44 | Good morning Vietnam

24.02. – 18.03.2017 | Da waren wir nun in Vietnam. Unsere Mägen schrien nach was zu essen. Hier wird nur der Dollar und die einheimische Währung Dong akzeptiert. Unsere Geldbörsen waren geleert von den teils geldgierigen Kambodschanern 😉 Gleich hinter der Grenze war eine kleine Stadt. Wir fragten nach dem nächsten ATM. Schnell mussten wir feststellen, dass die Englischkenntnisse nicht mit den Kambodschanern zu vergleichen sind. Tobi holte sein Point-Book heraus. Fehlanzeige, es gibt in diesem Ort keinen ATM. ‚Was soll das denn….mannnnnn‘, stöhnten wir. Plötzlich fiel mir ein, dass Tommy aus Colorado uns in Bangkok 7000 Dong gegeben hatte. Dummerweise hatten wir wieder einmal nicht den Wechselkurs gecheckt und somit auch keine Ahnung hatten was das Geld tatsächlich wert ist. So versuchten wir unser Glück an der nächstgelegenen Straßenküche und ernteten schnell Gelächter. Ok, scheinbar handelt es sich hier nur um Cent-Beträge. Zwei Arbeiter hatten Mitleid mit uns und luden uns zum Essen ein. Feine Sache 🙂 Es schmeckte, aber was ist das eigentlich? Wir schaufelten den Reis mit Gemüse und Fleisch anfangs nur so in uns rein. Nach der ersten Sättigungsstufe schauten wir uns fragend an. Was zur Hölle ist das für ein Fleisch? Es schmeckt ähnlich wie Hühnchen, aber würziger. Egal, es schmeckt sehr lecker. Als die zweite Sättigungsstufe einsetzte, ließ das Fresstempo nach und wir verbrachten mehr Zeit damit, darauf zu achten, was sich so zwischen den Essstäbchen befand. Ich sah eine Art Pfote. Tobi und ich schauten uns fragend an. Sah irgendwie nicht so appetitlich aus. Was solls, es schmeckt doch. So richtig verschwand die Frage nicht aus meinem Kopf. Ich schaute mir die nächste Pfote genauer an. Wir tippten auf eine Hand von einer Ratte. Mhh, dann ist das wohl so. Willkommen in Vietnam 😀 Interessant war zu beobachten, dass alle im Restaurant aus den gleichen Bechern tranken. Die Bedienung stellte uns eine Kanne Tee auf den Tisch und holte von einem Nachbarstisch ein Glas, welches gerade von anderen Leuten benutzt wurde. Sie schüttete den Rest auf den Boden und stellte es Tobi vor die Nase. Tobi hat dies nicht so ganz aufmerksam beobachtet und genoss den Tee. Als ich ihm davon erzählte fing er selbst an, die Gebräuchlichkeiten zu beobachten. Er beließ es bei einem Glas Tee ^^ Zum Schluss bedankten wir uns recht herzlich bei den Arbeitern für das Essen und fuhren weiter.

In der nächsten Stadt angekommen, suchten wir als erstes nach einem ATM und wurden fündig. Zuvor galt es aber noch den Wechselkurs in Erfahrung zu bringen. Dieser lag an diesem Tage bei 1 € zu 24094 Dong. Ok, dann sind 7000 Dong wahrlich nicht viel. Auf den Straßen war viel Leben und wir schauten uns an und dachten warum nicht. So machten wir uns auf die Suche nach einer Unterkunft und wurden diesmal in einem Hotel fündig. Der Preis war gut und wir checkten ein. Später spazierten wir durch die Straßen. Wir sahen einen großen Markt und drehten dort unsere Runden, kauften uns hier ein Eis, dort was zu trinken und schauten was sie sonst noch so leckeres für uns haben. Auf der anderen Seite des Marktes angekommen, wurden viele lebende Tiere in Käfigen gehalten. Einem Hippie oder Tierschützer würden wir nicht diese Ecke des Marktes empfehlen. Es wurden so viele Hühner, Hunde, Gänse etc. in einem Käfig gesteckt, dass die Tiere gar nicht mehr die Möglichkeit hatten sich zu bewegen. Das war kein schöner Anblick. Auf der anderen Straßenseite wurde lebendes Meeresgetier verkauft. Fische zappelten in kleinen Behältern. Daneben ein großes Netz gefüllt mit irgendwas Glitschigen. Die Verkäuferin schüttete einen Eimer Wasser über die noch unbekannten Tiere und es fing sich an zu bewegen. Wir traten näher und sahen, dass es sich um Frösche handelte. Stimmt, dass hatten wir alles auch vorher gelesen, dass die Vietnamesen Frösche und Hunde essen. Alleine in diesem einen Netz waren gefühlt tausende Frösche gefangen und versuchten sich zu bewegen. Wir schauten uns die Pfoten an, welche durch die Netzgamaschen guckten. Jetzt wussten wir, was für ein Fleisch wir in der Straßenküche serviert bekommen haben. Gut, dann war es doch keine Ratte, sondern Froschfleisch 😀 Aus Sicht des Geschmacks können wir es nur empfehlen. Schmeckt ähnlich wie Hühnchen.

Für den Rest des Tages machten wir uns Gedanken über den weiteren Verlauf unserer Route durch Vietnam hoch in den Norden nach Hanoi. Dabei entschieden wir uns eine neue Erfahrung in unsere Reise einzubauen. Tobi hatte während der Reise schon öfters geäußert, auch mal ein Land alleine mit dem Fahrrad entdecken zu wollen. Ich war anfangs kein Fan von dieser Idee. Im Laufe der Zeit ist diese Idee ein bisschen gereift in meinem Kopf und ich stellte es mir auf eine Art sehr aufregend vor. So entschieden wir gemeinsam, dass jeder alleine Vietnam mit seinem Fahrrad entdeckt. Ich überlegte die nächsten Stunden viel hin und her. Es arbeitete förmlich in mir:

Plötzlich hatte ich eine Art Kribbeln im Bauch.
Aber warum?
Es ist doch eigentlich nichts anderes als sonst. Vietnam ist nun das 18. Land unserer Reise und Erfahrung dürfte jeder inzwischen genug gesammelt haben, um so was auch alleine durchzustehen.
Warum habe ich dann dieses Gefühl im Bauch?
Anscheinend, weil es doch eine neue Erfahrung ist, alleine durch ein Land zu reisen, wo die Kultur und Lebensweise sich sehr von der europäischen unterscheidet oder man mit Englisch nicht so weit kommt. Zudem haben wir beide noch nicht soviel über das Land im Vorfeld gelesen, was somit auch eine große Unbekannte in unseren Köpfen ist.
Andererseits hat Tobi recht. Warum sollte man nicht solch eine Erfahrung in unsere Reise integrieren?
Nach längerem Überlegen hatte ich meine Entscheidung getroffen und teilte sie Tobi mit: „Was solls, auf ins neue Abenteuer ;-)“

Tobi schaute als nächstes auf die Karte und suchte einen gemeinsamen Treffpunkt heraus. Thanh Hoa hieß unserer Treffpunkt. Von hier sind es ca. 1100 km. Von diesem Treffpunkt sind es nur ca. 150 km bis nach Hanoi, welche wir wieder gemeinsam bestreiten wollen. Wir schauten uns mit einem breiten Lächeln an und fühlten uns stolz. Warum kann ich nicht sagen. Es wird für jeden von uns eine neue Erfahrung und wir fühlten das Richtige zu tun.

Am nächste Tag verabschiedeten wir uns mit herzlichem Umarmen und ich verließ als erster das Örtchen in Richtung Pleiku, mein Ziel für diesen Tag. Tobi blieb noch eine weitere Nacht im Hotel. Schließlich sollten sich unsere Wege nicht kreuzen 😉

Ja, so ist es nun. Jetzt fuhr jeder von uns für ca. drei Wochen alleine durch Vietnam. Einige von Euch haben es sich vielleicht schon gedacht, beim Verfolgen der Beiträge bei Facebook (Link) oder Instagram (Link). Dort hatte jeder stets von seiner Erfahrung berichtet, was einige von Euch schnell stutzig machte. Wir hatten auch schnell die ersten Fragen diesbezüglich von Freunden bekommen. Bis auf unsere Eltern, wusste keiner von unserer Entscheidung.
In den nächsten Absätzen berichten Tobi und ich stets abwechselnd über unsere Erlebnisse. Ein Absatz beinhaltet dabei die Erlebnisse einer Woche. Soviel vorweg, wir haben es nicht bereut, diese Entscheidung getroffen zu haben 😀

1. Woche ROB – bis Da Nang

Unterwegs folgten mir viele Kinder auf ihren Fahrrädern. Hin und wieder entwickelte sich daraus ein Rennen. Den ganzen Tag ging es kleine Hügel rauf und runter. Die Leute riefen immer wieder hinterher. Ein Motorradfahrer hielt mich an und versuchte mit mir zu kommunizieren. Ich hatte aber nicht mehr viel Zeit bis zum Sonnenuntergang und bis Pleiku waren es noch einige Kilometer und ein Anstieg. Mhh, was solls. Die nächsten 20 Minuten stellte er mir viele Fragen, ob ich verheiratet bin, wie alt ich bin, wo ich her komme, ob ich nochmal zurück komme und ihn besuchen werde… und noch vieles mehr. Hatte das Gefühl ausgefragt zu werden. Unglücklicherweise hatte ich ihm unsere Facebookseite gegeben. Die nächsten Wochen schrieb er uns regelmäßig und verwendete Bilder von unserer Seite für seinen Account. Als wir uns verabschiedeten, war die Sonne schon auf dem Weg in Richtung Horizont. Ich schaute auf die Karte und überlegte wie ich vorgehe. Ich entschied mich durchzuziehen, dafür muss ich aber für knappe zwei Stunden im Dunkeln fahren. Hier gibt es keine Straßenbeleuchtung und wenn die Sonne in diesen Breitengraden ‚Auf Wiedersehen‘ sagt, ist es ziemlich fix dunkel. Den letzten Anstieg des Tages erreichte ich bei absoluter Dunkelheit. Ich war in diesem Moment heilfroh über meine perfekte Beleuchtung inklusive Nabendynamo. Mein Frontlicht leuchtet die gesamte Straße aus. Die Busse passierten mit genügend Abstand, dafür mit hoher Geschwindigkeit. Der Anstieg kostete mich ca. 45 Minuten, bis ich oben war. Es ging stetig mit 6% bis 7 % hoch. In Pleiku angekommen suchte ich mir fix ein Hotel und verhandelte einen guten Preis und machte mich auf Erkundungstour durch die Stadt. Viele junge Leute trieben sich auf der Straße herum. Im Zentrum befand sich ein großer Markt. Viele packten ihre Sachen zusammen und verließen den Markt, andere saßen in der Runde und tranken ihr Bierchen. Richtig krass empfand ich, als ich Betten mit einem Moskitonetz darüber gespannt sah. Tatsächlich lagen da Leute drin und schliefen. Das nenne ich einen kurzen Arbeitsweg 😉 Auf dem Nachhauseweg kaufte ich mir noch Obst, Gemüse und vier belegte Baguettes. Die waren sehr lecker, aber die nächste Nacht war dagegen nicht so nett. Ich verbrachte gefühlt mehr Zeit auf Toilette als im Bett.

