30 | Spontanausflug nach Sithonia – Warum nicht!?

03.10. – 07.10.2016 | In der griechischen Mythologie waren die Sirenen Fabelwesen, entweder halb Frau, halb Vogel oder halb Frau, halb Fisch. Sie lebten auf einer Insel. Ihre betörenden Gesänge waren berühmt-berüchtigt, versuchten sie doch mit ihren verführenden Stimmen vorbeifahrende Seemänner zu sich zu locken, um diese anschließend zu verspeisen. Odysseus, der berühmteste unter den griechischen Seefahrern, war gewarnt. Um nicht das Leben seiner Männer und auch nicht sein eigenes zu gefährden, aber gleichzeitig doch aus Neugier dem berührenden Gesang der Sirenen zu lauschen, ließ er sich von seiner Besatzung an einen Mast binden. Die Ohren der Matrosen wurden mit Wachs verschlossen, wodurch die Schiffsmannschaft es schaffte, die Sireneninsel gefahrlos zu umsegeln.

Als wir an einem Tag auf den Sofas in Natasas Wohnung rumschimmelten, glitt mein Blick durch das Wohnzimmer und blieb an einem Stapel von Magazinen hängen. Ich blätterte die Magazine der Reihe nach durch, als ich auf einmal Bilder sah, welche mich fesselten und zugegebenermaßen etwas überspitzt formuliert, betörend auf mich wirkten; ähnlich wie die Stimmen der Sirenen auf die Seefahrer. Offensichtlich leben wir aber noch. Ich zeigte Robert die Bilder und fragte salopp, was er von der dargstellten Landschaft hält und ob wir nicht einfach mal da langfahren wollen. Nun fragt Ihr euch vielleicht, welcher Landstrich Griechenlands uns denn mittels der Fotografien so sehr in den Bann zog, dass wir prompt ‚ja‘ sagten, ‚warum nicht!? Sieht geil aus!‘ Nun gut, hier kommt die Auflösung: Wir sahen Bilder von Sithonia, dem mittleren ‚Finger‘ der Halbinsel Chalkidiki. Atemberaubende Strände, türkisfarbenes Wasser, weiße Strände und versteckte Buchten sowie satte grünleuchtende Nadelwälder. So kam es, dass wir nicht auf dem kürzesten Wege von Thessaloniki nach Asprovalta fuhren, sondern voller Vorfreude einen Umweg von ca. 250 km machten bzw. in Kauf nahmen.

Thessaloniki ließen wir nun langsam hinter uns und fuhren gen Süden auf die an den Dreizack des Poseidons erinnernde Halbinsel Chalkidiki. Weite Landstriche sind hier durch Olivenhaine geprägt, man könnte meinen, man sei hier in einer der großen, prallgefüllten Olivenkammern Griechenlands gelandet. Für Robert, dem Olivenfan, ein wahres Paradies.

Thessaloniki ließen wir nun langsam hinter uns und fuhren gen Süden auf die an den Dreizack des Poseidons erinnernde Halbinsel Chalkidiki. Weite Landstriche sind hier durch Olivenhaine geprägt, man könnte meinen, man sei hier in einer der großen, prallgefüllten Olivenkammern Griechenlands gelandet. Für Robert, dem Olivenfan, ein wahres Paradies.

