45 | Sieben Wochen Hanoi

19.03. – 12.05.2017 | Entgegen aller Erwartungen haben wir uns entschlossen für zwei Nächte anstatt für nur eine Nacht in Thanh Hoa zu bleiben. Wer hätte das gedacht?! Kaum wieder vereint, flammen die alten Gewohnheiten wieder auf 😉 Für die Zukunft haben wir uns vorgenommen unterwegs nicht mehr so lange irgendwo halt zu machen – in Städten maximal zwei bis drei Wochen und unterwegs unter einer Woche auszukommen….LaLaLa ^^

Der Ort versprach nicht viel, dennoch hatte er was. Zum Beispiel ein Einkaufszentrum mit vielen Süßigkeiten und Eis. Der Sinn des Tages war somit bestimmt – YUMMY! Dem konnten wir nicht widerstehen. Im Zentrum befand sich ein Park, in dem eine Bühne aufgebaut war. Wir schauten uns Abend dort um, aber so richtig sprach uns das nicht an. Überall wurden Verkaufsstände aufgebaut, wo Händler versuchten ihre Elektronik zu verkaufen und auf der Bühne laberte die ganze Zeit einer vor sich hin und versuchte die Leute in Stimmung zu bekommen, ohne Erfolg. Am Horizont näherte sich ein Gewitter und bald darauf fielen die ersten Regentropfen vom Himmel. Wir schauten uns die Flucht der Leute an und lachten über den ‚entertainer‘ auf der Bühne. Inzwischen fielen immer dickere Regentropfen vom Himmel und dazu bot sich uns ein Lichter-/Klangspiel aus Blitzen und Donner. War schon beeindruckend. Wir schlossen uns dem Strom der Massen an und gingen zurück ins Gasthaus. Unser Süßigkeitenvorrat war für einen Filmabend perfekt geeignet. Dazu hatten wir einen Full-HD Fernseher im Zimmer mit USB-Anschluss. Ein perfekter Abend.

Auf nach Hanoi

Rund 160 Kilometer bzw. zwei Tage trennten uns nur noch von Hanoi. Unsere Form war so gut wie nie zuvor. Tagesziel war Phu Ly. Wir planten einen ganzen Tag für diese Strecke ein. Insgesamt standen knappe 100 km auf dem Programm, welche wir in knapp 4,5 Stunden absolvierten. Selten fuhren wir auf unserer Reise solche Durchschnittsgeschwindigkeiten. Auf dem Weg nach Hanoi kamen uns viele Busse mit der Ortszielangabe ‚Saigon‘ entgegen. Wir überlegten, dass der offizielle Name doch ‚Ho-Chi-Minh-City‘ heißen müssen und nicht eben ‚Saigon‘. Aber warum steht oftmals ‚Saigon‘ noch da? Erst später erfuhren wir (wenn man das überhaupt so pauschalisieren kann), dass v.a. die Einwohner Hanois und Nordvietnams die Großstadt im Süden ‚Ho-Chi-Minh-Stadt‘ nennen. Die Südvietnamesen nennen die Stadt jedoch weiterhin ‚Saigon‘, besonders wenn es um die Innenstadt geht. Das ist nur ein kleines Beispiel, welches die vielen Unterschiede zwischen den beiden Städten illustriert. Eine andere Sache die uns beim Radeln durch Vietnam auffiel, war die Sprache. Vietnam ist das einzige Land in Südostasien, welches das lateinische Alphabet benutzt. Das war sehr nützlich für uns und wir konnten uns überall wo wir waren, fix orientieren ohne lästiges nachblättern oder übersetzen. Wir fragten uns aber warum dem so ist? Ursprünglich haben die Vietnamesen chinesisch geschrieben und erst ab dem 13. Jahrhundert entwickelte sich daraus eine eigene vietnamesische Schrift. Im Laufe des 17. Jahrhunderts versuchten portugiesische Entdecker jene Schrift in lateinische Buchstaben zu übertragen. Perfektioniert hat dies der französiche Theologe und Missionar Alexandre de Rhodes. Er erforschte das vietnamesische Alphabet und übertrug es nach deren Entschlüsselung in lateinische Buchstaben. Seine Arbeit wurde zur Basis des ab dem späten 19. Jahrhundert in der Schriftsprache verwendeten, als ‚Quôc Ngù‘ genannten Alphabets wurde. Sie wurde jedoch erst 1945 offiziell zur vietnamesischen Schrift erklärt. Der vietnamesischen Schrift Quôc Ngù liegen 26 Buchstaben des lateinischen Alphabets zugrunde, wobei die Buchstaben f, j, w und z nur in Fremdwörtern und in fremden Eigennamen vorkommen. Um die sechs Töne des Vietnameischen darzustellen, wurde dem lateinischen Alphabet dabei zahlreiche Diakritika hinzugefügt.

Am nächsten Tag erreichten wir den gleichen Schnitt trotz Stadtverkehr. Stolz erreichten wir Hanoi. Ohne Probleme fanden wir das Hostel, welches Marianna für uns und die Berliner Bande gebucht hatte. Wir machten unsere erste Erfahrung mit einem Homestay. Dabei teilen sich Vermieter und Gäste Gemeinschaftsräume wie Bad, Küche und Wohnbereich. Linh hieß die Besitzerin und begrüßte uns mit einem breitem Lächeln. Warm werden war hier Fehlanzeige. Von Anfang an konnten wir unsere Witze machen. Marianna hatte ihr schon von unserer Fahrradreise berichtet und daher wusste sie, wer wir sind. Echt eine sehr schöne Unterkunft.

Kurze Zeit später erreichte auch Marianna die Unterkunft. Wir hatten erst einmal kräftig was zu erzählen und saßen gemeinsam mit Linh in der Küche. Kurze Zeit später kam ihr Ehemann und Tochter dazu. Coole Runde. Die Berliner Bande kam mit dem Flieger aus Ho Chi Minh City nach Hanoi. Konnte es kaum erwarten die Bande wiederzusehen und Tobi vorzustellen. Hunger machte sich bei uns bemerkbar. Marianna und ich schauten nach möglichen Adressen. Wieder einmal sollte es ein Burger sein. Da Nang hatte uns wirklich sehr positiv überrascht. Wir fanden viele Adressen, aber die Preise waren utopisch für vietnamesische Verhältnisse. Plötzlich stande die Berliner Bande im Hause und die Stimmung stieg nochmal sprunghaft an – GEIL.

