38 | Gastfreundschaft pur im Südiran

08.12. – 19.12.2016 | Gegen 1:00 Uhr nachts sind wir endlich bei Mohamad in Schiras angekommen. Er war so freundlich uns nachts vom Busbahnhof abzuholen. Wir wollten erst noch ablehnen und waren am Ende ganz froh, dass wir es nicht getan haben. Alleine durch die Stadt ging es noch mal 20 km bis wir bei ihm Zuhause angekommen sind. Wir staunten nicht schlecht, als er uns durch seine Wohnung führte. Das war nicht mit dem zu vergleichen, was wir bisher so gesehen haben. Nicht das die anderen Wohnungen schlecht waren, aber hier war die Wohnung halt sehr modern eingerichtet. Die meisten Wohnungen sind halt mehr praktisch eingerichtet und die Möbel hatten halt schon ein paar Jahrzehnte auf dem Konto. Was uns aber nur peripher tangiert ;-).

Zusammen mit seinen beiden Schwestern lebt er in der Wohnung. Er selber hat eine eigene Firma mit ca. 15 Angestellten und hat sich auf Klima- und Lüftungstechnik spezialisiert. Derzeit hat seine Firma den Auftrag, ein neues Krankenhaus mit entsprechender Technik auszurüsten. Hört sich schon nach einem großen Projekt für eine Firma dieser Größe an. Tagsüber klingelte permanent sein Handy bzw. es ging bis in die Nacht hinein so. Am nächsten Morgen haben seine beiden Schwestern uns herrlich Frühstück gemacht – feine Sache 😀 Wir fragten ihn, wieso er denn überhaupt Mitglied bei Warmshowers ist. Über diese Plattform hatten wir ihn gefunden und angeschrieben. Er sah halt nicht aus wie ein Radsportbegeisterter, was jetzt nicht negativ rüber kommen soll. Jeder der sich für Fahrräder interessiert, merkt halt schnell, dass er halt überhaupt keine Ahnung auf diesem Gebiet hat, geschweige sich jemals mit dem Reisen per Fahrrad auseinandergesetzt hat. Wir hatten von Beginn an einen sehr guten Draht zu ihm, so konnten wir uns solche Fragen erlauben 😉 Er schmunzelte und antwortete, dass er wie viele andere in diesem Land auch, wenn er schon nicht in die Länder seiner Wahl reisen kann, sich die Leute ferner Länder eben nach Hause holt. So hat er von anderen Reisenden von der Plattform „Warmshowers“ erfahren und sich angemeldet. Er fragte, warum wir ihn mit so einem Schmunzeln fragten. Wir spielten mit offenen Karten und antworteten ehrlich. Seine Schwestern hatten gut was zu lachen. Er meinte nur, man weiß ja nicht, was in Zukunft noch alles passieren wird. Er liebt zwar seine Arbeit, würde aber gerne mal ein bisschen mehr Zeit haben und sich gerne mehr eigenen Projekten widmen. Oder vielleicht hat er beruflich auch mal die Chance mehr im Ausland unterwegs zu sein. Er könne sich aber halt auch so was vorstellen, was wir machen. Wir haben ihm unsere Hilfe angeboten. Wenn er Fragen zur Ausrüstung oder sonstiges hat, soll er einfach schreiben.

09.12.16

Den nächsten Tag lud er uns in seinen Garten ein. Wir sagten nicht nein und stiegen zu ihm ins Auto. Nach einer halben Stunde waren wir immer noch nicht am Ziel und wir fragten ihn, wo denn sein Garten sei. Dabei erfuhren wir, dass wir zu dem Haus seiner Familie fahren, wo er mit seinen Geschwistern groß geworden ist. Er versucht jedes Wochenende dorthin zu fahren und seine Ruhe zu finden. Nach ca. 150 km waren wir am Ziel. Wir waren gefühlt irgendwo im Nirgendwo. Die Landschaft war atemberaubend und man hat hier definitiv seine Ruhe. Das Dorf liegt in einem Tal, umzingelt von einer steilen und schroffen Bergkette. Wir konnten gut nachvollziehen, warum er dieses Fleckchen Erde so liebt.

Sein Bruder wartete schon mit einem leckeren Essen auf uns 😀 Wir stellten uns kurz vor und setzten uns auf den Perserteppich. Das Essen war herrlich. Wir quatschten viel, schauten Fußball und ab und zu kamen andere Leute des Dorfes und schauten nach dem rechten 😉 Wir beschlossen später noch mal auf eigene Faust das Dorf zu erkunden. Auf unserer Erkundungstour waren wir plötzlich auf einem Hinterhof. Dort schaute uns eine Kuh ganz verdutzt an, während die Ziegen sich alle in die hinterste Ecken verkrochen haben. Wir fragten uns, ob das hier schon Privatgrundstück sei und drehten kurzerhand um. Für die Anwohner waren wir dennoch zu langsam. Aus dem einem Hause kamen auf einmal etliche Frauen heraus, von jung bis alt. Aus den Nachbarhäusern gesellten sich noch ein paar Männer dazu. Die Kommunikation war mehr schlecht als recht. Die jüngeren Mädels sprachen zwar ein paar Worte Englisch, aber die waren wiederum die schüchternsten der Runde. Dennoch eine lustige Begegnung.

Wir beschlossen den bevorstehenden Sonnenuntergang mit der Kamera festzuhalten. Dafür wollten wir auf einen Hang wandern. Um dorthin zu gelangen, mussten wir durch das gesamte Dorf laufen. Jeder schaute uns mit großen Augen an. Junge Männer kamen direkt auf uns zu und wollten wissen wer wir sind und woher wir kommen. Einer von denen wollte uns zu sich nach Hause auf einen Tee einladen. Wir lehnten dankend ab, was nicht half. Dann erzählten wir ihm von Mohamad und das er mit Abendessen bereits auf uns wartet. Er wollte die Nummer von ihm, so gaben wir sie ihm. Er telefonierte mit Mohamad und schaute dabei nicht so glücklich. Hinterher haben wir erfahren, dass Mohamad wohl sehr deutlich gesagt hat, dass wir seine Gäste sind und alles bei ihm kriegen. Kurze Zeit später war sein Bruder mit dem Auto bei uns, um uns abzuholen. Wir flitzten schnell auf unseren Hügel rauf und machten noch ein paar Aufnahmen. Inzwischen waren die schroffen Felswände feuerrot. Das Abendessen war wieder ein Genuss. Nach dem Abendessen beginnt der schwierigste Moment der Woche für Mohamad – sich von seinen Bruder und Freunden verabschieden und in eine neue Arbeitswoche einzutauchen. Gegen 23 Uhr waren wir wieder zurück in Schiras.

10.12.16

Am nächsten Tag machte Mohamad einen Ausflug zum Krankenhaus, die Baustelle seiner Firma. Dafür fährt er mal 250 km hin und abends wieder zurück. Uns nahm er morgens gleich mit und ließ uns in der Stadt raus. Er gab uns eine Liste, was wir unbedingt von Schiras sehen sollten. Die erste Station war der Eram-Garten. Leider kostete der Eintritt Geld und es war auch nicht gerade wenig für unsere Verhältnisse. So gingen wir zum nächsten Punkt auf seiner Liste und standen dort vor dem gleichen Problem. Wir hatten mit Mohamad am Vortag viel über die Finanzierung unserer Reise gesprochen und was uns am Tag ungefähr zur Verfügung steht und nun empfiehlt er uns Einrichtungen, die alle Geld haben wollen 😀 Unterwegs sahen wir eine Reihe von Universitätsgebäuden. Ein Gebäude imponierte uns besonders und so gingen wir gerade drauf zu. Es handelte sich um die Nationalbibliothek und Archiv des Irans. Bereits von Weitem sahen wir Sicherheitsleute und noch nicht einmal am Eingang angekommen, kam ein Besucher der Nationalbibliothek auf uns zu und fragte, wie er uns weiterhelfen könne. Die Leute bemerkten schnell, dass wir nicht von hier sind. Wir erzählten ihm, dass wir gerne mal einen Blick in die Nationalbibliothek werfen würden. Darauf antwortete er, dass dieses Gebäude ausschließlich für Staatsbürger offen stehe. Uns würde kein Zutritt gewährt werden. Wir waren enttäuscht und nahmen vor dem Eingang auf dem Rand vom großen, künstlich angelegten See Platz. Gut das wir uns auf dem Weg schon ein paar Snickers gekauft hatten. Die galt es jetzt zu verdrücken – unser Frustessen 😉 Während wir in der Sonne saßen und weiter auf das sehr modern wirkende Gebäude schauten, kam eine Horde junger Mädels aus der Bibliothek herausgestürmt und umzingelte uns wenig später. Das war vielleicht ein kichernder Haufen. Mir wurde das zu bunt und ich ließ Tobi mal gekonnt alleine da stehen. Er fühlte sich in seiner Rolle als einziger Kerl in der Horde sehr wohl und unterhielt sich erst einmal ein Weilchen 😀