Je weiter der Tag voran schritt, desto mehr waren wir darauf bedacht, bald einen Schlafplatz zu finden. So hatten wir uns für einen Campingplatz unweit von Nea Kallikratia entschieden. Dieser hatte aber geschlossen, sodass wir prompt unsere Zelte auf der Rasenfläche direkt vor dem Campingplatz aufstellten, rund 20 m vom Meer / Strand entfernt mit einem wunderbaren Ausblick. Besser geht nicht! Hier streunerten zwar auch ein paar wilde Hunde umher, aber inzwischen konnten wir die ‚Problematik‘ ganz gut handeln. In Thessaloniki meinte Natasas Vater zu uns, dass, wenn ein Hund auf uns zu oder uns hinterher läuft, wir einfach stehen bleiben sollen und ihn ggf. laut anbrüllen sollen. Ich erinnerte mich schwach, dass mein Opa ähnliches mal sagte und dass wir im Green Garden Hostel in Shkodra (Albanien) auch mit anderen Radreisenden darüber sprachen. Jeff und Kathrien hatten in Rumänien bereits vergleichbare Erfahrungen wie wir gemacht, aber dann auch oben besagte Verhaltensweise berücksichtigt und siehe da, es klappte! Wir scherzten darüber, dass man sich ja erst einmal überwinden müsse, stehen zu bleiben, wenn dir ein großer, laut bellender Hund hinterher jagt. Denn in so einem Moment willste nur so schnell wie möglich weg. Später, in Griechenland und in der Türkei, sollten wir uns noch oft mit angreifenden Hunden konfrontiert sehen, hielten dann aber sofort an, stellten uns hinter unsere Räder und wenn es die Umstände dann noch erforderten, brüllten wir die Hunde laut an und in letzter Konsequenz mussten wir hin und wieder Steine werfen.

Es war bereits dunkel, der Mond schien am Firmament und sein Licht schimmerte über die kleinen, sanften Wellen des Meeres. Leichte Brisen ließen die Palmenblätter tänzeln, Salz lag in der Luft und das Rauschen der schier unendlichen Wassermassen war die einzige zu vernehmende Lautmalerei der Nacht. Unweit von uns stand zwischen Palmen, Straße und Meer, ein Auto, die Scheinwerfer seit Minuten angeschaltet. Wir fragten uns, warum dem so war. Nach einer Weile kam ein zweites Auto die Straße entlang und stoppte neben dem anderen. Einen Moment lang schien sich nichts zu bewegen, so wie in typischen Szenen von Actionfilmen, kurz bevor eine Geldübergabe zwischen Schiffscontainern auf einem abgelegenen Hafenareal stattfand. Im Licht der Straßenlaterne stieg eine Frau aus dem einem Auto, ein Mann aus dem anderen. Wir beobachteten die Szene, während wir Bananen aßen. Keine Ahnung, ob sie von unserer Existenz wussten. Sie umarmten sich herzlich und gingen zum Strand und verschwanden im Dunkeln der Nacht. Allein ihre Silhouetten konnte man grob erkennen. Was waren sie? Liebende der Nacht? Ausreißer aus eingefahrenen Beziehungen, die längst keine mehr waren, auf der Suche nach dem Thrill vergangener Tage? Kann er sich glücklich schätzen, anders als der Typ aus Bruce Springsteens legendären Hit ‚I’m on fire‘? Wir packten unsere Wechselsachen und rannten unweit der beiden nackt ins Meer, um eine Dusche zu nehmen. Danach ging es in den Ort Nea Kallikratia, Essen fassen.

