47 | Unser Laos – Zwischen kleinen Dörfern und Backpacker-Hochburgen

18.05. – 05.06.2017 | Die Grenze zu Laos hatten wir kurz vor der Schließung am heutigen Tage überquert. Es war der 18.05. und der letzte Tag unseres Vietnam-Visums. Das war mal Timing 😀 Und da waren wir nun. In Laos. Das 19. Land unserer Reise. Ein schönes Gefühl. Von Laos hatten wir bisher einige tolle und weniger Tolle Sachen gehört. Sei es das Radeln auf der Route 13 durch eine einzigartige Berglandschaft, die alte Hauptstadt und UNSESCO-Kulturerbestätte Luang Prabang, abgelegene Dörfer oder die leidenumwobene Geschichte im 20. Jahrhundert. Wir waren gespannt, was wir in Laos erfahren und wie wir am Ende auf das Land und das Erlebte zurückblicken werden.

Sabaidee Laos (=’Hallo Laos‘)

Aber zurück zur Grenze. Die Grenze, die wir passierten (Na Meo – Nam Soi) gehörte offensichtlich zu den weniger frequentierten Grenzübergängen des Landes. Alles war hier klein, beschaulich und entspannt. Ein quasi perfekter Ort für Fuchs und Hase^^ Im Internet haben wir zuvor gelesen, dass das Visum für Laos zwischen 30 und 40 USD kostet, je nachdem aus welchem Land man kommt. Das erschien uns irgendwie willkürlich und nicht fair. Wir mussten 40 USD pro Visum bezahlen. Dann haben wir einen Zettel bekommen, den es auszufüllen galt. U.a. wollte man neben dem Namen Beruf, Adresse in Laos, Anlass des Besuchs etc. wissen. Den haben wir fix ausgefüllt, dann ein paar Minuten warten und dann hatten wir auch unser Visum für Laos in der Tasche.

Bevor wir von dannen rollten, fragten wir noch, wann denn der nächste größere Ort kommt. Die Dame hinter dem Fenster meinte Vieng Xai. Das war uns aber zu weit, denn bis dahin waren es rund 60 km plus viele viele Höhenmeter. Wir fragten, wo man hier sein Zelt aufschlagen könne. Daraufhin antwortete die Dame „hundert Meter weiter und dann links, dort ist ein Restaurant, vielleicht könnt ihr dort schlafen“. Ab hin da und nachgefragt. Ende vom Lied, es war nicht möglich. So schwingten wir uns wieder auf unsere Räder und erklommen die ersten steilen Anstiege in Laos. Der Himmel war grau und alles erschien in einem tristen Ton. Wir durchquerten ein paar kleine Siedlungen, nichts konnte uns wirklich überzeugen, stehen zu bleiben. Nach rund acht Kilometern kamen wir in ein, im Vergleich zu den vorherigen, größeren Dorf an. Kinder kamen auf die Holperstraße gelaufen und riefen laut „Sabaidee, Sabaidee!“ (dt. hallo) und winkten. Das Wort sollte uns von nun an komplett durch Laos begleiten. Alte Frauen, gezeichnet vom einfachen Leben in den Bergen und welche vor den Häusern saßen und bunte Gewänder mit kunstvollen Stickmustern trugen, lächelten uns zu. Eine beleibte Frau mit ihrem Kleinkind am Arm kam uns auf der Straße entgegen und beäugte uns kritisch bis neugierig. Als wir aber ‚Sabaidee‘ sagten, zierte ein breites Lächeln und leuchtende Augen ihr Gesicht. Wir sahen viele Pfahlhäuser, wie sie typisch für den hiesigen Raum sind. Zwischen den Pfählen wird die Wäsche getrocknet, das Moped geparkt, die Kuh abgestellt, in der Hängematte gelegenen oder am Webstuhl gearbeitet. Der Wohnraum befand sich auf den Pfählen, oftmals mit einem kleinen Rundumgang oder Balkon. Wir sahen Frauen, Männer und Kinder an Brunnen, die sich und die Kleidung waschten, welche sie später ordentlich über eine Leine parallel zur Hauswand oder über einen Zaun hängten. Auch hier hatten wir den Eindruck, dass die Armut relativ hoch sein muss.

Unter Vietnamesen in Laos

Unsere Blicke schweiften auf eine Anhöhe und sahen ein Gebäude, welches uns an eine Schule erinnerte. Inzwischen war schon die Dämmerung hereingebrochen. Ohnehin also Zeit einen Schlafplatz zu finden. Oben angekommen, sahen wir eine Frau und einen Mann. Wie schon so oft zuvor auf unserer Reise fragten wir, ob wir hier unser Zelt aufstellen können. Dabei verständigten wir uns eigentlich mehr mit Mimik und Gestik sowie Pointbook denn über Sprache. Englisch konnten nämlich beide nicht. Der Mann signalisierte uns mitzukommen und führte uns zu einem Raum. Drinnen: Vier Doppelstockbetten. Hier können wir pennen. Er selber schlief auch darin. Um eine Schule handelte es sich bei diesem Gelände nicht. Ein Steinwurf von uns entfernt befindet sich ein kleines Sägewerk. Wir vermuteten, dass die Arbeiter wohl in jenen Betten schliefen, in denen wir uns jetzt langlegten. Nach der Dusche lud uns der Mann zum Abendessen ein und so gab es Instant-Nudelsuppe. Im großen Aufenthaltsraum standen drei große Kartons voll mit Instant-Nudel-Verpackungen. Da haben wir uns sehr gefreut und hauten das Zeug weg 🙂 Später kam noch ein Mann in unserem Alter vorbei. Er sprach etwas Englisch und so kamen wir ins Gespräch. Alle die wir auf dem Gelände an jenem Abend getroffen haben sind Vietnamesen und arbeiten hier. Er lud uns später noch auf eine Portion Reis und Fleisch ein.

