nicht schlecht und fragten nach seinen Vorfahren. Dabei kam raus, das er mit Vorfahren, Vorfahren aus, dem 17 Jahrhundert meint. Tobi und ich schauten uns an, ob wir das gerade richtig verstanden haben. Wir hätten vielleicht 1950 oder so erwartet, aber doch nicht das 17 Jahrhundert und das die deutsche Sprache, aufgrund dessen bis heute Einfluss hat. Tobi wusste dann auch, welche Vorfahren er meinte, nämlich die Donauschwaben.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, sind wir noch ein bisl durch den Ort spaziert. Der Mann vom Hostel hatte uns ein paar Tipps gegeben, wo – dreimal dürft ihr raten – was leckeres zu essen kriegen. Unsere Wahl fiel auf einen kleinen Pizzaladen. Die Jungs hinterm Tresen waren mehr mit sich selbst beschäftigt. Das war ganz gut für uns, weil sie uns einfach mal nur die Getränke in Rechnung gestellt haben und nicht die Pizza. So haben wir einfach mal 6 € für zwei Pizzen mit 38 cm Durchmesser und vier mal Cola bezahlt – GEIL.

Auf dem Rückweg vielen uns sehr viele extrem sportliche Typen auf, teils in Uniform. Später erfuhren wir im Hostel, dass es sich um Grenzpolizisten und -soldaten handelt. Die ranten alle wie die Ritter/Superhelden der Neuzeit durch den Ort. Das letzte Jahr soll diese grenznahe Region extreme Probleme mit Flüchtlingen gehabt haben. Da war sie nun, unsere erste Begegnung zu diesem Thema. Nicht weit von uns befindet sich der häufig in den Medien erwähnte Grenzzaun zu Serbien, unser nächstes Land auf unserer Route. Wir sind Mal gespannt, was uns noch erwartet.

Zum nächsten Tag gibt es nicht viel zu sagen. Wir haben schön ausgeschlafen, die ‚Stadt‘ angeschaut, lagen für drei Stunden am Wasser und haben uns des Öfteren darin abgekühlt. Hübscher Ort kann man nur sagen 😉

2018-06-26T13:31:44+00:00 09.08.2016|Ungarn|0 Kommentare