49 | Zurück in Thailand

16.06. – 10.08.2017 | Da waren wir nun endlich. Wieder zurück in Thailand! 🙂 Während der letzten Tage wurde unsere Vorfreude auf Thailand immer größer. Laos hat uns zwar landschaftlich sehr verzückt, von den Leuten her aber weniger. Iran ist da eine ganz andere Liga! Und auch Thailand. Wir erinnern uns noch allzu gut, als wir das erste Mal in Thailand ankamen, das war am 25. Dezember 2016, und gleich die erste Nacht außerhalb des Hostel verbringen durften, weil wir versehentlich ausgesperrt wurden. Wir fragten damals ein paar Einheimische, ob wir bei ihnen zu Hause ein paar Stunden auf dem Boden schlafen könnten bis das Hostel wieder seine Pforten öffnet. Von noch fünf Wochen äußerst herzliche iranische Gastfreundschaft verwöhnt, waren wir irritiert, als die Leute alle nein sagten. Wir empfanden die Leute damals als irgendwie kalt, distanziert und wenig hilfsbereit. In solchen Momenten muss man dann reflektieren und sich einerseits selber die Frage ganz ehrlich beantworten, ob man in der gleichen Situation einem Fremden ohne Vorbehalte und Misstrauen Unterschlupf gewährt hätte. Andererseits muss man sich bewusstwerden und auch hier die Frage stellen, dass man sich wieder in einem anderen Kulturraum befindet und dort mit ‚dem Fremden und Unbekannten‘ anders umgegangen wird als in anderen Teilen der Welt. Wie gesagt, wir waren vom Iran begeistert und fasziniert, wie schnell wir aufgenommen wurden und mit was für einer Herzlichkeit und Vertrautheit. Die Erlebnisse während der ersten Nacht in Bangkok waren unsere ersten Erfahrungen mit der thailändischen Gastfreundschaft und es wäre töricht gewesen, diese in eine Schublade zu stecken und es dabei zu belassen. Während unseren ersten Aufenthaltes haben wir natürlich die Thailänder besser kennengelernt und sie sind sehr wohl freundlich, offen und hilfsbereit 🙂 Das sahen wir dann auch auf dem Weg nach Poipet, als wir nach Kambodscha on the road waren.

Nachdem wir unseren Einreisestempel in den Pass bekamen (wir dürfen nun bis zum 14. August im Land verweilen), zierte ein Lächeln unsere Gesichter. Endlich wieder in Thailand. Die Leute lächeln wieder herzlich, kommen auf einen zu, machen Scherze, die Schlafplatzsuche dürfte sich wieder als weitaus unkomplizierter erweisen als in Laos und die Preise sind billiger. Wahrscheinlich könnte man jetzt und nach dem Lesen der beiden Laos-Beiträge als Leser den Eindruck bekommen, dass wir Laos von der menschlichen Seite her – zugegeben etwas überspitzt formuliert – ‚gefressen‘ haben. Wir hatten auch schon überlegt, ob das unserem Auftreten geschuldet war, aber andere Reisende haben ebenfalls ähnliche Erfahrungen gemacht.

Der Grenzübergang in Nong Khai ging unkompliziert von statten. Wir erreichten ein Gebäude mit der Aufschrift ‚Arrival‘ und so war klar, wo wir hin mussten. Eine junge Dame gab uns einen Zettel, den es auszufüllen galt. Danach stellten wir uns in einerder vielen Menschenschlangen und warteten bis wir an den Schalter herantreten durften. Fix Pass kontrolliert, Stempel kassiert, raus zu den Fahrrädern und zum nächsten ATM und Supermarkt.

Road stories

Nachdem wir Geld abgehoben und etwas kulinarische Stärkung gekauft hatten, überlegten wir, wie wir an jenem Tag fortfahren würden. Es war mittlerweile gegen 16 Uhr und wir überlegten laut, ob wir in Nong Khai eine Unterkunft suchen oder noch bis Udon Thani in ca. 55 km Entfernung fahren sollten. Wir fühlten uns gut und setzten daher den Weg weiter nach Udon Thani fort. Auf dem breiten Seitenstreifen ging es quasi nur geradeaus und die Strecke war durchweg eben. Als wir in Udon Thani ankamen war es bereits dunkel. Im Stadtzentrum machten wir halt, schauten auf unsere Offline-Karte zwecks Unterkünfte. Wir wurden fix fündig und radelten zur Ankunft. Nachdem wir die Räder entladen und uns geduscht haben, ging es wieder raus in die Stadt auf der Suche nach Essem 🙂 An einer Garküche haben wir was Leckeres gefunden, nur leider war auch hier die Portion zu klein 😀 Danach setzten wir unseren Gang durch das nächtliche Udon Thani fort …

