48 | Von tollen laotischen Berglandschaften

05.06. – 16.06.2017 | In Luang Prabang hatten wir eine wahrlich tolle Zeit mit tollen Leuten. Nun hieß es aber ein neues Kapitel im Logbuch Laos zu schreiben 🙂 In der Whatapps-Gruppe ‚Cycle the World – Q & A‘ schwärmten viele Radreisende von der Route Nummer 13. Wenn man in Laos mit dem Rad unterwegs ist, führt kein Weg an dieser ‚must-cycle‘ Straße vorbei, so quasi der O-Ton der Gruppenmitglieder. „Mal schauen was sich uns so darbieten wird“ dachten wir und ließen die gemütliche Stadt am Mekong hinter uns.

Durch die Berge auf der Route Nr. 13

Die Route Nummer 13 führt quasi einmal durch ganz Laos, von Norden bis ganz in den Süden zur kambodschianischen Grenze. Vor allem der lange Streckenabschnitt Luang Prabang – Xiang Ngeun – Kiukacham – Pho Kham – Phou Khoun – Kasi – Vang Vieng gilt unter Reiseradlern als absolutes Filetstück in Laos. Wir können jetzt schon vorweg nehmen: Absolut wahr! Richtig richtig geile Landschaft! Wir sagens Euch, ’n Traum! 🙂

In Luang Prabang schafften wir es mal wieder nicht so richtig früh loszuradeln und vor der Mittagssonne schon einmal ein paar Kilometer geradelt zu haben. Das ‚Sabai Sabai Hostel‘ war einfach zuuuu geil, so dass wir uns nicht wirklich davon trennen konnten oder wollten 😀 Aber die Freude auf eine viel besagte wunderbare und abgeschiedene Berglandschaft ließ uns dann doch losrollen. Schon gleich hinter Luang Prabang warteten erste fiese Anstiege auf uns, während die Sonne Schweißsturzbäche anschwellen ließ. An einer kleinen Tanke machten wir kurz Stop und füllten unsere Benzinflasche fürs Kochen auf. Es war nur noch wenig drin und in den nächsten Tagen steht wie in der Zeit vor Luang Prabang wieder viel selber Kochen auf dem Plan. An jenem Tag machten wir nicht viele Kilometer und schlugen nach 22 km in Xiang Ngeun unser Nachtlager für eine Nacht auf. Wir waren ohnehin erst am Nachmittag gestartet und die nächsten Tage werden noch hart genug werden, dachten wir. Wahrscheinlich werden das die härtesten Etappen unserer bisherigen Reise. Kurz bevor wir in dem Ort angekommen waren, öffnete der Himmel seine Pforten und es prasselte in Strömen auf die Straße. Zum Glück fanden wir mehr oder weniger rechtzeitig noch einen Unterschlupf. Kurze Zeit später fanden wir ein kleines Guesthouse für eine Nacht. Ein bisschen durch den Ort streifen, was essen und den Tag ausklingeln lassen.

Am folgenden Nachmittag schafften wir es auch erst wieder am frühen Nachmittag von dannen zu ziehen. Ab jetzt waren wir wirklich in den Bergen und die ersten 7 bis 10-prozentigen Anstiege warteten gleich hinter dem Ortsausgang. Kurvenreich schlengelte sich die Straße bergauf. Die Sonne lachte aus vollem Halse, der Himmel war strahlend blau und die ersten schier unendlichen Bergzüge ließen erahnen, was uns in den nächsten Tagen erwarten würde. Der Verkehr war beschaulich, ab und an tuckelten LKWs und Motoroller an uns vorbei. Letztere relativ fix und beim Anblick dessen, wurde uns bewusst, dass es die nächsten 15 km quasi non-stop bergauf geht bevor wir den ersten Peak erreichten 🙂 Nach ca. acht Kilometern wartete ein toller Aussichtspunkt und offenbarte einen weiten Blick über die Landschaft. Robert war schon etwas vor mir angekommen und unterhielt sich derweil mit Kaleb, welcher uns zuvor mit seinem Motorroller überholt hat. Und wie es der Zufall so wollte, kommt auch er aus dem Bundesstaat Colorado (USA). Wir hatten schon so einige Leute aus Colorado getroffen und seltsamerweise war ihn allen gemein, dass sie alle entspannte und sympathische Leute waren. Kaleb reihte sich da nahtlos ein. Er war an jenem Tag in Luang Prabang gestartet und wollte nach Vang Vieng fahren. Robert und ich schauten einander an und meinten „isses nicht schon ein bissel zu spät, ist ja noch eine derbe lange Strecke und dann noch die Berge?“. Er grinste und meinte, dass sei kein Ding. Wie wir ein paar Tage später via Instagram erfuhren, ist er am gleichen Tag noch zurück nach Luang Prabang gefahren 😀 Irre, der Kerl. Dabei soll er sich noch fast mit dem Motoroller hingelegt haben, wurde von einer Schlange attackiert und noch ein schräges Ding soll passiert sein, was uns just in diesem Moment nicht einfällt. Nach einer halben Stunde verabschiedeten wir uns von Kaleb und Robert sah wieder den kleinen Affen, den er vor kurzem auf dem Arm hatte und ihn angestrullert hatte 😀