Seitdem wir Mai Chau verlassen haben, hatten wir so einige Höhenmeter in unseren Beinen und noch viele viele weitere standen in den nächsten zwei Tagen an. Drum sagten wir uns, dass wir hier einen Ruhetag machen könnten. Wir fragten, ob wir hier zwei Nächte verweilen können. Antwort: Kein Problem! Feine Sache. So schön unkompliziert 🙂 Am folgenden Tag schliefen wir aus und lebten in den Tag hinein. Weit und breit kein WiFi, wir Opfer der digitalen Welt 😀 Seltsam wie abhängig man sich vom World Wide Web fühlen kann, wenn man keinen Zugang hat. Wat macht man jetzt? Ein Fragezeichen. Zum Glück sind wir Kinder des Übergangs, aufgewachsen zwischen Bolzen, auf Bäume klettern, Natur und Scheiße bauen einerseits und der allmähliche Einzug des PCs mit 56k-Modem in den Privathaushalt 😀 Aber unsere Eltern und Großeltern und alle anderen Generationen über Generationen davor wussten ja auch was mit sich anzufangen 😉 Während ich mich mit meinem Kindle vergnügte, drehte Robert eine Runde durch die nähere Umgebung.

Später drehten wir gemeinsam noch eine Runde durch das kleine Dorf, u.a. auch weil wir was Süßes finden wollten^^ Wir kamen an einem Haus vorbei, auf dessen Treppe eine korpulente Frau stand. Aus den Fenstern schauten ein paar Männer. Alle strahlten und lachten und bedeuteten uns mit ihrer Gestik ins Haus zu kommen. Wenige Sekunden später saßen wir in einem großen Raum in einem Kreis. In der Mitte befanden sich Reis, Eier, Gemüse und Bier. Die Leute zeigten „hier isst ruhig“. Anfangs etwas zögerlich bedienten wir uns des Reis‘ und der Eier. Alle tranken sie ‚Lao‘ Beer, und wollten uns auch zum Trinken bringen. Robert ließ sich erweichen und trank ein Bier und hatte die Herzen der Anwesenden gewonnen^^ Mannomann dachten wir beide, die Einheimischen hauen ja ordentlich viel Bier weg 😀 Sie sprachen auf laotisch, wir in englisch und deutsch, keiner verstand einen auf der sprachlichen Ebene, lief trotzdem irgendwie 😉 In der Runde befand sich ein schmächtiger Vietnamese, Mitte 30. Er sprach nur rudimentär Englisch und redete permanent auf uns ein. Wir verstanden ihn nicht, sodass er seinen Bruder anrief, der besser englisch konnte. Der Vietnamese reichte mir sein Handy und sein Bruder übersetzte. Er wolle uns zu sich nach Hause einladen, Bier mit ein paar Freunden trinken (da ist er bei mir aber an der richtigen Adresse 😀 (was er natürlich noch nicht wusste), wir könnten auch bei ihm nächtigen. Wir bedankten uns für das Angebot, sagten aber gleich hinterher, dass ich Bier überhaupt nicht mag und Robert heut keins mehr will und wir zudem schon eine Unterkunft haben, wo wir eingeladen sind. Das wollte der nicht englisch sprechende Bruder nicht wahrhaben oder verstand es einfach nicht. Jedenfalls wanderte das Handy noch viele weitere Male zwischen uns hin und her. Immer wieder die gleiche Antwort meinerseits. Er sagte, sein Dorf sei nur 32 km entfernt von hier, wir sollen mitkommen. Ich war schon ob der Penetranz und Nichteinsichtigkeit oder was auch immer ganz genervt und Robert entspannt, weil ich mich mit ihm umherplagte 😀 Auch ein Vorteil wenn man zu zweit unterwegs ist. In solchen Momenten übernimmt einer, der andere kann entspannen, genießen oder was auch immer. Wäre man allein unterwegs, hätte man den ganzen ‚Spaß‘ für sich 😉 Na jedenfalls endete die spontane Einladung ins Haus damit, dass wir uns für die Gastfreundschaft bedankten und gingen.

Zurück bei unseren Schlafplatz sahen wir, wie die Leute ein Schwein erhielten. Die Hufe, der Kopp und der Schwanz waren abgetrennt, die Innereien entnommen. Sie legten das Schwein auf die Fliesen und machten sich daran, die schwarzen Borsten zu entfernen. Wir holten uns zwei Stühle und beäugten neugierig das Prozedere. Eine Frau gab den Männern Anweisungen, wie sie die Borsten zu entfernen haben. Sie gossen heißes Wasser auf das Schwein und schabten dann mit Messern die Borsten ab. Als das getan war, hackten sie das Schwein in verschiedene Größen. Am Abend wurde in großer Runde das Essen serviert und wir wurden wieder einmal eingeladen, was uns sehr freute. Neben Reis und Gurken gab es das Schweinefleisch gegrillt, gekocht und gebraten. Lecker lecker!