Nach der Bibliothek trafen wir uns mit Sonia und Guillem aus Barcelona, welche wir bereits in Isfahan kennengelernt haben. Wir trafen uns vor dem ‚Hafezieh-Stadion‘. Beide standen da mit ihren vollgepackten Rädern, obwohl sie bereits tags zuvor angekommen sind. Leider war der erste Host von denen sehr anstrengend, weswegen sie sich einen neuen gesucht haben. Im gastfreundlichen Iran ein leichtes Spiel. Wir unterhielten uns ein Weilchen und bekamen von ihnen den wertvollen Tipp, dass man bereits hier in Schiras das Ticket für die Fähre von Bandar Abbas nach Schardscha (Vereinigte Arabische Emirate) kaufen könnte. Leider trennten sich unsere Wege schon wieder und wir zogen mit knurrenden Mägen weiter durch die Stadt. Unser Ziel war es noch heute Karten für die Fähre von Bandar Abbas zu kaufen und auf dem Weg was zu essen. Generell hatten wir den Eindruck, in der bisher modernsten Stadt des Irans zu sein. Wir fühlten uns super wohl hier.

Schiras wird aufgrund seiner Gartenkultur gerne als der Garten Irans bezeichnet. Der Blumenreichtum und die Rosenzüchtungen sind weit über das Land hinaus bekannt. Einen ersten Eindruck dessen bekamen wir bereits bei unserer Ankunft als wir am Stadtrand die ersten Blumenterrassen sahen. Bei unseren Streifzügen kamen wir an weiteren großen und schick anmutenden Gärten wie bspw. dem ‚Eram-Garten‘ vorbei oder am Grab des Dichters Hafis, welches in eine üppige Gartenanlage eingebettet ist. Letztgenannter gehört neben dem Dichter Saadi zu den zwei berühmtesten Dichtern der persischen/iranischen Kultur. Selbst Johann Wolfgang von Goethe fühlte sich durch die Werke Hafis‘ inspiriert, was Einfluss auf seine umfangreichste Gedichtsammlung ‚West-östlicher Divan hatte‘. Man sagt, der Iran habe viele faszinierende Städte, jedoch könne man nur in Schiraz Geschichte, Architektur, Kunst und Poesie auf eine sehr angenehme Weise erleben. Und in der Tat bietet die ca. 1,4 Mio. Einwohner zählende Stadt in der Provinz Fars zusammen mit der in ca. 40 km Entfernung befindliche Persepolis tiefe Einblicke in Persien. Wir passieren Sehenswürdigkeiten wie die Zitadelle des Karim Khan, den Vakil-Bazaar, die Nasir al-Mulk-Moschee und die Schah Tscheragh.

Am besagten Büro angekommen, welches wir ohne die Hilfe Einheimischer nie gefunden hätten, wollten wir nun unsere Tickets für die Fähre kaufen. Leider war der Herr aus dem Büro sehr kompliziert und wir durften am nächsten Tag nochmal erscheinen. Wir versuchten ihm klar zu machen, dass dies für uns sehr umständlich ist, da wir den nächsten Morgen mit unseren bepackten Rädern zum Busbahnhof fahren. Leider ließ er nicht mit sich reden. Nachdem wir das Büro wieder verlassen hatten, passierten wir eine Reihe von Gebäuden, die scheinbar zur Universität von Schiras gehörten. Überall tummelten sich junge Menschen umher und wir wurden neugierig. Besonders die Fakultät für Medizin hat es uns angetan. Dort standen wir vor einem großen Schild mit der Aufschrift ‚Down with USA‘. Hier begegnete uns also zum ersten Mal auf unserer Reise durch den Iran dieser berühmte Schriftzug, welcher im ganze Lande verteilt sein soll. Ich versuchte schnell, unbemerkt ein Foto zu machen. Kurz darauf kam ein junger Mann auf uns zu und fragte woher wir denn kommen. Ich dachte mir nur, hoffentlich hat er nicht gesehen, dass ich davon ein Foto gemacht habe. Keine Ahnung warum ich das dachte. Irgendwie hatte ich anscheinend die Sorge, wenn es eine regierungstreue Person mitbekommt, ich vielleicht meine Speicherkarte von der Kamera los bin. Rückblickend betrachtet nicht plausibel, da die Regierung gewillt ist, diese ihre Ansicht mit allen zu teilen in Form solcher Werbetafeln.

Wir antworteten dem jungen Mann, dass wir aus Deutschland kommen. Wie so oft wurden wir herzlich willkommen geheißen. Anschließend erfuhren wir, dass er gleich eine Vorlesung hält und fragte uns, ob wir nicht Lust hätten, daran teilzunehmen. Wir schauten uns an und entschieden uns dafür. Er musste nur noch schnell was erledigen und dann holt er uns hier ab.

In der Zwischenzeit machten wir uns wieder Gedanken um die Aufschrift ‚Down with USA‘. Wir haben die letzten Wochen bereits die Erfahrung gemacht, dass der Durchschnitt der Bevölkerung nicht die Meinung der Regierung vertritt. Auf der anderen Seite wollen wir nachvollziehen können, warum die Regierung solch eine Ansicht vertritt. Jeder der die Geschehnisse kritisch betrachtet und versucht, sich sein eigenes Bild zu machen, bekommt mit der Zeit häufig ein anderes Bild, als es einem vielleicht andere Quellen erscheinen lassen wollen. Bitte nicht falsch verstehen, wir stehen absolut nicht hinter dem, was die Regierung mit solchen Maßnahmen versucht zu verfolgen, aber dennoch stellen wir uns die Frage, warum die Regierung von einem Volk, welches eines der ältesten Zivilisationen der Menschheit (~3200 vor Christus) ist, mit einer sehr reichen Kultur und Geschichte, so ein Problem mit den USA haben.

Schaut man in die jüngste Geschichte, wird jeder schnell fündig. Die Iraner haben ihre eigenen Frustrationen mit den Vereinigten Staaten. Die USA vollzogen 1953 einen Putsch, um den demokratisch gewählten Präsidenten Mohammad Mosaddegh zu stürzen und den autokratischen und Freiheit unterdrückenden Reza Shah Pahlavi wieder einzusetzen – mit Erfolg. Und die USA unterstützten mit vielen anderen Ländern Saddam Hussein während des brutalen Krieges mit dem Iran (1. Golfkrieg von 1980-1988). Überall im Lande trafen wir bereits auf Familien, welche Familienmitglieder im Kriege verloren haben. Im Gegensatz zu heute hatte der Iran kein so ausgeprägtes Militär gehabt. Aus den schweren Verlusten aus dem 1. Golfkrieg haben die Iraner ihre Lehren gezogen, militärisch aufgestockt und das vielleicht schlimmste, ihr Vertrauen gegenüber vielen Staaten verloren. Viele normale Bürger wurden in den Krieg geschickt, um die Truppen Saddam Hussein aufzuhalten und viele von ihnen waren ohne entsprechende Ausbildung Kanonenfutter für die gegnerischen Truppen. Schätzungen gehen von bis zu 500.000 Toten auf iranischer Seite aus. Ein hoher Preis, welche das iranische Volk für ihre zukünftige Unabhängigkeit zahlen musste. Bis heute leidet das iranische Volk unter den Verlusten und wirtschaftlichen Folgen des 1. Golfkrieges. Zusätzlich wird dem Land der wirtschaftliche Aufstieg erschwert durch die lange Zeit der Sanktionen, teils von Staaten unterstützt, welche den erfolgreichen Putsch und Saddam Hussein im 1. Golfkrieg unterstützt haben. Die geographische Lage, zusammen mit den entdeckten Ressourcen wie zum Beispiel Öl, machten aus einem kulturreichen und historischen Volk ein entscheidendes Feld auf einem Schachbrett, welches von anderen Kräften seit Beginn des 20. Jahrhunderts umkämpft wird.