Es ging weiter bergauf, Kurve um Kurve, Höhenmeter um Höhenmeter, Schweißtropfen um Schweißtropfen. Nach 15 km des Bergauffahrens erreichten wir den ersten Pass auf 1.033 m Höhe. Ein Lächeln huschte über unsere Gesichter. Danach folgte eine 7 km lange Abfahrt! Ein Traum! Der warme Wind trocknete unsere nassen T-Shirts, wir fuhren durch zerklüfftete Täler, die Berghänge waren üppig bewachsen, Sonnenlicht schien den Boden hier nicht zu berühren und wir hatten das Gefühl, wir befänden uns als Ameisen in einem grünen, dichten Flokateeteppich, es schien wie ein Labyrinth, quasi überall schier unendlich bewachsene Hänge, die in allen Grüntönen strahlten, wir passierten ablegene Dörfer und als wir in Namming ankamen und die Brücke über den Fluss passierten, fanden wir uns auf rund 450 m Höhe wieder. Hier wollten wir für eine Nacht nächtigen, so jedenfalls unsere Idee 😀 Von der Brücke aus sahen wir ein paar Pfahlhäuser und eine kleine Schar an Menschen vergnügte sich im Fluss. Die Szenerie war schön anzusehen und hatte was Ursprüngliches, Simples und Demütiges. Und irgendwie erinnerte der Anblick an den Film ‚Fitzcarraldo‘ von Werner Herzog.
Kurz hinter der Brücke bogen wir links ab und fuhren durch eine kleine sandige Gasse, die auf eine ländliche Krankenstation zuführte. Die tiefen Furchen im Boden gaben eine Vorahnung, wie es sein muss, wenn die tropischen Wolken mit aller Kraft schütteten. Kleine Kinder und alte Menschen kamen aus den Häusern und beäugten uns und manch einer rief „Sabaidee!“ oder grinste verlegen. Die Häuser und die dreckigen sowie verschlissenen Sachen signalisierten uns, dass hier die Armut ziemlich ausgeprägt sein muss. In der ländlichen Krankenstation fanden wir keinen Arzt. Während Robert sich um den Abendesseneinkauf kümmerte, fragte ich die Leute, ob wir hier unser Zelt für eine Nacht aufstellen können. ‚Fragen‘ ist gut, denn hier sprach niemand Englisch und eigentlich spielte ich eher mit meinen Händen und mit meiner Mimik, zeigte auf ein Foto auf meinem Handy, dass ein Zelt zeigte. Nur leider waren die Leute alle unheimlich schüchtern und abweisend, schauten ein an oder zeigten einem die kalte Schulter. In der Zwischenzeit war Robert wieder zurück und hatte ein paar Leckerein für das Abendessen erhascht 🙂 Nach einer Zeit kam ein Mann zur Station und es schien, als ob er hier was zu sagen hätte. Ich versuchte mein Glück und mit einer eindeutigen Geste gab er zu verstehen, dass wir hier nicht schlafen können. Schade. In Thailand, Vietnam und Kambodscha hatten wir keinerlei derartige Probleme. Ein Mädchen zeigte mir via Google Maps eine Schule am anderen Ende der Brücke bzw. zeigte nur mit dem Finger in die Richtung. Eine eindeutige Angabe war nicht zu vernehmen. Es gesellte sich ein junger Mann auf einem Motoroller zur Runde, der glücklicherweise ein wenig Englisch sprach. Er signalisierte uns ihm zu folgen und so fuhren wir zur Schule. Dort angekommen, wurden wir vom Lehrer auch abgewiesen. Die Sonne war fast untergegangen und die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz schien sich zunehmend schwieriger zu gestalten. Sollten wir hier nix finden, müssen wir weiterradeln und in der Dunkelheit einen Campingspot finden. Und das dürfte aufgrund der Dunkelheit und der dicht bewachsenen Berge ein Spaß werden^^ Wir fragten, ob es denn hier ein Guesthouse gäbe und er sagte ja. Nach einem Kilometer und einem steilen Anstieg fanden wir uns vor einem Guesthouse wieder. Wobei Guesthouse ein Euphemismus war 😀 Es war ein Truckerstop bzw. ein heruntergekommenes Pfahlhaus. Der Besitzer zeigte uns das Zimmer und wir sagten „jo, das reicht für unsere Zwecke“. Alles war aus Bambus, sprich Wände, Boden, Decke. Sonst war nix drin. Das störte uns aber nicht, denn wir hatten ja eine Isomatte und unsere Travelsheets. Was dann aber kam, haute uns aus den Socken. Der Typ wollte für das Zimmer 50.000 Kip, also knapp 6 €! Wir dachten, wir hören nicht richtig! Im ‚Sabai Sabai Hostel‘ in Luang Prabang hatten wir geile Betten, ein cooles, schickes Dorm, einen Swimming Pool und wir zahlten weniger als oben genannten Preis pro Nase. Verhandeln ließ er nicht mit sich. So schwungen wir uns wieder auf unsere Räder. Robert meinte, dass wir wohl oder übel irgendwo in der dichten Dschungelvegetation oder am Straßenrand, da wo es der Platz zu lässt, campen müssten. Darauf hatten wir in jenem Moment überhaupt keinen Bock und ich noch viel weniger. Nach dreihundert Meter sahen wir ein paar Gebäude und versuchten hier unser Glück. Ein hilfsbereiter Typ aus Luang Prabang versuchte zu helfen. Er meinte, hier gäbe es ein Guesthouse und er wird die Besitzerin fragen, ob wir dort schlafen können. Daraufhin kam sie zu uns und sagte, dass sich das Guesthouse noch im Bau befindet und der Raum leer sei. Wir antworteten, dass das kein Problem sei, wir haben Isomatte und Travelsheet. Infolgedessen gingen wir zum Raum, sie schloss die Tür auf und ein Kloakenmok kam uns entgegen, den Müll fegte sie zusammen und die Fliesen glänzten wieder. Sie ergänzte, dass sie 100.000 Kip für eine Nacht haben wolle. Robert und ich dachten kurz vorher schon, dass die Leute hier ganz schön witzig sind, aber dass hier setzte dem Abend wirklich die Krone auf! Wir waren absolut baff und zeigten ihr den Vogel. Diesen Preis für nichts, empfanden wir als totale Verarsche und Abzocke und gingen zurück zu unseren Rädern. Wir zeigten auf ein Haus, dass sich gerade im Rohbau befand und fragten, ob wir da unsere Zelte aufstellen können. Zögernd willigte sie ein. Zum Glück mussten wir dafür nix zahlen, dass wäre ja mal mega assi gewesen. Während ich die Dusche besuchte, räumte Robert den Schlafplatz frei und fegte den Baustaub weg. Alter Lachs, war das eine Wolke! Nachdem wir beide geduscht und die Innenzelte aufgebaut hatten, zauberte Robert wieder ein leckeres Abendmahl. Wir saßen unter dem laotischen Nachthimmel, hörten das Zirpen der Grillen und beobachteten den Widerschein von Blitzen in den Wolken.

Ziel des heutigen Tages war es Phou Khoun zu erreichen. Und wenn wir das schaffen, könnte man das als unsere bisherige Königsetappe betrachten. Von der Distanz von 72 km haben wir schon weitaus längere Etappen hinter uns, aber die bevorstehenden zu bewältigenden 2.000 Höhenmeter lässt das alles wieder in einem anderen Licht darstehen. Wir waren gespannt. Und so wartete gleich ein paar Meter von unserem Schlafplatz entfernt der erste Anstieg auf uns. Für die nächsten ca. 19 km ging es quasi non-stop bergauf, von ca. 480 m Höhe bis zum zweiten Pass auf 1.408 m. Hatte man das erst einmal geschafft, ging es von dort an bis Phou Khoun meistens zwischen 1.000 und 1.400 m Höhe immer schön hoch und runter. Der größte Gegner war nicht der Berg bzw. die Berge oder der Regen, der uns später ausführlich begleitete, sondern man selbst. Da schaltete man am besten einfach in den ‚Esel-Modus‘ und trottete die Berge hoch wie ein sturer Packesel auf dem Santa Cruz Trek in den peruianischen Anden. Wir durchquerten eine wunderbare bergige Landschaft und mit jeder Kurve, mit jeder Steigung und mit jeder überwältigenden Aussicht verliebten wir uns mehr in diese Natur. Das machte richtig Laune durch dieses schöne bergige Fleckchen Erde zu fahren! Da haben die Reiseradler aus der Whatsapp-Gruppe so was von recht behalten, was die Landschaft betrifft! 🙂 Neben der schönen Landschaft passierten wir viele kleine Dörfer der Hmong. Während der letzten zwei Drittel der Strecke begleitete uns Regen und so blickten wir auf Wolken zwischen den tieferen Bergzügen und fuhren durch Wolken, die am nächsten Anstieg warteten und verschlungen uns im trüben Grau. Nur blauer Himmel wäre ja auch langweilig gewesen 😉 Und so hatte der Ausblick über die Landschaft irgendwie was ruhiges, beruhigendes und friedfertiges. Als wir schließlich in Phou Khoun ankamen, waren wir 72 km geradelt und haben dabei ca. 2.028 Höhenmeter gesammelt. Da konnten wir stolz auf uns sein. Phou Khoun ist ein kleines Städtchen, aber wohl das geschäftigste in den Bergen zwischen Xiang Ngeun und Kasi, was wohl daran liegt, dass hier von der Route 13 ein Highway gen Osten abzweigt und via Phonsavan weiter nach Xam Neua führt. Von daher war es einfach ein Guesthouse für eine Nacht zu finden, gefolgt vom üblichen Prozedere …

Am nächsten Morgen ließen wir Phou Khoun hinter uns. Ziel des heutigen Tages war Vang Vieng. Und wie so oft in den letzten Tagen ging es gleich hinter dem Ort sofort wieder bergauf 🙂 An jenem Tag standen zum Glück mehr Abfahrten als Höhenmeter an. Zwar ging es für die nächsten fünf Kilometer immer mal wieder leicht bergauf und bergab, aber dann, haha, dann ging es bis nach Kasi quasi nur bergab! 🙂 Das bedeutete eine Abfahrt von rund 44 km, zwischendurch sollte es noch einmal richtig steil werden und uns den steilsten Anstieg, den wir in Laos fuhren, bescheren. Satte 12,4 % Steigung warteten auf uns. Mein lieber Scholli! 😀 Auf dem Stück zwischen Phou Khoun und Kasi sahen wir die schönste Landschaft, welche wir bisher in Laos gesehen haben, wenn nicht sogar auf der ganzen bisherigen Reise! Unendlich weite Berglandschaften, zerklüfftete Täler, Karstberge in einer Vielzahl an Formationen … ach was fasel ich hier, seht lieber selbst 😉