Am folgenden Morgen ging es weiter auf der Hauptverkehrsader im Nordosten Thailands gen Khon Kaen, was noch ca. 150 km entfernt war. Die Kilometer zogen nur so von dannen, ebenso die grüne Landschaft zu beiden Seiten der Straße. Grüne satte Reisfelder durchsät von Palmen. Der Himmel hingegen wurde zunehmend düster und düsterer, riesige Cumulonimbus zeichneten sich ab und es war nur noch eine Frage der Zeit bis es wie aus Eimern schütten sollte. Wir erreichten einen großen Rasthof, einer dieser, die wir schon vor knapp einem halben Jahr auf unserem Weg von Bangkok nach Kambodscha kannten. Neben der obligatorischen Tanke gab es auch hier 7eleven (Supermarkt), Amazon Café, ein paar weitere Shops und Restaurants sowie Sanitäranlagen. Damals hatten wir schon auf zwei solcher Rasthöfe genächtigt und damit gute Erfahrungen gemacht und so blickten wir auch positiv drein, dass es auch hier klappen würde. Am Rasthof angekommen, stellten wir unsere Räder ab und wandelten ein bisschen über das Gelände, um einen Schlafspot zu suchen. Zwar gab es einen guten Rasen, aber wenn es regnen sollte, könnte sich dieser als ordentlichen Sumpf erweisen. Kurze Zeit später blieben wir vor einem Restaurant mit einem großen Vordach stehen und beäugten eine betonierte Fläche, die locker unsere zwei Zelte beherbergen könnte. Während Robert und ich überlegten, schauten uns die Mitarbeiter des Restaurants mit großen und neugierigen Augen an. Offensichtlich ahnten sie schon, was in unseren Köpfen vor sich ging. Wir gingen auf eine der Mitarbeiterin zu und fragten sie, ob wir unsere Zelte neben dem Restaurant aufstellen dürfte. Sie meinte es wäre kein Problem, sicherheitshalber sollten wir aber ihre Chefin fragen. Und die sagte „ja, kein Problem!“ und fügte hinzu, dass wir die Zelte aber erst nach 21 Uhr aufbauen sollten. Bis dahin waren es noch zwei Stunden, aber wir hatten damit überhaupt kein Problem. Wir nutzten die Zeit zum Duschen, Essen und das Ausnutzen des WiFi. Was wir vorher schon beim Radeln am Himmel gesehen haben, sollte sich nun bewahrheiten. Die Wolken öffneten ihre schier unendlich großen Wasserluken und die Erde schien zu ertrinken. Der Regen hielt zwar nur für rund 20 Minuten an, aber was da an Wassermassen runterkam war schon heftig! Die Räder der Autos versanken zur Hälfe im Wasser und fuhren, wenn überhaupt, nur sehr langsam. Zum Glück zelteten wir nicht unterm freien Himmel, denn wir waren uns nicht sicher, ob unsere Zelte diesen Wassermassen Stand halten würden. Inzwischen war unsere potenzielle Schlaffläche ordentlich nass und die Chefin des Restaurants zeigte uns einen neuen Platz unter dem großen Dach des kulinarischen Tempels. So stellten wir unsere Innenzelte zwischen Mülltonnen, Essensresten und Bergen von ungewaschenen Geschirrs ab. Zwar roch es nicht wirklich appetitlich, aber Hauptsache einen Schlafplatz im Trockenen^^

Ein tolles Fleckchen Natur

Am nächsten Tag kamen wir gegen Mittag in Khon Kaen an, wo wir erst zwei Nächte bleiben wollten, dann aber noch spontan eine weitere Nacht verlängerten. Khon Kaen gilt als eine der wichtigsten wirtschaftlichen, kulturellen, Bildungs- und Verkehrszentren des Isan (Nordostthailand). Absolutes Highlight unseres Aufenthaltes in Khon Kaen war der Ausflug mit dem Motorroller in den Nam Phong Nationalpark, genauer gesagt zum Hin Chang Si Aussichtspunkt. Unweit unserer Unterkunft fanden wir ein Motorradverleih und liehen uns einen Motorroller für einen Tag. Da Rob auch einen Motorradführerschein hat, fühlte ich mich ganz sicher auf dem Rücksitz. Der Verkehr war im Zentrum der Stadt gut frequentiert und so machten wir es den Einheimischen gleich und schlängelten uns zwischen den Autos durch. Und schon befanden wir uns auf dem Highway und bretterten über diesen hinweg. Nach ca. 15 km nahmen wir eine Abzweigung und ließen den Highway hinter uns. Die Landstraße führte uns durch kleine Dörfer, grüne Reisfelder und lichte Wälder. Am Eingang des Nationalparks ließ uns der Parkwächter ohne Eintritt gewähren. Feine Sache 🙂 und parkten den Motorroller am Ende der Straße. Bis zum Hin Chang Si Aussichtspunkt waren es nur noch ca. 300 m. ‚Hin Chang Si‘ bedeutet ‚Rock of Elephant Colour‘ (auf Deutsch in etwa ‚Fels der Elefantenhaut‘). Die Legende besagt, dass hier vor langer Zeit viele Elefanten lebten und sich an den riesigen, bizarr geformten Felsen schubberten. Daher auch der Name. Wir kamen quasi im richtigen Moment an und waren geflasht vom grandiosen Ausblick über das Ubol Ratana Dam Reservoir!! Ein traumhaftes Fleckchen Natur, absolut geil! Aber seht selbst 😉