Am nächsten Tag war Kon Tum mein Ziel. Unterwegs hatte ich sehr mit meinem Körper zu kämpfen. In Kon Tum angekommen, suchte ich mir eine Bleibe für die nächsten Nächte. Mein Körper schrie nach Ruhe. Nicht lange hat es gedauert und ich habe ein nettes Hotel gefunden und konnte den Preis gut nach unten korrigieren 😉 Abends machte ich meine erste Runde durch den Ort. Ich hatte mich sofort wohl gefühlt – überall Leute auf den Straßen, viele Straßenküchen, Märkte…halt eine richtig lebendige Stadt und dazu noch eine schöne Architektur.

Die darauffolgenden Tage erfuhr ich viel über diesen Ort. Kon Tum ist eine Stadt im Norden des central highland. Eine Stadt ohne Massentourismus. Touristen habe ich hier ehrlich gesagt gar keine gesehen. Obwohl das ein netter Ort ist – viele pompöse Gebäude, Märkte, leckeres Essen und es gibt sogar Bäcker hier und leckeren Kuchen. Ein süßer Ort halt 😀
Man bemerkt auch schnell, dass hier verschiedene Ethnische Gruppen leben. Im Mai 1972 fand hier einer der erbittertsten und blutigsten Kämpfe zwischen den Nord- und Süd-Vietnamesen statt. Die Süd-Vietnamesen wurden von den Amerikanern unterstützt. Alleine im Mai wurde auf die Provinz fast 30.000 Tonnen Bomben niedergelassen von B-52 Flugzeugen. Unter anderem kam hier auch Napalm zum Einsatz. Viele Menschen-Gruppen verloren ihre Heimat, weil ganze Ortschaften einfach vernichtet wurden (bis zu 85 %). Warum war ausgerechnet diese Gegend von bedeutenden Interesse der Amerikaner? Es heißt, wer die central Highlands kontrolliert, gewinnt den Krieg.
Bis jetzt leben diese Gruppen zusammen in einer Stadt. Es ist nichts vom Krieg zu sehen. Die älteren Leute haben ihn noch erlebt. Daher muss man vorsichtig sein, wen man was hier darüber befragt. Heute versuchen die Leute ihr Leben zu genießen und viele Einheimische tun dies beim täglichen Sonnenuntergang. Ein wahrer Traum. Kaum zu glauben, dass hier einst die Hölle auf Erden war.

Nach ein paar Tagen ging es weiter in Richtung Hochebene, nahe der Grenze zu Laos. Hier sollte ich meine erste Begegnung mit dem Dschungel machen. Zumindest was man von der Straße aus so sehen kann. Für mich war dies ein neuer Höhepunkt auf dieser Tour. Die Leute waren freundlich und hilfsbereit. Stets fand ich einen Schlafplatz vor einer Schule oder Sportplatz. Den ersten Tag nach Kon Tum bin ich wieder in die Dunkelheit rein gefahren und bis an den Rand der Hochebene gelangt. Ich kaufte mir im letzten Ort des Tages etwas Gemüse und Obst. Direkt gegenüber des Verkaufsstandes befand sich eine Schule. Ich fragte die Leute bzw. zeigte mit meinem Handy Fotos, von meinem Zelt und zeigte auf das Schulgelände. Die Leute schienen nichts dagegen zu haben. Schnell regte ich die Aufmerksamkeit der ca 14-jährigen Jungs an. Leider war eine Verständigung nicht möglich. Anfangs gingen die mir richtig auf den Sack. Wollte in Ruhe duschen und mein Zelt aufbauen. Als ich damit fertig war, kam ich zur Ruhe und baute meinen Kocher auf. Ich hatte einen mittelgroßen und großen Alutopf auf dieser Reise dabei. Die Töpfe haben uns schon viele schöne, einfache Mahlzeiten genießen lassen – Danke Micha 😉 Da ich großen Hunger hatte, wählte ich den großen Topf und das war auch gut so. Es gab Reis mit Zwiebeln, Paprika und jeder Menge Tomaten. Dazu kommt noch Salz, Pfeffer und Garam masala (indisches Gewürz) in den Topf. Immer wieder lecker. Die Jungs umzingelten mich während des Kochens. Später zeigte ich ihnen die Fotos von unserer Reise und woher wir eigentlich kommen. Sie wirkten sehr interessiert. Später fingen ein paar Jungs an Feuer zu machen und der Rest fing an Lieder zu singen. Wow, dass war eine nette Runde, auch wenn die Verständigung nicht wirklich möglich war. Gegen 23 Uhr zeigte ich auf mein Zelt und signalisierte, dass es für mich Zeit war schlafen zu gehen. Bis ich alles abgewaschen hatte und sicher verstaut hatte, war es fast 0 Uhr.

Am nächsten Morgen gegen 06:00 Uhr wurde ich von einem Geräusch geweckt. Ich öffnete meine Augen und sah andere Augen durch mein Zelt gucken. Ich hatte nur das Unterzelt mit dem Moskitonetz aufgebaut. Als ich raus blickte, sah ich schon eine ganze Horde neugieriger Augen in meine Richtung starren. Ok, dann heißt es wohl Gas geben. Nach 50 Minuten hatte ich das Schulgelände verlassen – ein neuer Rekord ;-).

Diesen Tag sollte es nun auf die Hochebene gehen. Ich war schon ganz gespannt. Auf meiner Karte schien die Gegend eher dünn besiedelt zu sein, vertraute aber darauf, dass sich unterwegs genug Möglichkeiten finden werden, wo sich Nahrung finden lässt. Bevor es die Anstiege rauf ging passierte ich den letzten Ort auf meiner Karte. Ich gönnte mir dort eine zwei Stündige Pause. Der Kommunismus wird hier überall in vollen Zügen gelebt.

Viele Busse fuhren entlang dieser Straße. Hin und wieder bekam man es ein wenig mit der Angst zu tun. Mutig in welchen Situationen die Fahrer versuchen zu überholen. Vor einer Kurve ohne Einsicht auf den entgegenkommenden Verkehr wird einfach mal die zweite Spur aufgemacht. Stets wurde die Hupe dabei benutzt. Kam ein anderes Fahrzeug entgegen, wurde halt gebremst und auf die eigene Spur ausgeschert. Befand sich zur gleichen Zeit ein Motorrad auf dieser Spur, hatte diese Person schnell zu reagieren. Überall waren spuren von Bränden auf der Straße oder zerstörte Leitplanken zu sehen. Auch ausgebrannte Fahrzeuge befanden sich am Straßenrand. Auf dem letzten Anstieg ging es nochmal ordentlich mit bis zu 10% nur bergauf. Auf dem höchsten Punkt der Hochebene befand sich zufällig eine Schule. Wieder versuchte ich mein Glück. Diesmal waren aber nur Schüler anwesend. Sie führten mich herum und ich sah einen großen Raum gefüllt mit Doppelstockbetten. Ok, dann schlafen die wohl hier. Anscheinend wohnen die alle zu weit weg von der Schule, dass die Eltern ihre Kinder über die Woche hier lassen oder so? Ich baute mein Zelt auf dem Parkplatz unter einem Dach auf. Heute war wieder das gleiche Spiel wie gestern. Erst gingen die Jugendlichen mir alle auf den Sack. Später beim Kochen zeigte ich ihnen die Bilder unserer Reise und sie fingen an zu singen. Es scheint hier eine Art Tradition zu sein mit dem Lagerfeuer. Ich beobachtete diesmal etwas genauer wie sie das Feuer machten. Es ist kein Hexenwerk, aber die Jungs und Mädels wissen was sie da tun. Später sammelten sie Stöcke und legten sie zur Hälfte in die Glut, zogen sie nach ein Weilchen heraus und warfen diese durch die Luft. Ich fand das cool 😉
Gegen 23 Uhr lag ich dieses mal im Zelt und lauschte der Natur. Das Wasser scheint nur so zu sprudeln im Wald. Dazu die Geräusche der Insekten, Frösche und Vögel. Fühlte sich gut an hier im Zelt zu liegen.

Am nächsten Tag luden mich die Lehrer auf ein paar Tassen Tee ein. Die Englischlehrerin sollte für den Rest der Mannschaft übersetzen. War mir bis zum Schluss nicht sicher, ob ich mich wirklich mit der Englischlehrerin unterhielt. Mir ist die Tage schon öfters aufgefallen, dass einen die Schüler immer die gleichen Fragen stelle: „Hello Mr. How are you? What’s your name? How old are you?“
Antwortete ich auf diese Fragen, war die Antwort stets gleich. Ein lautes Gekiecher machte die Runde. Alle schienen peinlich berührt von meiner Frage. Ging ich auf einen zu und stellte die Fragen noch einmal, lachten alle über denjenigen. Mhh, anscheinend haben sie diese Phrasen nur auswendig gelernt und wissen nicht, was dies wirklich bedeutet.
Gegen 08:00 Uhr verabschiedete ich mich und es ging erst einmal schön bergab. Unterwegs machte ich häufig halt um der Natur zu lauschen, die Wasserfälle zu beobachten oder einfach nur den Blick über den Dschungel schweifen zu lassen. Auf der Straße fanden sich viele platt gefahrene Schlangen. Sahen nicht so klein aus.