Ab in das Nachtleben von Hanoi

Später gingen wir gemeinsam in die Stadt. Marianna spielte den ersten Abend den Navigator, mit mäßigem Erfolg ;-). Unterwegs machten die Jungs noch viele Bilder und die gute Stimmung fand kein Abbruch. Nach ca. einer Stunde standen wir vor einem Burgerladen mit gutem Preis und einem vielverspechendem Bild. Wir fragten noch extra nach, ob der Burger auch real so ausschaut wie auf dem Bild. Tanh quatschte mit dem Kellner auf vietnamesisch und lächelte. Wir saßen uns rein und jeder bestellte sich zwei Burger. Vier Bier später kam endlich der erste Burger und wir kamen aus dem Lachen nicht mehr heraus. Voll die Verarsche 😀

Tanh fackelte nicht lange und pfiff den Kellner ran. ‚Digger, wir haben hier keine Frikadelle bestellt du Döner‘. Wir winkten ihn zum Werbeplakat zusammen mit dem Burger und fragten ihn erneut ‚Schaut dieser Burger genau so aus wie auf dem Bild‘. Er antwortete ‚Ja‘. Wir lachten ihn alle aus und Tanh hielt ihm erst einmal ein Vortrag auf Vietnamesisch. Glück im Unglück, er hatte nicht verstanden, dass jeder zwei Burger haben wollte und es blieb bei diesem einem Burger. Wie leerten das Bier und zogen weiter. Der nächste Burgerladen war eine andere Preisliga. Besonders das Bier und Cola (für den Tobias) kosteten einfach mal das Vierfache anderer Straßenstände. Paul und Adrian waren schmerzfrei und besorgten die Getränke von der Straße und kamen mit prall gefüllten Plastiktüten wieder – Aldi-Style ;-). Dazu muss man wissen, dass es in Südostasien nicht unüblich ist, seine Getränke von außen mit rein zu nehmen. Nach dem leckeren Burger ging es über ins Clubhopping. Was für ein geiler Abend wieder mal.

Gegen vier Uhr waren wir zurück in der Unterkunft, hart angetrunken. Die Berliner Bande fuhr am nächsten Tag nach Halong Bay. Keine Ahung wann, aber viel Schlaf hatten sie nicht und ganz nüchtern werden die Herrschaften auch noch nicht gewesen sein. Adrian hatte noch versucht uns zu wecken und uns zum Mitkommen zu überreden. Vergebens 😉 Gegen 14 Uhr kamen wir langsam zu uns. Warum? Weil der Magen nach Essen schrie ^^. Auf Marianna war in diesem Punkt stets Verlass. Ständig zauberte sie uns was leckeres. Linh meinte schon, sie sei eine Art Mutter für uns. So unrecht hatte sie nicht. Wir ließen uns gerne verwöhnen. Zum Frühstück gab es meist Brötchen mit Rüheei oder Spiegelei, ein bisschen Wurst, Käse, Tomaten und Ketchup. Als Dessert gab es Ananas oder Mango. Immer wieder ein Genuss. Feine Sache von Marianna :D. Wir verließen maximal das Haus, um ein paar Snickers, Cola und Eis auf dem Weg zu kaufen. Adrian und Marcel blieben eine Nacht auf Cat Ba in der Halong Bay, Paul und Tanh blieben spontan eine Nacht länger. Die Tage bis zu ihrer Abreise zurück nach Berlin waren geprägt von durchzechten Nächten. War ’ne geile Zeit mit euch Jungs!! Die Jungs waren zwar nun weg, aber das bedeutete keineswegs, dass die Party over war. Nönönö, es ging dennoch ab und zu ordentlich steil. So u.a. auch mit Adrian, Zahnarzt in Hanoi. Mit ihm und ein paar Freunden aus den Staaten, Norwegen und Co. ging es erst in eine lokale Bia Hoi (da wird ordentlich Bier für schmalen Taler sowie leckeres Essen verkauft) und anschließend in eine frisch eröffnete Bar am Westsee, wo v.a. Expats hingehen und sich ein ordentliches Bier gönnen und nicht so ’ne Plürre^^ War ein cooler Abend mit tollen Leudden 🙂

Der Charme Hanois

Das Areal um den Hoan-Kiem-See mit der Altstadt und dem französischen Kolonialviertel gelten als eines der schönsten und vitalsten Stadtensembles Südostasiens. Und da unsere Unterkunft nicht weit davon entfernt war, verbrachten wir dementsprechend auch viiiieeel Zeit dort – und müssen sagen ‚uns gefällt’s sehr!‘ 🙂 Wir verbrachten viele Stunden und Tage in diesen quirligen Gassen, weil es hier so viel zu entdecken gibt. Quasi jeden Tag was neues, is‘ wie ’ne riesige und prallgefüllte Überraschungstüte…haha. Mit der Zeit gehörte es zur Routine Abends in die Altstadt zu gehen. Die Atmosphäre ist wunderschön. Stets ist viel los auf den Straßen. Wenn man seine Ruhe haben will, bietet einem der Hoan-Kiem-See in der Stadt die Möglichkeit, ein ruhiges Plätzchen zu finden. Die Einheimischen setzen sich auf die Wiese und genießen das Leben. Egal ob jung oder alt, alle sitzen beisammen. Es scheint ein Teil ihrer Kultur zu sein, viel Zeit miteinander zu verbringen. Pünkltlich zum Freitag werden die Straßen um den See für die Fußgänger gesperrt und die Menschenmassen erobern die Straßen. Faszinierend zu beobachten. Hauptsächlich handelt es sich um Einheimische. Klar gibt es in Hanoi auch viele Touristen. Denken wir beispielsweise an Bangkok zurück, dort überwiegen die Touristen mehr auf den Straßen. In Hanoi verbringen die Einheimischen gerne die Zeit gemeinsam auf der Straße. Viele genießen ihr Eis, gönnen sich ein Bier oder kaufen sich was zu Essen. Die Kleinen entdecken die Straßen auf ihre Weise. Die Eltern laufen stets hinterher. Wahnsinn wie viele Kinder auf den Straßen spielen und teils bis in die späten Abendstunden. Jugendliche setzen sich auf die Straße und bilden Kreise. Ein paar haben ihre Gitarre, Trommel dabei und fangen an zu spielen. Der Rest im Kreise fängt an zu singen und zu klatschen. An anderen Stellen versuchen Touristen ihr Glück und spielen Musik. Neugierige bilden einen Block um die Touristen.

