40 | Bangkok – Unser Tor nach Südostasien

25.12.2016 – 20.01.2017 | Gute sechs Monate sind es nun her, dass wir den Stadthafen unter großer Beteiligung unserer Familien, Freunde, Kollegen und unter den Augen eines Rostocker Abenteurers verlassen haben. Mir hat es damals ein riesen Lächeln in mein Gesicht gezaubert, als ich Ronald Prokein vor mir stehen sah. Da stand nun also der erfahrene Abenteurer und Rekordjäger vor uns beiden Grünschnäbeln und wünschte uns viel Glück für unser Abenteuer. Wir fühlten uns beide geehrt. Nur einen Tag vor unserem Start, hatte ich ihm eine Mail geschrieben, von unserem Vorhaben berichtet und ihn einfach mal eingeladen. Ich habe nicht damit gerechnet, dass er wirklich erscheint. Damit auf unserer Reise auch wirklich nichts schief geht, gab er uns den heiligen Christophorus mit auf dem Wege. So richtig glauben wir zwar nicht daran, dennoch haben wir ihn gehütet wie unseren eigenen Augapfel und wir sind heil in Südostasien angekommen.

Wer ist eigentlich dieser Ronald Prokein? Zu Beginn meiner Berufsausbildung hatte meine Mutter mehrere Bücher von ihm gekauft und mir täglich davon berichtet. Ich war sofort angefixt und lass die Bücher. Ronald absolvierte zusammen mit seinem Freund Markus Möller gleich mehrere Abenteuer. Sei es mit dem Fahrrad um die Welt zu radeln in 161 Tagen (Weltbestleistung), mit den Kajaks die Lena abgepaddelt, Kamtschatka zu Fuß entdeckt und vieles mehr. Seit dem denke ich häufig an die Abenteuer in den Büchern zurück. Meine Vision/Traum von einem eigenen Abenteuer war geboren. Danke Euch beiden für die tolle Inspiration :-). Wer von Euch mehr Interesse hat, ein Blick auf die Webseite lohnt sich.

Wir sind dagegen nicht mal im Ansatz Rekordjäger oder anderweitig harte Jungs. Wenn es windet, regnet oder die Natur versucht auf eine andere Art das Leben zu erschweren, dann verweilen wir ganz ohne Druck unter den Einheimischen und haben auf diese Weise stets einen tiefen Einblick in die jeweilige Kultur bekommen. Zudem haben wir viele neue Freundschaften geschlossen. Wir hoffen zumindest einige von denen wiederzusehen… Somewhere, sometime! Die letzten Worte von Michi Münzberg bei unserem Treffen in Dresden. Wir haben das mal glatt übernommen 😉

Mit zunehmender Zeit wird uns mehr und mehr bewusst, was wir auf unserer Reise schon alles erleben durften. Wir glauben bereits viele unterschiedliche Landstriche bestaunt zu haben, wir wurden von vielen Einheimischen herzlichst aufgenommen und besonders im Iran wie Familienmitglieder behandelt. Keinen Moment wollen wir missen. Besonders der Balkan und an erster Stelle der Iran haben unsere Herzen erobert.

Nun sind wir auf dem Wege nach Bangkok, unser Tor zu einer für uns fremden Welt. Voller Vorfreude blicken wir in die Zukunft und genießen es auch zurückzublicken, auf das was uns keiner mehr nehmen kann. Danke an Euch allen, für Euer riesen Interesse. Es macht uns immer wieder Spaß unsere Erlebnisse mit Euch zu teilen. Vielen Dank für die tolle Unterstützung, die vielen Kommentare und Tipps. Ihr seid großartig 😀 Dieser Blog ist und bleibt unser Baby, auch wenn wir in jüngster Vergangenheit viel auf Facebook und Instagram aktiv waren!