In Kasi angekommen, gönnten wir uns erst einmal wieder Fried Rice mit Gemüse und Ei. Lecker lecker 🙂 Mittlerweile war es schon früher Nachmittag und bis nach Vang Vieng sollten es noch rund 60 km sein. Im Hellen noch anzukommen, dürfte ein knappes Spiel werden, dachten wir. Die Strecke war laute Höhenkarte weitgehend flach, zwischendurch soll es noch mal einen guten und etwas längeren Anstieg geben und danach quasi nur noch Abfahrt. Als wir zu unseren Rädern zurückkehrten, sah ich, dass meins umgefallen war. Ich hatte es zuvor gegen die Wand gelehnt, anscheinend aber nicht richtig, wie es sich in diesem Moment herausstellte. Wir checkten, ob noch alles in Ordnung war. Dem war nicht ganz so, denn wir sahen, dass sich mein Gepäckträge etwas verzogen hat. Fahrtüchtig war es trotzdem. So schwungen wir uns etwas später wieder auf die Räder und ab ging es nach Vang Vieng. Als wir den oben genannten Anstieg erreichten, sahen wir, wie sich der Himmel mehr und mehr verdüsterte. Auch auch hier hatten wir anfangs Glück, nicht weit von uns regnete es und wir waren trocken. Das sollte aber nicht lange so bleiben und so wurden wir nach einer Weile nass. Glücklicherweise haben wir fix Unterschlupf gefunden. Eine Familie saß unter einem Vordach am Rande der Straße und wir gesellten uns einfach zu ihnen. Als der Regen nach ein paar Minuten aufhörte, setzten wir unsere Fahrt fort. Nach einer Weile erreichten wir die Spitze und von nun an sollte es nur noch bergab gehen. Bis nach Vang Vieng waren es aber immer noch rund 40 km. Der Himmel war inzwischen komplett düster und einige Bergzüge waren mittlerweile ganz in den Regenwolken verschwunden. Wir standen unter einem Blechdach am Rande der Straße, schauten uns an und sagten, dass wir die Etappe für heute wohl an dieser Stelle beenden werden. Es regnete wie aus Eimern, in Richtung Vang Vieng sah es nach Weltuntergang aus und zudem war die Dunkelheit hereingebrochen. Neben dem Blechdach und der Straße befand sich ein Haus mit einer großen überdachten Holzveranda. „Das schaut doch nach einem guten Schlafplatz aus“, sagten wir. Dumm nur, dass ein Zaun und ein abgeschlossenes Tor uns den Zugang versperrte. Das sah alles so aus, als ob hier schon lange keiner mehr war. Glücklichweise hatte die Kette am verschlossenen Tor etwas Spielraum, sodass wir uns durchzwängen konnten. Ich ging als erstes durch und nahm Roberts Taschen entgegen, die er über den Zaun reichte. Dann folgte das Fahrrad und anschließend das gleiche Spiel mit meinem Fahrrad. Nachdem wir alles über den Zaun geschafft, unsere Zelte aufgebaut und geduscht hatten (wir haben Wasser aus der Regentonne in unseren Duschsack gefüllt), wurde gekocht und es gab Reis mit Nudeln und Gemüse. Da wir so wenig wie möglich Aufmerksamkeit auf uns ziehen wollten, beschlossen wir, das Gelände noch vor Sonnenaufgang zu verlassen. Und das führte dazu, dass wir zu einer für uns unmenschlischen Zeit aufstehen mussten 😀 Denn um 5:00 Uhr klingelte der Wecker.

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker in aller Frühe und scheuchte uns aus den Federn. Gegen 6 Uhr saßen wir wieder auf den Rädern und nahmen die letzten 40 km in Angriff. Es ging durch grüne Täler, kleine Dörfer, vorbei an vielen buddhistischen Tempel und ca. 10 km vor Vang Vieng kündigte sich der Touriort durch mehr Verkehr, dichtere Bebauung und größeres Gewusel abseits der Straße an. Kurz vorm Ortseingang machten wir eine Frühstückspause. Es gab Baguette und leckere süße Kondensmilch, dazu Ananas. Mmmmh! Die letzten Kilometer hatte ich das Gefühl, dass mein Hinterreifen langsam aber sicher Luft verliert. Robert meinte, dass ich mal etwas Luft auf den Reifen geben soll und dass wir uns das, wenn wir am Hostel angekommen sind, mal näher anschauen (später stellte sich heraus, dass ich einen langen Nagel im Reifen hatte). Ich schaute auf meinen Fuß, der aufgrund der eitrigen Wunden leicht geschwollen und irgendwie unappetitlich aussah. Mich hatten irgendwelche Insekten gestochen oder gebissen, einmal kurz fix aufgekratzt, Fliegen kamen herbei, setzten sich drauf und schon eiterte die errötete Wunde. Um die Fliegen fernzuhalten klebte ich mir Pflaster oder Servietten auf die Wunde. Und die Scheiße hält an bzw. der Verheilungsprozess geht ganz schön langsam von statten. Robert hatte davon auch im Buch ‚Der Tiger von Shangri-La‘ gelesen. Die Hitze, die Schwüle, der Regen, die Insekten, all das lädt nicht zum Leben bis zum Lebensende ein 😀

Vang Vieng

In Vang Vieng angekommen, ging die Hostelsuche fix von statten und so fanden wir uns schließlich im ‚Vang Vieng Rock Backpacker Hostel‘ wider. Nachdem wir die Räder abgeladen und die Sachen ins Zimmer gebracht hatten, bestand die erste Aufgabe darin, herauszufinden, ob unser Hostel oder eine Reiseagentur im Ort den Service der Visaverlängerung anbietet. Wie sich herausstellte offerierte unser Hostel diesen Service nicht, der Typ von der Rezeption nannte uns aber drei Adressen im Ort. „Ab hin da!“ sagten wir.
Unser Laos-Visa lief am 16.06.2017 ab, zu jenem Zeitpunkt hatten wir also noch eine Woche Aufenthalt. Wir sahen uns mehr oder weniger gezwungen, das Visum zu verlängern, denn wir wollten Vang Vieng und Vientiane ohne Hektik genießen, außerdem müssen wir später in der Hauptstadt unser Touristen-Visum für Thailand beantragen. All das könnte etwas knapp werden, dachten wir. Als wir durch Vang Vieng gingen, wurden wir zunehmend ratloser. Einige der Leute, die wir bisher in Laos und Vietnam getroffen haben, haben von Vang Vieng geschwärmt und so dachten wir „Das hört sich ja gut an und scheint ein Ort zum längeren Verweilen zu sein!“ 🙂 Aber bereits nach den ersten hundert Metern und vor allem mit der tollen Zeit in der schönen, gemütlichen Stadt Luang Prabang im Hinterkopf, waren wir schnell ernüchtert und konnten das Ganze, was uns mitgeteilt wurde, nicht wirklich nachvollziehen. Vom Stadtbild, Ambiente und Flair kommt Vang Vieng bei Weitem nicht an die alte Hauptstadt Laos heran (Luang Prabang)! Es gab quasi nur eine Hauptstraße, von der kleine Seitenstraßen abgingen. Die Häuser waren irgendwelche Klötzer und Buden, schöne Kolonialarchitektur suchte man hier vergebens. Überall sah man nur Bars, Hostels, Geschäfte, Hotels usw. Vang Vieng war in der Vergangenheit bei Backpackern vor allem aufgrund von Partyexzessen sehr beliebt und war deswegen das ein oder andere Mal auch in den Schlagzeilen. Sozusagen der Ballermann von Südostasien. Heute setzt die am Nam Xong Fluss gelegene Kleinstadt alles auf Aktiv- und Abeneuertourismus. Daher findet man alle paar Meter einen Tourenbieter für Tubing, Mountainbiken, Wandern, Kajaking, Buggy Car fahren, Fliegen, Zip Lining und weitere Outdoor-Aktivitäten. Wir hatten irgendwie andere Vorstellungen von der Stadt und uns wurde schnell klar, dass wir anscheinend unser Visum nicht verlängern und Vang Vieng nach drei Nächten wieder verlassen werden. Nach den harten Bergetappen wollten wir die Beine erst einmal hochlegen. Dennoch waren wir neugierig, was eine Visaverlängerung kosten würde. Im Internet haben wir gelesen, dass jeder weitere Tag 2 USD kostet. Die Reiseagentur, welche wir betraten, meinte zu uns, man kann lediglich für mindestens 15 Tage verlängern und darunter geht nix. Jeder Tag kostet 4 USD. Damit war die ganze Sache zu 100 % beschlossen. In Vang Vieng werden wir nicht lange bleiben und das Visum nicht verlängern.