Am Ende des Tages suchte ich wieder ein passendes Fleckchen für mein Zelt. Dieses Mal versuchte ich mein Glück in einem kleinen Stadion. Leider ohne Erfolg. Ein paar Kilometer weiter sah ich ein paar Leute vor einer Art Gemeindehaus Volleyball spielen. Also ab aufs Gelände, Handy mit den Fotos raus und zeigen. Eine Minute später hatte ich die Erlaubnis dort schlafen zu dürfen. Geile Sache :-). Ich suchte mir dieses mal auf der Wiese ein Plätzchen. Überall im Boden waren Löcher zu sehen. Hier scheint viel Leben zu sein. Kaum hatte ich die Wiese betreten, kam einer von den Herrschaften angerannt und zeigte mir, dass ich direkt vor dem Eingang schlafen dürfte. Coole Sache, das kann ich nicht ablehnen.

Kurze Zeit später beendeten die Leute ihr Spiel und ich war alleine. Ich ergriff die Gelegenheit und hängte meinen zuvor gefüllten Wassersack am Volleyballnetz bzw. an dem Mast auf und fing an mich zu duschen. Plötzlich hörte ich Stimmen und das Tor zur Straße öffnete sich und es kamen ein Paar Leute auf den Hof. Alle wollten sie ins Vereinshaus. Ich duschte mich quasi direkt davor und meine Sachen waren außerhalb meiner Reichweite. Egal dachte ich mir und duschte mich weiter. Die Leute hatten gut was zu lachen. Eine halbe Stunde später war richtig Bambule auf dem Platz und im Häuschen. Es schien eine Art Treffen der Dorfgemeinde mit dem Häuptling zu sein. Ich kochte vorm Vereinshaus mein Essen und beobachtete das bunte Treiben. Die älteren Damen schauten mir beim Kochen über die Schulter und lachten hin und wieder. Am Ende war ich um ein paar sinnvolle Tipps reicher geworden. Danke 😀

Nach dem Kochen baten mich die Leute mit an dem Tisch Platz zu nehmen. Es wurde scheinbar viel Diskutiert. Einige jüngere Mädels hielten ein paar Vorträge und anschließend wurde heiß diskutiert. Die älteren Herrschaften der Runde versorgten mich mit einer Menge Süßigkeiten. Die kleinen Kinder waren stets um mich versammelt und schauten mich mit ihren Kulleraugen an. Häufig fing die Gemeinde an zu lachen, wenn mir eine Frage auf Vietnamesisch gestellt wurde und ich mit Schulterzucken antwortete. Gegen 23 Uhr löste sich die Runde langsam auf. Der scheinbare Häuptling der Runde stellte sich mit ein paar älteren Damen und Herren um mein Zelt. Sie zeigten auf mein Zelt und auf die jüngeren Mädels der Runde und fingen an zu lachen. Anfangs hatte ich ein bisschen Schwierigkeiten zu verstehen was genau sie von mir wollten. Als sie anfingen, die jungen Mädchen an meine Seite zu schieben und Fotos zu machen und gleichzeitig auf mein Zelt zeigten, dämmerte mir, was sie mir zu verstehen geben wollten. Ein paar wollten noch meine Facebook-Daten wissen und danach verließen sie den Platz und es wurde sehr still. Während des Abends merkte ich hin und wieder meinen Fuß. Nun nahm ich mir die Zeit und schaute wo es schmerzte. Dabei fand ich auf meinem Knöchel eine blutige Stelle. Die Haut schien ein einer Stelle komplett entfernt zu sein. Hmm, hat mich da etwas gebissen?

Am nächsten Morgen war mein Knöchel leicht angeschwollen. Zum Glück war ich nur noch einen Tag von Da Nang entfernt und dort plane ich eh drei Nächte zu verweilen. Die Landschaft war ein Traum, wie die Tage zuvor. Touristen waren immer noch keine zu sehen und ich fuhr geradewegs in Richtung Küste. Die Dichte an Wohnsiedlungen nahm wieder zu und viele Möglichkeiten sich mit Essen zu versorgen.

Gegen Nachmittag passierte ich eine große Hauptstraße und befand mich nur noch wenige Kilometer von der Küste entfernt. Meeresluft ging durch meine Nase und ich suchte einen direkten Weg an den Strand. Gesucht und gefunden parkte ich mein Fahrrad vorm Strand. Der Strand war einsam und verlassen. Ein paar Fischerboote fuhren vor der Küste. Das ist also das Südchinesische Meer. Auf dem Sand lag viel Zeug, was vom Wasser angespült wurde. Darunter befand sich auch viel Müll. Die Wellen waren nicht so klein, aber egal, ab ins Wasser. Das tat vielleicht gut 😀

Ca. zwei Kilometer vor dem nächsten größeren Ort, sah ich auf einmal wieder westliche Gesichter. Somit näherte ich mich wieder einem Touristenort. Immer wieder faszinierend zu beobachten, wie schnell die Dichte an Touristen zunimmt und plötzlich wieder bei Null ist. Ich durchquerte den Ort Hoi An. Es sah sehr nett aus. Eigentlich könnte ich auch hier bleiben? Ich entschied mich noch 20 Kilometer weiter nach Da Nang zu fahren. Auf dem Weg passierte ich ein Fünf-Sterne Hotel nach dem Anderen. Das sind ganze Paläste die zwischen Hoi An und Da Nang stehen und gerade sich im Bau befinden. Fühlte mich auf einmal wie in einem anderen Land. Es war so anders als noch ein paar Kilometer zuvor. In Da Nang angekommen, wäre ich am liebsten gleich weiter gefahren. Das hat mal gar nichts mit dem Vietnam zu tun, welches ich in der ersten Woche kennengelernt habe. Wenn da nicht Marianna gewesen wäre, hätte ich das Weiterfahren durchaus in Erwägung gezogen. Marianna hatten Tobi und ich bereits in Siem Reap kennengelernt (link). Sie ist gerade in der Gegend und so dachten wir uns, lass uns was gemeinsam unternehmen. Sie hatte auch das Hostel für Da Nang rausgesucht.

Im Hostel angekommen, standen vorm Eingang drei große Gestalten und ein kleiner Vietnamese. Scheinbar ein paar Touris, welche eine Rundtour bei einem Einheimischen gebucht hatten. Noch ganz außer Puste von den letzten 20 Kilometern fragte ich im Hostel nach einem freiem Bett. Im 36 Dorm Zimmer waren noch genug Betten frei. So entlud ich mein Fahrrad und passierte mehrfach die großen Jungs und den kleinen Vietnamesen. Plötzlich hörte ich sie deutsch labern. Auf dem Rückweg zum Fahrrad grüßte ich anstatt mit ‚Hello‘ mit ‚Moin‘ und sie erwiderten dies. Beim reintragen der nächsten Ladung an Fahrradtaschen kamen wir ins Gespräch. Der Vietnamese fing an mich zu fragen, woher ich denn komme und wie ich heiße. Diese Frage hätte ich lieber ihm als erstes gestellt^^ War ganz verblüfft über sein akzentfreies Deutsch. Wo hat er denn so gut deutsch gelernt?
„Aus Rostock kommst Du?“
„Ja, woher kommt ihr?“
„Wir kommen aus Berlin.“
„Ihr alle?“ In meinem Kopf war vielmehr die Frage: ‚Du auch?‘
„Ja. Mein Name ist Tang. Der große Blonde ist Marcel, der mit den längeren Haaren ist Adrian und er hier ist mein Freund Paul.“
„Macht ihr gerade Urlaub hier?“
„Wir sind vor knapp einer Woche in Hanoi gelandet und machen für 3,5 Wochen Urlaub in Vietnam. Was machst du hier? Mit dem Fahrrad durch Vietnam gurken?“
„Jap, sozusagen. Bin von Kambodscha nach Vietnam rüber und fahre jetzt in Richtung Hanoi und dann weiter Richtung China oder Laos.“
„Wow, dass ist schon ein etwas längerer Weg. Wie viel Zeit nimmst du dir dafür?“
. . .

Im weiteren Verlauf haben wir uns absolut ohne groß warm werden zu müssen kennengelernt. Inzwischen wussten die auch von unserem Vorhaben mit dem Fahrrad. Die Jungs sind dann los und ich bin erst einmal im Hostel angekommen.
So viel schon mal vorweg. Die Jungs machen richtig Laune 😉

Zusammen mit Marianna ging es abends auf Erkundungstour und Essenssuche durch die Straßen von Da Nang. Vor allem Essen konnte ich ganz gut vertragen. Wir gingen zu einem Burgerladen. Was ich da serviert bekommen habe, war alles andere als ein Burger. Egal, bestellte mir trotzdem noch drei weitere. Mein Magen schrie nach Essen. Hatte das Gefühl seit Ewigkeiten nichts mehr gegessen zu haben. Aber zugegeben, war die letzte Woche einer der anstrengendsten Wochen auf der Reise. Insgesamt standen 430 Kilometer mit 4700 Höhenmeter auf der Uhr und die letzten ca. 100 Kilometer gingen überwiegend bergab Richtung Küste. Dieses Land wird neue Rekorde bzgl. Höhenmeter und Kilometer pro Land aufstellen. Auf dem Wege durch die Stadt erfuhren wir, dass auf dem Dach eines der Wolkenkratzer eine Skybar sein soll. Wolkenkratzer gibt es hier nicht so viele und sie stehen dicht beieinander. Suchen wir mal diese Skybar und versuchen einen Blick von oben auf die Stadt zu werfen. Jap und es hat geklappt. Überall in dem Gebäude befand sich Personal, welches einem dem Weg nach ganz oben aufs Dach zeigte. Keine Sekunde wurde man aus dem Auge gelassen und man brauchte (durfte) nichts selber machen. Sogar die Knöpfe im Fahrstuhl wurden für einem betätigt. Witziger Kontrast zu den vorherigen Tagen 😉 Oben angekommen, waren wir die einzigen Westler auf dem Dach. Die Aussicht war grandios. Kaum den ersten Schritt auf die Terrasse getan, wurde uns die Getränkekarte gereicht und wir wurden zu einem freien Platz geleitet. Zuvor hatte ich im Hostel noch meine Wäsche in die Wäscherei gegeben und war jetzt mit Badehose unterwegs. Sah witzig aus im Kontrast zu den Schlipsträgern. Marianna und ich kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Preise waren schwindelerregend 😉 Für eine Flasche Wein wurden schnell mal 100$ und mehr fällig. Wir verzichteten auf was zu trinken und genossen für die nächsten ein bis zwei Stunden die Aussicht. Hat sich gelohnt. Auf dem Heimweg gönnten wir uns noch ein Bier und ich mir ein paar Stückchen Kuchen und Käsebrötchen mit Würstchen 😀 Anschließend setzte die Müdigkeit ein und wir machten uns auf den Weg zurück ins Hostel. Die nächsten 12 Stunden war ich in meine Traumwelt verschwunden.