Als Saddam Hussein sich entschloss, Kuwait im Jahre 1990 anzugreifen, waren die USA und viele andere plötzlich keine Freunde mehr und es folgte der 2. Golfkrieg. Schaut man sich den Verlauf der Geschichte an, fragt man sich, was die Interessen anderer Staaten im Nahen Osten wirklich sind. Auf der einen Seite setzen sie sich (vordergründig) für Menschenrechte und Demokratie ein und auf der anderen Seite unterstützen sie Putschversuche, um gewählte Regierungsoberhäupter zu stürzen und helfen Monarchen/Diktatoren an die Macht (nicht nur im Iran), um eigene Interessen durchzusetzen und zukünftigen Einfluss zu wahren.

Auf unserer Reise durch den Iran sind wir auf eine Person getroffen, welche hinter der iranischen Regierung steht. Wir waren davon sehr erstaunt und fragten ihn, wieso. Er antwortete: „Schaut euch die Lage im Nahen Osten an. Im Irak herrscht Krieg. In Afghanistan herrscht Krieg. In Syrien herrscht Krieg. Im Osten der Türkei kommt es in der jüngsten Zeit wieder vermehrt zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen der PKK und der türkischen Regierung. In den restlichen Nachbarstaaten herrschen Spannungen. Im Iran herrscht dagegen Frieden und wir haben ein normales Leben.“ Wir fanden diese Ansicht im ersten Moment nicht wirklich gut. Dennoch war es eine interessante Sichtweise und wir stellten uns die Frage, wie würde es im Iran aussehen, wenn sie Militärisch nicht so stark aufgestellt wären und so eine stabile, wenn auch sehr konservative, Regierung hätten. Vielleicht würde im Iran das gleiche passieren wie in den Nachbarländern? Nur mal so als Gedankenspiel ohne Wertung.

Als der junge Mann zurückkam, ging es für uns in die erste Vorlesung an einer Universität im Iran. Im Klassenraum wurden wir freundlich empfangen. Immer wieder schön, in die strahlenden Gesichter zu blicken. Nach kurzer Vorstellung begann er mit seiner Vorlesung. Anfangs waren wir uns nicht sicher, worum es wirklich geht. Es schien, als würden die Leute lernen, wie man schön schreibt. Und ja, genau darum ging es in dieser Vorlesung. Wir fragten uns, warum machen die das und fragten die Leute in der Runde einfach mal. Wir hatten Antworten wie „Ich muss diese Vorlesung besuchen“ oder ähnliches erwartet. Aber nein, die Leute gehen freiwillig in diese Vorlesung und teils bezahlen sie sogar Geld dafür. Der Lehrer merkte unsere Verwunderung und erklärte uns, wie wichtig eine schöne Schrift sei. Seiner Ansicht, wirst du mit einer schöneren Schrift automatisch höher angesehen, als deine Kollegen, die nicht so eine schöne Schrift haben. Zudem wird damit die Aussicht auf eine hohe Position verbunden. Wir nickten und probierten einfach mal unser Glück. Das war gar nicht so einfach. Im Studium mussten wir mal Normschrift üben und am Ende gab es sogar einen kleinen Test. Ich erinnere mich noch gut, wie viele von uns kopfschüttelnd in der Vorlesung saßen und uns fragten, was das in der Zeit der Computertechnik noch für ein Sinn hat. In dieser Vorlesung ging es aber nicht um Normschrift, sondern um Schönschrift. Zugegebenermaßen waren wir echt beeindruckt von seinen Künsten. Wir versuchten unser Glück, hatten aber nur mäßig/keinen Erfolg. Die anderen Kursteilnehmer hatten dafür was zu lachen. Insgesamt dauerte die Vorlesung 2 Stunden und wir waren ein bisschen froh, als es vorbei war. Unsere Mägen waren schließlich immer noch leer.

Kaum verließen wir das Gebäude, rief uns Mohamad an und wir vereinbarten einen Treffpunkt, von wo aus er uns abholte. Es war inzwischen schon 18 Uhr und er war schon auf dem Rückweg von dem Krankenhaus und ca. 30 Minuten vor Schiras. Auf dem Weg zum Treffpunkt tauschten wir noch fix ein paar Dollarnoten gegen die einheimische Währung. Der Wechselkurs in der Stadt, war sehr verlockend 😉

Zurück bei Mohamad zu Hause, gab es wieder lecker Essen. Seine beiden Schwestern waren für uns in diesem Moment wie Engel. Wir schaufelten das Essen nur so in uns rein. Der weitere Abend war super lustig. Wir quatschten und lachten viel. Leider war dies schon unser letzter Abend und irgendwie wollten wir noch nicht darüber nachdenken. So genossen wir.

11.12.16

Am nächsten Tag ging es für uns früh raus. Wir frühstückten gemeinsam und verabschiedeten uns von den Schwestern. Mohamad begleitete uns bis vor die Tür und kaufte uns noch ein paar leckere Sachen ein. Wir wollten dies dankend ablehnen, aber daran führte kein Weg vorbei und wir wurden wieder Zeuge der schier unendlichen Gastfreundschaft des Irans. Danke Mohamad und deinen Schwestern für die tolle Zeit in Schiras, wir hoffen wir sehen uns wieder. Auch dieses Mal kamen wir als Fremde, wurden herzlichst aufgenommen und gingen als Freunde. Mohamad gehört definitiv zu den Leuten unserer Reise, welche wir gerne wiedersehen möchten in unserem Leben.

Nach einer halben Stunde auf dem Fahrrad zwischen dem dichten Gedrängel der Autos erreichten wir das Büro für die Bootstickets. Leider lief diesmal wieder was schief und wir bekamen nicht, was wir brauchten. Wir diskutierten, doch vergeblich. Die Zeit sitzt uns im Nacken und wir mussten weiter radeln. Keine 5 Minuten später rief der Herr aus dem Büro an und hatte unsere Tickets fertig. Wir glaubten inzwischen fest daran, dass der Typ uns verarschen will. Tobi rannte zu Fuß zurück, mit dem Glauben das dies der schnellste Weg sei. Ich passte auf die Fahrräder auf und beobachtete die Leute und kam hin und wieder mit ein paar Leuten ins Gespräch. Nach ca. 30 Minuten kam Tobi wieder und hat den Typen aus dem Büro endgültig gefressen. Dort angekommen, musste Tobi noch 15 Minuten warten, bis er es schaffte auf den Druckknopf zu drücken. Tobi ist ja nun wirklich nicht leicht aus der Fassung zu bringen, aber dieser FU**ING TYP hat es hinbekommen. Respekt von meiner Seite, dass habe ich noch nicht hinbekommen. Da muss ich wohl noch an mir arbeiten 😉