In Hanoi geht es anders zu als auf dem Land. Viele Einheimische suchen förmlich den Kontakt zu Ausländern. Besonders die junge Generation versucht es besser zu machen als ihre Elterngeneration und sind sehr offen für Englisch. So kam es hin und wieder mal vor, dass man von einer Horde junger Menschen umzingelt wurde und ein bisschen auf Englisch redet. Dies fällt vor allem am Hoan Kiem See auf, denn wenn man nämlich um den See spaziert, sind zahlreiche Grüppchen, bestehend aus Einheimischen und Touris, zu sehen. Und überall wird angeregt auf Englisch gesprochen. Man kann sich das in etwa so vorstellen. Du sitzt am See und liest ein Buch. Auf einmal siehst du zwei oder vier oder mehr Beine vor dir, hörst ein paar freundliche Stimmen und dein Blick gleitet nach oben. Vor dir steht eine Gruppe junger Vietnamesen und fragt dich freundlich und höflich, ob es möglich ist, sich zu dich gesellen, um das Englisch zu verbessern.

Ist Vietnam nun kommunistisch oder kapitalistisch?

Wir schlenderten so oft durch breite Prachtstraßen und schmale, schäbige Gassen. Meterhohe und riesengroße Werbeplakate und -schilder zieren zahlreiche Straßen in Hanoi und jede andere größere Stadt in Vietnam, unweit von unserem Homestay verkaufen die fahrradfahrenden Händler Ananas, Mangos und weiteres Obst und Gemüse, hier werden Blumen verkauft, dort chinesischer Krimskrams, wir laufen an zahlreichen Internetcafés, Mobilfunkläden und Luxusgeschäften wie Prada, Gucci und Co. vorbei. Neben riesigen Propagandaplakaten werden Coca-Cola, Pepsi und Postkarten verkauft. Handeln stellt sich als gar nicht so einfach heraus und jeder Dong zählt bei den vietnamesischen Verkäufern. Ein ordentliches Kontrastprogramm zu dem, was wir bisher mit Vietnam assoziierten! 😀 ‚Vietnam ist doch kommunistisch, hier werden wohl die einstigen Pole Kommuninus versus Kapitalismus parallel praktiziert!‘, dachten wir und waren irritiert 😀 Ein kurzer Blick ins Geschichtsbuch belehrt uns eines Besseren^^

Mit dem sechsten Parteitag der Kommunistischen Partei im Jahr 1986 schlug man unter dem Schlagwort ‚doi moi‘ (Erneuerung) eine neue Marschrichtung bzw. einen Reformkurs ein. Dieser versuchte einen Spagat zwischen politischer Einparteienherrschaft und der Einführung eines marktwirtschaftlichen, pluralistischen Systems zu schaffen. Dabei wurde die zentrale Planung aufgegeben, die Kollektivierung der Landwirtschaft schrittweise abgeschafft und marktwirtschaftliche Reformen durchgeführt, zudem wurden ausländische Investoren in Form von Joint Ventures erlaubt, im Land zu investieren. In den Metropolen Hanoi und Ho-Chi-Minh-City war und ist dieser Wandel am meisten zu spüren. Infolge des Reformkurses kam es zu einem Gründungsboom im Privatsektor, v.a. im Handel und besonders Familienbetriebe und kleinindustrielle Unternehmen haben sich seitdem zu den tragenden Säulen der Wirtschaft entwickelt.