An Heilig Abend sind wir von Dubai nach Bangkok geflogen. Am 25.12 haben wir gegen Mittag den Flughafen in Bangkok verlassen und uns auf den Weg in Richtung Hostel gemacht. Dort angekommen, haben wir gleich ein paar coole Jungs kennengelernt. Spät abends ging es dann auf die Straße, um etwas leckeres für unsere hungrigen Mägen zu finden. Als wir wieder zurück kamen, waren die Türen des Hostels verschlossen. Was wir auch versucht haben, es öffnete niemand die Tür. So ging es zurück in eine Art Restaurant-Bar namens ‚My Dream‘, wo wir auf ein paar lustige Gestalten trafen und einen lustigen Abend hatten. Irgendwann gegen 2 Uhr nachts beschlossen wir unser Glück ins Hostel zu kommen erneut, auch dieses Mal leider vergeblich. So erinnerten wir uns an die schöne Zeit im Iran, wo es absolut kein Problem war, eine Unterkunft für eine Nacht zu finden, da die Menschen oftmals auf uns zu kamen und fragten, ob sie uns helfen könnten. So gingen wir mit dieser Erinnerung die Straße erneut rauf und runter und fragten bei den lustigen Gestalten im ‚My Dream‘ nach. Irgendwie verstand uns aber plötzlich keiner mehr. Sie schlugen uns ein Hotel vor, worauf wir antworteten, dass dies keine Option sei, da wir kein Geld bei uns haben. Es lag alles im Hostel (Reisepass, Kreditkarte, Handy …). Nach ein paar Minuten gaben wir auf und gingen erneut die Straße lang und fingen an die Gastfreundschaft hier mit dem Iran zu vergleichen. Der Iran hat uns ganz schön verwöhnt. Plötzlich sahen wir auf einer Dachterrasse zwei Jungs sitzen, vermutlich Anfang bis Mitte zwanzig. Wir fackelten nicht lange und sprachen sie an. Anschließend kamen sie runter und wir schilderten ihnen unsere unglückliche Situation. Wir fragten, ob es möglich sei, bei ihnen auf der Terrasse zu schlafen, bis das Hostel wieder öffnet. Inzwischen war es schon gegen 3 Uhr und das Hostel öffnet vielleicht schon vier Stunden später. Sie schauten uns fragend an und schlugen uns ebenso ein Hotel vor. Wir gaben die gleiche Antwort wie zuvor den anderen Jungs und daraufhin schlugen sie uns vor, die Polizei zu rufen. Wir schauten uns gegenseitig an und verstanden diesen Vorschlag nicht. Ich bat sie, nicht die Polizei zu rufen, da uns nichts geklaut wurde und von uns auch keine Gefahr ausgeht. Anschließend weckten sie ihre Eltern und wir kamen mit dem Vater der Familie ins Gespräch. Während wir fröhlich mit ihnen quatschten, sah ich jemanden im Haus mit einem Telefon am Ohr. Kurze Zeit später merkte ich, es handelt sich scheinbar um die Mutter. Ich sprach mit Tobi auf Deutsch darüber und anschließend fragte ich den Vater, ob die Frau im Hause zufällig gerade die Polizei ruft. Ich bekam nicht wirklich eine Antwort und wir dachten uns unseren Teil. Wir brachen das Gespräch ab und ich gab ihm deutlich zu verstehen, dass es absolut unnötig sei, die Polizei zu rufen und wir lediglich die nächsten vier Stunden auf der Suche nach einem Schlafplatz sind. Wir gingen zügig die Straße entlang und biegten kurze Zeit später in die nächste Seitenstraße ab. Während wir darüber debattierten, ob sie wirklich die Polizei gerufen haben, sahen wir ein Polizeijeep mit Blaulicht aus sicherer Entfernung die Straße langsam entlang fahren. Das erste Polizeiauto was wir in dieser Straße gesehen haben. Bloß ein blöder Zufall?
Wir liefen die Umgebung ab und schauten permanent nach weiteren Polizeiautos. Der Kontrast zwischen Iran und Thailand ist gefühlt in diesem Moment für uns gigantisch. Dort sind wir überall auf Leute gestoßen, welche einem stets das Gefühl gaben, ein Teil der Familie zu sein. Hier stößt man dagegen auf absolutes Misstrauen. Gegen 5 Uhr waren wir wieder vorm Hostel und versuchten erneut unser Glück. Vergeblich. Wir hätten im Stehen einschlafen können. So fingen wir an Lieder zu singen und dazu zu tanzen. Half gut gegen die Müdigkeit und Moskitos. Gegen halb sechs kamen die beiden Jungs von der Terrasse auf einem Motorrad auf uns zu. Sie gaben uns was zu trinken und zu essen und verabschiedeten sich mit den Worten „Good Luck“. Wie jetzt „Good Luck“? Wir antworteten auf Deutsch mit „Am Arsch“. Gegen 6 Uhr kamen wir endlich ins Hostel und fielen wie zwei Steine nach 44 Stunden ohne Schlaf ins Bett. Im Flieger war es nicht möglich Schlaf zu bekommen. Gegen 16 Uhr fingen wir langsam an wach zu werden.