Am Busbahnhof fragten wir uns schnell durch. Wir hatten keine 10 Minuten mehr Zeit und mussten noch unsere Fahrräder entladen und sicher im Bus verstauen und wir hassen Hektik, wenn es um das sichere Verstauen der Fahrräder geht. Meist heißt es Vorderrad und Sattel ab, Räder an eine Wand stellen und mit Hilfe von Spanngurten festzurren. Häufig sitzen einem die Busfahrer im Nacken und wollen es besser machen, was wir schnell merkten, nicht der Fall war. Glücklicherweise fanden wir unseren Bus auf Anhieb, kauften die Tickets direkt beim Fahrer und brauchten keine 10 Minuten alles sicher zu verstauen und im Bus zu sitzen. Mit einem breitem Grinsen saßen wir voll geschwitzt im Bus und die nächste Herausforderung stand bevor. Bisher haben wir auf unserer Reise stets für unsere Fahrräder extra bezahlt. Wir waren fest im Glauben, dass dies normal sei. Bei unserer letzten Busfahrt von Yazd nach Schiras haben wir nochmal das doppelte von unserem Ticketpreis für die Fahrräder bezahlt. Neben uns stand ein junger Student, welcher gut Englisch konnte. Im Bus verriet er uns, dass die Busfahrer uns abgezockt haben. Wir erzählten ihm, dass wir bisher immer separat für die Fahrräder bezahlt haben, worauf er konterte, dass viele Leute weit aus mehr Gepäck mit haben als wir und auch nicht separat zahlen. Es gibt auch keine Preisliste, in der steht, dass du für Fahrräder bezahlen musst. Danke für den Tipp, so hieß es jetzt gleich mal ausprobieren. Tobi übernahm das Verhandeln. Der Busfahrer kam auf uns zu und wollte Geld. Tobi schüttelte den Kopf und zeigte die Tickets, welche wir kurz zuvor bei ihm gekauft hatten. Der Busfahrer ging zurück in seine Kabine und telefonierte. Daraufhin kam er mit dem Telefon in der Hand zurück und reichte dies Tobi. Auf der anderen Seite der Leitung war eine Frau, welche uns auf Englisch zu verstehen gab, das wir für die Fahrräder zu bezahlen hätten. Wieder einmal war es ungefähr das doppelte vom normalen Ticketpreis. Tobi erklärte der Frau, dass er dies nicht verstehe, schließlich haben wir ja schon für unser Ticket bezahlt und er hat ja gesehen, dass wir mit Fahrrädern vor ihm stehen. Die Frau kam uns mit dem Preis entgegen und erklärte das es normal sei, extra für die Fahrräder zu bezahlen. Tobi konterte selbstbewusst und absolut überzeugend, dass dies nicht unsere erst Busfahrt im Iran sei und wir bisher noch nie extra für unsere Fahrräder zahlen mussten und wie es sein kann, dass sie uns davon vorher nichts erzählt hatten, wo wir noch die Wahl hatten, welchen Bus wir nehmen. Alles was er sagte, war Blödsinn. Wir haben stets für unsere Fahrräder drauf gezahlt und wir hatten auch keine Alternative was die Busverbindung angeht. Die Frau auf der anderen Seite der Leitung wusste nicht mehr weiter und wollte mit dem Busfahrer sprechen. Der Busfahrer diskutierte mit ihr und anschließend legte er auf und ging zurück in seine Fahrerkabine. Die anderen Passagiere des Busses schauten inzwischen alle zu uns. Das Ende vom Lied war, der Busfahrer lies den Motor an und wir fuhren eine Strecke von knapp 200 km in ca. 3 Stunden zu unserm nächsten Ziel Dschahrom für 80.000 Rial pro Person, was umgerechnet ca. 1,93 € pro Person sind. In unserer Heimatstadt Rostock bezahlen wir 2 € für eine Einzelfahrkarte. Zumindest war es bei unserer Abfahrt im Juni 2016 so. Inzwischen mag der Preis bei vielleicht schon über 2€ liegen ;-)?

Die Fahrräder waren in Dschahrom wieder gesattelt und wir schauten auf die Karte wo unser Host wohnt. Wie schon so oft im Iran, wurden wir wieder über Warmshowers fündig. Sein Name war Saeed und er ist Anfang 20. Während wir auf die Karte schauten, wurden wir von allen Seiten belagert und hatten absolut keinen Bock darauf. Die grobe Richtung hatten wir inzwischen ausfindig gemacht und so flüchteten wir. In der Stadt sahen wir einen Burger-Laden und wir konnten nicht widerstehen. Zudem gab es dort Wifi. Wir fackelten nicht lange und bestellten zwei Burger und zwei Colas. Der erste leckere Burger seit Serbien. Trotzdem kommt keiner an ‚Liberty Delis‘ aus unserer Heimatstadt Rostock heran. Wir genossen und chillten noch ein Weilchen. Tobi hatte inzwischen schon Kontakt mit unserem Host Saeed aufgenommen. Als wir zahlen wollten, lehnte der Verkäufer ab und hieß uns im Iran herzlich willkommen. Wie lehnten dankend ab und reichten ihm das Geld. Das ganze ging drei bis viermal hin und her und wir gaben auf und bedankten uns sehr herzlichst auf Persisch.

Saeed wartete schon sehnsüchtig vor der Tür und zeigte uns sein Anwesen. Er wohnt mit seinen Eltern und ein paar Hühnern, welche auf dem Dach leben, zusammen. Auch hier war das Eis von Beginn an gebrochen und wir redeten, als wenn wir uns schon ewig kennen. Saeed ist ein sehr lebensfreudiger Mensch, welcher viele Ziele in seinem Leben hat. Regelmäßig hat er neue Projekte in seinem Leben, wie zum Beispiel ein Musikinstrument lernen, Kunst, Kickboxen, Selbstständigkeit…. .Zu guter Letzt holt er ein deutsches Buch mit dem Titel „Couchsurfing im Iran“ heraus. Tobi kannte das Buch (welch ein Zufall) und fragte ihn, warum er ein Buch auf Deutsch besitzt. Die Antwort kam prompt. Der Autor des Buches reiste für mehrere Wochen durch den Iran und war unter anderem bei Saeed, damals aber als er noch in Schiras wohnte. Im Buch sind ein paar Bilder von Saeed zu finden. Tobi fand das total witzig und ich machte ein Foto von dem Traumpärchen 😀 Später kamen seine Eltern nach Hause und es wurde fleißig Essen zubereitet. Danach ging es gemeinsam mit seinem Freund auf dem Motorrad durch die Straßen von Dschahrom. Als erstes ging es auf einen nah gelegenen Berg mit wunderbarer Aussicht auf die Stadt. Hier treffen sich wohl gern Pärchen zum Verweilen 😉 Anschließend zeigten sie uns noch einige historische Gebäude der Stadt und andere Sehenswürdigkeiten. An jedem dieser Orte hätte man ein Bierchen genießen können oder zwischendurch in eine Bar fahren können. Leider ist dies im Iran nicht möglich. Dafür veranstalteten wir noch ein kleines Rennen. Dabei ging es durch die engen Gassen der Altstadt. Teils war es so eng, dass wir bei den Kurven nicht weit von den Wänden der Häuser entfernt waren. Geiles Erlebnis Jungs! Zu guter Letzt erfuhr ich noch, dass sein Freund Pilot war. Da hatten wir ja erst einmal ein gemeinsames Thema gefunden 😉 Gegen 0 Uhr haben wir uns von seinem Freund verabschiedet und es ging in die Heia.

12.12.16

Um 6 Uhr morgens klingelte der Wecker. Saeed musste früh raus und wir sahen das als willkommene Möglichkeit, mal ein paar Kilometer mehr zu schaffen. Die Landschaft war wieder atemberaubend, aber seht einfach selbst bei den Bildern.

Unterwegs wurden wir viel von Autofahrern angefeuert. Während einer Pinkelpause hielt ein Mann neben uns und fragte woher wir kommen. Dieser Mann war gefühlt über 2m groß und war sehr an unserer Reise interessiert. Als er erfuhr, dass wir aus Deutschland kommen, öffnete er seinen Kofferraum und gab uns drei Tüten voller Essen und Trinken. Wir waren uns nicht sicher, ob er uns das wirklich gerade schenken wollte. Aber er drückte die Tüten so fest an uns ran, dass wir es nicht anders verstehen konnten. Wir bedankten uns herzlichst bei ihm und machten noch ein Abschiedsfoto. Auf den nächsten Kilometern war dies das Hauptthema in unserer Runde. Wir waren einfach nur überglücklich und wieder mal erstaunt, über die Gastfreundschaft des Landes. Ca. 10 Minuten später kam der gleiche Herr uns mit seinem Auto entgegen, wendete fix auf der Straße und hielt uns an. Wir waren ein bisschen verunsichert, was das jetzt zu bedeuten hat. Er stürmte aus seinem Auto und zückte seine Geldbörse aus der Hose und holte 500.000 Rial (~ 12€) raus und schenkte es uns. Wir verweigerten mehrfach vergeblich das Geld anzunehmen. Wir verschlossen die Hände hinter unseren Körper und er klemmte das Geld an unser Fahrrad. Wir nahmen das Geld und gaben es ihm zurück, vergebens. Er sei stolz uns hier getroffen zu haben und möchte uns gerne unterstützen und das wir gut über sein Land berichten. Vielen Dank Herr Unbekannt, dass werden wir jetzt an dieser Stelle tun. Das hätten wir auch so oder so gemacht 😉

Wir können gar nicht oft genug bestätigen, was wir vor unserer Reise in den Iran bereits aus anderen Blogs in Erfahrung gebracht haben. Jeder Reisende, unabhängig von dessen Herkunft, auch Amerikaner, sind herzlichst willkommen bei den Bürgern und das zeigen sie jedem Besucher mit einer unglaublichen Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft!