In der abgeschiedenen Provinz Houaphan

Bevor wir die Grenze zu Laos überschritten hatten, hatten wir noch mit Vera, die wir in Hanoi kennengelernten, geschrieben. Damals hatten wir drei salopp gesagt, wir können uns ja irgendwo in Südostasien wiedersehen. Vera meinte „na klar, gerne, von Macau aus ist es ja nicht so weit“. Und so kam es dazu, dass wir uns für Luang Prabang entschieden und Vera dort wiedersehen werden. Bis dahin waren es aber so einige hunderte Kilometer. Wenn wir alles radeln würden, würden wir es bis zum 27.5. niemals nach Luang Prabang schaffen. Vor allem auch in Hinblick auf die Berge, denn im Nordosten Laos befinden sich die höchsten Gebirgszüge Südostasiens. An jenem Tag war es der 18.5. und wir entschieden uns, dass wir innerhalb von zwei Tagen nach Xam Neua radeln und von dort einen Bus nach Nong Khiaw nehmen. Dort angekommen, wollen wir drei Nächte verweilen und dann von dort aus in zwei Tagen nach Luang Prabang pedalieren.

Der Plan stand, ab ging es. Bis nach Vieng Xai waren es so um die 55 km, der Himmel war blau und die Sonne strahlte. Die Landschaft, die wir in den letzten Tagen in Vietnam gesehen haben, setzte sich hier fort. Wunderbare Karstberge und dazwischen viele Reisfelder. Lediglich die Anstiege waren hier härter als im Nachbarland. Wir mussten nicht lange radeln bis die ersten steilen Anstiege auf uns warteten. Ein LKW kam vorbei. Uns Radfahrer zu überholen war nicht schwer, sobald aber ein entgegenkommendes Fahrzeug kam, stellte sich das schon als schwierig heraus. Denn: Die Straße war recht schmal, meistens war die Straße asphaltiert, aber an vielen Stellen war sie übersät von Schlaglöchern, an anderen Stellen wiederum war der Asphalt abgetragen und wir radelten durch Schotter, Sand oder Modder. Glücklicherweise hielten sich die drei letztgenannten Zustände in Grenzen. Während der letzten Tage in Vietnam und auch dieses Mal erzählte Robert in fesselnder Weise viel aus dem Buch ‚Der Tiger von Shangri-La‘ von Harry Thürk und ich erfuhr viel Interessantes über den Vietnamkrieg, der sich auch auf laotischen Boden abspielte. Viele Alltagsituationen, die Robert im Buch las, sahen wir auch jetzt und ließ das gelesene irgendwie intensiver erscheinen. Wir radelten durch viele kleine Dörfer, hörten Sabaidee-Rufe aus allen Ecken und in einem Dorf machten wir einen Stopp während der Mittagssonne. Diese knallte einfach zu sehr. In einem kleinen Laden holte sich jeder eine Nudelsuppe mit Ei, danach gab es noch Schokoriegel :-)) Bevor wir weiterfuhren machten wir noch einen Powernap. Während der Fahrt eröffnete sich uns eine wenig berührte und zauberhafte Natur in mitten von Urwald und Bergen. Der Norden Laos ist ohnehin sehr dünn besiedelt, da die meisten Menschen in den Städten von Südlaos entlang des Mekongs leben. Aber die Provinz Houaphan, in der wir uns befinden, ist wahrlich mehr als dünn besiedelt, wartet aber mit zahlreichen Ethnien auf, die hier leben. Tourimus ist in dieser Provinz weitgehend noch ein Fremdwort, so unser Eindruck. Vielleicht auch besser so?!

Am späten Nachmittag kamen wir in Vieng Xai an. Die Nähe der Provinz Houaphan, in der auch Vieng Xai liegt, zu Vietnam bedingt auch Einflüsse in das hiesige Leben, so ist bspw. die Esskultur stark von Vietnam beeinflusst. Leider führte die Nähe zu Vietnam auch zu unsäglichen Leid. Obwohl das Land während des Vietnamkrieges sich offiziell nie im Krieg mit den USA befand und als politisch neutral galt, ist Laos das am heftigsten bombardierte Land der Welt (dazu mehr im zweiten Artikel zu unserer Reise durch Laos). Vieng Xai befindet sich in einer kleinen Ebene, umgeben und durchsät von vielen malerischen Karstfelsen, die wie Zuckerhüte in den tropischen Himmel ragen. Die Stadt war damals das Hauptquartier der ‚Pathet Leo‘, die prokummistische Befreiungsbewegung Laos‘ und die US-Amerikaner flogen hier unzählige Bombenangriffe. Um den Angriffen zu entgehen, versteckten sich ca. 20.000 Menschen jahrelang in den 102 bekannten Höhlen, welche sich in den Karstfelsen befanden. In den Höhlen spielte sich das komplette Leben ab und beherbergten allerlei Infrastruktur. So befanden sich in den Höhlen ein Krankenhaus, Schulen, Bibliotheken, Webereien, Bäckereien, Besprechungszimmer, Waffenkammer usw., es gab sogar eine Unterhaltungshöhle für Film- und Theatervorführungen sowie für Hochzeiten und andere Feiern. Nur nachts konnten die Menschen die Reisfelder bestellen und ihre Büffel weiden lassen.