6 Senses – unser Zuhause in Hanoi

Unser Homestay heißt ‚6 Senses‘ und wir hatten eine prima Zeit (https://www.facebook.com/6sensesservicedapartmenthomestay, jedem der mal nach Hanoi möchte, können wir diese Unterkunft wärmstens empfehlen)! Linh und ihr Mann leiten den Laden und beide sind wunderbare Gastgeber, v.a. Linh. Sie versteht es wie keine andere Reisende miteinander bekannt zu machen und ein paar Minuten später, sitzen die Leute auf der gemütlichen Couch und quatschen über dies und jenes. Wie gesagt, Linh ist eine prima Gastgeberin und so kam es eines Abends, dass wir zusammen mit weiteren Gästen aus dem Homestay und einem befreundeten Pärchen aus Japan einen schönen kulinarischen Abend verbrachten. Die einen bereiteten Sushi vor, die anderen rollten Frühlings- oder Sommerollen, wiederum andere schwenkten die Pfanne. Das war ein lustiges und leckeres Beisammensein! Auch an anderen Abenden luden Linh, ihr Mann und deren gemeinsame 10-jährige Tochter uns zum Essen in der Küche ein. Während unser Zeit im 6 Senses kamen und gingen viele Leute. Mit vielen hatten wir einen gemütlichen Plausch auf der Terrasse oder auf chilligen Couch vor dem großen Stadtbilds von Rothenburg ob der Tauber. Da waren z.B. Timo und Tina, ein sympathisches Pärchen aus Süddeutschland. Timo war ebenso filmbegeistert wie ich und ebenso fotografiebegeistert wie Robert. Tina liebt die verschiedenen Küchen Südostasiens und so kam es, dass sie uns fragten, ob wir ihnen nicht bei einer Street-Food-Tour Gesellschaft leisten wollen. Wir schauten einander an und sagten ‚jo!‘. Vorab hatte Tina sich vier Street-Food-Stationen rausgesucht, die wir im Laufe des Nachmittags abliefen. Vor allem die letzte Station hat es uns besonders angetan, sodass Robert und ich später noch einige weitere Male dorthin gegangen sind. Dort gab es nämlich ‚Bun Bo Nam Bo‘. Dieses Gericht enthält gleichzeitig Heißes und Kaltes sowie eine Mischung aus süß und sauer. Damit sorgt sie für ein einmaliges und unvergessliches Geschmackserlebnis. Übersetzt bedeutet das Gericht soviel wie Reisnudeln (bun) und Rind (bo). Bun Bo Nam Bo ist ein beliebtes Gericht aus Reisnudeln, Salat, Erdnüssen, Rindfleisch und einer leckeren süßsauren Soße. Yummy, war das lecker! 🙂
Ein anderer Gast mit dem wir viel Zeit verbrachten war Vera. Sie ist Portugisien und lebt und arbeitet als Hochbauingenieurin seit ca. dreieinhalb Jahren in Macau. Wir fanden fix viele gemeinsame Gesprächsthemen und quatschten über dies und jenes. Vera ist derbe cool und als wir sie verabschiedeten, ließ sie uns wissen, dass ein Wiedersehen ziemlich fetzig wäre. Sie nutzt die Wochenenden um von Macau aus Südostasien zu erkunden. Falls wir also einen Ort haben, wo wir wieder länger hängen bleiben, können wir ihr ruhig schreiben und sie schaut, ob sie es dahin schafft 🙂 Ebenso sympathisch wie Vera war Kavya mit ihrem amüsanten Humor. Kavya war auch ein Gast im gleichen Homestay wie wir. Sie kommt aus Indien, lebt und arbeitet aber in Singapur. War ’ne schöne Zeit mit ihr und vielleicht sehen wir sie ja in Singapur wieder? 😉 Zwei entspannte Abende verbrachten wir auch mit Antoine und seiner Freundin. Beide kommen aus Frankreich und sind passionierte Fotografen. Lustige Abende verbrachten wir auch mit Katja, eine wahrlich lebenslustige Frau von Welt 🙂 Sie kommt aus Leipzig, arbeitet aber im Hilton-Hotel in Dresden in einer hohen Position. Rob und ich machten Scherze, dass, wenn wir uns in Dresden begegnen würden, wir wahrscheinlich gar nicht ins Gespräch kommen würden und nun sitzen wir hier, trinken Bier und Coke und lachen herrlich. Mit Katja sind wir ein wenig durch das Nachtleben gezogen, haben uns eine Fußmassage gegönnt und am Tag ihres Fluges nach Danang hat sie uns noch zum Frühstück ins Hilton Garden Inn eingeladen. Alter Lachs, war das ein suuuuuuuper leckeres und vielfältiges Essen, Mamma Mia! Katja, falls du das lesen solltest, vielen vielen lieben Dank für das Frühstück und die Massage und die miteinander verbrachte Zeit! War mega! 🙂 Auch lustig war es mit Robert, ein cooler Mitvierziger aus Berlin mit eigenen Asia-Restaurant unweit des Müggelsees. Daneben gab es noch viele weitere sympathische Gäste im Homestay, aber die oben genannten blieben uns am meisten im Gedächtnis 🙂 Einen richtig richtig geilen Freudenrausch hatten wir in unserer ersten Woche in Hanoi erlebt!!! Wir sagen nur eins: ‚ S C H O K I‘!!! Wir haben von Ingo und Ela ein 5kg-Paket voll mit Schokolade erhalten!! Einfach nur der Wahnsinn!!! Megageil!! Vielen vielen lieben herzlichen Dank en Euch beide!! 🙂 Wie einige von euch sich vielleicht schon denken können, hat die Schokolade keine Woche überlebt 😀

Von der Dachterrasse unseres Homestays hat man einen weiten Blick über die Dachlandschaft Hanois und den ‚Roten Fluss‘. Dabei fallen einem v.a. viele schmale, dafür aber hohe Gebäude mit mehreren Stockwerken auf, so bspw. auch jenes, das unser Homestay beherbergt. Jedes Stockwerk enthält oftmals quasi nur einen Raum. Auffallend ist auch, dass die Häuser kaum breiter sind als fünf Meter, dafür jedoch fünf oder sechs Stockwerke zählen, quasi ‚vertikale Tunnelhäuser‘. Dies ist besonders im Zentrum und in den zentrumsnahen Quartieren zu beobachten. Jene physiognomischen Erscheinungen gehen auf die Zeit der französischen Kolonialmacht zurück. Obwohl der Katholizimus in Nordvietnam nie richtig Fuß fassen konnte, hat die alte Kolonialmacht die Architektur deutlich beeinflusst. So wurden während der Kolonialzeit die Gebäude nach der Grundfläche des Bodens besteuert, auf dem sie errichtet waren und was eben zu dem führte, was oben beschrieben ist.

Das Old Quarter in Hanoi

Hanois Altstadtviertel, in dem wir viel Zeit verbrachten, ist quasi der Dinosaurier in der Stadtgeschichte der vietnamesischen Hauptstadt. Jene 36 Gassen sind einst zur Versorung der Kaiserlichen Zitadelle mit Waren jeder Art und Lebensmitteln entstanden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus ein überregionales Gewerbe- und Handelszentrum. Aber warum heißt es nun ’36-Gassenviertel‘? Die Namensgebung stammt von den 36 Zünften, die sich infolge der Stadtgründung 1010 hier angesiedelt hatten, um den kaiserlichen Hofstaat mit Waren zu versorgen. Somit stellt es das älteste noch existierende Handels-, Markt- und Gewerbegebiet Vietnams dar.

Jeder Name dieser Gassen beginnt mit dem Wort ‚hang‘ und bedeutet ‚Ware‘, gefolgt von der Ware, die in jener Gasse verkauft wurde. Beispielsweise wurden in der ‚hang thang‘ nur Leitern verkauft, in der ‚hang thiec‘ befanden sich die Zinnschmiede und in der ‚hang giay‘ gab es ausschließlich Schuhe.

Interessant ist auch, dass die Bewohner der jeweiligen Gassen meist aus einem Dorf im Delta des Roten Flusses zugezogen sind und sich in Handwerksgilden organisierten. In den jeweiligen Gassen führten sie die Tradition ihres Dorfes fort und unterhielten weiterhin enge Beziehungen zu ihren Heimatdörfern. Zudem gab es Tore zwischen den einzelnen Gassen, welche abends geschlossen wurden. Jedoch erfuhr die Altstadt Hanois während der Zeit der französischen Kolonialmacht im 19. und 20. Jahrhundert einige nachhaltige Veränderungen. So wurden zahlreiche Kanäle zugeschüttet, die Tore zwischen den Gassen wurden abgerissen, Straßen wurden ausgebaut bzw. erfuhren mehr an Breite und südlich des Hoan Kiem Sees entstand ein weitläufiges Wohn- und Verwaltungsviertel, das sogenannte ‚französische Kolonialviertel‘, mit zahlreichen Villen, Oper (nach Pariservorbild), Kirchen und weiteren (Verwaltungs)Bauten.

