35 | Im Iran

16.11. – 22.11.206 | Nur noch ein paar Meter und wir sollten uns im Iran befinden. Ein Land, welches früher mal Persien hieß. Ein Land mit einem ebenso klangvollen Namen und einer etwa 2.500 Jahren langen und reichen Geschichte. Ein Land, mit welchem Begeisterung und Bewunderung, Erschrockenheit und Grauen gleichermaßen assoziiert wird. Ein Land der Maskerade und der Ambivalenz. Ein Land, so unvorhersehbar und überraschend.

Auf türkischer Seite holten wir unseren Ausreisestempel, gefolgt von einer weiteren Kontrolle. Nun standen wir am verschlossenen Grenztor und warteten darauf, dass dieses sich öffnete. Wir hielten ein wenig Smalltalk mit einem Busfahrer und dem Soldaten auf der anderen Seite des Zauns. Der strenge, durchdringende Blick des Revolutionsführers Chomenini schaute auf uns herab, daneben ein großes Konterfrei seines Nachfolgers Chamenei. Während wir von diesen zwei Klerikern betrachtet wurden, fragten wir uns flüchtig inwiefern sich das Leben im Iran seit der islamischen Revolution von 1979 verändert hat. Bald, so hofften wir, sollten wir mehr erfahren. Nach ein paar Minuten öffnete sich das Tor und waren nun schließlich auf iranischen Boden. Der Soldat kontrollierte unsere Pässe, hieß uns im Iran herzlich willkommen und zeigte uns anschließend, wo wir nun hingehen sollten. Wir betraten einen Eingang an dessen Ende sich ein Schalter befand. Die Person dahinter gab uns zu verstehen, dass wir uns auf die zwei Plätze neben den Schalter setzen sollten. Es kam eine zweite Person zu uns und fragte, was der Anlass unserer Reise ist, wie lange wir im Iran gedenken zu bleiben und was unsere Jobs sind. Wir antworteten entsprechend, anschließend nahm der Mann unsere Pässe, schaute diese durch und gab sie dem Grenzbeamten, welcher die Einreisestempel in den Pässen vermerkte. Da waren wir nun, offiziell im Iran. Feine Sache! Unser Gesprächspartner fragte uns, ob wir Geld tauschen wollen. Wir hatten zwar erst ein bisschen eingetauscht, fragten aber der Neugierde wegen nach, zu welchem Kurs er denn wechsle. In der Türkei hatten wir noch fix den offiziellen Wechselkurs Rial / Euro gegooglelt, dieser lag bei 1:35.000. Er aber bot uns für einen Euro 38.000 Rial an. Wir waren etwas skeptisch, zogen dann aber doch 100 Euro aus der Tasche. Ob dieses Kurses, ärgerten wir uns wegen dem ersten Tauschgeschäft. Zwar wussten wir den offiziellen Kurs, dachten aber gleichzeitig, dass man an der Grenze so oder so ein paar Miese macht. Schließlich kann man als ausländischer Tourist im Iran kein Geld via Kreditkarte abheben und muss leider das entsprechende Reisebudget für die gesamte Reisezeit vor dem Grenzübertritt besorgen und in bar mit sich führen. So fühlten wir uns den Geldwechslern etwas ausgeliefert, weshalb wir beim ersten Mal auch nur 50 € wechselten. Robert fragte nach dem Kurs für Dollar, was damit endete, dass wir auch ein paar davon los wurden. Bevor wir das Grenzgelände komplett verließen, wurden wir noch ein drittes Mal kontrolliert. So viele Kontrollen haben wir auf unserer bisherigen Reise noch nicht erlebt.

Wir schauten nun auf den ersten Ort hinter der Grenze und sahen Bazargan und die weite den Ort umgebende Landschaft. Ein breites Lächeln zog sich über unsere Gesichter! Wir waren voller Freude! Endlich waren wir in dem Land, welches wir bis dato als unser größtes Highlight ansahen. Wahnsinn! Wir umarmten uns und schrien anschließend ganz laut ‚GEIL!‘ Als wir gen Bazargan radelten, winkten uns viele Leute aus ihren Autos zu, hupten und riefen fröhlich und heiter ‚Welcome to Iran‘ oder ‚How are you?‘ oder ‚Where are you from?‘, oftmals alles auch miteinander kombiniert.