Das einzig Schöne an Vang Vieng war die attraktive Lage direkt am Nam Xong. Hatte man die Stadt erst einmal hinter sich gelassen und befand sich am Flussufer, offenbarte sich eine schöne Sicht auf die Reisflächen und die umwerfend großen grünbewachsenen Karstformationen. Später zurück im Hostel trafen wir auf Julia aus Russland und Maria aus Chile. Mit Julia unterhielten wir uns eine Weile. Sie kommt aus Sibirien. Uns wurde dabei erstmals bewusst, wie groß Sibirien ist. Ungefähr 75 % von Russland gehören zu Sibieren und ist sogar flächenmäßig größer als China. Irre! Sie selbst kommt aus Nowosibirsk, die wohl größte Stadt in Sibirien. Interessant wie sie groß geworden ist. Für sie ist es kein Ding im Wald ausgesetzt zu werden und zu überleben und das auch bei Kälte. Sie weiß wie man Feuer macht, was man essen darf und was man sonst so brauch zum Überleben. Wir waren beeindruckt. Wenn wir Stadtmenschen ihr Fragen stellten, kamen immer wieder plausibel klingende Antworten. Auf die Frage, ob es alle Leute aus ihrer Heimat dieses Know-How besitzen, antwortete sie mit ‚Nein‘. Ihr Vater ist unter einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Regelmäßig war er mit seinem Vater mehrere Tage auf Jagd und hat dabei gelernt zu überleben. Sie hat das Wissen von ihrem Vater zum Teil übernommen.
Gegen Nachmittag zu einem Aussichtspunkt auf einen Berg und fragte uns, ob wir mitkommen wollen. Natürlich sagten wir ja und machten dann noch den Vorschlag, dass wir unsere Reiseküche mitnehmen und dann in der Natur noch was Leckeres kochen können. Gesagt, getan. So ging es über den Nam Xong und querfeldein durch die Reisfelder. Eine gelbe Flagge auf einem Berg signalisierte das Ziel für den Abend. Am Fuße des Berges angekommen, stellte sich jedoch heraus, dass das Tor nach oben verschlossen war. Schöner Mist. Wir machten uns auf den Weg zurück und fanden einen Pavillion am Rand der Reisfelder. Dort machten wir es uns gemütlich, die Musik wurde angeschmissen, ebenso der Kocher, Gemüse wurde geschnibbelt, Reis ab in den Topf, köcheln und kurze Zeit später hatte jeder eine ordentliche Portion Reis-Gemüse-Allerlei auf dem Teller. Schöne Abendstunden 🙂

Unsere Zeit in Vang Vieng war kurzweilig und verflog irgendwie fix. Wir hatten coole Zimmergenossen wie Luciana aus Brasilien oder Ilaria aus Italien, mit denen wir lustige Unterhaltungen hatten. Später trafen wir auch auf Greg, den wir zuvor in Luang Prabang kennengelernt und zusammen mit Elisa, Julie und Leo eine coole Zeit hatten. Er kam gerade zurück von einem Trip aus dem Norden Laos‘. Er sah mich in der Lobby erst von hinten und dachte sich „der sieht ja aus wie Tobi“ und schlich sich langsam an, um herauszufinden, ob ich es wirklich bin. Und so trafen wir drei uns wieder, lustige Sache 😀 Später erzählte uns Greg noch von ‚DER‘ Outdooraktivität in Vang Vieng, Tubing. Beim Tubing setzt man sich in einen großen LKW-Reifen und schwebt auf dem Wasser des Nam Xong flussabwärts. Hier und da ein paar Stops an ein paar Bars, die sich am Ufer befanden. Tags zuvor haben Robert und ich schon die vielen kleinen Tuk Tuks und Minibusse gesehen, die vollgepackt waren mit Touris in Badeklamotten. Wir fragten Greg, wie lange der ganze Spaß dauerte und er sagte so um die acht Stunden. „Und wie lange wart ihr Tuben?“, daraufhin Greg „Max. 30 Minuten. Den Rest verbrachten wir in zwei Bars und sauften. Absoluter Müll dieses Tubing! Nie wieder“. Ach haben wir gelacht 😀 Den letzten vollen Tag war ich mega faul und lungerte quasi nur im Bett rum. Pennen und ’n Buch aufm Kindle lesen 🙂 Robert dagegen war draußen unterwegs und traf so auf Mateusz. Er kommt aus Polen und ist in Südostasien per Autostop unterwegs. Also dem Anschein nach endlich ein klassischer Backpacker 😉 Mateusz sah Robert im Hostel und fragte ihn, ob er Bock auf Klettern habe. So kamen beide ins Gespräch und im Laufe der Zeit kristallierte sich eine gleiche Leidenschaft der beiden heraus. Die Berge! Robert war oft mit dem Rad in den Alpen in Österreich, Italien und Frankreich unterwegs und hat die Landschaft wahrlich lieben gelernt. Mateusz ist begeisteter Kletterer und hat schon so einige derbe Brocken in Asien bestiegen und auch den Mont Blanc. Letzteres ist ein Traum von Robert, auch einmal die Weite von der Spitze des höchsten Berges Europas zu genießen. Beide tauschten Kontakte aus und schön wäre es, wenn der Traum eines Tages wahr werden würde. Es ist immer wieder toll, Reisende, zu denen man einen guten Draht hatte, im Laufe der Zeit wieder zu sehen. Seien es Sonia und Guillem, Mohit, Marianna oder Vera. Und vielleicht gesellt sich ja auch Mateusz in die Reihe. Fazit zu Vang Vieng: Die Stadt ist verzichtbar, die umgebende Landschaft aber wunderschön.

Möchtegern-Abenteurer oder wirklich Backpacker?

Was macht eigentlich einen Backpacker aus? Nicht das ich mir jemals zuvor diese Frage gestellt habe. Dennoch hatte ich unbewusst gewisse Vorstellungen von einem Backpacker vor meiner Reise. Vielleicht dem geschuldet, welche Abenteuergeschichten man so hört.
Seit dem Beginn unseres Aufenthaltes in Südostasiens begegneten wir dieser Frage des Öfteren. Insbesondere in den Ländern Kambodscha, Vietnam und Laos. Nicht das wir nach solch einem Thema gesucht haben, aber der Kontrast zwischen den ländlichen Regionen ohne Touristeneinfluss und den vereinzelten Backpacker-Hochburgen ist faszinierend. Wenn wir tagelang (manchmal auch Wochen) durch die ländlichen Regionen streiften, waren wir des Öfteren die einzigen Touristen weit und breit. Wenn wir feststellten, wie uns die älteren Leute skeptisch anschauten und die kleinen Kinder uns alle hinterherliefen und laut ‚Hallo‘ riefen (Khmer:=suasdey, Vietnamesich:=xin chàu, Laos:=sabaidee, Thai:=sàwàddee kráb). Gar nicht so einfach in jedem kleinen Ort, welche alle paar Kilometer folgten, den Kindern „Hallo“ zu sagen und dabei zu lächeln und zu winken. Anfangs macht es Spaß in die freudestrahlenden Gesichter zu schauen und dieses zu erwidern. Man muss sich das so vorstellen; die kleinen Kinder sehen einen schon aus der Ferne kommen und fangen sofort an zu brüllen. Sekunden später strömen aus allen anliegenden Häuser die Kinder. Die waren überall! Wir machten des öfteren Witze, warum die Einheimischen alle Hunde besitzen. Die Kinder haben eher angeschlagen, als die Hunde ^^. Suchten wir nach was zu Essen in einen der Dörfer, waren wir wie ein Magnet für jung und alt. Dieses Verhalten der Einheimischen zeigt uns, dass es nicht normal zu sein schien, dass sich hier Ausländer aufhalten.
Näherten wir uns einem Touristenort, wurde dies spätestens zehn Kilometer vorher durch sich häufenden Backpacker auf ihren Mopeds oder Tuk-Tuks mit gut genäherten Westlern angekündigt. An dieser Stelle würde ich am liebsten gleich auf die Backpacker und ihre Mopeds eingehen. Das ist so herrlich, wie naiv viele Leute sind. Im nächsten Absatz mehr dazu. Die Straßenqualität ist plötzlich um ein vielfaches gestiegen und ja, teils sogar zweispurig, was hier sehr ungewöhnlich ist. Kurze Zeit später erscheinen auch schon die ersten Hotelanlagen. Architektur aus dem Westen pur. Die Einheimischen, insbesondere die Kinder verhalten sich ganz anders, als ’nur‘ zehn Kilometer zuvor! Plötzlich ist man einer von vielen Touristen. Unsere Blicke schweifen durch die Umgebung und jeder von uns beiden denkt sich seinen Teil. Wir erspähen Supermärkte. So was gibt es normalerweise nicht in Kambodscha oder Laos. Voller Vorfreude mal wieder seit langem Käse oder Wurst mit Brot zu essen, stürmten wir die Supermärkte. Wir wurden fündig, kamen dennoch mit leeren Taschen (abgesehen von der Cola und dem Snickers :-D) wieder heraus. Wir kannten inzwischen die Preise der Einheimischen und die Preise in den Supermärkten sind utopisch. Während wir unseren Pausensnack genossen, strömten die Touristen nur so rein und raus. Darunter auch viele ‚Backpacker‘, zumindest sahen sie so aus.
Wie schaut denn ein Backpacker aus? Richtig, man erkennt ihn an seinem vollgepackten Rucksack ^^ Aber was ist denn ein Backpacker?