Unzählige Teilungen der Grundstücke und ein Steuerrecht, das sich an der Ladenfrontbreite orientierte, führte seinerzeit zum Entstehen von sogenannten Tunnel- oder Röhrenhäusern, die das Stadtbild noch bis heute prägen. Diese Häuser haben eine sehr schmale straßenzugewandte Front, können aber eine Länge von bis zu 100 Metern aufweisen und haben quasi eine sektorale Gliederung. Im ersten Sektor, welcher zur Straße orientiert ist, befindet sich das Geschäft, im anschließenden Sektor befindet sich die Produktionsstätte und der letzte Sektor beherbergt den Wohnbereich der Familie.

Die Gassen sind durch ein wahrlich pulsierendes Leben gekennzeichnet! Überall sind Läden und Straßenhändler, Mopeds bahnen sich ihren Weg durch dieses Wirrwarr und am Straßenrand befinden sich zahlreiche Garküchen die kulinarische Köstlichkeiten der vietnamesischen Küche feilbieten. Die Sortierung der Waren sind zum Teil noch bis heute so erhalten, jedoch hat dieses Gebiet in Teilen eine ‚Verwässerung‘ erfahren. Dies zeigt sich darin, dass immer mehr Gassen ein buntgemischtes Warenangebot aufweisen, darunter auch viele Souvenirläden für Touris. Trotz der zahlreichen Veränderungen die das Viertel bis heute durchlaufen und sich nach und nach dem aktuellen Zeitkolorit angepasst hat, ist das Viertel weiterhin faszinierend, spannend und bezaubernd.

Burgerchallenge und Bekanntschaften

Als wir in Siem Reap (Kambodscha) waren, hatten wir uns spontan mit Anna und Tobbe getroffen. Beide haben Geographie an der gleichen Uni wie ich studiert. Damals hatten wir gescherzt ’see you in Hanoi‘. Und dem war dann letztendlich auch so, was uns sehr gefreut hat 🙂 Wir verabredeten uns und machten den Kreisel am Nordufer des Hoan Kiem Sees als Treffpunkt aus. Von da aus zogen wir durch das Old Quarter und als wir hungrig wurden, hielten wir Einzug im ‚Chops‘, dem wohl besten Burgerrestaurant in Hanoi mit einer ebenso legendären Burgerchallegene 😀 Von der wussten wir aber zuvor nix. Als wir uns dann setzten, sahen wir dieses Schild ‚Burgerchallenge‘. Robert und ich lasen uns die Beschreibung durch, schauten danach einander grinsend an und sagten ‚dit machen wir!‘ Die Challenge sah vor, innerhalb von 20 min einen riiiieeesen Burger und derbe fette French Fries sowie ein Bier (alternativ ein Milchshake) zu verdrücken. Während der Zubereitungszeit machten wir noch Scherze, so von wegen, dass wir jetzt hier jeden Abend hingehen, die Challenge machen und gewinnen und so quasi jeden Abend kostenloses Abendbrot bekommen 😀 Als wir dann den Burger sahen, dachten wir nur so ‚ooooh shit, das wird ja mal richtig tough!‘ 😀 Den Burger konnte man kaum mit seinen Händen halten, weil die Patties so dick und groß waren, vor Fett triefend und gefüllt mit Käse. Die French Fries waren ebenso fette Brocken, mein lieber Scholli! Nachdem wir den ersten Pattie samt Brot vertilgt hatten, merkten wir spätestens nun jetzt, dass das schwer wird und der Genuss als letztes kommt…haha. Die Zeit lief runter, wir kauten und kauten und sahen aus wie fette Hamster! Eine Sekunde vor Ablauf der 20 Minuten habe ich mir noch die letzten zwei French Fries in den Mund gestopft und die Challenge geradeso positiv absolviert. Robert hatte zwar auch eine ordentliche Portion Fleisch (die Patties zusammen wogen schon 1,2 kg) und Fritten weggehauen, aber leider nicht alles. Aber ein paar Wochen nach der ersten Challenge versuchte Robert und noch einmal sein Glück und schaffte es ebenfalls! 🙂 Nun sind wir ein Basecap und ein T-Shirt reicher und hängen an der Chops-Wall-of-fame…haha.

An Mariannas letzten Tag (am Abend ging ihr Flieger nach Südkorea) haben wir uns mit Freunden von ihr getroffen. Marianna hat die Freunde während ihrer Zeit in Wien kennengelernt. Robert und Marianna trafen sich schon etwas früher mit denen, ich folgte erst später. Die Freundin von Marianna heißt Michelle und kommt aus Australien und arbeitet in der australischen Botschaft in Wien. Mit von der Partie war noch Michelles Ehemann sowie eine befreundetes Pärchen von den beiden. Was uns beiden imponierte, war, dass die vier trotz ihres ‚hohen‘ Alters noch so frisch, abenteuer- und reiselustig sind! Wo sie überall schon waren! U.a. in Indien, Pakistan, Südamerika und viele weitere Länder! Und sympathisch waren sie alle vier! Die Begegnung war auch insofern interessant, als dass sie uns noch Tipps für Australien zwecks Arbeit und Co. geben konnten und zudem mehr oder weniger schon eine mögliche UNterkunft in Melbourne in Aussicht haben 😉 Am Folgetag (Marianna war da schon weg) haben wir uns noch ein zweites Mal getroffen und eine tolle Zeit in der ein oder anderen Essstube verbracht…hehe.