Die nächsten Tage schliefen wir stets bis weit in den Tag hinein. Wir fühlten uns in dem Hostel super wohl. Dabei handelte es sich um eine Mischung aus Hostel und Fahrradladen. Tobi hatte dieses Hostel, SpinningBearHostel, über Warmshowers gefunden. Es lag ca. eine Stunde vom Stadtzentrum entfernt. Die ersten zwei Nächte sind für Radreisende umsonst und alle weiteren Nächte zum halben Preis. Zudem lag das Hostel in einer Art Fressmeile. Wir fühlten uns hier ganz schnell wohl und kosteten dies täglich aus 😀
Das beste an diesem Hostel waren andere Radreisende, welche wir kennenlernen durften. Wir würden Euch gerne mal die Leute und deren Geschichte vorstellen, was sie beruflich so machen oder gemacht haben und was sie zu solch einer Reise bewegt hat. Zum Beispiel Tommy, Ende 20, aus Colorado. Er arbeitet als forest firefighter und hat dadurch einen saisonalen Job. Jedes Jahr arbeitet er sechs Monate hart und sechs Monate hat er frei. Er liebt seinen Beruf, auch wenn es nicht immer ganz ungefährlich ist. Die sechs Monate Freizeit weiß er gut mit seinen Hobbys zu füllen. Im Winter laden ihn die Berge zum Skifahren ein, eine Leidenschaft von ihm. Ebenso liebt er es, sich auf sein Mountainbike zu schwingen und die Berge rauf und runter zu hacken. Jedes Jahr für zwei Monate die Welt zusammen mit seinem Fahrrad zu entdecken, ist für ihn eine willkommene Abwechslung. Er liebt es, die Geschichte anderer Länder zu entdecken, sowie die Leute, Kultur und Landschaften. Weltoffen wie er ist, hat er in zwei Monaten Thailand, Laos und Kambodscha mit seinem Fahrrad durchquert und dabei über 4000 km zurückgelegt. Über die Geschichte und aktuellen Geschehnisse denkt er sehr kritisch und betonte immer, bitte die Regierung und das Volk eines Landes strikt voneinander zu trennen. Hat uns an den Iran erinnert. So berichtete er von dem Vietnamkrieg und welche Rolle dabei Kambodscha gespielt hat. Als er durch den südlichen Teil des Landes fuhr, sah er anstelle von Dschungel teils öde Landstriche, welche wenig mit dem Rest des Landes gemein haben. Wir erfuhren zum ersten Mal, dass einer der größten Bombenangriffe der Menschheit auf Kambodscha niederging. Es wurden mehr Bomben abgeworfen während des Vietnamkrieges über Kambodscha, Laos und Vietnam, als im gesamten Zweiten Weltkrieg. Die Amerikaner wollten die Nachlieferungsrouten für die Nord-Vietnamesen vernichten, ohne Rücksicht auf Verluste. Heute wissen scheinbar viele nichts darüber. Vielleicht weil das Land sehr arm ist? Dazu später mehr in einem Kapitel über Kambodscha. Wir bekamen zudem noch nützliche Tipps, wo wir im Norden Thailands unbedingt hin müssten. Wir lauschten seinen Geschichten sehr gespannt, so auch Kino.
Ja, Kino ist tatsächlich ein Name. Er kommt aus Mexiko, ist Ende 30 und arbeitete zuletzt in den USA. Er ist in seiner Freizeit Trainer für Capoeira, eine brasilianische Tanz- bzw. Kampfsportart. Erfunden wurde dieser Sport von den damaligen Sklaven, denen es untersagt war, irgendeinen Kampfsport zu führen. So verkauften sie es als einen Tanz. Wir bemerkten schon beim ‚Hallo‘ sagen, dass er doch sehr sportlich ausschaut. Er nimmt sich gerade eine Auszeit für einen Monat und hat auf einem Minifahrrad den Südosten Asiens entdeckt. Teils fuhr er auf diesem kleinem Fahrrad 150 km am Tag – IRRE! Sein Traum ist es, in Mexiko ein Hostel zu eröffnen. Wir drücken ihm die Daumen, dass es klappt. So wie Tommy, hatte er sein Abenteuer schon hinter sich und für beide ging es am 28.12. zurück nach Hause. Wir hoffen beide irgendwann wieder zu sehen.