Pushbikegirl ist inzwischen seit über fünf Jahren mit dem Fahrrad unterwegs und hat schon so einiges gesehen. Wir lesen gerne ihren Blog. Während ich diese Zeilen schrieb, las ich in einer Denkpause einen Blogbeitrag von ihr. Wie es der Zufalls so will, hat sie dort ein paar Zeilen über Backpacker geschrieben. Einfach nur herrlich und ich zitiere sie einfach mal an dieser Stelle, da wir die gleichen Erfahrungen gemacht haben:

„. . . den neuen Schlag Backpacker. Die IPhone, Kreditkarten und Samsonite Generation. Manche davon finden es scheinbar genial, wenn sie einen billigen Flug finden um nicht im Bus zu ihrem nächsten Zielort fahren zu müssen.
Viele scheinen ihre Unterkünfte im Voraus übers Internet zu buchen um rechtzeitig eine Dusche zu bekommen, wenn sie von ihrer klimatisierten Busreise in einer neuen Stadt ankommen. Doch gibt es auch noch die anderen, die Backpacker, die sogar ein Zelt dabeihaben und jeden Cent dreimal umdrehen. Die Mischung machte es hier.
Joints werden hier zuhauf geraucht, teils rennen die Hippies halbnackt und bis über beide Ohren tätowiert total zugedröhnt durch die Gegend. Dann die Langzeit Traveller die sich mit Schmuckverkauf ihr Leben versuchen zu finanzieren. Typen die sich total feminin kleiden und ihre langen Haare zu einem Knäuel wickeln. Die einen verkörpern Bob Marley die anderen Boy George. Zudem alle Sorten von Reisende die man sich vorstellen kann. Wirklich ein riesiger Spaß.
Und dann natürlich die Fragen woher kommst Du wohin gehst Du und was hast Du bisher gemacht. Dazu Bananen Pfannkuchen mit Nutella und sogar Kässpätzle auf der Speisekarte. Einfach mal was Anderes. Das letzte Mal wurde ich mit so einem Backpacker Nest vor mehr als 2 Jahren konfrontiert, damals in Laos.“ (Link: http://www.pushbikegirl.com/radreise-mexiko-der-lange-weg-nach-guatemala/)

Und genau mit den anderen, die wahren Backpacker, sich über die Backpacker Version 2.0 zu unterhalten, hat vieles in Worte gefasst, was uns schon seit geraumer Zeit durch den Kopf ging und Pushbikegirl treffend auf den Punkt bringt. Da kommst du in einem Hostel an und viele laufen da herum wie die Superhelden. Viele glauben wirklich sie haben die ganze Welt gesehen. Anfangs fällt man noch drauf rein und bewundert die Leute. Verbringt man jedoch den Tag mit ihnen, sieht man sehr schnell, wer wirklich was erleben will und nicht nur labert. In jedem Hostel laufen ein paar Backpacker mit Verletzungen umher. Tags zuvor noch ein Moped für 250$ gekauft und ohne jegliche Erfahrung, geschweige Lizenz durch die Gegend gedüst. Am Ende waren sie um ein paar Schwellung und Schürfwunden reicher und das Moped wird für 150$ an einen Einheimischen wieder verkauft. War halt doch keine so gute Idee. Oder etwa doch? Viele haben spannende Geschichten erzählt, wie der TukTuk auf sie zuraste und sie erwischte und die konnten ja absolut nichts dafür. Oder die Bremse nicht so funktionierte wie sie es sich dachten und fast ums Leben gekommen wären. Aber den Spitzenplatz unter den Geschichtenerzählern nimmt ein Deutscher Sport- und Mathematiklehrer ein. Er war zu Fuß unterwegs und hatte sich verlaufen. War an einer Küste und sah seinen Ort. Wusste aber nicht wie er zur Straße zurückkommt. Er beschloss die Felswand der Küste entlang zu klettern. Leider verlor er dabei seinen Rucksack, welcher anschließend im Wasser schwamm. So beschloss er runter zu klettern. Schließlich schwimmt er im Wasser und beschloss zu dem Ort zu schwimmen. Am Ende brauchte er wohl über eine Stunde dafür und die Strömungen und Wellen machten ihn ziemliche zu schaffen. Inzwischen hatten sich einige Leute um ihn geschart und fanden die Geschichte sehr spannend. In unserem Köpfen dachten wir nur, wie blöd muss man sein und zugleich interessant, wie manche ihr ‚nicht so intelligentes Verhalten‘ in Abenteuergeschichten verstecken.

Gehst du mit einem Backpackern Version 2.0 zum Markt und willst ein wenig Obst und Gemüse kaufen, zahlen die Herrschaften gerne mal 4 $ für ein Kilo Obst. Die Einheimischen in Kambodscha zahlen dagegen vielleicht zwischen 10 bis 20 Cent pro Kilo. Der normale Einheimische in Kambodscha verdient vielleicht zwischen 150 bis 200 € im Monat, wenn er denn einen Job hat. Da kann sich jeder selbst Gedanken machen, wie viel Geld ein Einheimischer am Tag zum Leben hat für sich und seine Familie. Da kommen die Westler doch gerade recht 😉
Wir lernten schnell die Regeln des Handelns (dran glauben was die Einheimischen bezahlen und kein schlechtes Gewissen beim handeln haben) und es lohnt sich einfach. Wir bezahlten um die 60 Cent für einen Kilo Obst. Es war nicht immer einfach. Manchmal mussten wir mehrere Stände abklappern, weil hinter uns eine Reihe weiterer Hippies stand, welche willig waren die 4$ zu zahlen. Gehst du mit den Hippies weiter durch die Stadt, schwärmen sie die ganze Zeit davon, wie billig das Leben hier ist. Wir beide müssen uns in solchen Momenten schon zusammenreißen. Zwischendurch wird sich mal in ein ‚günstiger‘ Kaffee für 2$ gegönnt, sich eine SIM-Karte besorgt und das Internet nach der nächsten Busfahrt durchstöbert und das nächste Hostel gebucht. Am Ende folgen die Worte: „Boah voll cool eh, morgen fährt schon um 06:00 Uhr früh der Bus los. Habe soeben das Ticket für Bus und Unterkunft gebucht.“ Erneut müssen wir uns zusammenreißen. Wir fragen, wo es denn als nächstes hingeht und was die Busfahrt so kostet.
Zugegeben, es ist schon Wahnsinn, was die Leute teils in der kurzen Zeit hier so alles erleben. Der eine bucht eine geführte, mehrtägige Tour durch den Dschungel und der nächste bucht eine Tour mit dem Boot durch die Berge von Laos. Auch die Fotos die sie machen, echt sehr schöne Aufnahmen.