In Bazargan machten wir einen kurzen Stopp, um Wasser und getrocknete Datteln zu kaufen, dazu bekamen wir eine kleine Packung Waffeln geschenkt. Die Sonne ließ uns wissen, dass sie sich bald verabschieden wird. Wir wollten noch in der Dämmerung in Maku ankommen, dem zweiten großen Ort hinter der Grenze. Von dort fuhren Busse gen Tehran und unsere Idee war, noch an diesem Abend einen Bus in die Hauptstadt zu erhaschen. Der Verkäufer sagte, dass der letzte Bus um 18 Uhr fahre. Bis dahin hatten wir zwar noch etwas Zeit, aber allzu viele Pausen durften wir uns nicht leisten. So haben wir in die Pedalen getreten und sausten über den Asphalt. Die Landschaft war traumhaft, absolut fantastisch! Auf der einen Seite eine zum Teil schneebedeckte Bergkette, auf der anderen Seite eine sich weit öffnende Landschaft, u.a. gesäumt vom Ararat, dem höchsten Berg der Türkei. Ein atemberaubender Anblick! Ob der sich darbietenden Landschaft, bedauerten wir es ein wenig, diesen Teil des Irans nicht mit dem Rad zu erkunden.

Maku kann man sich als eine langgezogene Stadt vorstellen, wie ein ca. neun Kilometer langes Band. Auf den straßenbegleitenden Wegen war ordentlich Rambazamba und Bambule, die Läden leuchteten wie Kugeln am Tannenbaum, deren Waren ließen die Passanten auf den Gehwegen mäandrieren, die Autos huschten an uns vorbei, manche Gesichter darin drehten sich um und lächelten uns durch die Heckscheibe zu. Wir dachten, es wäre ein einfaches Spiel, den Busbahnhof zu finden. Schließlich gab der Geldwechsler auf der türkischen Seite einen Tipp, wo sich dieser befinden würde. Aber da, wo er auf der Karte hin zeigte, war keiner zu sehen. Es war schon dunkel und die uns verbleibende Zeit wurde zunehmend kürzer. Wir waren nun am Ortsausgang angekommen und schauten nun mehr und mehr dämlich aus der Wäsche. Ein kleiner LKW hielt neben uns, der Fahrer fragte, ob er uns helfen könne. Er kam wie gerufen und wie fragten, wo sich der Busbahnhof befindet. Seine Antwort ließ uns erfreuen, denn er bedeutete uns dorthin zu führen, indem er vorfährt. Wir brauchten ihm nur zu folgen. Dort angekommen, kam ein Mann auf uns zu gelaufen und fragte hektisch, ’nach Tehran?‘ Wir sagten ja, verabschiedeten und bedankten uns bei unserem Helfer und fuhren zum Bus. Nachdem wir den Preis nachgefragt und unsere Räder verladen haben, saßen wir nun endlich im Bus und genossen unsere Beinfreiheit. Meeeega! Von sowat kannste in deutschen und türkischen Bussen nur träumen^^

Gegen 19 Uhr begann unsere Reise mit dem Bus gen Tehran, wo wir am nächsten Morgen gegen 7 Uhr in der Frühe ankommen sollten. Als wir das letzte Mal WiFi hatten, ließen wir Mori wissen, dass wir höchstwahrscheinlich am 17.11. in Tehran ankommen würden. Mori und René, ein sehr guter Freund von Robert, kennen sich durch ihre jeweilige Arbeit, da ihre Firmen bei der Errichtung eines Windparks kooperiert haben. So ließ René Mori von uns wissen und gab uns seinen Kontakt. Seit Istanbul standen wir in Kontakt und haben hin und wieder miteinander geschrieben.

Als wir unsere Räder am Busterminal Tehran West entluden, fühlten wir uns von hunderten Augen umzingelt. Alle starrten uns an, manche ganz schüchtern, manche unverhohlen. Manche kamen ein paar Schritte auf uns zu, stoppten vor den Rädern und musterten diese aufmerksam. Manche fragten woher wir kommen und was wir hier machen und hießen uns im Iran willkommen. Der Iran ist vermutlich nicht die erste Antwort, die man erwarten würde, wenn man fragt, wohin man reist. Als wir noch in Deutschland waren und sagten, dass unsere Reise auch durch den Iran führen wird, hatten oftmals erstaunte und perplexe Gesichter gesehen. Und wahrscheinlich reagieren viele andere Leute rund um den Globus ebenso, denn Reisender im Iran zu sein, bedeutet ob der weitgehenden Abwesenheit von Tourismus noch etwas Besonderes. Das sollten wir in den folgenden Wochen noch oft erfahren.