Zum Glück waren es nicht die einzigen Radreisenden im Hostel. So war noch ein eine Art Legende unter Radreisenden zu Gast. Lorenzo, aus Spanien, über 50 Jahre alt. Eine sehr ruhige Person. Vor 19 Jahren gab er seinen Job als Literatur-Lehrer auf und reist seitdem mit dem Fahrrad um die Welt. Ihn zu fragen, wo er überall war, ist für ihn schwer zu beantworten. Einfacher ist es, ihn zu fragen, wo er noch nicht war. Ehrlich gesagt, weiß ich seine Antwort gar nicht nicht mehr, dafür war ich einfach viel zu fasziniert von der bloßen Vorstellung einer solchen langen Reise. Er war auf allen Kontinenten, bis auf Antarktis ;-), in etlichen Ländern unterwegs. Derzeit befindet er sich auf dem Heimweg und macht sich auf in Richtung China, also über Umwege. In ca. zwei Jahren plant er ‚Zuhause‘ zu sein, was auch immer er nach so einer langen Zeit als sein Zuhause noch betrachtet. Wahnsinn seine Erlebnisse und Erfahrungen. Demnächst bringt er ein Buch raus. Wir waren auch sehr neugierig zu erfahren, wie er sein Leben finanziert. Er hat eine Eigentumswohnung in Spanien, welche er seitdem vermietet. Von den monatlichen Mieteinnahmen finanziert er sein Leben. Was hat ihn dazu geritten, für solange Zeit auf Achse zu sein? Als Antwort bekamen wir Schulterzucken. Es war nie so geplant. Anfangs wollte er nur für ein Jahr Reisen. Daraus wurden zwei, drei usw. Jahre, bis heute. Jetzt ist er selber erschrocken, wie die Zeit vergangen ist und will dies in aller Ruhe verarbeiten. Wir wünschen ihm dabei viel Erfolg und das es nicht weitere Jahrzehnte in Anspruch nimmt ^^.
Als bereits Tommy und Kino fort waren, kam Blanca. Eine Dame, Ende 50, kommt ursprünglich aus Spanien, lebt aber seit den 80er Jahren in London. Dort hat sie ihren Mann kennengelernt und eine Familie gegründet. Nun sind ihre zwei Töchter schon lange aus dem Haus und sie hat ihren Job als Laborantin an den Nagel gehängt. Sie liebte ihren Beruf. Sie liebte ihren Beruf sogar sehr. So sehr, dass es gleichzeitig ihr Hobby war und sie nur noch für ihren Beruf gelebt hatte. Das wollte sie ändern und so entschloss sie sich, trotz der nicht mehr ganz so jungen Jahre, auf ein ganz neues Abenteuer einzulassen. Im Juni 2015 ist sie in London gestartet. Ihr großes Ziel ist ebenso Australien. Dafür nimmt sie gerne hier und dort Umwege und genießt ihr neues Leben (Link). Eine tolle Begegnung.
Als letztes gesellte sich Mohit, ein junger Inder, 19 Jahre, welcher mit dem Fahrrad den Südosten Asiens für sich entdeckt. Sein Traum ist es, eines Tages als Koch zu arbeiten und sein eigenes Restaurant zu besitzen oder viel mehr ein Restaurant auf Rädern. Er träumt davon, in Indien permanent damit unterwegs zu sein. Radreisende hätten einen Ehrenplatz bei ihm und er würde seine Route nach den Radreisenden richten, um so viele wie möglich zu treffen. Als angehender Koch, will er soviel wie möglich über die asiatische Küche lernen und ist stets auf der Suche nach neuen Rezepten. Auf unserer weiteren Reise werden sich noch öfters unsere Wege kreuzen.
Des Weiteren lernten wir noch viele Backpacker kennen, welche meist nur für eine Nacht im Hostel waren.