Nach weiteren zwei Stunden machten wir Halt an einer Tankstelle und schauten in die Tüten. Wir fanden Chips, Saft und viele andere Leckereien. Wir gönnten uns gleich mal eine Tüte Chips :-D. Während wir dort saßen, kamen viele Leute vorbei und inspizierten unsere Fahrräder. Ein junger Mann war besonders interessiert und machte ein Foto mit uns. Wir gaben ihm unsere Seite von Instagram (www.instagram.com/RobTob_Ahoi). Die Nutzung von Facebook ist untersagt in diesem Land. Zudem erfuhren wir noch, dass er Soldat bei der Marine ist und gerade auf den Weg nach Bandar Abbas sei. Wir brauchen noch vier ganze Tage, um in Bandar Abbas anzukommen.

Ca. 1 Stunde hinter dem Rasthof sah Tobi eine verlassene Ruine auf dem ‚Acker‘. Wir schauten auf unser Tacho und hatten bereits über 80 km abgespult. So entschieden wir kurzerhand dort zu nächtigen. Ein schöner Ort zum Verweilen (s. Bilder).

13.12.16

Gegen 7 Uhr ging es für uns in den neuen Tag. Wir hatten uns vorgenommen die Stadt Lar zu erreichen, welche ca. 80 km vor uns liegt. Die Landschaft war ähnlich wie am Vortag. Wir fuhren meist so um die 30 km durch ein Tal, fuhren am Ende einen Anstieg hoch und es folgte eine längere Abfahrt ins nächste Tal, welches uns die nächsten 2 Stunden begleitete. Wir verloren von Tal zu Tal an Höhe und näherten uns Bandar Abbas. Wir spürten auch von Tal zu Tal einen Temperaturanstieg und waren voller Vorfreude auf Bandar Abbas, wo derzeit um die 30 Grad waren. Die letzten Tage lagen die Temperaturen teils im einstelligen Bereich.

Vor uns lag die letzte Bergwand des letzten Tals des Tages vor Lar. Also nur noch diesen Anstieg bewältigen und danach bis in die Stadt rollen lassen. Plötzlich spürte Tobi irgendeine Veränderung an dem Fahrverhalten seines Fahrrads. Ein paar Minuten später bekamen wir die Antwort, er hatte einen Platten. Der zweite Platten für Tobi und der dritte insgesamt von uns beiden. Wohl bemerkt hatte Tobi seinen ersten Platten bereits am ersten Tag und wir mussten den Mantel wechseln. Somit hat dieser Mantel seinen ersten Platten nach ca. 5000 km. Da kann man sich nicht beklagen 😉 Nach dem Platten ging es den letzten Anstieg hoch. Dieser hatte es mit bis zu 10,6% noch mal gut in sich. Am Ortseingang von Lar hielten wir vor einem Burger-Laden und fackelten nicht lange. Auch dieses mal wurden wir nicht enttäuscht. Tobi verspeiste seinen Burger in gefühlt ein paar Sekunden und schaute neidisch auf meinen Teller. Als ich fertig war, bestellten wir uns gleich noch eine zweite Runde 😀 Nachdem auch dieser in unseren Mägen versenkt war, fragten wir die Leute, ob sie einen Platz kennen, wo wir unsere Zelte aufschlagen könnten. Leider war die Verständigung sehr schwierig. Am Ende folgten wir einem der Herren quer durch die Stadt. Er fuhr mit seinem Auto vorweg quer durch die Stadt. Am Ende standen wir vor einem Hotel und verhandelten mit dem Personal über den Preis. Leider war uns der Preis zu hoch, die Dunkelheit ist über uns hereingebrochen und wir überlegten zum ‚Helal Ahmar‘ (Pendant zum ‚Roten Kreuz‘) zu fahren. Wir hatten eine Einrichtung auf dem Wege hierher passiert und wissen aus den Blogs anderer Radreisender, dass es kein Problem sei, für eine Nacht dort zu schlafen. Wir hatten sogar aus dem Blog von Pushbikegirl erfahren, dass die Organisation sogar bereit sei, wenn sie kein Bett frei haben, für die Kosten der Unterkunft aufzukommen (http://www.pushbikegirl.com/blog-german/teil-2-iran). Das war nicht unser Ziel, aber zeigt uns, dass man als Besucher dort willkommen ist und fragen sich lohnt. Während wir überlegten, war eine Horde Kinder um uns herum. An diesem Tag war eine Schule zu Gast in dem Hotel. Der Organisator davon war ebenso anwesend, ist Leiter einer Schule in Lar und war bereit uns für eine Nacht bei sich Zuhause aufzunehmen. Unsere Gesichter fingen an zu strahlen und wir folgten ihm. Sein Name war Mohamad und er stellte uns mit voller Stolz seine Frau und seine beiden Söhne vor. Es war wieder mal eine wunderbare Begegnung und wir waren super glücklich. Wieder einmal wurden wir Zeuge der Gastfreundschaft des Landes. Wir haben uns fest vorgenommen, wenn wir wieder zurück in Deutschland sind, Leute aus fernen Ländern Unterschlupf in unseren vier Wänden zu gewähren und denen das gleiche Vertrauen entgegenzubringen, welches uns auf der gesamten Reise entgegengebracht wurde. Wir können es kaum erwarten, unseren Beitrag zu leisten und anderen Reisenden die gleiche Freude zu bereiten.

14.12.16

Am nächsten Morgen klingelte bereits um 6 Uhr der Wecker und es gab Frühstück. Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns mit den Worten: „Danke Mohamad und Deinen Kindern, für diesen wunderbaren Abend und besonderen Dank Deiner Frau, für das wunderbare Essen. Falls Deine Söhne eines Tages nach Deutschland reisen oder Ihr als Familie zusammen kommt, Ihr seid bei uns herzlichst willkommen.“

Obwohl wir nur einen Abend bei dieser Familie verbracht haben, fiel uns der Abschied ein wenig schwer. Wieder wurden wir so herzlich aufgenommen.

Bevor wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Tagesziel machten, fuhren wir noch ein wenig durch die Stadt. Hier und dort kamen wir mit Einheimischen ins Gespräch. Gegen 10 Uhr machten wir noch einen Abstecher bei dem Burger-Laden des Vortages.

Mit gefüllten Mägen ging es zurück auf die Straße. Auf der Karte haben wir kaum Dörfer gefunden. Von den Einheimischen haben wir den Tipp bekommen, in Hormood Abbasi Halt zu machen. Viele andere Möglichkeiten gibt es auf dem Weg nicht. So fuhren wir wieder um die 80 km und kamen vor Sonnenuntergang im besagten Ort an. Die Dorfjugend hatte uns schnell entdeckt und folgte uns mit ihren Mopeds. Der eine erinnerte uns von seinem Aussehen sehr an Leonardo DiCaprio, bloß jünger. Wir fragten die Jungs nach einer Unterkunft und sie fingen an herumzutelefonieren. Anschließend folgten wir ihnen zur Dorfschule. Dort wartete bereits ein Mann auf uns. Wie tags zuvor in Lar half uns ein Schulleiter. Es war Mittwoch, was im Iran den Freitag entspricht, und die Lehrer, welche aus umliegenden Städten kommen, sind bereits nach Hause gefahren. Somit war die Unterkunft der Lehrer, welche sich in der Schule befindet, frei und er gab uns den Schlüssel. Später fuhren die Jungs mit uns durch das Dörfchen zum nächstgelegenen Supermarkt und wir versorgten uns mit dem Nötigsten. Die Jungs beherrschten in ihren frühen Jahren ihre Mopeds schon sehr gut. Zurück in der Schule unterhielten wir uns den gesamten Abend mit dem Schulleiter. Wir hatten viele interessante Themen. Unter anderem kam mal wieder das Thema Adolf Hitler auf. Diese Person ist sehr beliebt in diesem Land, wie bereits in Albanien und Kosovo. Wir haben auf unserer Reise Leute in Teheran, Isfahan und Varzaneh getroffen, die glauben, diese Person sei ein guter Mensch gewesen. Manche glaubten, unter ihnen auch Lehrer, diese Person lebe noch. Mit ein bisschen Rechnerei war dies schnell und einfach widerlegt. Warum kommen die nicht selber darauf? Wir redeten lange über dieses Thema und am Ende war es ihm sichtlich unangenehm, wie er anfangs gedacht hatte und verstand unsere Ansicht. Dennoch für uns beide immer wieder krass, wie die Ansichten in anderen Ländern zur Geschichte und dieser Person sind (z.B. Albanien, Kosovo, Iran).