Während wir überlegten, wie wir nun Mori kontaktieren können, sprach uns ein junger Mann an und fragte, ob er uns helfen könne. Wir sagten, dass wir einen Freund in Tehran haben, aber nicht wissen, wie wir ihn jetzt kontaktieren können. Er bot uns an, Mori anzurufen, was er dann auch tat. Ca. 20 Minuten später stand Mori vor uns und hieß uns ebenfalls herzlich Willkommen im Iran. Wir verstanden uns auf Anhieb und saßen erst einmal rund eine Stunde am Busterminal und quatschten und scherzten rum und kauften eine iranische SIM-Karte. Mori machte uns spontan einen Vorschlag für jenen Freitag, welcher folgendes vorsah: zu ihm nach Hause, essen, Stadt erkunden, Abendessen. (Mori ließ uns schon an jenem und am darauffolgenden Tag ob seiner Bemühungen und Taten erahnen, warum die Iraner weltweit einen so herausragenden Ruf in Sachen Gastfreundschaft genießen.) Wir sagten sofort ja und folgten seinem Auto auf unserem Rädern durch Tehran.

In seiner Wohnung angekommen, hieß uns Manije (Moris Frau) herzlich willkommen. Zudem eroberte deren Tochter Awa im Sturm unsere Herzen. Die kleine rockt! Wir spielten und rollten mit Awa herum, die sichtlich Spaß hatte mit zwei Typen, die im Kopp so alt waren wie sie. Manije kochte währenddessen leckeres Essen, welches wir anschließend genüsslich verspeisten. Nach einer längeren Zeit machten wir uns auf dem Weg in einen anderen Teil Tehran. Während wir im Auto saßen, beobachteten wir den irren Verkehr, den ganzen Smog und dachten uns ‚wat’n Spaß, wenn du hier mit dem Fahrrad fahren musst. Ziel des Ausfluges war ein Schrein, dessen Name wir leider vergessen haben.

Iran kann man als das Land der Schreine ansehen. Dazu muss man kurz ausholen: Ein Charakteristikum des schiitischen Islams ist die besondere Stellung der Nachkommen aus der Familie des Propheten Mohammad, genauer gesagt für die Nachkommen von Ali, dem Schwiegersohn und Cousin des Propheten sowie dem vierten Kalifen aller Moslems, welcher von den Schiiten als erster Imam betrachtet wird. Die besondere Stellung und Hochachtung äußert sich in tausenden von Bauten, Kultstätten, Ritualen und Zeremonien, sie sind Pilgerstätten für Millionen von Iranern wie z.B. der Imam-Reza-Schrein in Mashhad.

Während des Tages versuchten wir einen Host zu finden, welcher uns für vier Tage in Tehran aufnehmen kann, da Moris Wohnung zu klein für alle war. Mikaeli schrieb uns, dass er uns erst vom folgenden Tag an aufnehmen kann. Wir überlegten kurz und sagten dann okay. Die eine Nacht verbrachten wir in einem Hostel. Mori kam abends noch einmal vorbei und brachte uns Essen. Da haben wir uns erst einmal gefreut! Im Hostel kam ich noch mit einem Angestellten ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass er momentan an seiner Doktorarbeit im Bereich Psychologie schreibt. Fußball war auch hier ein Eisbrecher und so kamen wir irgendwann auf das Thema Reisen zu sprechen. Er meinte er würde so gerne mal ins Ausland, reisen und am liebsten in den Staaten oder in England seine Doktorarbeit schreiben. Aber das geht nicht, da er nicht im Besitz eines Reisepasses ist. Als Mann müsse man zwei Jahre zum Militär, danach bekäme man einen Reisepass. Da er aber nicht zum Militär will, die Gründe hat er nicht genannt, bekommt er auch keinen Reisepass. Er ist also quasi gefangen in seinem Land. Schöner Mist und absoluter Albtraum. Als wir Wochen später in Bandar Abbas waren, trafen wir auf Mohsen. Er ist leidenschaftlicher Tramper und war so bspw. schon in der Türkei, in Pakistan oder Indien unterwegs. Wir fragten ihn, ob er denn schon beim Militär gewesen sei. Er sagte nein und führte weiter an, dass jeder Sohn, dessen Vater im von 1980 bis 1988 währenden iranisch-irakischen Krieg mehr als zwei Jahre gekämpft hat, nicht zum Militär muss und automatisch einen Reisepass bekommt. Eine andere Möglichkeit zu reisen, insofern man noch nicht beim Militär gedient hat, ist, dass man eine Kaution hinterlässt, die sicherstellen soll, dass man wiederkommt. Viele kommen zurück, manche nicht.