Das waren eigentlich auch schon fast unsere Höhepunkte von den ersten zwei Wochen in Bangkok. Tagsüber sind wir mit dem Boot von unserem Viertel in die Innenstadt gefahren. Für lediglich 80 Cent ging es per Boot ca. 45 Minuten durch die Stadt. Für die Einheimischen normal, für uns ein wenig aufregend. Die Boote gingen gut ab. Wir hatten mal mit unserer Navigations-App die Geschwindigkeit beobachtet und demnach waren wir mit bis zu 32 km/h (17 knot) unterwegs. Die Lautstärke war dagegen ohrenbetäubend. Die Fahrten mit dem Boot führten uns auf dem Weg von unserem Viertel in die Innenstadt durch zahlreiche Wasserkanäle, auch Khlongs genannt. Dabei gestalteten sich die Ufer sehr unterschiedlich und interessant. Lange und schmale Fußgängerwege begleiteten die Kanäle, viele Verkaufsstände unterschiedlichster Coloeur (meistens Essen und Klamotten) nahmen diese hier und da ein, mal säumten buddhistische Tempel, mal große Wohnbauten im Plattenbaustil oder provisorisch erbaute Häuser die von bunten und oftmals magentafarbenen Pflanzen behangenen Kanäle. Zu sagen, man befände sich ich hier in einem grünen, urbanen Dschungel, wäre keine Untertreibung und stellte einen willkommen satten Kontrast zu fünf Wochen Wüstenlandschaft dar. Interessant zu beobachten waren vor allem die provorisch zusammengeschusterten Bauten aus verschiedensten Materialien. Diese hatten oftmals auch Terrassen, welche auf maroden Pfählen im Wasser standen. Bei manchen war es nur eine Frage der Zeit bis sie wegbrechen. Menschen saßen vor ihren slumartigen Behausungen am Wasser, kochten, aßen, dösten oder waschten. Überragt wurden diese Bauten von zahlreichen modernen Hochhäusern, die einen starken Kontrast in dieser Szenerie bildeten. Die Khlongs bildeten in der thailändischen Hauptstadt jahrhundertelang als Weg zur Arbeit, als schwimmender Marktplatz sowie als Entsorgungsplatz von Fakälien. Aufgrund von städtischen Baumaßnahmen wurden viele Khlongs zugeschüttet, Straßen wurden gebaut und andere Flächen bebaut. In der Stadt haben wir uns nicht wirklich mit den Sehenswürdigkeiten beschäftigt. Wir waren zwar mal hier und dort in einem Park, auf vielen Märkten usw. unterwegs, können aber nicht wirklich sagen, ob wir die Stadt empfehlen können oder nicht. Dafür haben wir zu wenig gesehen. Wir hingen auch viel mit Einheimischen rum. Teils auch in Stadtteilen, welche mit dem Auto nochmals bis zu einer Stunde vom Zentrum entfernt waren. Dort waren überhaupt keine Touristen anzutreffen. Wir haben die Zeit an diesen Orten sehr genossen zusammen mit den Einheimischen und besonders das Essen. Selber kochen spielte bei dem Angebot überhaupt keine Rolle mehr. Dafür waren die Angebote einfach zu groß und die Preise genial. Hält man sich dagegen in den Touristen-Hotspots auf, sind die Preise teils identisch mit Europa.

Die Einheimischen haben wir bei unserem ersten Besuch der legendären Khaosan Road kennengelernt. Wir haben viel von dieser Partystraße gehört. Bei den Rucksacktouristen (Backpacker) soll diese Straße sehr beliebt sein. So hofften wir dort auf viele Gleichgesinnte zu treffen. Dem war leider nicht so. Nach der ersten halben Stunden kamen wir zu der Meinung, dass dies nicht unserer Vorstellung entsprach. Liegt vielleicht auch daran, dass wir zu viel erwartet haben. Die Leute tanzten auf der Straße und der Alkohol lief allen die Kehle runter. Die Stimmung war gut. Soweit so gut. Die Preise waren teils schon ziemlich westlich und die Klubs lockten mit Boxen auf den Straßen die Leute in ihr Inneres. Wenn dann zwei Klubs gegenüber sind, entsteht