Ein fliegendes Zelt

Gründe, warum wir so lange in Hanoi geblieben sind, gibt es mehrere wie z.B. die Partywoche mit der Berliner Bande, es zu genießen mal nichts zu tun, Arbeit am Blog, ich wurde krank und steckte Robert und Marianna an, die Kartenverkaufsaktion oder das Warten auf ein neues Zelt. Als ich damals über den Hai-Van-Pass geradelt bin und in Lang Co gezeltet habe, stellte ich in jener Nacht fest, dass mein Zeltboden anscheinend undicht ist. Ich beschloss, das bei Ankunft in Hanoi genauer zu testen. Damals war auch die Isomatte von unten gut nass geworden, hängte sie aber dann zum Trocknen und Lüften aus und dachte, das Ding wäre geritzt. Naja, nach drei oder vier Wochen Aufenthalt in Hanoi (so genau weiß ich das nicht mehr), kam ich doch langsam auf die glorreiche Idee, mal meinen Schlafsack und Isomatte zu lüften und das Zelt auf Wasserdurchlässigkeit zu testen. So stellte ich erschrocken fest, dass die Isomatte ordentlich Schimmel angesetzt hat, der Schlafsack hatte sich davon ein paar Schimmelporen abgezwackt und mockte ebenso fleißig vor sich hin. Schön ist anders. Den Schlafsack habe ich dann zur Reinigung gebracht und die Isomatte wurde ordentlich geschrubbt. Als nächstes besorgte ich mir ein Handtuch und tränkte es ordentlich mit Wasser. Anschließend habe ich es auf der Dachterrasse ausgebreitet und das Zelt mit der Stelle, wo ich Wasserdurchlässigkeit vermutete (ein sichtbares Loch war nicht zusehen), auf dem Handtuch platziert. Im Innenraum habe ich meine Hosenbeine auf die entsprechenden Stellen gelegt und siehe da, sie wurden gut nass. ‚Schöne Scheiße‘ dachte ich! Naja, erst mal das Zelt wieder aufgestellt trocknen lassen. Irgendwann im Laufe der Nacht – Robert und ich schauten noch ’n Film – fing es an draußen zu winden und schön zu regnen. Daraufhin dachte ich mir ‚gehste mal hoch und schauste wat das Zelt macht‘. Im fünften Stock angekommen, öffnete ich die Tür zur Terrasse und siehe da – das Zelt war nicht mehr da! Geschockt hastete ich zur Mauer und schaute in alle möglichen Richtungen, konnte es aber nicht erspähen. Ich lief runter ins Zimmer und sagte Robert, dass mein Zelt weg ist (und dachte ich würde ihn auf den Arm nehmen^^), holte meine Kopflampe und düste mit der Hoffnung auf eine bessere Sicht wieder nach oben. Ich leuchtete die umliegenden Dächer ab, aber nix da! ‚Mmmmh‘ dachte ich, ‚vielleicht hat ja Linhs Schwager, der hier immer Nachtwache schiebt, das Zelt weggenommen bzw. abgebaut?‘ Aber so richtig konnte ich mir das nicht vorstellen. So bin ich dann ins Foyer runtergeflitzt und habe ihn gefragt. Seine großen Augen signalisierten mir, dass er nicht wusste wovon ich spreche 😀 Daraufhin bin ich im Regen auf die Straße und mein Blick ging nach rechts und sah mein Zelt. Es ging kopfüber über einem Vordach zwischen Stromkabeln und musste ob des Anblicks schmunzeln 😀 Zusammen mit der Hilfe von Robert und Linhs Schwager haben wir das Zelt aus den Fängen des Stromkabel befreien können 🙂
Aus der Whatsapp-Gruppe ‚cycle the world‘ wusste ich, dass MSR (Hersteller unserer Zelte) über einen äußerst guten Kundenservice verfügt. So habe ich den Kundenservice kontaktiert, mein Problem und mein Test geschildert und schwupsdiwups kam die Antwort, dass sie innerhalb von einer Woche ein Ersatzzelt aus den Staaten nach Hanoi schicken könnten. Den Service habe ich dann natürlich wahrgenommen und eine weitere Woche verstrich in Hanoi 😉

Irrer Stadtverkehr und die Verwandlung um den Hoan Kiem See

Hanoi ist ein buntes und lautes Allerlei, v.a. der Verkehr, gekennzeichnet von unzähligen Mopeds, Rollern und Tuk Tuks, gespickt von ein paar Autos, die wohl in der Unterzahl zu betrachten sind 😀 Es ist der schiere Wahnsinn, was sich auf den Straßen Hanois tummelt und abspielt. Von oben mag es wohl aussehen wie ein Ameisenhighway, ein scheinbares Chaos. Wie gesagt, scheinbar^^ Doch das fügt sich irgendwie, was v.a. an Kreuzungen zu beobachten ist. Als wir auf einer langen Hauptstraße immer tiefer in Hanoi eindrungen, desto mehr nahm der Verkehr zu und auch das ganze Gewusel an den Kreuzungen. Die Ampel ist rot, die Sekundenanzeige zeigt den Countdown bis zur Grünphase an, erste motorisierte Zweiräder brechen langsam aus der wartenden Zweiradmasse aus und bahnen sich ihren Weg über die Kreuzung, die noch von anderen Fahrzeugen vereinnahmt wird, vielleicht mit der Hoffnung, dass ein Durchkommen durch diesen Strom einfacher ist als durch das nachfolgende Riesengewusel, wenn mehrere Ampeln gleichzeitig grün anzeigen und sich bei uns die Frage aufdrängt ‚Wie schafft man es durch diesen großen und wirren Zweiradknoten‘? 😀 ‚Einfach fahren‘ lautet die Antwort, Stück für Stück seinen Weg bahnen und dann ist man irgendwann durch – oder steht irgendwo auf der Kreuzung wie Piek Ass auf Bahnsteig acht 😀

Wie dem auch sei. Einmal pro Woche, von Freitag- bis Sonntagabend, verschwindet der Verkehr um den Hoan-Kiem-See vor dem historischen Kern Hanois. Die viel befahrene Straße um den See und einige Straßen im ‚Old Quarter‘ sind dann für alle motorisierten Fahrzeuge gesperrt und es entsteht an einem kleinen Ort in der Millionenmetropole eine wahre Fußgänger- und Freiluftentertainmentoase. Dann werden die Straßenzüge von tausenden Hanoiern, Familien, Jugendlichen, Expats, Touristen, Bar-Hoppern, Verkäufern, Gassigängern mit ihren Pudels und Sportlern bevölkert. Jugendliche spielen ein in Hanoi sehr beliebtes hackysack-ähnliches Spiel, Musiker und Breakdancer entertainen die Massen, es wird Massentauziehen und -seilhüpfen veranstaltet, die regen Zulauf unter den Einheimischen haben, Kleinkinder düsen und cruisen mit Miniautos über den Asphalt und vieles mehr. Sattes urbanes (Fußgänger)Leben pur, in einer Stadt, die auf dem besten Wege war, sich dem Fußgängerverkehr zu verschließen. Die Massen und die positive Resonanz der lokalen Bewohner, Gastronomen und Verkäufer zeigen, dass die im Jahr 2014 im Old Quarter gestartete Initiative (und im September 2016 auf den Hoan Kiem See ausgeweitete Maßnahme) ein voller Erfolg war und ist und das urbane Leben in Hanoi wahrlich bereichert. Robert und ich finden das ebenso 🙂