Zum Mittag am folgenden Tag wurden wir wieder zu Mori eingeladen. Er war nicht zu Hause, aber Manije war da, zusammen mit ihrer Mutter. Mamma Mia, war das ein leckeres Essen! Danach machten wir uns auf dem Weg zum Azadi Square, wo wir uns mit Mikaeli trafen. Mit seinen langen Haaren, seinem Bart und seiner Sonnenbrille sah er aus wie ein cooler Rockstar. Er begrüßte uns locker und lässig im Iran, wir quatschten locker und gingen dabei zu seinem Auto. Dort machte er den Vorschlag, unserer Gepäck zu nehmen, damit wir ihm entspannter zu seiner Wohnung durch den irren Tehraner Nachtverkehr folgen konnten. Er und sein Kumpel Abbas fuhren voraus und wir folgten ihnen. Dort angekommen begrüßte uns sein Cousin Shamal und es folgte ein lustiger Abend, an dem Abbas uns das erste Mal an seinen Kochkünsten teilhaben ließ. Ooooooh, hat das lecker geschmeckt! Mein lieber Scholli!

Bei unseren Streifzügen durch die Stadt ist vor allem ein Gesicht allgegenwärtig. Es zeigt einen alten Mann mit einem weißen langen Bart, dunklen Augenbrauen, einem strengen, durchdringenden Blick und einem schwarzen, flachen ringartig gewickelten Turban. Es ist das Gesicht von Ruhollah Chomeini, jener Persönlichkeit, welche die Geschichte des Irans bis heute maßgeblich beeinflusst. Ayatollah Chomeini war Leitfigur der Islamischen Revolution von 1979, welche die seit 1926 bestehende Monarchiedynastie der Pahlavis abschaffte und zur Errichtung der Islamischen Republik führte.

In der Graphic Novel ‚Persepolis‘, einem internationalem Bestseller, erzählt die Exiliranerin Marjane Satrapi in einem minimalistischen Zeichenstil von ihrer Kindheit in den 1970er und 1980er Jahren, ihren späteren Aufenthalt in Österreich und ihrer Rückkehr in den Iran. Die Erzählung wirft ein persönliches und breites Licht auf die gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen jener Jahre, wie z.B. der pro-islamischen Indoktrination in der Schule, dem Anecken durch den Wunsch des Tragens von Jeans und dem Hören westlicher Musik, der gewalttätigen Unterdrückung von Oppositionellen gegen das korrupte Schahregime, dem Aufbegehren gegen das Elternhaus oder gegen religiöse Normen und Werte, Teile des intellektuellen Familien-, Freundes- und Verwandschaftskreises sitzen im Gefängnis, Verfolgungen, Repressionen und Demütigungen der Familie setzen sich auch unter dem Regime der Mullahs fort oder vom Schrecken des iranische irakischen Krieges. Im Alter von 14 Jahren wird Marji, wie sie im Comic genannt wird, vor dem Hintergrund des repressiven Systems der Kleriker zu ihrer Tante nach Österreich geschickt.