1. Woche TOB – Bergiges Zentralvietnam

Bis zum vereinbarten Treffpunkt in Thanh Hoa sollten es um die 1.100 km sein, davon sollten sich die ersten rund 400 km bis Hoi An als die schwersten erweisen. Dies lag vor allem am vorherrschenden Geländeprofil in Zentralvietnam, da es hier sehr bergig ist. Das waren keine großen Berge, der höchste überquerte Punkt lag bei 1.101 m Höhe. Meistens bewegte ich mich so zwischen 600 und 800 m Höhe, aber es ging stets auf und ab und so sammelten sich recht fix die Höhenmeter. Dazu aber in den nachfolgenden Zeilen mehr.

Das erste größere Ziel nach den Bergetappen sollte Hoi An sein. Auf dem Weg dorthin radelte ich auf dem Ho-Chi-Minh-Highway durch die grüne Berglandschaft und durchquerte die Städte Pleiku und Kon Tum sowie mehrere kleine Dörfer. In Pleiku wollte ich eigentlich nur einen kurzen Mittagsstopp machen und dann weiter nach Kon Tum fahren, das wären dann in der Summe ca. 98 km gewesen. Aber die ersten 40 km der Tagesetappe hatten es ordentlich in sich, denn nach jenen 40 km hatte ich schon ca. 770 Höhenmeter auf dem Tacho. Mein lieber Scholli, habe ich gekeucht beim Hochfahren. Während der Mittagspause merkte ich meine Schenkel und entschied spontan – auch unter Berücksichtigung der folgenden Bergetappen – eine Nacht in Pleiku zu verweilen und am folgenden Tag weiterzufahren. Daraus wurde leider nix, denn der Magen-Darm-Trakt machte einen Strich durch die Rechnung, sodass es letztendlich zwei Nächte wurden. Ich war ob der Größe Pleikus überrascht, denn auf meiner Karte sah die Stadt etwas kleiner aus. Zudem bildete die Stadt einen starken Kontrast zu den Städten, die ich aus Kambodscha kannte. Vieles sah hier deutlich moderner aus, was am ehesten an den Gebäuden sichtbar wurde, verwendete Baumaterialien, Stil etc.

Nächstes Ziel war Kon Tum, eine nette Kleinstadt, die mir mehr gefallen hat als Pleiku. Keine Ahnung warum, es hatte irgendwie ein mediterranes Flair. Ich blieb eine Nacht, bevor es in zwei anschließenden Etappen durch die Berge nach Kham Duc ging. Auf dem Weg nach Kon Tum sollte ich das erste Mal eine Begegnung mit einer, wie ich finde, für mich befremdlichen Eigenart der Vietnamesen machen. Ich fuhr am Straßenrand, als ich auf einmal aus meinem Augenwinkel einen Mopedfahrer neben mir fahren sah. Er hielt das gleiche Tempo wie ich. Als ich merkte, dass kein Wort aus ihm heraus kam, drehte ich mich zu ihm um und sagte „xin chao“, was soviel bedeutet wie ‚Guten Tag‘. Daraufhin lächelte er etwas schüchtern und fragte, woher ich denn komme, wie alt ich bin und wie ich heiße. Und so kamen wir ins Gespräch. Er war ganz schön neugierig, dafür dass wir zwei Zweiradpiloten uns erst seit wenigen Minuten kannten 😀 So wurde ich gefragt, ob ich verheiratet wäre bzw. ob ich eine Freundin und Kinder habe. Als ich alles verneinte, wollte er wissen warum dem so sei. Anschließend meinte mein 17-jähriges Gegenüber, dass ich doch mal darüber nachdenken solle, Vater zu werden 😀 Alter Finne, da habe ich erst einmal große Augen gemacht. Klaus Kinski und Mesut Özil wären stolz auf mich gewesen^^ Im Großen und Ganzen war die Begegnung recht amüsant, aber ich war dennoch ob dieser unverblümten Fragen etwas irritiert, die wie Patronenhülsen aus einem Maschinengewehr auf mich niederprasselten und mit einer Selbstverständlichkeit gestellt wurden, als ob jene Fragen die normalsten der Welt seinen nachdem mach sich gerade einmal paar Minuten kennt 😀

Durch Vietnam führen zwei Hauptverkehrsadern, die quasi Küsten parallel-verlaufende AH1 von Ho-Chi-Minh-City nach Hanoi oder der durch das Landesinnere führende Ho-Chi-Minh-Highway. In Foren und auf anderen Radreiseblogs hatten die Leute vom letzteren geschwärmt, schöne Landschaft und deutlich weniger Verkehr. Kann ich nur bestätigen 🙂 Es ging auf und ab, zwanzig Minuten bergauf strampeln, fünf Minuten bergab rollen, morgens bis abends 😀 Die letzten Nächte hatte ich in einer ‚Nha Nghi‘ verbracht, sie sind quasi nichts anderes als Hotels oder Guesthouses. Als jemand, der kein Vietnamesisch spricht, ist dies natürlich als Unterkunftsmöglichkeit nicht zu erkennen. Zum Glück hatte ich das mal zufällig in einem Blog gelesen. Diese Nacht wollte ich aber mal den Geldbeutel schonen und im Zelt pennen. Als der Tag sich langsam dem Ende neigte und die Sonne die Landschaft mit einem warmen goldenen-ockerfarbenen Licht überzog, wurde es langsam Zeit einen Schlafplatz zu finden. Nachdem ich bei zwei Parteigebäuden der Kommunistischen Partei abgewiesen wurde und dachte, noch 30 km im Dunkeln bis zum nächst größeren Dorf fahren zu müssen, hatte ich letztendlich das spontane Glück, in einer ländlichen Krankenstation zu nächtigen. Feine Sache 🙂 Mit dem Arzt, welcher an jenem Abend als einziger anwesend war, unterhielt ich mich noch eine Weile bevor es in die Heia ging. Am nächsten Tag ging es bis auf den bereits genannten Peak (auf 1.101 m Höhe) hinauf, der Weg war nicht einfach, denn die Straße wartete mit echt fiesen Steigungen um die 10% auf. Und die letzten fiesen Anstiege und Bergetappen stammen noch aus den Balkanländern, also schon ’ne Zeit her 😀 Der Schweiß lief in Strömen (die brennende Sonne tat ihr übriges) und ich musste öfters am Anstieg kurz pausieren und verschnaufen. Mit Musik in den Ohren ging es anschließend weiter bergauf, Creedence Clearwater Revival mit ‚Up around the bend‘ sowie Marvin Gayes und Tammi Terrells Duett ‚Ain’t no mountain high enough‘ gaben gut Power in die Beine 🙂 Aufm Peak angekommen, traf ich auf Philipp aus Texas, ebenfalls ein Radreisender. Er rauchte gerade mal wieder ein bisschen Gras und trank einen Kaffee, ich leerte meine Wasserflasche. Wir kamen ins Gespräch und tauschten die üblichen ‚Schnupperfragen‘ aus. Sein Weg führt auch in Form einer Schleife durch Südostasien. Es stellte sich heraus, dass sein Tagesziel auch Kham Duc sei und schlug vor, sich vielleicht ein Zimmer zu teilen, gut für die Reisekasse. Während wir bis Kham Duc quasi nur noch bergab radelten, genossen wir die Landschaft. Ich empfand diese bereits vor dem Peak als recht schön und grün, aber bergab schien mir nochmal eine andere Welt zu sein! Die Landschaft erschien mir hier viel viel üppiger, grüner, dichter, undurchdringlicher und ein ganzes Stück faszinierender. Mein Mund stand offen ob des vielen Staunens. Ich konnte mich nicht erinnern, eine derartige Vegetationsfülle schon einmal gesehen zu haben. Die Bäume schienen zahlreiche bizarre Figuren zu formen, die glatt einem Fantasyfilm hätten entspringen können. Bei dem Anblick kamen mir unweigerlich einige Zeilen aus Peter Wohllebens sehr lesenswerten Buch ‚Das Leben der Bäume‘ in den Sinn. In Kham Duc angekommen, fanden wir eine preiswerte Unterkunft, fassten Essen und quatschen noch ein bisschen. Am folgenden Vormittag, nachdem wir Pho bo (Nudelsuppe mit Rindfleisch) zum Frühstück gegessen haben, trennten sich unsere Wege wieder. Philipp radelte weiter gen Norden durch die Berge, wohingegen ich mich nun in Richtung Osten/Küste auf den Weg machte.

2. Woche ROB – Hängengeblieben in Da Nang

Ursprünglich hatte ich mir vorgenommen für drei Nächte in Da Nang zu bleiben. Wirklich schön war die Stadt auch nicht. Es war zwar alles sehr modern und ein Strand vor der Tür, aber irgendwas fehlte mir. Keine Ahnung wie ich das beschreiben kann. Kon Tum wirkte zum Beispiel sehr authentisch und Da Nang wirkt dagegen so künstlich. Es hatte nicht wirklich viel mit dem Vietnam der letzten Tage gemein. Vielleicht ein typischer Ort für Touristen? Obwohl alles gegen einen längeren Aufenthalt sprach, blieb ich statt der drei Nächte für sechs Nächte 😉 Es tat einfach gut, mal wieder lange zu schlafen und die Beine hochzulegen. Zudem lernt man viele neue Leute im Hostel kennen.

Meist schlief ich bis tief in den Tag hinein und ging zum Markt, um mir was zu essen zu holen. Manchmal, eigentlich so gut wie immer ;-), war Marianna so freundlich und hatte bereits was leckeres gekauft. Ich schlief halt ziemlich lange. Danke Marianna 🙂 Das Hostel hatte mehrere Etagen und auf dem Dach eine Bar mit Terrasse. Auf dem Dach konnte ich Stunden verbringen. Etwa einfach nur die Aussicht genießen, was leckeres Essen oder mit anderen Leuten ins Gespräch kommen. Abends war meist eine größere Runde versammelt und es wurde fleißig Bier getrunken. Besonders wenn die Berliner dabei waren 😉 Jungs, dass war ein geiler Abend mit Euch! Auch Marianna hatte super schnell einen Draht zu den Jungs gefunden. Da wir uns so gut verstanden hatten, sprach nichts dagegen sich in Hanoi erneut zu treffen. Gesagt, getan und Marianna übernahm die Suche nach einer gemeinsamen Unterkunft. Leider blieben sie nicht die ganze Zeit über. Ihre Reise ging von Norden Hanoi in Richtung Süden bis nach Ho-Chi-Minh-City. Von dort geht es mit dem Flieger zurück nach Hanoi.