Vieng Xai wirkte mehr wie ein großes, weitläufiges und idyllisches Dorf. Wir fragten in zwei Guesthouses nach, aber bei beiden empfanden wir den Preis als deutlich zu hoch. In unserer Offline-Karte sahen wir, dass es im Ort auch ein Hotel gibt. Wir radelten hin, waren aber sehr skeptisch bezüglich des Preises. Wenn die Guesthouses schon so viel verlangen, dann wird das Hotel noch teurer sein. Dort angekommen, zeigte sich ein tristes Bild und es schien als ob hier schon länger kein Gast mehr war. Wir fragten die Rezeptionsdame was denn ein Zimmer kostet, worauf sie mit 100.000 Kip (ca. 11,50 €) antwortete. Wir sagten ‚50.000 Kip‘ und nach etwas Bedenkzeit willigte sie ein und führte uns zum Zimmer. Sagen wir mal so, für eine Nacht war es ok 😀 Wir hatten reichlich Insektenbesuch. Nachdem wir das Zimmer bezogen hatten, suchten wir uns was zu essen. Nicht weit vom Hotel entfernt, fanden wir ein vietnamesisches Restaurant und hielten Einzug. Wir signalisierten, dass wir mit dem Fahrrad hier sind und sehr hungrig seien und fragten freundlich, ob sie uns einen groß Berg Fried Rice mit Gemüse und Ei machen kann. Sie bejahte, aber als die Teller kamen, wussten wir, dass jeder eine zweite Portion bestellen würde. Nebenbei wurde eine Pepsi nach der anderen geleert. Wir ließen es uns gutgehen 😀 Als schließlich der Bon kam, kam auch die böse Überraschung und wir beschlossen in den kommenden Tagen viel selbst zu kochen 😀

Am darauffolgenden Tag ließen wir Vieng Xai hinter uns und steuerten Xam Neua an. Bis dahin waren es ca. 30 km, eine kurze Etappe also. Als wir dort ankamen bestaunten wir den kleinen Flughafen und dessen Landebahn zwischen den Bergzügen, kauften etwas Obst und machten uns wieder auf die Suche nach einem Guesthouse. Xam Neua ist etwas größer als Vieng Xai und deutlich geschäftiger, wartet aber mit nichts Besonderem auf. Wir empfanden alle Guesthouses als zu teuer und fuhren daher erst einmal zum Busterminal, von wo aus der Bus nach Nong Khiaw starten sollte. Vorher galt es noch einen langen 7 prozentigen Anstieg zu bewältigen. Oben angekommen, war der Verkaufsschalter geschlossen und so fragten wir ein paar Herren, die sich zwischen den geparkten Bussen tummelten. Einer konnte uns helfen und rief den Ticketverkäufer an. Dieser sprach gut Englisch und teilte uns mit, dass der Bus nach Nong Khiaw am nächsten Tag um 7:30 Uhr startet. Wir sollen am kommenden Morgen einfach um 7 Uhr am Schalter sein. Nachdem wir das erfahren haben, sahen wir ein Guesthouse auf dem Gelände des Busterminals. Ab hin da und nachgefragt. Lage top (so konnten wir länger schlafen und brauchten uns nicht mehr den Anstieg in aller Frühe hoch quälen :-)) und der Preis war auch okay. Mit leeren Rädern fuhren wir wieder runter in die Stadt und erkundeten diese in der Dunkelheit. Viel war nicht mehr los. Eine kaum besuchte Konzertbühne und ein Nachtmarkt waren das Highlight der Nacht sowie natürlich unser Essen ^^

Idyllisches Nong Khiaw

Am kommenden Morgen standen wir kurz nach 7 Uhr am Schalter und kauften unsere Tickets. Anschließend sind wir zum Bus und haben den Busfahrer gefragt, wo die Fahrräder verstaut werden. Er zeigte mit dem Finger auf das Dach des Busses. Zwei junge Männer waren gerade dabei, Pakete auf dem Dach zu verstauen. Dabei stand einer unten vor dem Bus und wurf die Pakete zu dem Typen auf dem Dach. Der kümmerte sich um die Verstauung. Wir schauten einander an und sagten „dann ist das wohl so“ und hofften das bei Ankunft in Nong Khiaw die Räder keinen Schaden genommen haben. Typ 1 nahm das Fahrrad und stemmte es mit aller Kraft über seinen Kopf, Typ 2, der auf dem Dach stand, beugte sich tief runter, erfasste das Vorderrad und zog es hoch. Oben legte er es auf die Seite. Dann folgte das zweite Fahrrad. Uns war etwas mulmig zumute als wir das sahen und sagten, dass sie noch etwas Karton zwischen die Räder packen sollen.

Gegen 7:30 Uhr startete der Bus. Bis nach Nong Khiaw waren es rund 350 km und ca. 12 Stunden Fahrzeit. Inzwischen hatten wir Busse ja schon in der Türkei, im Iran und in Kambodscha kennengelernt, wobei dieser hier uns die ungewöhnlichste Buserfahrung bescheren sollte. In Xam Neua gestartet, waren lediglich Robert und ich die einzigen Gäste. Sonst waren nur der Busfahrer, seine Ehefrau und die zwei ‚Gepäcktypen‘ im Bus anwesend. Das Busabenteuer konnte beginnen. Es war noch früh am Tag, die Straße führte auf den Bergkämmen entlang und so sahen wir noch viele Wolken von oben, wie sie über die grünen Täler hingen. Ein wahrlich schöner Anblick! Der Bus machte auf dem ganzen Weg viele Stopps, sammelte hier und dort immer mehr Leute ein, Sitzbank um Sitzbank füllte sich. Auch wurden zahlreiche lange Bretter im Gang des Busses transportiert, die während eines Zwischenstopps eingeladen wurden. Wollte man anschließend aus dem Bus, musste man über die langen Holzplanken klettern 😀 Während die Holzplanken in den Bus verfrachtet wurden, nutzte Robert die Gelegenheit und kletterte auf den Bus, um nachzuschauen, wie die Räder aussahen. Hier und da machte er noch ein paar Handgriffe, polsterte dies und jenes ab und kam wieder runter. Entlang der Straße durchquerten wir mehrere kleine Dörfer, die sich an den Berghängen befanden. Würde man hier zelten wollen, dürfte das gar nicht so einfach sein, vermuteten wir. Das Bild sah nämlich so aus: Hang, kurze Ebene, die die Straße beherbergte, wieder ein Hang, wobei die Büsche und Bäume bis an den Straßenrand reichten.