daraus schon mal schnell eine Art Wettkampf. Der mit der lautesten Musik ist cooler. Unsere Ohren stießen an ihre Grenzen. Zwischen dem Partyvolk versuchten viele Einheimische total bescheuerte Zipfel-Mützen, Armbänder, Insekten für den kleinen Snack zwischendurch usw. zu verkaufen. Andere wollten uns zu einer Ping Pong Show einladen. An jeder Ecke standen eine horde kleiner thailändischer Männer, welche Werbung für diese Show machten. Wir hatten keine Ahnung was dies für eine Show sein sollte, aber schon ein gewisse Vorahnung, welchem Genre dies zuzuordnen ist (einfach mal googeln) ;-). Näherte wir uns dem Ende der Straße, standen die ganzen Tuk-Tuk Fahrer und kamen auf einen zu, mit den Worten „Tuk-Tuk-Bum-Bum“. Wir hatten gut was zu lachen ^^. Läuft man die Straße mehrmals rauf und runter, dann gehen einem die Leute, so erging es uns, die einem permanent was andrehen wollen, irgendwann auf den Sack. Wie gut das wir mit ein paar einheimischen noch ins Gespräch kamen, mit welchen wir noch mehr Zeit die kommenden Tage(oder Wochen ;-)) verbringen werden. Von denen haben wir auch erfahren, dass die Einheimischen gar keine Skorpione esssen. Die Touris dagegen schon, mit dem glauben, sie essen typisch thailändisches Essen. Auch uns hat es einmal erwischt und wir kauften uns Seidenwürmer, welche dagegen von den Einheimischen auch verzehrt werden. Wir hatten nämlich eine Challenge. Die ehemaligen Nachbarn von Tobi, hatten uns die Aufgabe gestellt, Insekten zu essen und davon ein Foto zu machen. Danke an dieser Stelle für die Unterstützung an die Hessis 😀 Also Leute, lasst Euch was einfallen 😉

Die Reeperbahn rockt mehr und Budapest ist was das Party machen angeht, auf unserer Reise ganz weit vorne! Dennoch waren wir noch zwei weitere Male auf der Khaosan Road. Unser zweiter Anlass war die Silvesternacht. Wir wussten keine so richtige Alternative und die Einheimischen waren auch wieder mit am Start. Gegen 1 Uhr Nachts erreichten wir die Partymeile. Man möchte annehmen, viel zu spät. Bangkok ist bekannt für die großen Silvesterpartys und atemberaubende Feuerwerke. Dieses Jahr viel die Silvesterparty aus. Seit dem Oktober befindet sich das Land für ein Jahr im Trauerzustand. In dieser gesamten Zeit fallen alle öffentlichen Feiern aus. Warum, wieso, weshalb erfahrt Ihr im nächsten Absatz. Auf der Partymeile ist von der Trauer nicht viel zu spühren, eigentlich gar nichts. Die Straßen waren zum Erbrechen voll. Wir trafen uns mit den anderen in einem Club und tranken fleißig Bier, außer Tobi ;-). Viele Deutsche waren anwesend. Irgendwann machte ich mir den Spaß und grüßte die Leute mit ‚Moin‘. Gleich beim ersten Versuch, kam plumpt die Antwort ‚Woher weißt du, dass ich deutscher bin‘. Als nächstes kam uns so ein Typ entgegen, welcher aussah wie ‚MC Fitti‘. Wir konnten nicht mehr vor Lachen und fragten ihn auf Deutsch, ob sein Name zufällig MC Fitti sei. Er fing an zu lachen und hörte es nicht zum ersten Mal. Noch lustiger wurde es, als er uns erzählte, dass sein früherer Mitbewohner tatsächlich mit MC Fitti in einer WG lebte. War ein lustiger Abend mit ihm. Die Stimmung war gut und wir kamen mit immer mehr Leuten ins Gespräch. Die meisten kamen aus England, gefolgt von den Deutschen und vielen anderen europäischen Ländern. Später gesellten wir uns zum DJ, ebenfalls Deutscher. Er macht mit seinem Kumpel eine Weltreise und legt überall auf der Welt in Clubs auf und verdient sich so sein Geld fürs tägliche Leben. Gegen 6 Uhr in der Früh gingen überall die Lichter an. Witzige Partynacht. Die beste kommte aber noch.