Übers Internet hat Marianna einen Burgerladen ausfindig gemacht, welcher eine sehr gute Bewertung hatte. Die Bilder sahen auch sehr verlockend aus. So beschlossen wir unser nächstes Mittagessen in diesen Burgerladen zu verlegen. Dieser Burger war vielleicht lecker. Ebenso die Pommes. Wir gingen gleich drei mal dort hin – mittags, abends und den nächsten Abend mit den Berlinern zusammen. Insgesamt verschwanden drei Double-Beef und zwei normale Burger in meinem Bäuchlein. Das macht insgesamt acht Patties mit je 150 Gramm Fleisch. Somit befand sich alleine 1,2 Kilogramm Fleisch in mir. Das beste war aber der Weg zurück ins Hostel. Dort passierten wir eine leckere Bäckerei, welche unter anderem Kuchen verkaufte. Dort kaufte ich mir nach den Burger jeweils einen ganzen Schokokuchen. Boah eh, mega geil. Das für nicht einmal fünf Euro. Was kostet solch ein Schokokuchen in Deutschland?

Viele Leute sind gekommen und gegangen über die Tage, bis auf Andrew aus England und Niko aus Spanien. Der zweite von beiden war ein Entertainer pur, meist eher ungewollt. Er kaufte einem anderem Backpacker aus dem Hostel ein Moped ab. Abends fragte er uns, wie man genau mit solch einer Maschine schaltet. Wir konnten alle nicht mehr vor Lachen. Er hat sich für den nächsten Tag vorgenommen Motorrad fahren zu lernen. Die Straßen von Vietnam bieten dafür die perfekten Bedingungen 😉

Am darauffolgenden Tag waren wir gespannt auf seine Erlebnisse. War sehr amüsant. Er hatte scheinbar mehrere Zwischenfälle ‚überlebt‘. Einmal wollten seine Bremsen nicht wo wirklich funktionieren und es ging gerade bergab. Am Ende entschied er sich, seinen Körper als Bremsstein zu vergewaltigen. Gut es war nur sein Bein, welches von oben bis unten abgeschürft war. Da hat er noch mal Glück gehabt. Auf dem Weg zurück zum Hostel verlor er seine Kette und durfte weiter schieben. Die Reparatur der Bremsen und Kette hat um die 10 € gekostet. Der nächste Tag verlief für ihn unfallfrei. Ich war erstaunt über seinen Mut, dass er trotz der schlechten Erfahrungen vom Vortag erneut einen Ausritt mit dem Motorrad wagte. Er fuhr auf den naheliegenden Hai-Van-Pass. Heil oben angekommen, parkte er sein Moped und schlenderte durch die Natur. Als die Sonne sich dem Horizont näherte, wollte er zurück zum Parkplatz gehen. Leider hatte er die Orientierung verloren und stand vor einer Weggabelung (Wanderweg) und wusste nicht von wo er gekommen war. Da flog plötzlich ein wunderschöner Schmetterling an ihm vorbei und er beschloss diesem Schmetterling zu folgen. Plötzlich sah er sein Motorrad aus der Ferne und war happy. Es war der schönste Schmetterling, den er je gesehen hat. Zugegeben, die Geschichte hört sich sehr verrückt an. Egal ob sie wahr oder falsch ist, wir hatten alle gut was zu lachen. Zu guter Letzt zeigte er uns eine neue Wunde. Autsch, da klebte die Wade wohl ein bisschen zu lange am Auspuff 😀

2. Woche TOB– Hoi An und Hue

Von Kham Duc nach Hoi An sollten es ca. 115 km sein. Die ersten 40 Kilometer waren noch leicht bergig, insgesamt ging es aber bergab. An einem steilen Anstieg kämpfte ich mich ab, was wohl ein Motorradfahrer sah, der von hinten kam. Auf einmal gestaltete sich das Treten leicht wie eine Feder. Verwirrt drehte ich mich um und blickte in ein breites Grinsen. Mein Blick wanderte nach unten und so sah ich, dass er mich mit seinem rechten Bein anschob, welches sich gegen meine linke, hintere Backroller stemmte. Mit einem Lächeln und einem Nicken signalisierte ich ihm, dass ich mich über die spontane Unterstützung freute. Oben angekommen, ließ er ab, winkte und brauste von dannen. Der Weg führte entlang eines Stausees und durch eine reiche Vegetationsfülle, die hier und da kleine Siedlungen zu verschlingen schien. Männer reparierten ihre Mopeds oder spielten Backgammon, alte Frauen saßen zusammen in einer tiefen Hockstellung und beobachteten das beschauliche Geschehen auf der Straße. Das Leben schien hier in den Bergen ruhiger zuzugehen. Anstatt des städtischen Graus herrschte hier sattes und üppiges Grün, der permanente urbane Huplärm wurde durch das Zwitschern der Vögel und das seichte Rauschen kleiner Wasserfälle ersetzt, Hektik wurde von einer entspannten Atmosphäre abgelöst. Es war schön hier langzuradeln. Je mehr ich die Bergregion hinter mir ließ und in flache Gefilde eintauchte und mich langsam Hoi An annäherte, desto mehr Dörfer durchquerte ich. Das Radeln von den Bergen nach Hoi An kam quasi einem Kontinuum gleich. Es wurde stets geschäftiger, große LKWs beladen mit Holz brausten an mir vorbei, ebenso wie die unzähligen Mopeds. Überall wo ich hinblickte, schienen die Menschen zu arbeiten. In einer Garage wurde ein Moped repariert, nebenan Haare geschnitten, ein Geschäft weiter wurde eine breite Fülle an Obst verkauft und am Straßenrand, unterhalb eines großen Werbeschildes, welches den Wert der kommunistischen Gesellschaft im Vintage-Comic-Stil zu bewerben schien, graste ein Wasserbüffel. Daneben stand ein Vietnamese und schaute seelenruhig auf die sattgrünen Reisfelder, in denen sich viele beige Punkte zu bewegen schienen. Es waren die Reisarbeiter, die die für Vietnam traditionellen flachen Kegelhüte trugen. Eine irgendwie schöne Szenerie dachte ich und ein Lächeln huschte über meine Lippen. Vietnam, ich bin in Vietnam, irre 🙂

Kanariengelbe Häuser, gemütliche Gassen, viele kleine Läden, bunte Illuminationen durch Seidenlaternen, eine aparte Mixtur aus japanischer, chinesischer sowie europäischer Kolonialarchitektur, ein verschlafener Hafen, perfekte vietnamesische kitschpostkarten Szenerie. Das ist Hoi An. Und hier legte ich erst einmal die Beine für ein paar Tage hoch und tauchte in eben jene gemütliche, kleine, bunt leuchtende und gelbe Gassenwelt ein. Tagsüber fetzt Hoi An schon sehr. Aber wenn die Dunkelheit über die kleine Stadt am Thu Bon Fluss hereinbricht, legt sich ein ganz anderes Flair über dieses schöne Fleckchen Erde! Unzählige Lampions erhellen die malerische Gassenwelt und taucht diese in ein buntes, warmes Licht. Es war einfach schön und entspannt, wahllos durch die Gassen zu schlendern, im Hafen zu sitzen und zu beobachten, wie die Lichter sich im Wasser spiegeln, eine warmer Lufthauch streicht über die Haut und aufm Kindle zu lesen und dabei Cao Lao (ein Nudelgericht) oder ein Banh Mi (lecker belegtes Weißbrotbaguette) zu vertilgen 🙂

Einst beherbergte Hoi An, welche von den Cham gegründet wurde, den größten Hafen Südostasiens, zudem gilt die Altstadt als die einzige, die während des Vietnamkrieges nicht komplett zerstört wurde. Und seit 1999 ist die Altstadt Hoi Ans UNESCO-Weltkulturerbe, da sie als gut erhaltenes Beispiel eines südostasiatischen Handelshafens aus dem Zeitraum zwischen 15. und 19. Jahrhundert gilt. Dabei zeigen die Gebäude der Altstadt
Gebäude eine Verschmelzung einheimischer und fremder Einflüsse, vor allem im Stil südchinesischer Kleinstädte. Aber nun genug des schnöden Geschichtsausflug 😀

Als ich auf der Dachterrasse des Hostels saß und kurz beim ‚Gesichtsbuch‘ ein paar Beiträge durchscrollte, sah ich ein Bild von einem Kumpel. Es zeigte seinen Rücken und Hinterkopf, während sein Gesicht auf viele leuchtende Lampen in einer gelben und gemütlich wirkenden Gasse schaute. Ich dachte mir „diese Umgebung kennste doch“ und mein Blick wanderte zur Schrift über dem Bild. Dort stand: Hoi An. Wat’n Zufall 😀 Ich schrieb Konstantin an und ca. zwei Stunden später trafen wir uns zusammen mit seiner Freundin Dasha zum Abendessen. Wir hatten uns 2014 zufällig in einem Hostel in Sarajevo kennengelernt und haben die Bobbahn von den Olympischen Winterspielen 1984 und Sarajevo zusammen erkundet. Und nun saßen wir in Hoi An, quatschten bei ’nem Bier und ’ner Coke über jene Zeit, dies und jenes, lachten viel und streiften anschließend noch ein wenig durch die Gassen Hoi Ans. War auf jeden Fall ’ne fetzige Begegnung 🙂