Am 22.05.2017 erreichten wir kurz vor 19 Uhr Nong Khiaw. Fix wurden die Räder und unsere Taschen vom Dach entladen. Als der Bus gerade wieder zur Weiterfahrt ansetzte, kam eine Frau auf uns zu und fragte, ob wir ein Zimmer suchen. Robert sagte ja und folgte ihr, damit sie ihm das Zimmer zeigen kann. Ein paar Minuten später befanden wir uns in diesem mit Sack und Pack. Hier wollten wir zwei Nächte bleiben. Anschließend schlenderten wir durch den kleinen und beschaulichen Ort, hauptsächlich auf der Suche nach Essen. Wir wurden fündig und es gab für jeden einen leckeren, aber mal wieder für uns Reiseradler zu kleine Portionen. Danach gönnte sich jeder noch ein Cornetto-Oreo-Eis. Lecker lecker! Auf dem Rückweg besorgten wir uns noch Instant-Nudeln, Eier und Gemüse, damit wir am nächsten Morgen etwas zum Frühstücken haben. Das widerholten wir am Abend und am nächsten Tag ebenso.

Als der nächste Tag hereinbrach und wir unser Zimmer verließen, offenbarte sich uns ein wundervoller Blick auf die ebenso wundervolle Landschaft. Zwar hatten wir schon bei der Ankunft erahnt, dass es hier ein schönes Fleckchen Natur sein könnte, aber nun sahen wir die Bestätigung. Nong Khiaw befand sich direkt am Fluss ‚Nam Ou‘, umgeben von hohen grünbewachsenen Karstfelsen. Aber seht selbst 😉

Tagsüber war es sehr heiß und schwül, die Luftfeuchte betrug gefühlt 100 % und kaum waren wir draußen, merkten wir die ersten Schweißtropfen runterperlen. Das Wetter lädt wahrlich ein phlegmatisch zu sein. Dennoch zieht es uns im Laufe des Tages raus und wir erkunden den Ort. Nong Khiaw selber besteht quasi nur aus Gasthäusern, Hotels, Restaurants und Geschäften, wirkt zugleich aber sehr beschaulich, dörflich und friedvoll. Touristen sehen wir nur wenige, was wahrscheinlich daran liegt, dass die Low Season angefangen hat. Wir beobachteten eine leichte Zweiteilung Nong Khiaws, was nicht nur auf die Brücke, die den Fluss überspannt, zurückzuführen ist. Der Teil des Ortes, wo sich auch unsere Unterkunft befand, stellte sich als Touri-Hotspot heraus. Überquerte man die Brücke, sah man zwar auch viele Geschäfte und Restaurants, aber Touris erblickten wir kaum. Wir wählten eine Nebenstraße und kamen so in die von den Einhemischen bewohnten Teile des Ortes. Lediglich die Hauptstraße war asphaltiert, alle anderen Straßen waren Sand-Schotter-Pisten. U.a. kamen wir an einem Markt und einem vielbesuchten Bolzplatz vorbei. Es war gerade die goldene Stunde, also Sonnenuntergangszeit. Die Sonne tauchte die grün-rote Landschaft in ein sanftes goldfarbenes Licht und verlieh ihr eine magische Atmosphäre.

Am folgenden Morgen wollten wir eigentlich starten, aber als wir das Tageslicht und Robert mich erblickte, mussten wir lachen. Neben meinen Füßen, die schon am Vortag geschwollen waren, waren dieses Mal meine Augen geschwollen und ähnelten eher Schlitzen 😀 Wir entschieden uns spontan noch einen Tag länger zu bleiben. Nachdem ich den Aufenthalt um einen weiteren Tag verlängert hatte, ratzten wir noch mal eine Runde. Am Nachmittag wollten wir Kajakfahren. Der Typ von der Kajakausleihstation sagte, dass wir gegen 16 Uhr herkommen sollen. Dann können wir ein Kajak ausleihen und bis nach Sonnenuntergang paddeln. Gesagt, getan. 16 Uhr standen wir zusammen mit einem französischen Pärchen am Ufer des Nam Ou und bereit in See zu stechen. Wir sahen die großen und grauen Cumulonimbuswolken und es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Wolken ihre Pforten öffneten. Und dann wäre vermutlich Holland in Not 😀 Wir sagten uns „the adventure is out there“, schmunzelten und paddelten flussaufwärts. Was für eine Sicht! Leute, wir sagen es Euch, traumhaft! Ein dichter, fetter und üppiger laotischer Dschungel erklomm die Karstfelsen gen Himmel zu beiden Seiten des Flusses.