Ein guter Freund namens Henry aus dem Studium war nach seiner Masterarbeit für ein Jahr ‚Work and Travel‘ mit seiner Freundin in Australien. Dort haben die beiden auf einer Farm gearbeitet und Rouven kennengelernt. Er arbeitet im Vertrieb einer großen Farm und kommt ursprünglich aus Deutschland. Seit ein paar Jahren lebt er nun schon in Australien und wird aller Voraussicht bald seine australische Staatsbürgerschaft bekommen. Henry war so gut und hat uns den Kontakt zu Ihm hergestellt. Er war gerade auf Entdeckungsreise mit seiner Freundin durch den Südosten Asiens und zufällig in Bangkok. Wir trafen uns mit Rouven vor seinem Hotel. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass er aus Deutschland kommt. Diese Information hat uns der Henry vorenthalten ;-). Wir laberten die ersten Sätze erste einmal auf Englisch bis er uns fragte, warum wir nicht deutsch reden. Dann wurden wir erst einmal aufgeklärt. Wir machten uns auf dem Weg in irgendeine Bar. Auf unserer Suche sahen wir viele Prostituierte. Generell waren wir nicht gerade im nobelsten Stadteil Bangkoks unterwegs. Am Ende fanden wir unsere Erlösung in einem Irish Pub. Wir verbrachten dort die ersten eins bis zwei Stunden. Rouven und ich vernichteten ein Bier nach dem anderen :D. Während dessen ergriffen wir die Gelegenheit und riefen Henry, den Lappen ;-), per Videotelefonie an. Leider war die Verbindung nicht so gut, dennoch lustige Situation auf beiden Seiten. Einfach nur geil, dass es alles so einfach geklappt hat. Später machten wir uns auf die Suche nach einem Club, leider vergebens. So fackelten wir nicht lange und suchten nach einem Tuk-Tuk, um wieder mal in die Khaosan Road einzutauchen. Der Tuk-Tuk Fahrer schlug uns ein Preis von 300 Baht vor (ca. 8,1 €) wir empfanden das als zu teuer. Rouven handelte einen Preis von 150 Baht aus. Meine erste Fahrt mit einem solchen Gefährt. Wir waren happy und Rouven war stolz, diesen Preis ausgehandelt zu haben. In der Partystraße angekommen, machte sich schnell Ernüchterung breit. Es war bereits 3:30 Uhr und die Lichter in den Clubs waren schon an. Die Leute standen Schlange an den Taxi-Spots. Wir überlegten uns eine alternative. Das konnte es doch noch nicht gewesen sein. So suchten wir uns voller Verzweiflung ein Taxi und fuhren geradewegs zurück ins vorherige Viertel. Diese Aktion kann man glaube ich als eine Verzweiflungstat ansehen ^^. Tobi und ich konnten nach der Taxifahrt gut über Rouven lachen. Statt den 150 Baht wie auf dem Hinweg, haben wir jetzt nur 80 Baht bezahlt – HAHA. Da hat er ja richtig gut verhandelt ;-). Klar ist ein Tuk-Tuk teurer, aber das der uns am Anfang abziehen wollte und wir noch felsenfest glaubten, einen gut Preis ausgehandelt zu haben, ist schon witzig. Am Ende landeten wir in einem arabischen Klub. Das war vielleicht ein scheiß Laden. Dort tanzten ein paar Mädels auf der Tanzfläch und alle Besucher saßen ringsherum und langweilten sich. Die Krönung war für uns der Moderator der Show. Bereits nach den ersten Sätzen ging dieser Typ uns auf den Kranz. Wir orderten bereits zu Beginn ein Bier und beschlossen es schnell zu leeren. Als wir die Rechnung sahen staunten wir nicht schlecht, ca. 7 $ für ein kleines Bier. Spätestens jetzt mussten wir einsehen, dass war es wohl und wir verabschiedeten uns voneinander. Dieser Abend muss wiederholt werden! Also Rouven, wir würden mal sagen, wir sehen uns in Australien wieder :D. Danke Henry für den Kontakt!

Da die Khaosan Road ja so scheiße ist, sind wir noch ein viertes mal hin. Scheiße zieht schließlich an ;-). Eine gute Freundin von Tobi namens Jo, war mit ihrem Freund Hanno in Bangkok. Jo und Tobi kennen sich vom Leichtathletik. Ja, Tobi war tatsächlich mal sportlich ^^. Wir holten die beiden aus ihrem Hotel ab. Bangkok ist war ihre erste und ist auch die letzte Station ihres Thailand-Urlaubs. Da das Hotel nun mal nicht so weit von der Khaosan Road entfernt war, gingen wir halt dort was essen und trinken. Wir hatten witzigen gemeinsamen Abend. Schon komisch, im positiven Sinne, Freunde aus der Heimat so weit weg von Zuhause zu treffen. Hanno entpuppte sich als großer Fan Südost-Asiens und gab uns noch einige nützliche Tipps mit auf dem Wege. Leider ging ihr Flieger schon am nächsten Tag zurück nach Hause. Dadurch haben wir uns schon wieder bei Zeiten verabschiedet. Tobi und ich schlenderten nochmals für zwei Stunden über die Khaosan Road. Wieder witzige Gestalten unterwegs. Die beste Aktion war, als ein Taxi sich durch das Getümmel drängelte. Exakt zwischen zwei konkurrierenden Klubs war für den Taxifahrer kein durchkommen mehr. Schnell kamen die Leute auf den Trichter, dem Taxi Fahrer aufs Auto zu klettern und auf der Kühlerhaube oder Dach weiter zu tanzen. Die Stimmung war genial und der Taxifahrer hatte auch sein Spaß. Keine Anzeichen von Wut oder dergleichen.