Hoi An und Ðà Nang lagen nun hinter mir. Und der Hai Van Pass (auch Wolkenpass genannt) vor mir. Die Wolken bahnten sich ihren Weg über diesen berühmten Gebirgszug und hüllten die noch einige Stunden vorher sonnige Landschaft in ein bleiernes, schwermütiges Grau. Die Passstraße schlengelte sich in zahlreichen Kurven und Windungen bergauf und wartet mit einer tollen Szenerie auf. Je weiter ich den üppig grün bewucherten Pass hinauf radelte, desto grauer wurde es, bis ich letztendlich von den dicken Nebelschwaden quasi ganz verschluckt wurde. Die nebelhafte Kulisse hatte was romantisches, aber auch gespenstisches und unwirkliches an sich. Der Hai Van Pass gilt als natürliche Grenze und als Wetterscheide zwischen Nord- und Südvietnam. Man sagt südlich davon ist es warm und sonnig, nördlich davon herrsche tristes Grau der Wolken und des Nebels. Sofern sich ein Loch in der Nebeldecke bot, konnte man die tolle Aussicht bei klarem Wetter nur erahnen. Buchten, grüne Hänge, das südchinesische Meer, weite Sicht sowohl nach Norden als auch nach Süden. Seit ein paar Jahren führt ein langer Tunnel durch den Pass, und hält somit den Großteils des Verkehrs von der Passstraße fern. So radelt es sich hier bis auf Mopeds und ein paar Busse und LKWs sehr angenehm und entspannt. Die Abfahrt war flott und ich genoss den Speed. Vor mir offenbarte sich das Dorf Lang Cô in einem seichten Grauschleier. Das Dorf lag an der Spitze einer Halbinsel, die eine wie gemalt wirkende Lagune vom offenen Meer trennt. Perfekte Kulisse für Caspar David Friedrich 😀

Als ich in Lang Cô angekommen bin, hielt ich Ausschau nach was zu essen. Es sollte mein Abendessen sein. Ich wurde fix fündig und verspeiste mal wieder Pho bo. Während ich so aß, schaute ich auf die tiefliegenden Wolken. Danach glitt mein Blick zu einer Ecke des überdachten Straßenrestaurants und wieder zurück zu den Wolken. Ich hatte mir zwar vorher überlegt, am Strand zu zelten, aber falls es regnen sollte, wüsste ich nicht, ob meine Idee die beste wäre. Drum fragte ich, ob ich hier in jener Ecke, die ich mir ausgesucht hatte, zelten dürfte. Die Mutter verstand mich nicht und rief ihre Tochter, welche gut Englisch sprach. Sie trug meine Frage an ihren Vater weiter, der aber meine Frage eine Abfuhr erteilte. Die Tochter entschuldigte sich und sagte, ich könne nebenan vor dem Denkmal campen. Ich fragte sicherheitshalber zweimal nach, ob das da wirklich okay sei. Auf einmal kam wieder die Mutter herbei und bedeutete mir mitzukommen. Sie führte mich zu einer überdachten Terrasse, welche sich etwas versetzt hinter dem Straßenrestaurant befand. Hier könne ich zelten, gab sie mit ihren Händen und ihrer Mimik zu verstehen. Feine Sache! Und noch feiner war, dass ich deren Dusche nutzen durfte 🙂

Quasi alle Städte, die ich bisher in Vietnam gesehen habe, haben eins gemeinsam. Kommt man über die überregionale Hauptstraße in eine Stadt, ist das erste, was man sehen wird, die vielen vielen kleinen aneinandergereihten Motorradwerkstätten und -geschäfte. So auch in Hue. Die Stadt war während der Nguyen-Dynastie (welche zugleich die letzte vietnamesische Kaiserdynastie war) von 1802 bis 1945 die Hauptstadt Vietnams. Die Kaiser residierten in der Kaiserstadt innerhalb der Zitadelle von Hue, wobei die Kaiserstadt der ‚Verbotenen Stadt‘ in Peking nachempfunden ist. In Hue wollte ich eigentlich nur eine Nacht verweilen, woraus spontanerweise zwei Nächte wurden 😀 Ich schlenderte durch die vielen schnurstracks im Schachbrettmuster verlaufenden Gassen und verbrachte entspannte Stunden in einem alten, verlassenen Wasserpark, der mich an den Freizeitpark im Plänterwald in Berlin erinnern ließ. Den Tipp habe ich von Kim bekommen. Sie ist die Chefin und Besitzerin des Homestay. Das ist quasi wie ein Hostel, bloß dass die Eigentümer unter dem gleichen Dach wie man selbst wohnt. Als ich das Homestay verlassen wollte, um eine Runde im Studentenviertel zu drehen, fragte mich Kim, wohin ich gehen werde. Ich erzählte ihr, was ich vorhatte, anschließend schlug sie vor, den genannten Wasserpark zu besichtigen. Ich dachte mir ‚wieso nicht!?‘. Wenig später fand ich mich an einem skurrilen, aber wunderschön wirkenden Ort wieder. Sofort auffällig war die hier herrschende natürliche Ruhe. Ein willkommener Kontrast zu der sprudelnden Geschäftigkeit und dem lauten Getümmel in Hue. Über allem hier ragte der majestätisch wirkende Drache. Ich schloss mein Fahrrad an und erkundete diesen verlassenen und heruntergekommenen Ort. Und ich mag solche Orte 🙂 Der Wasserpark Ho Thuy Tien wurde kurz nach seiner Eröffnung 2004 wieder geschlossen. Es heißt, zu hohe Eintrittspreise und Planungsfehler bezüglich der Infrastruktur seien die Gründe dafür gewesen. Seitdem vegetiert der Park vor sich hin und wird zusehends von der Natur zurückerobert. Im Bauch des Drachens befinden sich Überbleibsel eines Aquariums und maritime Skulpturen. Erklimmt man den Drachen von Innen, so hat man das Gefühl von ihm verschluckt zu sein, denn es sieht aus wie ein Rachen. Ganz oben angekommen, befindet man sich im Maul des Drachens und hat einen tollen Blick über das Gelände; Sprayer hinterlassen ihre Spuren an der Außenfassade, Kühe grasen auf der Wiese, ein paar Locals posieren für Selfies. Es ist sehr heiß, woraufhin ich mir ein schattiges Plätzchen suche. Ich mache es mir gemütlich und hole meinen Kindle aus der Tasche. Lesestunde 🙂 Ich bin zwar ein Fan von Büchern aus Papier, die Haptik, das Durchblättern, der Geruch 🙂 Aber für so eine Reise ist ein Kindle einfach eine feine Sache, platzsparend und leicht. Irgendwann setze ich meine Erkundungstour fort. Der Weg führt entlang des Sees zu Planschbecken und Rutschen, einem Amphitheater und einem Skulpturenpark. Mit dem Untergang der Sonne verließ ich diesen tollen Fleck Erde, an dem die Zeit still zu stehen schien. Schön war’s hier!

3. Woche ROB – Da Nang bis Thanh Hoa

Nach sechs Nächten war es wieder soweit sich aufs Fahrrad zu schwingen. Gegen 15 Uhr hatte ich es endlich geschafft mich vom Hostel zu lösen. Einziges Ziel für diesen Tag war es, den Hai-Van-Pass zu erklimmen und sich ins Tal rollen zu lassen. Der Hai-Van-Pas ist ein Ausläufer der Truong-Son-Berge und diese bilden zusammen die Wetterscheide zwischen Nord- und Südvietnam. Während in Da Nang den ganzen Tag die Sonne bei 30 Grad und mehr scheint, regnet es häufig auf der anderen Seite und die Temperaturen sind merklich kühler. Dieses Phänomen konnte ich beim erklimmen des Passes gut beobachten. Bei Sonnenschein gestartet, verschwand ich in den Wolken auf Höhe des Passes. Damit blieb einem die schöne Aussicht übers Meer verwehrt. Nach der Abfahrt blieb der Himmel bedeckt und die Temperaturen wurden merklich kühler. Dennoch war es während der Abfahrt schön anzusehen, wie Teile der Bergzüge in den Wolken verschwanden. Am Fuße des Passes angekommen hielt ich die Augen wieder offen nach einem passenden Fleckchen Erde für mein Zelt. Die Sonne war inzwischen hinter dem Horizont verschwunden. Nach ein paar Minuten sah ich wieder einmal eine Schule. Ich fuhr auf das Gelände und sah eine ältere Dame am anderen Ende. Ich fuhr in ihre Richtung und plötzlich fing sie an sich hektisch von mir zu entfernen. Ups, dass war nicht meine Absicht. Ich parkte mein Fahrrad auf dem Hof und schaute nach weiteren Personen. In diesem Moment kam eine andere Frau mit zwei Männern im Schlepptau auf mich zu. Die beiden Herren schauten skeptisch und inspizierten mich. Die Frau fing an mit mir zu reden:
„Hello Mr. I’m the english teacher of the school. Do you speak english?“
„Hey :-), my name is Rob. I’m traveling around the world by my bike. Now I’m looking for a place where i can pitch my tent. Is it possible to pitch my tent here?“ Ich zeigte auf mögliche Stellen für mein Zelt. In diesem Augenblick war ich sehr glücklich, auf jemanden zu treffen, welcher Englisch spricht. Und dann noch Englischlehrer 😀 Bis ich ihre Antwort hörte :-/
„Hello Mr. I’m the english teacher of the school. Do you speak english?“
Ok, dachte ich mir. Vielleicht hatte ich ein bisschen zu schnell gesprochen. So wiederholte ich das ganze nochmal, bloß etwas langsamer.
„Hey :-), my name is Rob. I’m traveling through the world by my bike. Now I’m looking for a place where I can pitch my tent. Is it possible to pitch my tent here?“
„Hello Mr. Do you speak english?“
Ok, vielleicht sollte ich andere Worte verwenden und die Sätze umbauen.
„Hey :-), my name is Rob. I would like to sleep here for one night. Is it possible to pitch my tent here?“
„Hello Mr. Do you speak english?“
Ach du Scheisse…und diese Frau soll die Englischlehrerin sein. Ich zeigte auf ihr mit den Worten „English teacher?“
„Yes, I’m an english teacher. Do you speak english?“
Jetzt war ich gefühlt an einem Punkt angekommen, wo ich nicht mehr wusste, wie ich weiter vorgehen sollte. Ich entschied mich für die altbewährte Methode und holte mein Handy heraus und zeigte Bilder von meinem Zelt, aufgebaut vor Schulen. Jetzt verstanden wir uns 😉 Ich kann jedem nur empfehlen auf Reisen in Länder, wo Englisch nicht gängig ist, ein Pointbook oder einen Ordner mit nützlichen Bildern im Handy zu haben, worauf man jederzeit schnell zugreifen kann. Hat uns auf der Reise schon sehr häufig das Leben erleichtert.
Man merkte schnell, dass die Menschen hier irgendwie anders sind, als die beiden Wochen zuvor. Nicht das sie schlechter sind, aber kühler. Über uns Deutschen sagt man dies auch nach, dass die im Norden kühler sind als im Süden. Aber hier bin ich ja nur über ein Berg gefahren. Oder hat vielleicht das Klima tatsächlich Auswirkungen auf die Mentalität der Menschen? Es dauerte jedenfalls länger als die Tage zuvor, bis das Eis gebrochen war. An diesem Abend wurden noch sämtliche andere Leute dazu geholt, telefoniert und plötzlich fingen sie an zu lachen und zeigten mir ein geeignetes Fleckchen für mein Zelt. Zu guter Letzt versorgten sie mich noch mit Essen und die ‚Englischlehrerin‘ folgt uns jetzt auf Facebook. Seitdem schreiben wir hin und wieder mal, von wegen ‚wo seid ihr gerade‘, ‚wie geht es euch‘ usw. Da war ich wieder auf dem Land. Von Touristen keine Spur und das wird die kommenden Tage größtenteils auch so bleiben. Dieses Vietnam hier, ist ein anderes Land als in der letzten Stadt Da Nang. Mir gefällt dieses Gesicht des Landes, weil es einfach authentisch ist und mir mehr über das Leben hier verrät.