Dennoch stellt sich uns und auch vielen anderen Rucksack-Touristen die Frage, was macht einen Backpacker aus? Alles vorweg zu buchen und auf ins Abenteuer und von einem Tourihotspot zum nächsten via VIP-Bus zu springen und nichts davon mitzubekommen, was sich dazwischen abspielt? Fängt nicht das Abenteuer genau da an, wo der Plan aufhört und sich auch mal selber Gedanken zu machen? Klar haben viele Backpacker nur begrenzt Urlaub und wollen soviel mitnehmen wie es geht. Aber wo bleibt noch Platz für die unerwarteten Erlebnisse? Wird das Reisen nicht zu einfach? Wie Groß ist am Ende der Unterschied zwischen einem normalen Touristen, die Pauschalreisenden, und einem Backpacker von heute?
Manche unter den Backpackern stellen sich genau diese Frage und buchen keinen klimatisierten Bus, welcher am nächsten Morgen vor der Tür hält. Stattdessen gehen sie zum Busbahnhof und fahren mit den Einheimischen zum nächsten Ort für 5$ anstatt für 50$. Klar hat das auch viele Nachteile, wie wir bei unserer Busfahrt in Laos selber erlebt haben – keine Klimaanlage, man muss zum Busbahnhof laufen, sich mit Händen und Füßen manchmal verständigen, die Busfahrt dauert anstatt 3 Stunden ganze 12 Stunden, der Bus fungiert gleichzeitig auch als Transportmittel für Holzbretter etc. und noch vieles mehr. In diesem Augenblick sicherlich nicht immer schön, aber dennoch spannend und gerade solche Erlebnisse bleiben in den Erinnerungen hängen. Man begegnet lokalen Leuten und kommt zwangsläufig mit ihnen ins Gespräch und entdeckt die Geschichten und Geheimnisse hinter den Gesichtern. Gleichzeitig schaut man aus dem Fenster und sieht die Landschaft mit anderen Augen. Die Atmosphäre alleine unter lokalen Leuten zu sein und quer durch deren Heimatland zu fahren, ist halt eine andere ganz besondere Erfahrung. Diese Art von Eindrücken bleiben für immer im Gedächtnis! Am Ende spielen auch die Ersparnisse ein untergeordnete Rolle.
Als wir beispielsweise den Bus verließen und unsere Fahrräder vom Dach des Busses holten, hielten auch ein paar VIP-Busse neben uns. Der Fahrer steigt aus und holt die Rucksäcke der Backpacker aus dem Laderaum und setzt sie den Herrschaften bestenfalls noch auf den Rücken. Anschließend gehen die Leute einmal über die Straße, checken im vorgebuchten Hostel ein, gönnen sich was zu essen direkt im Hostel (was in der Regel überteuert ist, nicht gut sein muss und auch nichts mit dem lokalen Essen zu tun haben muss und vielleicht mal gerade ein paar hundert Meter entfernt der lokale Markt ist mit vielen Straßenküchen) und tauschen bei einem Bierchen ihre Abenteuergeschichten miteinander aus und freuen sich auf ihren nächsten gebuchten Trip.
Viele Touren entpuppen sich auch als Sauftouren, wenn man erst einmal vor Ort ist und sich das anschaut. So erlebten wir es in Vang Vieng, Laos. Der Ort, wo viele Backpacker von schwärmen. Überall finden befinden sich Reiseagenturen. Das Angebot reicht reicht von Tubbing, Kajaktour, Zipline bis hin zur Dschungeltour. Das Tubbing zum Beispiel entpuppte sich als Sauftour. Gerade einmal eine Stunde dauerte der Trip und die 10 Leute, welche sich an diesem Tag die Tour gebucht hatten, wurden an einer Bar ausgesetzt. Es war noch Vormittags und nun begann bereits die Kneipentour. Der nächste Tag war für die meisten unter denen im Eimer. Aber echt sehr schöne Fotos, welch e sie gemacht haben mit ihrer GoPro. In Laos aber auch echt nicht so schwierig 😉

Einige Backpacker nutzen bewusst nicht jedes Angebot und buchen alles vor. Stattdessen trampen sie auch mal, wenn auch ungewöhnlich in Südostasien, und schlafen bei Einheimischen. Wir sind vielen teils sehr jungen Leuten begegnet und waren wirklich fasziniert, was die schon erlebt haben und wo die schon überall auf der Welt waren. Authentische Leute und keine Geschichtenerzähler. Den ist es egal wo sie schon waren und es kommt den nicht darauf an wie viel Länder sie schon bereist haben. Schnell bilden sich die Trauben um die Geschichtenerzähler in einem Hostel und manchmal bleiben ein paar mehr Leute zurück und mit denen Unterhält man sich später. So war es auch einmal in Laos, Luang Prabang. Wir verlängerten unseren Aufenthalt von Tag zu Tag, weil es einfach so ein Spaß gemacht hat. Am dritten Tag erfährst du erstmals, wo die schon überall waren und das das eine 19 jährige Mädchen schon in Südamerika gelebt und gearbeitet hat für sechs Monate und unter anderem auf 6000 Meter Höhe gewandert ist. Das macht man mal nicht einfach mal so. Die Luft wird da oben schon ein wenig dünner. Oder ein Pole, welchen wir in Vang Vieng getroffen haben und schon im Himalaya unterwegs war und schon drei über 6000 Meter Gipfel erklommen hat. Noch interessanter werden die Leute für einen, wenn sie erzählen, was sie noch so für Hirngespinste haben und den dabei in die Augen schaust. Am Ende der Tage sitzt man gemeinsam mit den neuen Leuten wieder im Hostel, trinkt ein Bier und beobachtet die Geschichtenerzähler und die sich bildenden Trauben um denen herum. Was ein Spaß so was mit gleichgesinnten zu genießen ^^

Ach ja, es gibt auch die ‚Backpacker‘ die dazu stehen keine zu sein und mit einem Trolley reisen. Wieso bezeichnen wir diese Herrschaften dennoch als Backpacker? Weil sie genau das Gleiche machen wie die Backpacker Version 2.0 und von A nach B mit einem VIP Bus fahren, Touren buchen, im Hostel schlafen und was sonst halt so gemacht wird. Sie unterscheiden sich nur äußerlich. Sehen dadurch ein ein wenig spießiger aus und werden von den Rucksacktouristen schräg angeschaut. Mit denen kann man sich übrigens auch sehr amüsant über diese Thematik unterhalten. Meist sind diese Herrschaften früher auch mit Rucksack gereist und hatten sich im Laufe der Jahre gefragt, wozu sie diesen noch brauchen. Jetzt reisen sie noch entspannter mit dem Trolley und erleben eins zu eins das Gleiche 😉

Die letzten zwei Etappen nach Vientiane

Bis nach Vientiane sollten es noch ca. 155 km sein und planten dafür zwei Tage ein. Laut Höhenprofil sollte die Strecke nicht mit großen Erhebungen aufwarten, zumindest mit keinen die einem Vergleich mit den Bergen entlang der alten Route Nr. 13 zwischen Luang Prabang und Kasi im Entferntesten Stand halten würden. Obwohl die Straße, auf der wir gen Süden radelten, die Hauptverkehrsstraße war, konnte man den Verkehr getrost als bescheiden bezeichnen. Es ging leicht auf und ab durch eine Landschaft, die in schier allen Grüntönen leuchtete, lediglich der Himmel sah trostlos aus und bescherte uns öfters Regen. Mal fanden wir Unterschlupf, mal nicht. Wir schauten in den Himmel, aber weit und breit war kein blaues Loch zu sehen. Stattdessen hier und dort Regenschleier, die auf die üppige tropische Vegetationsdecke fielen. Sobald es zu regnen aufhörte, schwungen wir uns wieder auf unsere Drahtesel. Je weiter der Tag voranschritt, desto mehr schien uns auch der Regen nicht wirklich loszulassen. Eigentlich wollten wir irgendwo unser Zelt aufschlagen, aber da wir gut nass waren und uns langsam kühl wurde, wurde gleichzeitig der Wunsch nach einer warmen Dusche groß. Nicht weit von Hin Hoeup fanden wir nach ca. 62 km Radfahren eine kleine Unterkunft, wo wir uns für eine Nacht einquartierten. Kurz vorher hatten wir uns noch was zu essen gekauft und nach einer warmen Dusche kochte Robert mal wieder ein leckeres Abendmahl 🙂 Am darauffolgenden Tag stand die Schlussetappe nach Vientiane an. Als wir ein paar Stunden später in der Hauptstadt ankamen, zählte unser Tacho knapp 93 km. Die Strecke spulten wir flott runter, es war flach und das Wetter meistens gut. Zwischendurch machten wir ein paar kurze Pausen, essen, trinken und ein Powernap 😉 Wieso oft in Laos, hatten wir auch an diesem Tag ordentlich Mehl, was das Wetter betraf. Oftmals schauten wir uns um und in jede Richtung, in die wir blickten, sahen wir fette Cumulonimbuswolken, die sich ausschütteten oder es in jeden Moment tun könnten. Aber so ganz war das Glück uns doch nicht hold und so gaben die Wolken auf den letzten Schlusskilometern noch einmal Nasses zum Besten. Die nasse rote Erde und die roten Pfützen sprenkelten uns ein schönes Leopardenmuster an Beine und Taschen…

Vientiane, die ruhigste Kapitale Asiens

In Vientiane angekommen, fuhren wir zum nächst besten Hostel und fragten, ob noch zwei Betten für drei Nächte frei sind. Kurze Zeit später waren unsere Räder entladen, dass Gepäck im 10-Bett-Dorm geparkt und wir unter der Dusche. Robert war schon etwas früher fertig als ich und war zwischenzeitlich im Dorm. Wen er dann sah, ließ erst ihn und dann mich zusammenzucken 😀 Bereits auf dem Weg in die laotische Hauptstadt malten wir uns aus, wie es wäre, wenn wir Sam, den wir zuvor in unserem Hostel in Luang Prabang kennengelernt haben, im gleichen Dorm in Vientiane wiedersehen würden. Unser einhelliges Fazit war: Bloß nicht! 😀 Denn: Sam schnarcht wie eine ganze Bärenfamilie! Sam und Greg pennten im gleichen Dorm in Luang Prabang. Greg hatte auch mal das Schnarchen aufgenommen 😀 Und dieses ging auf keine Kuhhaut!
Als Robert zur Dusche kam und mich in schockiert-amüsanten Ton fragte, wen er denn gerade im Dorm gesehen hat, konnte ich mir schon denken, wer es war 😀 DJ Sam is in da house!