15.12.16

Der Tag begann sehr träge. Um 7 Uhr klingelte der Wecker, aber bis wir hoch gekommen sind und auf dem Fahrrad saßen, vergingen drei Stunden. Wir hatten uns vorgenommen um die 80 km abzuspulen. Unsere Beine fühlten sich gut an und kamen dementsprechend mit gutem Tempo vorwärts. In der Schule ist uns leider ein kleines Missgeschick widerfahren. Wir beide hatten gut Gewicht verloren auf der Toilette und irgendwie war die Toilette damit überfordert. Was wir auch versuchten, der Scheiß ging nicht weg. Später wussten wir auch warum – die Toilette war bereits vor unserer Ankunft voll. Der Schulleiter, welcher uns die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hatte, war leider gerade auf dem Weg nach Lar, die Stadt wo wir tags zuvor übernachtet hatten. So blieb uns nichts anderes übrig als uns auf dem Weg zu machen. Wir quatschten noch eine Weile über dieses Dilemma und stellten uns seinen Gesichtsausdruck vor, wenn er unser Abschiedsgeschenk findet.

Die Landschaft war wie bereits tags zuvor atemberaubend und erinnerte uns an die Trickfilmserie ‚Roadrunner‘. Die Sonne heizte uns ordentlich auf und wir fuhren wie bereits tags zuvor mit unserem Tuch übers Gesicht. Irgendwo am Straßenrand nach 40 km stand ein Mann und wartete auf Kunden für sein Obst und Gemüse. Wir fackelten nicht lange und kauften uns sechs Apfelsinen und bezahlten 20.000 Rial. Nachdem wir bezahlt hatten, gab uns der Verkäufer noch weitere Apfelsinen und zwei Bananen. Wir freuten uns und bedankten uns recht herzlich.

Es ist nun der vierte Tag infolge, wo wir von einem Tal ins nächste fahren. Jedes Mal eröffnet sich einem eine neue atemberaubende Landschaft. Inmitten dessen schlängelt sich die gefühlt endlose Straße gen Horizont und verschwindet im Dunst.

Nach ca. 80 km sahen wir eine Art Rasthof. Auf dessen Schild waren etliche Symbole abgebildet, wie zum Beispiel Zelten und Duschen. Bis Bandar Abbas waren es noch ca. 90 Kilometer und wir entschieden kurzer Hand unsere Zelte hier aufzuschlagen. Aber irgendwie verstanden die Leute uns nicht. Als wir mit unserem Finger auf die Symbole zeigten, fingen die Leute an zu lachen und schüttelten den Kopf. Uns war das zu blöd und wir stiegen auf unsere Fahrräder und fuhren weiter. Um die fünf Kilometer radelten wir und der nächste Rasthof in einem kleinen Dorf stellte die nächste Gelegenheit dar. Unsere Mägen machten schon gut Lärm, so gingen wir als erstes in ein Restaurant. Schnell wurden wir glücklich. Der Kellner vom Restaurant lud uns ein und zeigte uns, wo wir uns duschen und schlafen können. Wir dachten nur ‚feine Sache‘ und wieder gefühlt alles richtig gemacht‘. Das Essen war ein Traum und der Abend war mit dem Kellner und seinem Chef noch ganz lustig. An diesem Abend bekam ich die Gelegenheit mein erstes Bier im Iran zu genießen. Im Iran ist Alkohol strengstens untersagt. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. So haben viele im Iran anscheinend ihre Quellen. Zwei Stunden später genoss ich mein Bier für 6 $ 😀

Während des Abends hörten wir viel einheimische Musik und wir zeigten im Gegenzug unsere einheimische Musik. Gegen 22 Uhr verabschiedeten wir uns und gingen in die Moschee, wo wir unsere Schlafsäcke bereits nach der Dusche ausgebreitet hatten. Einfach mal wieder ein geiler Tag – viele Kilometer gerissen, Grand Canyon ähnliche Landschaften bestaunt, neue Leute kennengelernt und mit den Einheimischen den Abend verbracht und unsere erste Nacht in einer Moschee 🙂

16.12.16

Am nächsten Morgen wurden wir bereits um 5 Uhr von den Gebeten geweckt. Zwischen uns und den Rest der Moschee hing lediglich ein Vorhang. Wir drehten uns nochmal um und schliefen bis 7 Uhr. Zähne geputzt und Sachen gepackt, ging es auf in Richtung Supermarkt. Unterwegs bedankten und verabschiedeten wir uns von unserem Kellner des Vorabends. Danach ging es zum Supermarkt. Die Dame von der Kasse wollte unser Geld nicht annehmen, da wir Gäste in ihrem Land sind. Stattdessen spazierte sie mit uns durch den Supermarkt und fragte uns was wir noch brauchen. Wir wollten dies nicht schamlos ausnutzen und blieben halbwegs bescheiden 😉 Wir platt wegen der Überraschung und Gasfreundschaft, fast schon peinlich berührt. Danke für diesen freundlich Start in den Tag! 🙂

Heute galt es in Bandar Abbas anzukommen. Höhenmeter standen so gut wie keine auf dem Programm, der Verkehr wurde zunehmend stärker und wir kamen zügig vorwärts. Viele Autofahrer hupten und fragten uns: „Hey Mr., how are you, where do come from, Thank you.“ Es bestand meist nicht die Möglichkeit zu antworten. Die Fragen klangen jedes Mal wie ein auswendig gelernter Satz. Obwohl ja mehrere Fragen gestellt wurden. Zweimal wurde uns Mittagessen angeboten. Doch wir lehnten dankend ab. Ungefähr 30 km vor unserem Ziel passierten wir eine riesige Werft mit der Aufschrift ‚Iran Shipbuilding & Offshore Industries Complex Co.‘. Ich ließ voller Neugier meinen Blick über das wahrlich riesige Gelände schweifen. Als wir den Haupteingang passierten, entschieden wir kurzer Hand eine Pause zu machen. Schnell kamen wir mit zwei Leuten von der Werft ins Gespräch. Sie fragten uns aus und wir erfuhren das die letzten Jahre viele deutsche von deutschen Werften hier waren – für mich interessant zu wissen ;-). Aber das beste kommt noch, die beiden Herren arbeiten in der Küche – jetzt wurde es für uns spannend. Sie fragten, ob wir Hunger hätten. Wir antworteten prompt. Was wir antworteten, könnt Ihr euch ja denken ;-). Leider war es nicht möglich auf die Werft zu kommen, in der Kantine zu essen und dabei vielleicht noch ein paar Blicke zu erhaschen. Dafür brachten sie uns das Essen vor die Tür – Saft, Reis mit Fleisch und Gemüse und Salat. Vielen Dank!

Weiter auf dem Weg in Richtung Bandar Abbas passierten wir einen ziemlich großen Containerhafen, Eisenwerke, Kraftwerke und etliche Militärstützpunkte. Die Straßen waren überfüllt von Lkws. Wir sahen auch viele Lkws befüllt mit nagelneuen Autos von Renault und Volvo. Manche Einheimische berichten uns, dass angeblich die Sanktionen gegen Iran noch nicht aufgehoben sind, aber bisher haben wir noch keinen Volvo oder Renault auf den Straßen von Iran gesehen. Wir schließen daraus, dass dem nicht so ist.