Bangkok trug in den Tagen unseres Verweilens ein schwarz-weißes Gewand. Genauer gesagt seit dem 13. Oktober 2016. Überall in der thailändischen Hauptstadt waren schwarz-weiße Stoffbahnen gespannt. Viele Menschen waren in Schwarz gekleidet. Eine kunstvolle Brosche zierte die Brust der Trauernden. Sie galten jenem allgegenwertigen Gesicht, welches uns in der Öffentlichkeit in Form von XXXXXL-Portraits, in zahlreichen Geschäften und Straßenküchen begegnete. Es ist das Gesicht eines Mannes, der von vielen Thailändern mit Inbrunst geliebt wird. Er war Fotograf, Entwicklungshelfer, Jazzsaxophonist, Komponist, Goldmedaillengewinner im Segeln bei den Südostasienspielen, studierter Politologe und Jurist, Ingenieur, Schriftsteller, Maler und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Die Rede ist von König Bhumibol Adulyadej, welcher am 13. Oktober 2016 im Alter von 88 Jahren verstorben ist. Vor diesem Hintergrund ordnete die Militärregierung, welche seit der Inthroninisierung Bhumibols im Jahr 1950 mal mehr, mal weniger die Nähe zum König bzw. zum Königshaus sucht, eine einjährige Trauerzeit an. Bangkok zu Silvester, so ein Mann, welchen wir auf der Fähre vom Iran in die VAE trafen, sei einfach nur fantastisch und berühmt für gigantische Feuerwerkspektakel. Dieses Silvester kam aber ohne Feuerwerke aus. Zu Ehren des Königs. Ein König, dessen Motto es zu Lebzeiten war, Thailand einzig zum Vorteil seiner Menschen zu regieren. Dieses Motto kam in seiner Volksnähe deutlich zu spüren. Er besuchte alle 76 Provinzen des Landes, die von Armut gebeutelten, die reichen, die unruhigen Minderheitsregionen und die Touristenzentren – und dies mindestens einmal. Viel Kraft und Zeit investierte er in verschiedenste Projekte in den Bereichen Landwirtschaft, Bewässerung, Rettungsdienst, Gesundheitswesen, Bildung und Bekämpfung der Armut. Auf seinem Palastgelände betrieb er eine Versuchsfarm, die zum Ziel hatte, neue Anbaumethoden zu entwicklen und das gewonnene Wissen mit der von der Landwirtschaft lebenden Bevölkerung zu teilen. Während seiner Zeit als König wurde Thailand oftmals von rauen und chaotischen Zeiten heimgesucht; große Straßenproteste und Demostrationen, blutige Niederschlagungen eben dieser, mehrere Militärputsche, wechselnde Premierminister, 17 verschiedene Verfassungen, akuten Spannungen und politischen Sackgassen. In jenen Zeiten war König Bhumibol mit seiner leisen Stimme oftmals die letzte beruhigende und vermittelnde Kraft und Stabilisator. So viel Gutes der König auch für sein Land tat, so gibt es auch den Strafbestand der Majestätsbeleidigung, aufgrund dessen Kritiker zu Gefängnisstrafen von bis zu 15 Jahren verurteilt werden können.

Die restliche Zeit in Bangkok verbrachten wir viel Zeit vor dem Laptop. Wir hatten ja schließlich einiges nachzuholen. Insgesamt galt es fünf Beiträge fertig zu stellen – vier Iranbeiträge und einen für Dubai. Jap, wir hängen gerne mal hinterher ;-). Sorry, dass wir Euch manchmal so lange warten lassen. Wir nehmen uns immer wieder vor, jeden Tag ein bisschen zu schreiben. Die Realität schaut dagegen anders aus :-(. Am Ende saßen wir gute 10 Tage in Bangkok nur vorm Laptop oder Smartphone und haben die Berichte geschrieben und Bilder aussortiert. Am Ende waren wir stolz wie bolle :D. Am 20. Januar 2017 haben wir es endlich geschafft, uns von Bangkok loszureißen. Damit sind wir ‚back on the road again‘.

2018-11-04T14:57:52+00:00 03.02.2017|Thailand|0 Kommentare