Die nächsten Tage waren sehr entspannt und von viel Heiterkeit geprägt. Wir verstanden uns auf Anhieb und hatten dementsprechend eine gute Zeit. Abbas kam immer morgens gegen 12 Uhr vorbei und machte Frühstück, was für ein Service! So gab es jeden Morgen Noon Sangak (leckeres iranisches Brot) mit Honigcreme (mmmmmh!!! :-)) und Abbas‘ Rühreiversion (ebenfalls mmmmh!!), dazu reichlich Tee. Auch abends kochte Abbas und verwöhnte uns vier mit kulinarischen Köstlichkeiten. Kochen ist seine große Leidenschaft, so Mikaeli, den alle nur Ali nannten. Mal fuhren wir in die City (die Wohnung befand sich weit im Westen von Tehran), mal hingen wir in der Wohnung rum, quatschten viel und ab und zu huschte mal ein Pups raus, was zur dollen kollektiven Belustigung führte. Ali ist auch Radreisender, hat bisher aber vornehmlich den Iran erradelt. Mal alleine, mal mit anderen (sowohl mit Freunden als auch mit Leuten, die er via Warmshowers aufgenommen hat). In 2017 will er eine rund einjährige Radtour durch Europa machen. Wir hatten einige andere interessante Gesprächsthemen, was u.a. daher rührte, das Shamal (irakischer) Kurde, Mikaeli Halbkurde und Abbas Iraner ist.

Am Tag unserer Abfahrt verabschiedeten wir uns herzlichst von unseren drei Jungs und strampelten zum Busterminal Tehran West. Der Weg führte dabei leider über die Stadtautobahn, juhu, wir lieben ja Abenteuer ?? Dabei fühlten wir uns an den Istanbuler Verkehr erinnert. Beide Städte unterscheiden sich nicht wirklich viel was den Verkehr anbelangt, sie sind quasi beide Alpträume für Radreisende oder zumindest für uns. In Tehran fahren sie ein Ticken wilder, es gibt bspw. vier Fahrspuren in eine Richtung, die Tehraner machen daraus aber fünf oder gar sechs Fahrspuren machen, alle dicht an dicht. Ein Vorbeikommen scheint unmöglich zu sein. Ampeln und allgemeine Verkehrsregeln werden anscheinend nur als Empfehlungen wahrgenommen, wenn uberhaupt. Dazu kommt der ganze Smog! Tehran hat ein riesiges Smogproblem. Am Tag vor unserer Abfahrt haben Shamal und Ali Besuch von Anne und ihrem Freund erhalten, welche ebenfalls aus Deutschland kommen. Ali hatte die beiden schon mal vor längerer Zeit aufgenommen und seitdem hat sich eine gute Freundschaft entwickelt. Beide waren zu diesem Zeitpunkt seit acht Monaten via Trampen unterwegs. Im Iran fand ihre Reise aber ein jähes Ende, da sich herausstellte, das Anne schwanger ist. Sie waren bereits seit einer Woche in Tehran und meinten zu uns, dass es Anfang der Woche quasi unmöglich war, sich länger als 15 Minuten unter freiem Himmel aufzuhalten, da der Smog einfach zu heftig war und man schnell Kopfschmerzen bekam. Bei den Millionen an alten Autos auf Tehrans Straßen war dies aber auch nicht wirklich verwunderlich. Der Smogalarm führt auch so weit, dass Schulen und Kindergärten geschlossen bleiben, alten Menschen wird empfohlen, die Häuser nicht zu verlassen, und jene die sich auf den Straßen bewegen, tragen Feinstaubmasken. Denn Tehran gehört zu den am meisten von Feinstaub belasteten Städten der Welt. Das hat mehrere Gründe, wie z.B. die miese Qualität des Benzins, alte Autos oder die Lage der Stadt am Elbrusgebirge, was den Smog quasi ‚festhält‘.

Wir mäandrierten wie zwei Spielfiguren aus alten Nintendospielen durch den Verkehr und erreichten quasi auf der letzten Minute den Busterminal. Barrierefreiheit ist dort wohl ein Fremdwort. An nur einem Eingang war es uns als Radfahrer möglich, zu den Bussen zu kommen, denn an allen anderen Zugängen versperrten Poller den Zugang. Wir fragten uns, ob wie das sein kann? Wird alten Leuten mit Rollatoren, Behinderten, Personen mit Kinderwagen oder mit Fahrrädern keine Beachtung geschenkt? So mussten wir einen großen Umweg nehmen, was den Zeitdruck zusätzlich erhöhte und wir schon befürchteten unseren Bus nach Isfahan zu verpassen. Letztendlich haben wir es dennoch quasi in letzter Minute geschafft und saßen verschwitzt im Bus, der bis Isfahan rund sechs Stunden benötigen sollte.

2018-11-04T14:55:34+00:00 07.01.2017|Iran|0 Kommentare