In Bandar Abbas angekommen, freuten wir uns die überfüllten Straßen zu verlassen und in Richtung unseres Host zu fahren. Wir wurden aus ihrer Wegbeschreibung nicht so ganz schlau, weshalb wir uns entschieden haben, an einem markanten Punkt auf sie zu warten. Dieses mal hatten wir über die Plattform ‚Couchsurfing‘ eine Dame ausfindig gemacht, welche bereit ist uns aufzunehmen – die Arme :-D. Wir waren schon ganz gespannt. Während wir ihr eine Nachricht schrieben mit unserem Aufenthaltsort, kamen ein paar Mütter auf uns zu und gaben uns Tee und Kuchen. Tobi und ich sagen da nicht nein und genossen diesen Moment. Als nächstes fragten sie uns noch, ob wir einen Schlafplatz hätten. Wir antworteten und sahen einen Hauch der Enttäuschung in ihren Gesichtern. Sorry, wir sind schon an einen anderen Host vergeben ;-).

Nach ein Weilchen sahen wir ein Mädel mit einem breitem Grinsen auf uns zu kommen. Das Eis war sofort gebrochen und wir quatschten. Von Beginn an nahmen wir sie mit unserem norddeutschen Humor auf die Schaukel und sie lernte verdammt schnell und konterte gekonnt. Bei ihr Zuhause angekommen stellte sie uns einen Mann aus Australien vor. Sein Name war Anthony und er reist seit ca fünf Monaten quer durch Europa und Asien. Er ist bereits 45 Jahre alt und hat seinen Job als Solaringenieur an den Nagel gehängt, um die Welt zu erkunden, bevor es zu spät ist. Von ihm haben wir viele Tipps zu unserer möglichen Route in Australien erhalten. Später gesellten sich dann noch zwei Freunde von Sarah dazu – Mohsen und Farid. Beide kommen aus Teheran und haben auf der Insel ‚Qeshm‘ vor Bandar Abbas Urlaub gemacht. Farid unterrichtet Schlagzeug und spielt in einer Band. Mohsen arbeitete in der Radiologie eines Tehraner Krankenhauses, hat aber seinen Job vor Jahren an den Nagel gehängt und verbringt die Zeit seitdem mit Reisen. Sarah und die beiden Jungs planen den nächsten Sommer gemeinsam für drei Monate Südamerika für sich zu entdecken. Somit waren wir fünf Leute, welche bei Sarah Unterschlupf fanden.

Wir waren alle hungrig und so fuhren wir gemeinsam mit einem Taxi in die Stadt. Vor allem wir konnten es kaum noch aushalten, schließlich hatten wir ja auch schon über 90 km diesen Tag absolviert. Auf dem Weg in die Innenstadt passierten wir die Hafenpromenade und etliche Geschäfte. Überall tummelten Menschen umher. Die Atmosphäre nach den Tagen in der Wüste war für uns unbeschreiblich. Wir genossen die aufgeheiterte Stimmung im Taxi zusammen mit den vielen bunten Lichtern und Menschen auf den Straßen.

In der Innenstadt angekommen zehrte uns Sarah in einen indischen Tempel. Blöd nur, dass wir als Besucher einfach mal das doppelte löhnen sollten. Wir protestierten und verhandelten einen Kompromiss und bezahlten. Im Museum kamen wir aus dem Lachen nicht mehr heraus. Alles war auf persisch geschrieben. Da darfst du als Besucher gerne mal das doppelte an Eintritt löhnen und bist dann auf die Hilfe der Einheimischen angewiesen. Wir konnten, vielleicht auch aufgrund dessen, irgendwie nichts mit dem Museum anfangen. Anschließend ging es auf den Weg in die Fressmeile – endlich. Wir gönnten uns auch gleich noch ein Eis mehr auf der Fressmeile. An diesem Abend hatten wir uns alle viel zu erzählen und hatten viel zu lachen. Ein super Start in eine neue Stadt.

17.12.16

Der Tag begann recht spät. Gegen 2 Uhr kehrte so langsam das Leben in uns zurück. Farid musste schon früh raus, um seinen Flieger zurück nach Teheran zu bekommen. Der Australier Anthony verließ uns auch an diesem Tag.

Sarah machte sich einen Art Gemüse-Shake. Sah nicht wirklich lecker aus. Der Geschmack war aber ganz in Ordnung und mit dem Wissen, dass dies bestimmt gut für unsere Gesundheit ist, schmeckte der Shake gleich noch viel besser.

Bis auf genüsslich rumschimmeln und gepflegt Scheiße labern, passierte bis zum Abend nicht wirklich viel. Wir haben es genossen. Abends ging es dann zu Fuß in die Stadt. Warum?…. Weil wir wieder mal Hunger hatten.

Auf unserem Weg passierten wir noch einen Sportplatz. Seit dem wir nicht mehr auf deutschen Straßen unterwegs sind, begegnen uns nahezu im jeden Land diese Art von Sportplatz. Schaut wie ein Fitnessstudio aus, halt nur unter freiem Himmel und mit einfacheren Geräten. Wir fragten uns schon öfters, warum gibt es so was nicht in Deutschland. Für die unzähligen Fitnessstudios wäre es jedenfalls nicht gerade vom Vorteil. Wir absolvierten gleich noch ein paar Übungen für unser Gewissen und dann ging es weiter.

Das Essen war mal wieder lecker – Falafel. Mit gefüllten Bäuchen ging es an die Wasserpromenade. Dort genossen wir die nächsten Stunden. Die angenehme Temperaturen zusammen mit der Meeresluft laden einen förmlich zum Verweilen ein. Bereits in Yazd hatten wir schon so einige große Zelt im Stadtpark gesehen und fragten uns, ob dies eventuell Flüchtlinge aus Afghanistan seien. Hier auf der Promenade sahen wir wieder zahlreiche Zelte. Der Größe nach zu urteilen, waren es meisten 2 bis 4-Personen-Zelte. Davor lag oftmals noch ein Perserteppich, wo alle gemeinsam picknickten (Iraner lieben es zu picknicken! Egal ob bei sehr kalten Temperaturen wie wir es in Tehran gesehen haben oder in so warmen Gefilden wie Bandar Abbas.) Wir fragten nun mal nach. Mohsen klärte uns auf und meinte, dass seien vor allem Familie aus dem Zentral- und Nordiran. Wenn es in ihren Regionen schon kalt ist, kommen sie in die warmen Gefilde und schlagen dort für ein paar Tage oder auch für ein, zwei Wochen ihre Zelte auf. Man sieht die Zelte vornehmlich in Stadtparks oder entlang von Promenaden wie hier. Morgens gegen 4 Uhr waren wir zurück und Sarah musste schon um 6 Uhr wieder hoch. Sie ist Lehrerin und hatte am nächsten Tag straff zu tun – die Ärmste 😉 Sie hielt es nicht für sinnvoll sich noch hinzulegen. Wenn sie das tue, kommt sie in zwei Stunden nicht hoch. So beschlossen wir gemeinsam mit ihr wach zu bleiben und verbrachten die Zeit gemeinsam auf dem Dach.

Während der ganzen Szenerie musste ich immer an einer der legendären Partynächte aus unserer Studiumszeit in Stralsund zurück denken. Zwei gute Freunde, Andreas und Daniel, und ich hatten gemeinsam Blockwoche in Stralsund. Das bedeutet von morgens bis abends, jeden Tag Unterricht. Teils auch nur ein Fach. Blöd nur, dass ausgerechnet in dieser Woche die Mensaparty auf dem Programm stand. Eine Party, welche nicht allzu oft stattfindet und immer wieder genial war 😀 Wir versuchten mit dem Professor einen Kompromiss auszuhandeln, von wegen vormittags frei und dafür hinten anzuhängen. Leider war dies nicht möglich und die Vorlesung war verdammt wichtig, so hieß es für uns auch durchmachen. Daniel hat es nicht ganz hinbekommen. Er schlief irgendwann am Tisch in unserer Studentenbude ein. Wir erlaubten uns noch einen kleinen Spaß und deckten ihn mit Sesseln zu. Hört sich komisch an und sah echt witzig aus 😀 Der nächste Tag war ein Kampf.