Von Fotos, neugierigen Gesichtern und Polizeibesuchen

Als wir irgendwann mal wieder durch das Old Quarter geschlendert sind und darüber philosophiert haben, wie lange wir inzwischen schon wieder in Hanoi sind, kam uns die glorreiche Idee, ein paar Postkarten zu verkaufen. Ha, sofort waren wir Feuer und Flamme für die Idee! Einfach mal ausprobieren und schauen, was bei rumkommt 😀 Zugegebenermaßen hatten wir die Idee schon einmal in Bosnien gehabt, aber irgendwie ist sie wieder in Vergessenheit geraten. Wir kamen an einem ‚Cong Caphe‘ vorbei, die man überall in Hanoi findet. Die Cafés dieser populären Kette versprühen einen rustikalen Charme gepaart mit militärischen Schick und altkommunistischen Flair. Wir hatten das Gefühl, ob wir uns in einer kleinen und gemütlichen Holzmilitärdascha irgendwo im Dschungel Vietnams befanden 😉 Nachdem wir zwei Kakaos bestellt hatten, erstellten wir eine Art Schlachtplan; Bilder aussuchen, bearbeiten, recherchieren wo man Fotos drucken kann, überlegen wie viele Fotos wir drucken wollen, Pappschilder mit ‚eye-catcher-Effekt‘ gestalten, Ort raussuchen, wo wir Fotos am besten loswerden könnten.

Zurück im Homestay ging es gleich an die Arbeit, welche bis in die Nacht dauerte. Sich auf eine bestimmte Anzahl an Fotos zu einigen war gar nicht so einfach, ob der schier unendlichen Auswahl an Motiven auf unserer bisherigen Reise. Wir nahmen an, dass, wenn jemand unsere Fotos kaufen sollte, es sich dabei um Touris handelt. Das Old Quarter ist nun mal ein Hot Spot für Touristen mit zahlreichen Souvenirläden. Fotos aus Hanoi kämen wohl ganz gut an, dachten wir. Dementsprechend entschieden wir uns für mehrere Motive aus Hanoi, einige weitere aus Vietnam (z.B. Hue, Kontum, Hoi An), ergänzt von ein paar Fotos, die wir außerhalb Vietnams aufgenommen haben. Nachdem wir unsere endgültige Auswahl zusammen hatten, gingen wir zum ersten Fotoladen, um dort von unsere Fotos Probedrucke zu erhalten. Den Laden verließen wir jedoch wieder recht schnell, da uns die Qualität der Drucke nicht zu sagte. Sowohl die Schärfe als auch die Farben ließen stark zu wünschen übrig. Der zweite Laden war hingegen ein Glücksgriff. Zwar war der Preis pro Foto etwas höher, aber die Qualität war top. Letztendlich konnten wir sogar etwas Massenrabatt aushandeln 😀 Als wir das Geschäft verließen, kam Robert spontan die Idee, ob wir nicht ein paar Souvenirläden abklappern wollen, mit dem Ziel unsere Fotos an jene Läden zu verkaufen. So kam es, dass wir durch das Old Quarter von Laden zu Laden gingen. Ende der Geschichte war, dass lediglich ein Laden 16 verschiedene Fotos von uns kaufte. Falls die Fotos gut bei den Touris ankommen sollten und die sich gut verkaufen, würde uns die Verkäuferin kontaktieren und mehr bestellen. Leider sollte dem nicht so sein.

Für unsere Verkaufsaktion haben wir uns einen Samstag sowie den Hoan Kiem See als Verkaufsort ausgesucht. Von Freitagabend bis Sonntagabend ist die Straße um den Hoan Kiem See gesperrt und dann pilgern zigtausende Einheimische, Expats und Touris um den See und durch das Old Quarter. Also ordentlich Rambazamba und Bambule auf den Straßen 🙂 Noch hatten wir etwas Zeit bis dahin. Die wurde genutzt, um 350 Fotos zu drucken und um die Pappschilder zu gestalten. Linh war so gut und hat unsere englische Kurzbeschreibung noch ins Vietnamesische übersetzt. Feine Sache! 🙂 Dann war es nun endlich Samstagnachmittag. Wir haben unsere Räder mit all unseren Taschen beladen (die Aktion soll ja auch einen authentischen Anstrich haben^^) und Linh war mindestens genauso aufgeregt wie wir beide.

Kurze Zeit später machten wir am Hoan Kiem See Halt, holten unsere Campingstühle raus und bauten unseren improvisorisch anmutenden Stand auf. Erfreulicherweise sollte es nicht lange dauern bis der ‚Dong‘ (Währung von Vietnam) rollte 🙂 Gegen 0 Uhr waren wir wieder im Homestay und hatten ein breites Grinsen im Gesicht. Bei Nudelsuppe, Pepsi und KitKat Chunky dachten wir an den tollen Nachmittag zurück. Was uns an jenem Tag am meisten überraschte, war, dass entgegen unserer oben genannten Annahme vor allem Vietnamesen unsere Fotos kauften. Prozentual mögen es vielleicht 95 % Vietnamesen gewesen sein, der Rest Touris. Witzig war es auch zu beobachten, wie die Vietnamesen sich uns langsam und behutsam näherten. Viele gingen an uns mit großen und interessierten Augen vorbei und wenn sie stoppten, dann machten sie es mit Abstand und gingen in ihre typische tiefe Hockposition und beäugten unsere Pappschilder. In ihren Augen konnte man wahrlich Fragezeichen, Interesse und Neugier gepaart mit einer Portion Schüchternheit sehen. Wir gaben ihnen dann zu bedeuten, dass sie ruhig näher kommen können und erzählten dann einfach was wir hier machen oder die Hintergrundgeschichten zu den Bildern. Und schwupsdiwups wurde die Traube immer größer und immer mehr neugierige Augen und Münder drängten sich durch. Offensichtlich brauchte man immer erst ein, zwei Vietnamesen mit den man ins Gespräch kam, um mehr Publikum zu generieren. Das war wie so ein Aerosol in der Luft, an dem Wassertröpfchen kondensierten konnten. Hatte sich die Traube aufgelöst, brauchte es wieder erst einen Neugierigen, quasi nach dem Motto ‚kein Aerosol, kein Regentröpfchen‘ 😀 Dieses Muster sollte auch in den kommenden Tagen zu beobachten sein. Das kaufwillige Publikum reichte von jung bis alt, kleine Kinder hielten das ergatterte Foto stolz in die Luft wie Rafiki den neugeborenen Simba aus dem Film ‚Der König der Löwen‘. Unser wohl ältester Fan, eine vom Leben gezeichnete Vietnamesin, kaufte zwar kein Foto, spendete aber 500.000 Dong (ca. 21 €). Wir waren platt! Das war aber nicht die einzige Spende, die wir an jenem Tag und in den darauffolgenden Tagen erhielten. Viele Einheimische und auch Touris gaben uns die ein oder andere Spende, worüber wir uns derbe gefreut haben, egal ob groß oder klein. Neben dem Verkauf und der monetären Spende, gab es auch Spenden in Lebensmittelform. So passierte es ab und zu, dass manche Personen, mit denen wir uns unterhielten, Scherze machten und ein Foto kauften, später mit Burger, Cola und Eis wiederkamen. Irre! Unsere Gesichter hättet ihr mal sehen müssen 😀