Am nächsten Tag ging es nach Hue, wo ich mir ein Hostel im Zentrum suchte. Eine kleine Stadt unweit von der Küste vor einer nett aussehenden Gebirgslandschaft. Ein Ort der zum Verweilen einlädt. Der Parfüm-Fluss schneidet die Stadt in zwei Teile. Auf der Nordseite befindet sich eine Zitadelle mit der verbotenen Stadt, nach dem Vorbild Peking entstanden. Es zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe und es hörte sich alles sehr spannend an. Aber ich werde nach dem Einchecken im Hostel nur entlang des Flusses laufen. Zusammen mit zwei Deutschen machte ich mich auf Entdeckungstour. Wir schliefen im selben Dorm. Leider sind die Tore zur verbotenen Stadt nur tagsüber für Touristen geöffnet. Wir gingen ziellos durch die Straßen und hielten nach was leckerem Ausschau. An der Flusspromenade lebte die Stadt. Eine Gruppe junger Studenten bat um ein Gespräch. Sie wollten ihre Englischkenntnisse verbessern und gehen gemeinsam mit ihrem Englischkurs auf die Straße und quatschen Touristen an. Coole Idee und hat auch wirklich Spaß gemacht. Denke die nächste Generation des Vietnams wird in Englisch wesentlich besser aufgestellt sein.

Die QL1A führt entlang der Küste und bildet die Hauptverkehrsader zwischen dem Norden und Süden Vietnams. Dementsprechend frequentiert ist die Straße. In den Orten kommt es des häufigeren zu gefährlichen Annäherungen zwischen den LKWs und Bussen mit den Mopeds. Ohne Tempodrosselung fahren die großen Gefährten durch die Orte. Jede Stadt sieht gefühlt gleich langweilig aus. Links und rechts reihen sich eine, manchmal auch zwei Häuserreihen entlang der Straße an. Schön ist anders. So sehen anscheinend Ortschaften ohne westlichem Einfluss in Vietnam aus? Der Müll liegt auf den Straßen und hin riecht es auch sehr streng. Außerhalb der Ortschaften befinden sich Hauptsächlich Reisfelder entlang der Straße. Scheint nahezu unmöglich zu sein, hier irgendwo sein Zelt aufzubauen. Wenn Leute mit ihren Mopeds von der Seitenstraße auf die Hauptstraße einbiegen, wird NIE nach Links oder Rechts geschaut. Die Brummifahrer wissen das und kündigen sich daher stets unter Benutzung ihre Hupen an. Wenn die Schulen Feierabend machen und die Schüler alle auf die Straße stürmen, lässt sich gut beobachten, wie effektiv die Hupen in diesem Straßenverkehr sind. Ohne diese, würde viele der Schüler nicht ihren Schulabschluss erreichen. Gerne auch fahren die kleinen Mopeds auf der linken Spur und der anrollende Bus hupt wie ein besengter und schiebt sich den Weg frei. Getreu dem Motto ‚Wer bremst verliert‘. Zum ersten Mal auf unserer Reise brauchte ich eine Zeit, um mich an den Verkehr zu gewöhnen.
In sämtlichen Reiseführern, Blogs liest man ‚Auf keinen Fall als Fahrradfahrer diese Straße benutzen‘. Anscheinend habe ich das als eine Herausforderung aufgefasst. Nach drei Tagen hatte ich die Schnauze voll und suchte nach Alternativstraßen. Eine führte mich abseits der Küste durch die Hügellandschaft. Hier war das Leben der Vietnamesen ein anderes. Die Orte sahen wieder ganz nett aus und es roch auch nicht so streng. Dazu noch der geringere Verkehr. Ich genoss die Ruhe und nahm gerne schlechtere Straßen, etliche Höhenmeter und Kilometer mehr dafür in Kauf.

Die folgende Nacht, war meine erste wirkliche Outdoor-Nacht. In den Orten versuchte ich mein Glück, aber dieses Mal ohne Erfolg. Alle schauten mich eher böse an und ich hatte nicht wirklich die Geduld das Eis erneut zu brechen. Drum kaufte ich mir was zu Essen für mein Kocher und fuhr weiter. Nach mehreren Anläufen fand ich am Rande der Straße einen geeigneten Platz, der dazu noch überdacht war 🙂 Am Horizont sah ich bereits Regen. In diesem Moment kamen ein paar Mopeds vorbei und ein hielten an. Ich fragte den einen bzw. zeigte ihm Bilder von meinem Zelt und zeigte auf die Fläche. Er schüttelte den Kopf zusammen mit den Worten ’no no‘. Er zeigte in die Richtung wo ich hergekommen bin. Denke er wollte mir zu verstehen geben, dass ich dem nächsten Ort nach einem Schlafplatz suchen soll. Ich hasse es den gleichen Weg wieder zurückzufahren. Drum wartete ich lieber ein Weilchen bis er weg war und baute mein Zelt dennoch auf. Des häufigeren hielten Leute und schauten mich fragend an und fuhren nach ein paar Minuten wieder weiter. Während der Nacht wurde ich zweimal von Leuten geweckt, welche in mein Zelt mit einer Taschenlampe leuchteten. Um 06:00 Uhr morgens standen Kühe vor meinem Zelt. Ok, dann heißt es wohl aufstehen 😉 Die nächsten Tage bin ich soviel geradelt wie nie zuvor.

Die letzten Tage bin ich viel Fahrrad gefahren. Die längste Etappe war 140 km lang und damit ein neuer Rekord. Dabei hatte ich viele Begegnungen, unter anderem auch mit der Polizei. Es versammelten sich ca zehn Mann um mich herum. Die wollten mir mit Hilfe von Google Translation erklären, dass ich mich an diesem Ort nicht aufhalten darf und zelten in dieser Provinz generell verboten sei. Sie machen sich Sorgen um meine Sicherheit und wollen nicht, dass mir etwas zustößt.
Ich fange mal von vorne an. Ich habe auf einem Schulgelände die perfekte Möglichkeit gesehen zu nächtigen. Ich hatte dort Wasser, eine Toilette und genug Platz mich auszubreiten und einen kleinen Dachvorsprung, welcher mich vor Regen schützt. Wollte aber nicht so dreist sein und ohne jemanden zu fragen mein Zelt aufbauen. Ein paar Schritte weiter war ein privater Fußballplatz. Der Besitzer des Sportplatzes hatte mir prompt gestattet mein Zelt gut sichtgeschützt hinterm Haus aufzubauen. Dieser Bereich war sogar überdacht. Ich war glücklich. Auf dem Fußballplatz spielten gerade die Fußballmannschaft der lokalen Polizei gegen irgendeine andere Mannschaft. Sie schienen nach deren Gesichtsausdruck im Rückstand zu liegen. Ich setzte mich zu den anderen Zuschauern und verfolgte zusammen mit dem Sportplatzbesitzer das Spiel.
Ein wenig später kamen ein paar Polizisten zu mir. Zumindest waren sie von der Polizeimannschaft. Sie erfuhren, dass ich hier schlafen werde. Darauf meinten die Polizisten, es sei hier nicht sicher. Darauf hat der Besitzer des Sportplatzes einen Freund angerufen, ob er mich aufnehmen würde. Er sagte prompt ja. Er sitzt aber noch in der Uni und ich müsste zwei Stunden warten. Mir war das total egal, Hauptsache einen Schlafplatz. Inzwischen war es nach 18 Uhr und die Sonne war soeben hinterm Horizont verschwunden. Da kam der eine Polizist mit seinen Kollegen wieder an und fragt mich nach meinem Reisepass und welchen Typ Reisepass ich denn habe. Alles mit Google translater. Das ist vielleicht eine anstrengende Form der Kommunikation, zumal häufig die Übersetzung kein Sinn macht von Vietnamesisch zu Englisch. Mir wurde das langsam zu blöd und ich antwortete, dass ich einen Reisepass mit 32 Seiten habe. Er schaute mich fragend an und ich legte freundlich nach, dass ich einen normalen Reisepass hätte. Ich wüsste gar nicht, ob es in Deutschland überhaupt unterschiedliche Arten von Reisepässen gibt, abgesehen von der Seitenanzahl. Jetzt wollte er ihn sehen. So holte ich ihn raus und plötzlich wurde ich von allen neugierig umzingelt. Er nahm mir gegen meinen Willen den Reisepass aus der Hand und blätterte herum. Er fragte mich nach meinem Visum für Vietnam. Ich dachte mir im Kopf ‚ist er zu blöd zum Blättern‘. Ich zeigte ihm die Seite und er schaute ganz aufmerksam darauf. Als nächstes meinte er, dass ich mich in der See-Border-Area aufhalte und mein Visum nicht dafür gültig ist. Inzwischen war ich genervt und ich behauptete, dass ich beim Erhalt meines Visums genau das gefragt hätte und die mir bestätigten, dass es kein Problem sei durch die Sea-Border-Area zu fahren. Darauf sagte er nein und ich bat ihn wiederum, dass er doch bitte dort anrufen soll. Ich war ziemlich sicher, dass er es nicht tut. Zudem glaubte ich ihm nicht. So was hätten wir doch von der Grenze, anderen Reiseblogs oder anderen Quellen erfahren. Wie auch immer. Inzwischen blätterte er wieder in meinem Reisepass herum und laberte irgendwas. Währenddessen versuchte er einen auf James Bond zu machen und fotografierte ’super heimlich‘ meinen Reisepass ab. Ich fing an zu lachen und fragte, warum er meinen Pass abfotografiert. Ich bekam keine Antwort. Jetzt fragte er mich, wo ich denn jetzt schlafen würde. Ich antwortete nicht hier, da es ja angeblich nicht sicher sei. Er konterte, dass ich einen anderen sicheren Schlafplatz finden muss. Jetzt berichtete ich ihm von dem Freund des Besitzers des Sportplatzes, welcher mich aufnehmen will und inzwischen in ca. 1,5 Stunden hier sein wird. Ihm das mitzuteilen erwies sich als großer Fehler. Jetzt fing er an ein paar Minuten mit dem Besitzer des Sportplatzes zu diskutieren. Ende vom Lied war, sein Freund habe keine Genehmigung mich aufzunehmen. Überwiegt dieser Faktor jetzt den Sicherheitsfaktor, fragte ich ihn. Er schaute mich blöd an, sowie der Rest der Polizei-Bande. Eine Antwort bekam ich nicht. Dem Besitzer des Sportplatzes war es unangenehm, mich zu bitten zu gehen, um nach einem andern Schlafplatz zu suchen. Ende vom Lied war, trotz der Bedenken um meine Sicherheit seitens der Polizei, durfte ich jetzt gehen und mir im Dunkeln einen neuen Schlafplatz suchen. Die Logik soll mir mal einer erklären.
Keinen Kilometer entfernt, fand ich ein Hotel. Allerdings war es mir zu teuer. Darum entschied ich gegen die angebliche Regel in dieser Provinz, wieder einen geeigneten Campground zu finden. Keine 500 Meter weiter war eine Karateschule. Vor einer großen Gruppe Karateschüler stand der Lehrer. Er schaute zu mir und beendete das Training und kam auf mich zu. Ich zeigte ihm ein paar Fotos von meinem Zelt, wie es auf Schulen oder Sportplätzen bereits aufgebaut wurde. Daraufhin sollte ich ihm folgen und er zeigte mir, wo ich mein Zelt aufschlagen kann. Ich war richtig glücklich in diesem Moment. So unkompliziert hier und kompliziert einen Kilometer von hier entfernt. Dazu bekam ich noch leckeres Essen. Der Tag war wieder gerettet, die Begegnung mit der Polizei war aus meinen Kopf verschwunden und ich war einfach nur glücklich 🙂