Abends schlenderten wir durch die Straßen der Innenstadt Vientianes und hofften, was Leckeres zum Essen zu finden. Vor einem Supermarkt wurden wir fündig und eine kleine Garküche zauberte uns zwei leckere, aber zu kleine Portionen Fried Rice mit Gemüse und Ei. Auf einmal kam ein Mädel vorbei, deren Gesicht uns bekannt vorkam. Robert reagierte fix und rief ihr zu. Daraufhin drehte sie sich zu uns, lächelte, gesellte sich zu uns und den Rest des Abends verbrachten wir zusammen. Bei unserer Begegnung handelte es um Ilaria. Sie kommt aus bella Italia und wir kennen sie aus dem gleichen Dorm in Vang Vieng 😀 Nach dem Essen gingen wir zu einem lokalen Nachtmarkt, wo es hauptsächlich Essen gab. Wir gönnten uns reichlich davon und gesellten uns zu einer Gruppe von Einheimischen, die gerade Botcha spielten und ließen dort den Abend entspannt ausklingen 🙂 Am nächsten Tag sollten wir uns wiedersehen, da wir das ‚COPE Visitor Center‘ zusammen besuchen wollten.

Am nächsten Morgen bestand unsere erste Aufgabe darin, zur thailändischen Botschaft zu fahren, um unser Touristen-Visa für Thailand zu beantragen. Zwar hat man die Möglichkeit als deutscher Staatsbürger Thailand für 30 Tage ohne Visum zu bereisen, aber eine Verlängerung um weitere 30 Tage kostet 1.900 Baht (ca. 50 €). Da das Touristenvisa einen 60-Tage-Aufenthalt genehmigt und lediglich 1.000 Baht kostet (ca. 26 €), haben wir uns für dieses entschieden. Auf dem Weg zur Botschaft haben wir noch fix Geld getauscht, denn das Thai-Visum ist nur in Baht zu bezahlen. Um 8:45 Uhr waren wir dort, haben den Visa-Antrag ausgefüllt, Passfotos raufgeklebt und zusammen mit unseren Pässen abgegeben. Am nächsten Nachmittag konnten wir unsere Visa abholen. Alles in allem ging die Prozedur sehr schnell und unkompliziert von statten 🙂 Feine Sache!

Nachmittags haben wir uns wieder mit Ilaria getroffen und sind zum ‚COPE Visitor Center‘ geschlendert. COPE steht für ‚Cooperative Orthotic and Prosthetic Enterprise‘ und ist eine Non-Profit-Organization, welche ein Rehabilitationscenter unterhält und den Überlebenden von nicht explodierten Kriegsmaterial medizinische Hilfe und Versorgung, Prothesen und Orthesen sowie Physiotherapie und Aufklärung bereitstellt. Bereits als wir das Gelände betraten, bekamen wir einen ersten Eindruck wie lange die Folgen des Vietnamkrieges bis heute noch in Laos nachwirken. Wir hörten laute Stimmen, Geräusche von prallenden Bällen und eine Pfeife. In der Sporthalle vor uns sahen wir zwei Reihen Rollstuhlfahrerinnen in V-Formation. Sie fuhren auf den Korb zu, passten sich dabei Bälle zu und hin und wieder versenkten sie welche im Korb. Ausnahmslos alle Frauen hatten eine Beinprothese. Manchen fehlte der Unterschenkel oder das komplette Bein oder gar beide Beine. Der japanische Trainer gab lautstark Anweisungen.
Laos hält den traurigen Rekord, das meist bombardierte Land der Welt zu sein. Und das, obwohl es sich zur Zeit des Vietnamkrieges nicht im Krieg befand. Über keinem anderen Land zuvor wurden so viel (Cluster-)Bomben abgeworfen wie über Laos. Selbst das Material was im Zweiten Weltkrieg über Deutschland und Japan zusammen abgeworfen wurde, kommt nicht an die Masse ran, die Laos traf. Im Schnitt wurden im Zeitraum 1964 bis 1973 alle acht Minuten eine Flugzeugladung Bomben über Laos abgeworfen. Von ca. 270 Mio. Clusterbomben sind schätzungsweise bis zu 30 % Blindgänger und seit Ende des Vietnamkrieges sind infolge jener Blindgänger ca. 20.000 Menschen gestorben. Viele andere haben beim Kochen (der Blindgänger liegt bspw. wenige cm unter der Erde und die vom Kochen ausgehende Hitze sorgt für die Detonation), bei der landwirtschaftlichen Arbeit (z.B. trifft die Spitzehacke den tennisballgroßen Blindgänger) oder beim Spielen (da sie von Kindern oftmals nicht als Bombe erkannt werden) Arme, Beine oder das Augenlicht verloren. Noch immer lauern millionen Blindgänger im Boden, deren Räumung wahrscheinlich noch Jahrzehnte dauern wird.

Auf dem Rückweg fällt uns auf, dass Vientiane wohl die gemütlichste Hauptstadt in Südostasien ist, also im Vergleich zu den Ländern, wo wir die Hauptstädte gesehen haben. Vientiane zählt lediglich rund 400.000 Einwohner, im kleinen Zentrum, wo sich viele Geschäfte, Bars, Restaurants und Hotels befinden, hat man den Eindruck in einer modernen Großstadt zu verweilen. Im Vergleich zu anderen Städten in Laos wie z.B. Xam Neua, Vieng Xai, Luang Prabang oder Vang Vieng ist die Hauptstadt die geschäftigste und hektischste – aber das ist nur der laotische Maßstab 😉 Außerhalb des Zentrums und der viel befahrenen Straßen wirkt Vientiane eher wie eine Kleinstadt und bisweilen gar dörflich. Nach 22 Uhr sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht. Leuchtende Werbereklamen wie in Bangkok oder Clubs sind hier weitestgehend Fehlanzeige. Nicht von ungefähr wird die Kapitale Laos‘ als die ruhigste Hauptstadt Asiens angesehen. Auf dem Weg zum Nachtmarkt schmunzeln wir drei über das schier bunt zusammengewürfelte Stadtbild. Wir passieren teils restaurierte oder verwitterte Kolonialvillen (aus der frz. Kolonialzeit), formlose Betonklötze die an die sozialistische Einheitsarchitektur erinnern, moderne Glas-Beton-Bauten à la Ami-Land, zahlreiche buddhistische Tempel, Pfahlbauten und neobarocke Prachtbauten, wir schlenderten über eine breite Prachtstraße, die zum prunkvollen ‚Patuxai‘ (quasi der laotische Arc de Triomphe) führt, gehen durch ruhige und grüne Straßenzüge, miffige und dunkle Gassen. Und überall dazwischen und entlang der Straßen die vielen vielen schwarzen Stromkabelbündel, die dort hängen wie lange Spaghetti auf Nudelständern bei ihrer Trocknung in irgendeinem kleinen Ort in den Abruzzen. Noch kratzt kein Wolkenkratzer am blauen Tropenhimmel, aber Vientiane verändert sich. Vor wenigen Jahren waren viele Straßen noch unasphaltiert und das Ufer noch nicht unbebaut. Reisende, die vor uns da waren, müssen ein ganz anderes Vientiane gesehen haben als wir jetzt. Zukünftige Reisende werden wiederum ein ganz anderes Vientiane sehen als wir in jenen Tagen. Das wird schon allein an einem riesigen Baugebiet mit ebenso riesigen Illustrationen des Bauprojekts unweit des COPE Visitor Centers sichtbar. Die großen Tafeln zeigen große Wolkenkratzer, eine exorbitant große Shopping-Mall, luxuriöse Wohnkomplexe und einen grünen Park. Man hat den Eindruck, hier entstehe ein neues Stadtviertel. Irgendwie wirkt das vor dem Hintergrund, was wir alles in Laos und v.a. in Vientiane gesehen haben, fremd und surreal, so wie ein futuristisches Raumschiff in einer (noch) übersichtlichen Großstadt, die in eine grüne Vegetationsdecke eingehüllt ist. Ein paar Meter weiter bestätigt sich unser Eindruck. Während draußen die vielen Garküchen dampfen und die zahlreichen kleinen Straßengeschäfte brummen, herrscht in einer großen Shopping-Mall gähnende Leere … Man darf gespannt sein, wie Vientiane sich in den kommenden Jahren ändert und mit ihr das städtische Leben.