Sithonia, deren Name von dem Namen eines Sohnes des Gottes Poseidon abgeleitet sein soll, ist ein kleines Naturparadies! Der charmante Mittelfinger wird von einem Gebirgszug durchzogen, dessen höchste Erhebung der Berg Itamos mit 811 m ist. Weite Teile der Halbinsel sind durch satte grüne und leuchtende Nadelwälder, v.a. Aleppo- Kiefern, bedeckt, welche den oftmals grauen Himmel stark kontrastieren. Die Küste Sithonias ist sehr abwechslungsreich, überwiegend fällt sie steil ins kristallklare türkisfarbene Wasser ab, unterbrochen wird sie von zahlreichen traumhaften Sandstränden und Buchten (meine Fresse, es war echt schwierig sich für diese oder jene zu entscheiden!^^), manche sind schwer zugänglich, manche wiederum sehr leicht. Die Halbinsel ist nur spärlich besiedelt, kleine und größere Dörfer wie Sarti, Toroni, Vourvourou oder Kalamitsi, idyllische und ehemalige Fischersiedlungen und -häfen wie Porto Koufo, die größte Siedlung Neos Marmaras zählt ca. 3.000 Einwohner, zieren hier und da die Küste. Im Gegensatz zum linken Finger der Chalkidiki, die Halbinsel Kassandra, welche stark durch Tourismus und Landwirtschaft geprägt ist, besticht Sithonia durch ein raues und wildes Landschaftsbild von herber Schönheit. Das bergige Innere der Halbinsel ist nahezu unbesiedelt und lädt hervorragend zum Wandern und Mountainbiken ein. Entlang der Küstenlinie verläuft eine gut ausgebaute Ringstraße, auf welcher wir Sithonia umradelten. Als wir Mazedonien hinter uns gelassen haben, dachten wir „endlich Sonne, Meer und Flachland!“ Bis auf die ersten beiden Pusteblume! Schon entlang der Westküste ging es gut auf und ab, damit haben wir beide überhaupt nicht gerechnet! Die Ostküste sollte noch einmal einen draufsetzen! Je mehr wir die Halbinsel erradelten, desto mehr flachsten wir rum, dass wir in Griechenland unseren Höhenmeterrekord aus Bosnien-Herzegowina brechen werden.

Wir campten zwei Nächte auf einem tollen Campingplatz ca. zehn Kilometer südlich von Neas Marmaras. Es war ein echt schöner Platz zum Verweilen, sodass wir spontan entschieden, anstatt eine Nacht zwei Nächte hier zu bleiben. Die Saison war auf Sithonia schon vorbei, viele Ortschaften glichen Geisterstädten, Einheimische waren eher kaum zu sehen, die Autos, die wir auf den Straßen sahen, waren Leihwagen von Touristen. Robert und ich waren ganz froh darüber, dass wir außerhalb der Phase der Hochsaison den Finger bereisen konnten. Der Campingplatz war schon ordentlich geleert. Die, die noch hier waren, waren quasi Stammcamper, welche jedes Jahr hierher kommen und schon auf du und du mit den deutschsprechenden griechischen Campingplatzbetreibern sind. Viele dieser waren Deutsche, Österreicher und Schweizer. Amüsante Abende verbrachten wir mit Klaus-Günther, wir nannten ihn nur KG (KäyDjii). Er war Mitte / Ende 60, besucht diesen Platz seit vielen vielen Jahren, um hier zu entspannen, zu schnorcheln und zu schwimmen. Er erzählte uns Geschichten aus seiner früheren Zeit, wo wir oft schmunzeln mussten.

Ein anderes Mal campten wir wild am Achlada Beach bei Sarti. Eine Verkäuferin gab uns den Tipp, dort unser Glück zu versuchen. Und wir müssen sagen, feine Sache! Ich will nicht lange drumrum reden, stattdessen lieber Bilder sprechen lassen 😉

Als wir dort entspannt campten und unsere Sachen auf der Leine im Baum trockneten, sagten wir, dass es absolut richtig war auf Gutdünken hierher zu fahren. Das ist das geile, wenn man keinen wirklichen Plan beim Reisen hat, weil dies einem erlaubt, stets flexibel und offen für Begegnungen, Himmelsrichtungen und Reiseverläufe zu sein. Als ich 2014 das erste Mal in Bosnien war, habe ich mir nur für die ersten drei Tage ein Bett in einem Hostel in Sarajevo gebucht. Vor Ort habe ich dann spontan entschieden, was ich mache bzw. wo ich hinfahre. Einheimische und andere Reisende sind neben dem world wide web die besten Inspirations- und Ideengeber. Robert und ich können nur sagen, probiert es ruhig selber mal aus! Lohnt sich auf jeden Fall! Nachdem wir Sithonia verlassen hatten, kamen wir in Pyrgadikia an, wo wir eine Nacht verbrachten. Kleines Geisterstädtchen mit einem netten Hafen.

2018-11-04T13:59:02+00:00 24.10.2016|Griechenland|0 Kommentare