Zum Glück blieb es beim einzigen Vorfall dieser Art. An den restlichen Tagen fand ich Unterschlupf vor einer Sporthalle oder bei Einheimische. So auch an diesem Tage. Ein paar Leute spielten Volleyball und ich gesellte mich dazu und wurde sofort zum Mitspielen aufgefordert. Nach sechs Stunden mit 120 Kilometer in den Beinen eine gute Abwechslung. Das hat echt Spaß gemacht. Von den Herrschaften hat mich ein älteres Pärchen mit nach Hause genommen und dort durfte ich mich duschen. Feine Sache 😀 Später baute ich mit der Erlaubnis der Einheimischen mein Zelt vor der Sporthalle auf.

Ähnliches Spiel an einem anderen Tag. Inzwischen war ich zurück auf der stark frequentierten Hauptstraße unterwegs und ich sah abseits der Straße ein kleines Dorf. Im Zentrum befand sich ein Sportplatz. Sie spielten Fußball und Volleyball. Wieder mal durfte ich mitspielen. Zu guter Letzt wurde ich von einem Mann mit nach Hause genommen. Seine Ehefrau unterrichtete gerade eine Klasse. Englisch stand auf dem Programm. Die Schüler, vielleicht acht Jahre alt, waren ganz aus dem Häuschen. Die Lehrerin bat mich ein bisschen von meiner Reise zu erzählen. Gut, dann versuche ich dies mal in einfachen Worten. Glaube die kleinen haben ungefähr verstanden woher ich komme und was ich vorhabe. Die Schüler waren zudem sehr ruhig und schauten alle an die Tafel. Denke das ist ein gutes Zeichen oder? Der Ehemann bereitete inzwischen super leckeres Essen zu. Ich genoss wunderbare vietnamesische Küche. Generell ist die vietnamesische Küche sehr zu empfehlen 😉 Der Mann holte noch selbstgebrannten Schnaps raus und er schenkte einen nach dem anderen ein. Währenddessen erfuhr ich, dass er auf einer Fregatte als Maschinist arbeitet. Jetzt wurde es für mich interessant. Er zeigte mir den aktuellen Jahreskalender der Marine. Wow, hätte nicht gedacht, dass die so moderne Schiffe haben.

Zwei Tage vor Thanh Hoa, unserem Treffpunkt vor Hanoi, spazierte ich über einen Markt. Es roch sehr streng. Beim Durchschlendern verhandelte ich an vielen Ständen und suchte mir die besten Preise. Die Leute bemerkten schnell, dass ich die Preise verschiedener Anbieter verglich. Dafür erntete ich viele böse Gesichter ^^ Eine Frau winkte mich von Weiten heran. Als ich sah, was sie dort verkauft, staunte ich nicht schlecht. Lebende Frösche, welche bei lebendigen Leibe gehäutet werden. Sie nimmt sich einen Frosch und schneidet die Pfoten und einen Teil von der Schnauze der Frösche ab. Anschließend greift sie unter die Haut und zieht diese von vorne nach hinten ab. Echt kein schöner Anblick, zumal die Frösche nach wie vor am Leben sind.

Nach ungefähr drei Wochen war ich nun in Thanh Hoa. Konnte es kaum erwarten Tobi nach ca. 1100 Kilometer und knapp 60 Stunden im Sattel wiederzusehen 😀 Diese Erfahrung hat sich definitiv gelohnt.

3. Woche TOB – Phong Nha bis Thanh Hoa

Zwei Tage nach Hue und einer Campingnacht vor einer Sporthalle in Ho Xá kam ich in Phong Nha an. Hier befindet sich der Nationalpark
Phong Nha-Ka Bàng mit seiner wunderschönen Karstlandschaft und seinen weltberühmten Höhlen, wozu auch die Son-Ðoòng-Höhle zählt, die größte der Welt. Ich radelte ein wenig durch die tolle Karstlandschaft und genoss einen tollen Sonnenuntergang 🙂

Bis zum vereinbarten Datum waren es noch vier Tage und knapp 350 km zu radeln. Bis nach Phong Nha war das Wetter überwiegend sonnig, aber für die kommenden Tage sagte der Wetterbericht nichts gutes voraus. Demnach dürfte ich mich auf Gewitter und Regen gefasst machen. Am Tag der Abfahrt hatte ich vormittags noch gutes Wetter und kehrte auf die viel frequentierte AH1 zurück, auf der ich seit Lang Cô gen Norden fuhr. Von Phonh Nha aus hätte ich auch auf der QL15 fahren können, welche im Landesinneren in Nord-Süd-Richtung verlief und zudem die landschaftlich wohl attraktivere Straße gewesen wäre. Aber zwei Gründe ließen mich letztendlich dagegen entscheiden. Zum einen hatte ich keine Lust höchstwahrscheinlich im Regen durch die Berge zu fahren und zum anderen hätte ich noch einen Tag länger gebraucht. So fand ich mich nach einiger Zeit auf der AH1 wieder. Hallo LKWs, Lärm und mega nervige, schier niemals endende Hupkonzerte. Gibt schöneres als auf dieser Hauptverkehrsaterie zu pedalieren, aber vorwärtskommen war Priorität. Bei Qu Ang Ðông sah ich eine dicke, dunkelgraue Wolkenfront langsam über den Bergkamm kriechen. Mir schwarnte Böses. Als ich den Kamm überquerte hatte, sah ich nur eins: eine bis zum Horizont reichende Waschküche. Der triste Eindruck verschärfte sich durch die vorherrschende Industrie und grauen Betonbehausungen. Was mir hier noch viel mehr auffiel als schon vorher, waren die riesigen Neonletter, die überall Karaoke bewarben. So oft wie ich das seit Pleiku gesehen habe, müssen die Vietnamesen echt verrückt nach Karaoke sein 😀 Das Wetter war nervig. Permante Rendezvous mit Regen und Gewitter wie es der Wetterbericht noch in Phong Nha vorhersagte, gab es glücklicherweise nicht. Nur tiefliegende Wolken, deren Tröpfchen an meinen Brillengläsern hafteten. War wie ein trübes Kaleidoskop. Ab und zu Nieselregen, überwiegend am späten Nachmittag und abends. Klare Sicht sieht anders aus 😀 Und ohne Brille fahren war auch nicht drin.

Vier Tage nachdem ich in Phong Nha gestartet bin, kam ich in Thanh Hóa an. Jener Ort, den Robert und ich vor drei Wochen als Treffpunkt vereinbart haben. Ich war sehr überrascht von der Größe der Stadt und verbrachte eine Stunde, eine Unterkunft zu finden, die preislich okay ist. Quasi alle Hotels und Nha Nghis verlangten 300.000 Dong und mehr, eindeutig zu viel. Ich fuhr in eine dunkle Seitenstraße, sah ein Schild mit der Aufschrift Nha Nghi und versuchte hier mein Glück. Endlich hatte ich eine preislich akzeptable Unterkunft gefunden,150.000 Dong pro Nacht. Ich fragte, ob ich das Zimmer sehen könne. Als ich dieses betrat, musste ich schmunzeln. An der Wand neben dem Bett befand sich ein riesiger Spiegel, darüber eine ebenso große Zeichnung von zwei nackten Frauen in einem See, umgeben von üppigen Grün und die langen Haare über den Brüsten. In diesem Moment wusste ich, dass ich in einem Sexhotel gelandet bin, wo man eine ganze Nacht oder lediglich ein paar Stunden verbringen kann. Im oben bereits genannten Blogbeitrag über Nha Nghis, stand auch geschrieben, dass Nha Nghis nicht nur als Hotels und Guesthouses fungieren, sondern zu einem kleinen Teil eben auch als Sexhotels. Diese seien am einfachsten an einem großen Spiegel neben oder über dem Bett zu erkennen. Et voilà, da bin ich gelandet 😀 Aber egal, eine preiswertere Unterkunft noch zu finden, dürfte sich als nicht so einfach erweisen und ehrlich gesagt, hatte ich keine Lust mehr weiterzusuchen…

2018-11-04T14:58:53+00:00 30.05.2017|Vietnam|0 Kommentare