Zurück zu Bandar Abbas. Wir konnten mit Sarah sehr gut mitfühlen. Bloß dieses mal konnten wir schlafen. Wir drückten unseren Finger noch mehrfach in die Wunde. Sarah steckte jeder unserer fiesen Attacken mit Humor weg. Coole Frau 🙂

18.12.16

Es war bereits 14 Uhr und wir wurden von dem Lärm des Mixers geweckt. Für uns gefühlt noch morgens, hat Sarah inzwischen ihren Arbeitstag absolviert und früher als normal Feierabend gemacht. Für Mohsen war es heute auch an der Zeit sich zu verabschieden. Für ihn ging es mit dem Bus zurück nach Teheran. Wieder einmal haben wir jemanden kennengelernt, welchen hoffentlich irgendwann wieder sehen werden oder es mit Michis Worten wiederzugeben „…somewhere, sometime! “

Sarah verabschiedete sich auch erst einmal für zwei Stunden in ihr Bett, um Energie für unseren letzten gemeinsamen Abend zu tanken. Das letzte wollte sie nicht so wirklich akzeptieren und fragte uns, ob wir nicht versuchen wollen unsere Tickets für die Fähre umzubuchen. Zwei Tage später fährt schließlich auch noch eine Fähre und unser Flieger geht erst am Heilig Abend nach Bangkok. Tobi und ich beratschlagten uns kurz und stimmten mit einem breiten Grinsen dafür. Wir machten uns wieder auf den Weg in die Stadt und klapperten sämtliche Reisebüros ab. Wir wurden von einem ins nächste geschickt und am Ende drehten wir uns im Kreis. Sarah versicherte uns noch, dass wir bestimmt am Tag unserer Abreise unser Glück versuchen könnten. Das kam für uns aber nicht mehr in Frage, da wir die Tickets bereits bezahlt haben und uns das Risiko zu hoch erschien. Wir machten das beste aus dem letzten gemeinsamen Abend.

19.12.16

Am nächsten Morgen stehen wir gemeinsam mit Sarah auf. Wir verabschiedeten uns und hatten Sarah tief in unser Herz geschlossen. Hoffentlich sehen wir uns wieder…somewhere, sometime! Leider ist es für einen iranischen Bürger nicht einfach nach Deutschland zu kommen – hoher bürokratischer Aufwand und dazu auch noch teuer. Zum einen sind es die im Vergleich hohen Nebenkosten in Deutschland und zum anderen müssen sie eine Art Kaution bei der Regierung hinterlegen, als Sicherheit, dass sie wieder zurück kommen. Wir in Deutschland bzw Europa können uns echt glücklich schätzen.

Am Hafen angekommen, hieß es für uns warten, in einer dafür vorgesehenen Halle. Es war ein buntes Treiben wie auf einem Flugplatz zu beobachten. Die Fähre verlässt gegen 21 Uhr den Hafen und gegen 18 Uhr beginnt die Abfertigung der Leute – Taschen scannen, Pass- und Ticketkontrolle am Schalter, Zoll und schließlich der Ausreisestempel an der Grenze. Bis zum Betreten der Fähre befindet man sich in einer separaten Halle auf neutralen Staatsgebiet.

Fahrzeughaltern wird empfohlen morgens um 8 Uhr zu erscheinen. Für uns könne dies ja nicht gelten und so waren wir erst gegen 11 Uhr dort. Schnell erfuhren wir, dass selbst dies nicht nötig gewesen wäre und hätten erst kurz vor 18 Uhr, wenn die Abfertigung der Leute beginnt, dort sein müssen. Hätten wir das gewusst, dann hätten wir bis Mittag gepennt…. hätte, hätte, Fahrradkette.

Schnell kamen wir mit einem deutschen Pärchen ins Gespräch. Beide haben bereits ihr Arbeitsleben hinter sich gelassen und genießen ihr Rentnerleben in fernen Ländern. Im Frühling bis Sommer leben sie ganz normal in Deutschland. Wird das Wetter ungemütlich, geben sie ihren Nachbarn die Schlüssel für ihre Wohnung und setzen sich in ihr Outdoorwohnmobil, echt geiles Gefährt, und reisen für ein halbes Jahr in ferne Länder. Europa und Afrika waren die letzte Jahre dran. Dieses mal wollen sie die arabische Halbinsel entdecken. So lässt es sich leben. So ein Rentnerleben können sich bestimmt viele gut vorstellen.

Die beiden berichteten uns von dem ganzen Stress, den sie bereits über sich hier ergehen lassen mussten.

Dazu muss man folgendes wissen. Wenn jemand mit dem Auto in den Iran fährt, steht einem eine aufwendige und zugleich teure Prozedur bevor. Die Regierung will mir allen Mitteln verhindern, dass beispielsweise Du mit einem europäischen Auto in ihr Land kommst und es da für einen guten Preis verkaufst. Autos aus dem Westen sind aufgrund der Sanktionszeiten rar und daher sehr begehrt und dementsprechend teuer. Ein deutsches Auto kostet im Iran schon fast das doppelte vom normalen Preis. So darfst du gleich mal den Wert deines Autos als Kaution beim Staat parken. Hat dein Gefährt einen Schätzwert von 50.000 €, dann darf man glaube ich die Hälfte dieses Werts gleich nochmal bei der iranischen Regierung parken. Ein Grund warum viele Reisende mit Motorrad oder Auto das Land meiden oder den Wert ihres Fahrzeugs bewusst niedriger schätzen lassen.

Um sein Auto am Ende wieder zu bekommen, muss jeder ein paar Stationen ablaufen. Leider kann einem keiner sagen, welche und am Ende zieht es sich aufgrund von Kleinigkeiten, wie zum Beispiel ein fehlende Kopie vom Pass, in die Länge. Tobi und ich hatten vorher zusammen mit unseren Eltern in anderen Blogs schon in Erfahrung gebracht, dass sich dieses Prozedere stets zu einer Geduldsprobe entwickelt. Anfangs waren wir uns nicht sicher, ob uns mit dem Fahrrad was ähnliches erwartet. Während ein Motorradfahrer gleich mal das Vielfache bezahlen darf und diese aufwändige Prozedere über sich ergehen lassen muss, dürfen wir unsere Fahrräder einfach auf die Fähre schieben und bezahlen nur den normalen Fahrpreis von ca 70 € pro Person. Das deutsche Pärchen durfte gleich mal über 700 € löhnen. Wir schauten sie mit großen Augen. Der Preis ist abhängig von der Masse und die beiden haben wirklich ein schweres Wohnmobil. Dennoch für unsere Vorstellung ein hoher Preis.

An diesem Tage haben wir noch unser Pärchen aus Barcelona wieder getroffen. Wir warteten schon sehnsüchtig auf sie. Die beiden waren aber clever und haben vorher raus gefunden, wann sie hier zu erscheinen haben. Blöd das wir sie nicht einfach gefragt haben, schließlich standen wir mit ihnen permanent in Kontakt.

Gegen 22 Uhr haben wir den Hafen verlassen. An Bord wurden wir eingewiesen, wo wir uns hinzusetzen haben. Der Chef der Bande fragte uns woher wir kommen. Auf unsere Antwort machte er den Hitlergruß vor uns. Wir und die Spanier schauten uns an und ja, was soll man dazu sagen. Wir ließen ihn einfach mal im Raum stehen. Nicht das erste Mal auf unserer Reise, dass wir so begrüßt werden.

Kaum saßen wir, wurde das Essen serviert. Die Crew hat sich „wirklich Mühe“ gegeben. Danach ging es noch mal an Deck. Dort kamen wir noch mit anderen Leuten ins Gespräch und genossen das Lichtermeer der Inseln und von Bandar Abbas. Kurze Zeit später wurde das Licht an Board gedimmt und jeder Passagier suchte sich eine Sitzreihe, wo er sich lang machen kann.

2018-11-04T14:56:38+00:00 11.01.2017|Iran|0 Kommentare