Mit der Zeit wurde die Wasseroberfläche immer rauer, der Wind nahm zu und der Regen kündigte sich immer mehr an. Da wir ohnehin eine Pinkelpause einlegen wollten, steuerten wir das rechte Ufer an. Kaum hatten wir das Kajak an Land gezogen, fing es erst leicht an zu nieseln bis es augenblicklich in ein heftiges Prasseln überging. Unser erster richtiger fetter tropischer Regen. Robert sah zuvor auf der Offline-Karte ein kleines Dorf oben am Hang, wo vor unser Kajak lag. Im prasselnden Regen gingen wir den Hang hinauf, in der Hoffnung oben mehr Schutz zu finden als unter den Bäumen. Tatsächlich fanden wir neben einem Schweinegehege ein Blechdach, dass uns Obdach gab. Von der Anhöhe aus hatten wir einen prima Blick über den Fluss und das gegenüberliegende Ufer. Wir sahen wie das französische Pärchen Halt am anderen Ufer machte. Der eigentlich nicht weit entfernte gegenüberliegende Gebirgszug war inzwischen ganz im Regen verschwunden, ebenso das Ufer. Wir nahmen es mit Humor 🙂 Nach ca. 15 bis 20 Minuten des Wartens ließ der Regen sichtlich nach und wir machten uns auf den Rückweg zum Kajak. Dafür nahm sich jeder einen robusten Stock, um beim steilen Hang etwas mehr Halt zu bekommen. Der Boden war mittlerweile mehr als aufgeweicht, matschig und rutschig. Regentropfen platschten von den Blättern auf uns herab, der Wind säuselte durch den Unterwuchs. Wir machten Minischritte, denn wir wollten es vermeiden, uns auf den Arsch zu legen und den Hang runter zu purzeln. Der Matsch war mehr als rutschig und es war schwierig einen festen Tritt zu bekommen. Ich machte einen Schritt zur Seite, um auf dem Gras weiterzugehen. Im Glauben einen guten Tipp zu geben, drehte ich mich zu Robert um und sagte „hej Rob, ich glaube auf dem Gras ist es einfacher als in der Moddergatsche runterzugehen“. Kaum hatte ich den Satz beendet, verlor ich den Halt, setzte mit meinem Arsch auf dem Boden auf und schlitterte ungewollt und höchstwahrscheinlich in sehr amüsanter Weise ein paar Meter den Hang hinunter. Roberts Lachen verriet mir, dass dem wohl so war 🙂 Ich selber musste auch lachen. Auf dem Weg nach unten, packte ich mich noch zwei weitere Male hin und schlitterte den Hang runter 😀 Mein Shirt und meine Badehose waren gut von der roten Erde eingesaut, sodass ich erst einmal in den warmen Nam Ou sprang und mich vom Dreck befreite. Robert schaffte es glücklicherweise ohne zu stürzen zum Kajak zurück. Kurze Zeit später waren wir wieder auf dem Wasser und genossen die Atmosphäre und später den Sonnenuntergang.

Auf in die alte Königsstadt

Am Vormittag des 25. Mais besattelten wir unsere Räder und machten uns auf nach Luang Prabang. Bis dahin sollten es noch ca. 145 km und weitestgehend flach sein. An jenem Tag radelten wir lediglich zwei Stunden und fanden in Houana in kleine, schäbige Unterkunft. Draußen auf der Veranda zauberte Robert ein leckeres Abendmahl. Am nächsten Tag ging es weiter und wir fuhren ca. 83 km. Die Straße war gut und wenig befahren und da es weitestgehend flach war, kamen wir gut voran. Inzwischen war es schon später Nachmittag und die Sonne kündigte ihren Abschied an. Zeit also, langsam einen Schlafplatz zu finden. In Somsanouk sahen wir ein Guesthouse, was jedoch verschlossen war. Ein paar Meter weiter sahen wir ein Schild, dass die Richtung zu einem in ca. 900 m entfernten Krankenhaus wies. „Das könnte doch was sein“ und radelten hin. Auf dem Gelände und im Krankenhaus selber war nichts los. Lediglich ein paar Kinder spielten auf der Freifläche vor dem Gebäude. Wir erspähten zwei ältere Damen und gingen mit einem Lächeln auf sie zu. Auch die beiden konnten kein Englisch und so bemächtigten wir uns wieder unseres Point-it-bookes. Leider war es nicht möglich unser Innenzelt hier aufzuschlagen, obwohl Platz genug wäre. Wir fuhren zurück zur Hauptstraße, wo wir einen Sportplatz und eine kleine Schule sahen. Mehrere Jungs spielten gerade Volleyball. Ein Mann kam auf uns so und fragte, ob er uns helfen könne, was wir bejahrten. Leider war es auch hier nicht möglich, für eine Nacht zu nächtigen. Damit bildete Laos einen scharfen Kontrast zu Thailand, Kambodscha und Vietnam, wo es oftmals wirklich sehr einfach war, einen Schlafplatz für eine Nacht zu finden. Wir konnten uns nicht wirklich erklären, warum das hier nicht möglich ist. Vielleicht kommt die Direktive von staatlicher Ebene, vielleicht haben sie Angst vor Fremden bzw. wissen nicht mit ihnen umzugehen oder was auch immer. Wie gesagt, in den anderen Ländern waren wir auch Fremde und trotz zum Teil erheblicher Sprachprobleme, war es kein Problem zu campen. Laos sammelte damit keine Punkte auf unserem Gastfreundschaftskonto.