Nach dem ersten Tag stellten wir erstaunt fest, dass die Karten, die Hanoi und Vietnam zeigten, sich bei Weitem nicht so gut verkauften wie jene, die den Mekong in Kambodscha, Bosnien oder den Iran illustrierten. Für die nächsten Tage druckten wir noch ein paar Mal die Bestsellermotive. Auf den meisten Hanoibildern blieben wir allerdings bis zum Ende sitzen 😀 Oft wurden wir auch gefragt, ob wir Bilder aus Deutschland oder unserer Heimatstadt haben; dem war aber nicht so.
Am ersten Tag haben wir vier Russen getroffen, Musiker und Maler, die ebenfalls versuchten, etwas Geld in ihre Reisekasse zu spülen. Sie fragten uns, ob wir auch schon Probleme mit der Polizei hätten. Robert und ich schauten einander fragend an und sagten „nö, ihr?“ Wie sich herausstellte wurden sie schon das ein oder andere Mal wegschickt. An jenem Tag hatten wir Glück gehabt, aber in den folgenden vier Tagen hatten wir stets Besuch von der Polizei, die uns manchmal freundlich, manchmal rüde aufforderten, die Gegend um den See zu verlassen. Wir machten dann eine ein- bis zweistündige Pause und wechselten dann ans andere Ufer des Sees 😀 Dreist gewinnt 😀 Nahezu alle Vietnamesen, die zu jener Zeit um uns rumstanden, konnten es nicht nachvollziehen, warum die Polizei uns wegschickte und entschuldigte sich dafür. Am letzten Verkaufstag waren wir dann auf den Westsee ausgewichen und haben da zum letzten Mal unser Glück versucht und sind noch ein paar Karten losgeworden 🙂

Abends kamen öfter Linh und Kavya uns am See besuchen bzw. holten uns zum Feierabend ab, was meistens so gegen 23:30 der Fall war. Wir quatschten dann noch eine Weile, beobachteten wie die letzten Bordsteine hochgeklappt wurden und aßen am Straßenrand noch etwas in einer letzten, noch geöffneten Garküche. Lecker Papaya-Rindfleisch-Salat gab’s. In solchen Momenten scheint Hanoi eher wie ein geschäftiges Dorf rüberzukommen denn wie eine Millionenmetropole. Bisweilen wirkt es ruhig und beschaulich, aber auch modern und schick. Irgendwie wie eine Bäuerin, die sich oben herum schick gemacht hat, aber zugleich vergessen hat die Gummistiefel gegen Pumps einzutauschen 😉 Zwischen 22 und 23 Uhr werden die Bordsteige hochgeklappt und Hanoi fällt in den Dornröschenschlaf. Die Straßen sind dann weitestgehend leer gefegt und verwaist. Nur noch die üblichen Nachtgestalten sind anzutreffen wie z.B. die Roller fahrenden Marihuanaverkäufer, die Stadtreinigung, die auf dem Gehweg Geschirr waschenden Garküchenbesitzer oder die letzten offenen Garküchen wie oben, ein paar Touris und wartende Tuk Tur Fahrer. Ab 5 Uhr morgens erwacht Hanoi wieder langsam, erste Hähne krähen, Verkäufer sind schon wieder auf den Beinen und Einheimische machen am Hoan Kiem See oder am Westsee Tai Chi bevor der Großstadttrubel mit den ersten vollen Sonnenstrahlen über die Dächer Hanois hereinbricht.

Nach fünf Tagen Fotos verkaufen und amüsanten und interessanten Begegnungen, waren wir sehr zufrieden mit dem was wir eingenommen haben 🙂

Auf Wiedersehen Hanoi

Lange sind wir in Hanoi hängen geblieben und konnten uns nie so richtig aus den Fängen dieser wundervollen Stadt befreien, sei es, weil irgendwie immer was dazwischen kam oder weil wir einfach nur faul waren 😀 Einen Tag vor Abreise brachten wir unsere Drahtesel noch etwas auf Vordermann. Linh, ihre Familie und ein paar Freunde von Linh bereiteten uns noch eine kleine, aber feine Abschiedssause mit leckerem Essen! Feine Geste, die wir sehr zu schätzen wissen! Wir haben die Zeit in Hanoi und v.a. im 6 Senses derbe genossen! Am Morgen des Aufbruchs gen Laos wurden wir herzlichst von Linh und ihrem Mann verabschiedet und nun waren se wech, die Rekordhalter mit den meisten Nächten im 6 Senses Homestay 😀
Wie oben schon schon gesagt, ist Hanoi ein wahres Verkehrskuddelmuddel. Beim Hinausradeln aus Hanoi haben wir uns gefragt, wie der Verkehr in ein paar Jahren wohl aussehen mag. Wird die Administration dem irren Verkehr Herr und schafft in der Millionenmetropole neue, effiziente, erschwingliche und bequemliche Mobilitätsformen (wie die z.B. sich im Bau befindende Hochbahn) oder versinkt Hanoi im Verkehr, v.a. aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs und der damit verbundenen Zunahme von PKWs als gewonnenes Statussymbol der Mittelschicht und der dadurchbedingten Verknappung des bestehenden Verkehrsraums?

2018-11-04T14:59:06+00:00 31.05.2017|Vietnam|0 Kommentare