Abends sitzen wir wieder bei den Botcha-Spielern beim Nachtmarkt und lassen den Tag allmählich ausklingeln. Am nächsten Tag wird Ilaria in den Süden Laos‘ weiterfahren und wir die Grenze nach Thailand überqueren. Zurück im Hostel ist Sam wieder am entertainen 🙂 Er, sein Handy und seine JBL-Musikbox sind quasi unzertrennlich und er empfängt uns mit einem breiten Lächeln und offenen Armen. Wir sitzen alle noch ein wenig zusammen, quatschen und lachen, auch Ramin aus dem Iran gesellt sich zu uns. Er kommt aus Shiraz, wo wir auch ein paar Tage verbrachten und daher viel zu erzählen hatten 🙂 Sam machte sich derweil auf ins Bett. Irgendwann gingen wir auch ins Dorm, um zu pennen. Als wir die Tür öffneten, erklang eine wahre Schnarchovertüre, Sam und ein korpulenter Inder gaben ihr Bestes. Markerschütternde Töne. Richard Wagner wäre vor Neid erblasst. Dezibelmassaker sozusagen. Ein Scooter-Konzert wirkt dagegen wie ein Ausflug zu einem Gesangsnachmittag im Seniorenheim der Volkssolidarität. Zusammen mit Flavien und Julie, die beide in den Betten über uns lagen, weckten wir Sam. Wir sagten scherzenshalber, er soll lieber wieder seine Musik spielen als zu schnarchen 😀 Aber Sam wäre nicht Sam, wenn er das nicht als Aufforderung betrachten würde^^ Mit den typischen Sam-Worten „Fuck you man, you wanna have music, I gonna play that music!“ holte er Laptop und Musikbox raus und die Bee Gees ließen im Dorm die 70er-Diskozeit aufleben 😀 Fehlten nur noch die obligatorische Diskokugel und der coole ‚Huggy Bear‘. Wir vier grienten und zogen uns die Decke bis zur Nase und lachten unter der Decke weiter. „He Sam, is‘ zwar gerade äußerst amüsant, aber mach die Mugge aus. Das war scherzhaft gemeint und die anderen im Raum wollen schlafen“ sagten wir und Sam gab daraufhin den 80er-Jahre-Knüller ‚We didn’t start the fire‘ zum Besten und schaute verduzt durch den Raum. Wir konnten nicht mehr vor Lachen 😀 „Dance, Tobi!“ erwiderte Sam. Ach, herrlich unser Sam. Mit ihm haste – bis auf das Schnarchen – immer ’ne gudde Zeit! 🙂 Eine Spanierin wachte auf und wurde quasi zur ‚furia roja‘, Sam schaute nur mit großen liebevollen Hundeaugen und sagte, er wolle doch nur Leute zum Tanzen bringen 😀 Kurze Zeit später erlosch der letzte Diskosound und die Meute fiel in den Schlaf. Schlussakkord: Viva la Ohropax und unserem tiefen Schlaf!

Eine andere Nachtgeschichte, die sich zuvor ereignete 😀 Wir sagen nur „Alkohol du böser Geist“ 😀 Irgendwann in der Nacht wachte ich beim Drehen auf und sah im dunklen Zimmer eine Silhouette am Fußende meines Bettes. Mich ließ der Eindruck nicht los, dass ich ein Pinkelgeräusch hörte. Und tatsächlich war dem auch so! Ein Typ aus dem Dorm strullerte auf den Rucksack von Flavien und ich fragte noch schlaftrunken, ob er gerade dahin pisst. Er faselte etwas, was ich nicht verstand und legte sich wieder schlafen. Flavien war inzwischen auch aus seinem Schlaf erwacht und ich erzählte ihm was passiert war. Daraufhin gingen wir erst einmal in die Lobby und Flavien musste auf den Schock erst einmal eine rauchen. Es war quasi Glück im Unglück, denn die zwei T-Shirts, die auf dem Rucksack lagen, fingen den Urin auf und verhinderten, dass er in den Rucksack durchsickerte. Am nächsten Morgen sprach Flavien den Typen an, dem es sichtlich unangenehm war, was passiert ist. Er entschuldigte sich, bezahlte das Waschgeld und erzählte vom vorherigen Abend. Er war mit ein paar Vietnamesen aus, Freunde von den Besitzern des Hostels und dabei floss reichlich Alkohol. Aber nicht so’n Alkohol, den du überall an der Theke bekommst. Es war irgendwas fieses Selbstgebranntes, was einem den Gar aus machte. Absoluter Hangover! Er wusste gar nicht mehr, wie er in seinem Bett gelandet ist 😀 Jaja, Hostels sind wahrlich ein Sammelsurium an kuriosen Geschichten…haha.

Tschüss Laos

Am Tag unseres Abschiedes aus Laos, standen wir vor dem Hostel noch mit ein paar Jungs zusammen und quatschten fröhlich vor uns hin. Dann viel die Frage: Woher kommt ihr eigentlich? Der Junge aus der Mitte kommt aus Schiraz, Iran. Dort waren wir auch während unsereres Iran-Aufenthalts:-) Der Typ rechts kommt aus Israel und links steht der breite Sam aus Pakistan. Darunter wir zwei Deutsche. Wir hatten erst einmal kräftig über diese Konstellation gelacht und ja, wir leben noch – „The World is one big familiy – peace out there ;-).
Einen Vietnamesen hatten wir gebeten, ein Foto von uns zu machen. Es war nicht möglich, dass wir alle zur gleichen Zeit in die Kamera schauen. Nachdem wir uns verabschiedet haben und wir wieder auf den Rädern saßen, hatten wir noch rund 22 km bis zur laotisch-thailändischen Grenze vor uns, die wir fix runterspulten.

Als wir an der Grenze ankamen, sahen wir einige große Menschenströme. Einheimische, Thailänder, Backpacker, Senioren, Touribusse, alle standen sie an der Immigration Control. Bevor wir diese aber passieren konnten, brauchten wir noch ein Formblatt, welches wir ausfüllen mussten. Irgendwie war das alles nicht ganz klar ausgeschildert und wir schauten erst einmal verdattert aus der Wäsche. Während wir vor einem Schalter warteten und sahen, wie der Beamte einen riesen Berg Reisepässe (wahrscheinlich von den Businsassen) abstempelte, kam Freude auf 😀 Ca. 10 Minuten später hatten wir das Organisationsblatt und füllten es aus. Ab zur Immigration Control, Pass und Blatt abgeben und den Ausreisestempel kassieren. Tschüss Laos! Auf den folgenden Metern kreuzten sich zwei Straßen und wir dürfen von nun an wieder Linksverkehr genießen. In der Mitte der Freundschaftsbrücke, welche den Mekong von Laos nach Thailand überspannt, machten wir Halt und ein Foto. Aber nicht irgendein Foto. Ivan hat uns gebeten, dass, wenn wir diese Brücke überqueren sollten, wir bitte ein Foto machen und ihm schicken sollen. Ivan hatten wir an unserem letzten Tag in Ungarn in der Stadt Baja vor einem Supermarkt getroffen (link-s. Bild). Er sprach uns damals an und fragte wohin denn die Reise gehen würde. Und als er Thailand und Laos hörte, fingen seine Augen an zu leuchten und führte zu dem, was ihr unten seht 😉

2018-11-04T14:59:36+00:00 10.07.2017|Laos|0 Kommentare