Glücklicherweise gab uns der Mann den Tipp, dass sich in zwei Kilometern Entfernung ein Gasthaus befindet. „Gut, probieren wir das aus“ und fuhren hin. Kurze Zeit später erreichten wir das Haus und auf den ersten Blick wirkte es einladend. Wir ‚fragten‘ die Hausbesitzerin, was denn eine Nacht kostet (sie sprach auch kein Englisch), woraufhin sie mit 100.000 Kip antwortete. Da wussten wir schon, dass uns das viel zu viel ist, schauten uns das Zimmer dennoch der Neugierde halber an. Ein großer, sauberer Raum und lediglich eine Matratze auf dem Boden. Mehr nicht. Und kein WiFi. Wir sagten, dass der Preis zu hoch ist, kein WiFi, keine Ausstattung, kein warmes Wasser. Eigentlich war uns das egal, aber wir nutzten das gerne um den Preis zu drücken. Tiefer als 80.000 Kip zu gehen war sie nicht bereit. Und das war uns auch zu teuer. Wir kämpften lange mit uns und wurden letztendlich schwach. Wir luden unsere Taschen ab und brachten sie ins Zimmer. Dabei wurden wir von fünf Jugendlichen beobachtet, die offensichtlich einen Schuss weg hatten. Auf einmal kam ein Mann dazu, der das Geschehen die ganze Zeit aus sicherer Entfernung mitverfolgte. Robert und ich meinten zu hören, dass der Mann zu den Jungs „100.000 Kip“ sagte und wir wurden hellhörig. Und tatsächlich war dem auch so. „Was’n das für eine dreiste Nummer?!“ sagten wir empört. Der Mann und ich hatten ein lautes Wortgefecht, die Hausbesitzerin ließ sich gar nicht mehr blicken und lief ohnehin weg, wenn wir was von ihr wissen wollten. Ende der hitzigen Diskussion war, dass wir unsere Räder wieder besattelten und im Dunkeln der Nacht weiterfuhren. Auf der Straße war nichts los, alles war ruhig, nur das Zirpen der Grillen war zu hören und vor uns sausten allerlei Glühwürmchen durch die Nacht. Bis nach Luang Prabang waren es noch ca. 30 km. Irgendwann sahen wir ein Guesthouse am Straßenrand. Inzwischen war es schon 22:30 Uhr und nur noch knapp 13 nach Luang Prabang. Eigentlich könnte man das noch durchziehen, aber bis man ein Hostel gefunden, Zimmer bezogen, geduscht und gegessen hat, wäre es irgendwann nach Mitternacht. Und ehrlich gesagt, hatten wir keine große Lust mehr weiterzuradeln. Der Preis war okay, wir konnten unsere Räder im Flur abstellen, der Guesthouse-Besitzer gab uns noch einen Tisch, Stühle und Geschirr zum Kochen. So schön unkompliziert! Feine Sache! 🙂 So hatten wir am nächsten Tag nur noch 13 km vor uns, kein großes Ding also …

Eine geile Zeit in Luang Prabang

Gegen Mittag des 27. Mais kamen wir in Luang Prabang, der alten Hauptstadt von Laos, an. Das ‚Sabai Sabai Hostel‘ war unser Ziel. Vera hatte uns in den Tagen zuvor eine kleine Auswahl an Hostels geschickt, wir sollten aussuchen, sie kümmert sich um die Buchung. Und wie sich herausstellen sollte, haben wir mit dem ‚Sabai Sabai Hostel‘ eine perfekte Wahl getroffen. Wir können an dieser Stelle schon vorweg nehmen, dass das Hostel das beste auf unserer bisherigen Reise war.

Kurz nachdem wir angekommen waren, trafen wir auf Manuel und Jule. Beide sind 20 Jahre alt und kommen aus Würzburg. Sympathische Leudde! Die (Waldorf)Schule haben sie vor kurzem beendet und reisen jetzt für ein halbes Jahr durch Südostasien. Manuel war ganz wissbegierig was unsere Reise betraf und so verbrachten wir vier bis zum Ende ihres Aufenthaltes in Luang Prabang viel Zeit miteinander. Eine halbe Stunde nach unser Ankunft kam auch Vera an. Schön, sie wiederzusehen 🙂 Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergangen war. Ich hatte das Gefühl, dass wir Vera erst vor drei Wochen sahen, aber in Wirklichkeit waren es schon zwei Monate. Wie gesagt, die Freude des Wiedersehens war groß. Robert und ich fragten Vera, ob sie uns vielleicht ein paar Snickers und KitKat Chunky mitbringen kann…haha. Wir waren schon wieder etwas auf Schoki-Entzug. Zu dem Zeitpunkt wussten wir aber nicht, dass Vera bereits derbe viel Schokolade (Ritter-Sport, Kinderriegel etc.) gekauft hatte. Mein lieber Scholli! Das waren bestimmt 2 kg, die sie mitbrachte! Robert und ich waren ganz baff und begeistert. Irre, was die Gute für uns gemacht hat! Die Überraschung ist ihr voll und ganz gelungen! 🙂

Vera war bereits schon einmal in Luang Prabang und hatte sich sofort in die Stadt verliebt. Für sie die schönste Stadt in Südostasien! Umso mehr freute sie sich, dass wir uns hier wiedersahen. Luang Prabang war einst die Hauptstadt des historischen Königreiches Lan Xan (Land der Millionen Elefanten) und des französischen Protektorats Laos. Vier Tage sollten wir zusammen verbringen und eine tolle Zeit haben. Obwohl Luang Prabang zu DEN Attraktionen in Laos zählt, liegt über dem malerischen Ort am Mekong eine ruhige und entspannte Atmosphäre, die Zeit scheint hier langsamer zu vergehen. Und genau das macht den Reiz dieser Stadt aus. Der Ort ist geprägt von vielen buddhistischen Tempeln (wie z.B. die Tempel Wat Xieng Thong, Wat Visounarath oder Wat Choum Kong) der französischen Kolonialarchitektur, kleinen Cafés und Bars, der tollen Lage auf einer Landzunge am Zusammenfluss von Nam Kham und Mekong und dem Berg That Phousi, von dem man einen traumhaften Blick über die Stadt und die nähere Natur / Umgebung hat, vor allem bei Sonnenuntergang.

Unsere Tage mit Vera waren durch eine ausgeprägte Gelassenheit geprägt. Unser super cooles Hostel war u.a. deshalb so cool, weil es einen Pool hatte, in dem wir viiieel Zeit verbrachten. Tagsüber war es heiß und schwül und die Lust, sich großartig zu bewegen, tendierte gegen null. Wir chillten im und am Pool, lachten und quatschten, berichteten von den Tagen unserer Reise nach Hanoi und sie von Neuigkeiten aus Macau, feixten und grienten. Kurzum: Wir hatten eine feine Zeit. Wenn abends die Hitze vom milden Wind verwehte wurde, erwachte Luang Prabang zum Leben. Garküchen am Mekong luden zum Essen und Verweilen ein, der touristische, aber dennoch gemütliche Nachtmarkt füllte sich, ebenso die Bars und Restaurants. Ein Highlight unter den Touristen ist auch das frühmorgendliche Beiwohnen des Tak Bats, dem rituellen Einsammeln der Morgengabe für die Mönche.

Ungefähr ca. 30 bis 45 Minuten Fahrzeit von Luang Prabang entfernt, befindet sich der Tat Kuang Si Wasserfall. Tolle, erfrischende Naturpools sowie jede Menge Wasserfallkaskaden hatte uns Vera versprochen. Bei ihrem ersten Besuch hatte sie diesen schönen Ort besucht und war hin und weg. Damals war sie morgens da, ohne irgendeine Menschenseele. Wir hatten es nicht geschafft, uns so früh aus den Betten zu erheben und waren am frühen Nachmittag mit einem Tuk Tuk hingefahren. Und wir können sagen: Vera hat nicht zu viel versprochen! 🙂 Astreine Natur, aber seht selbst 😀

An einen der vielen Abenden schlugen wir Vera, Manuel, Jule und Payal vor, einen netten Platz in der Stadt am Fluss zu suchen und dort selber zu kochen. Alle fingen an zu grinsen und so machten wir uns mit unserer Campingküche auf den Weg. Unterwegs kauften wir alle notwendigen Sachen wie Bier und so 😉 Payal kommt aus Texas und arbeitet derzeit als Ärztin in Bangkok. Sie arbeitet zudem als Volunteer in der Vereinigung ‚Friends Without A Border‘. Dazu gehört unter anderem ‚Lao Friends – Hospital for Children‘. Ziel sei es, eine freie medizinische Versorgung und Ausbildung in allen Teilen Laos‘ zu unterstützen (https://fwab.org/laos/). Dazu arbeiten Leute wie sie ehrenamtlich während ihrer Ferien in den entlegensten Ecken von Laos und versuchen mit ihrem Wissen zusammen mit dem Geld dies zu ermöglichen. Aufgrund der weitverbreiteten Konflikte in der Vergangenheit und der Armut ist die ärztliche Versorgung in weiten Teilen von Laos nicht möglich. Besonders für die Mütter und Kinder ist dies teils verheerend.

Am 30.05. nahmen wir Vera ein letztes Mal in den Arm und verabschiedeten uns von ihr. Wer weiß, wann wir sie wiedersehen werden, vielleicht noch ein drittes Mal in Südostasien? ^^

Kaum war ein sympathischer Mensch gegangen, kamen gleich vier neue daher. Dabei handelte es sich um Elisa und Julie (beide leben seit ca. einem Jahr in China und kommen aus Frankreich), Leo (ebenfalls aus Frankreich) und Greg (England). Wir verstanden uns auf Anhieb und verbrachten viel Zeit miteinander. Dabei lief das ähnlich wie bei Vera; Pool, Nachtmarkt, reden, erzählen, schmunzeln, lachen, essen. Die vier waren alle noch so jung, so zwischen 18 und 21 Jahre ‚alt‘. Robert und ich staunten nicht schlecht, wie einfach heutzutage das Reisen insgesamt und v.a. auch für die jungen Leute ist. V.a. in Südostasien, welches sehr beliebt bei Travellern, Kulturliebhabern, Backpackern und Co. ist und wohl auch daran liegt, dass die touristische Infrastruktur wie bspw. in Thailand, Vietnam oder Bali sehr gut ausgebaut ist. Ich klingte mich des öfteren mal aus, um für mich zu sein und ein Buch zu lesen, Musik zu hören, whatever. Nach dem Radeln habe ich oftmals nicht so viel Energie und Konzentration, mich auf ein Buch zu konzentrieren. Von daher war das hier ein tolle Gelegenheit. In Luang Prabang trafen wir auch auf Sam, ein lebens- und reiselustiger Pakistani mit einer großen Leidenschaft für Pools und Musik. Seine Musik bzw. seine Musikbox hat er immer dabei und verbringt am liebsten Zeit in Pools und das auch die ganze Nacht, wenn es sein muss 😀 Eigentlich wollten wir zwischen dem 31.05. und 02.06. weiterfahren, aber letztendlich waren wir noch bis zum 05.06. geblieben und jeden Tag spontan verlängert 😀

Die anderen vier sind leider schon tags zuvor abgereist. Aber da kamen schon die nächsten beiden Herren. Sie kamen aus Chile und einer von ihnen sprach hervorragend deutsch. Schön wenn man die Zeit hat und glücklicherweise sind wir uns dessen bewusst 🙂 Vera meinte mal, Luang Prabang sei ihr Ort, wenn sie eines Tages in Rente geht. Und wir müssen sagen, der Gedanke klingt verführerisch^^ Luang Prabang und die Zeit hier werden wir auf jeden Fall noch lange im Kopf behalten, zu schön war es in der Stadt mit der entspannten Atmosphäre und die Zeit mit sympathischen Leuten aus Würzburg, Frankreich, England, Chile und Pakistan.

2018-11-04T14:59:26+00:00 30.06.2017|Laos|0 Kommentare