Schlafplatzsuche kann so unkompliziert sein

Bis zur nächsten großen Stadt (Nakhon Ratchasima) waren es rund 190 km. 190 km quasi nur gerade aus 😀 Khon Kaen hatten wir längst hinter uns gelassen und brutzelten in der Sonne. Wir passierten drei Arbeiter am Straßenrand und ein Motorrad mit Verkaufsstand. Ein flüchtiger Blick verriet uns, dass der Motorradfahrer irgendwas frisches zum Trinken verkauft. „Das wäre jetzt geil“ dachten wir und überlegten, ob wir umdrehen sollen. Wir entschieden uns letztendlich dagegen und werden ihn anhalten, wenn er uns überholen würde. Um dem war dann auch so. Er düste an uns vorbei und wir riefen ihm laut hinterher. Daraufhin drehte er sich um, lächelte und hielt an. Wir sagten, dass wir zwei tolle Frischgetränke haben möchten. Kurze Zeit später standen Robert und ich im Schatten der Bäume und schlürften unser fruchtiges Eissorbee-Bubble-Irgendwas-Getränk 🙂

Die Sonne kündigte so langsam ihren Abschied an und versank langsam hinter den aufgetürmten Cumulonimbus-Wolken und ließ deren Wolkenränder in einem knackigen Warmton erscheinen. Wir hielten unsere Augen für einen Schlafplatz offen und erspähten einen großen Sportplatz. Wie sich herausstellen sollte, befand sich der Sportplatz und eine große Sporthalle auf dem Gelände der Feuerwehr. Ich ging zum Feuerwehrgebäude und fragte nach, ob es möglich wäre, in der Sporthalle für eine Nacht zu schlafen. Sowohl die Frau als auch der Mann, die mir gegenüberstanden, bejahten dies mit einem herzlichen Lächeln. So schoben wir anschließend unsere Räder in die Halle und richteten unseren Schlafplatz her. Wieder dachten wir an Laos zurück und freuten uns umso mehr, dass es hier in Thailand so easy und unkompliziert ist, einen Schlafplatz zu finden 🙂 Anschließend gab es leckeres Abendessen 🙂

Die nächste Nacht verbrachten wir auf einem Schulgelände. Als wir auf dem Gelände ankamen, fanden wir eine Dame und später einen Herren vor. Beide sind Lehrer an der Schule und ließen uns frei gewähren. Wir bauten unsere Innenzelte auf, duschten und kochten uns was leckeres zu Abend. Da es eine Schule ist, wussten wir, dass wir am folgenden Morgen früh aus den Federn müssen, wenn wir nicht von den Kindern geweckt werden wollen 😀 Zehn Kinderköpfe und zwanzig große, neugierig blickende Augenpaare, die durch das Innenzelt auf einen herab schauten, erschien uns doch etwas unbehaglich. Da gibt es deutlich schönere Arten geweckt zu werden…haha. Aber an schlafen war vorerst nicht zu denken. Wie so oft in Südostasien. Egal ob jetzt in Thailand oder zuvor in Laos, Vietnam oder Kambodscha. Auch während der Nacht empfinden wir die Temperaturen als deutlich zu warm für einen gemütlichen und erholsamen Schlaf. Darüber hinaus tat die Schwüle ihr Übriges. Zwar bauen wir in solchen Nächten nur unsere Innenzelte auf, welche zu weiten Teilen durch ein engmaschiges Moskitonetz geprägt sind. Aber dennoch hält es frische Luft ab und sobald man in das Innenzelt krabbelt, merkt man den Temperaturunterschied deutlich. Sauna light. Da liegste nun auf deiner schönen Isomatte und das auch nur im Schlüpper, willst schlafen und merkst jeden einzelnen Schweißtropfen, der sich durch die Pore drängt und anschließend an deiner Haut hinunterperlt. Schön ist anders. Ihr könnt ja mal versuchen, in einem gut beheizten Gewächshaus zu schlafen 😉 Sicherlich spielt beim Obengenannten auch die Sache rein, wo man sein Zelt aufstellt. Wir haben es auf Fliesen unter einem Vordach aufgestellt, da wir aufgrund der vorherigen Nächte nie sicher sein konnten, ob wir nachts von Prasselregen heimgesucht werden – oder eben auch nicht. Da die Sonne tagsüber ordentlich brennt und so auch die Fliesen ordentlich einheizt, speichern sie die Wärme und geben sie abends bzw. nachts wieder an die nähere Umgebung ab. Und dann haste dein warmes Zelt… 😀

Gerädert von der Nacht (Hitze und Highwayverkehr, unser Schlafplatz befand sich lediglich ca. 150 m von der Hauptverkehrsstraße entfernt) krabbelten wir aus unseren Zelten und bauten alles ab und packten zusammen. Während noch ein paar Sachen trockneten (wie z.B. die Isomatte^^), kamen die ersten Schüler und warfen schüchterne Blicke zu uns rüber. Ihre Blicke fragten, was wir ‚Farangs‘ (thailändisch, bedeutet ‚Fremder, Ausländer‘) hier machen. Manche hielten Abstand, andere näherten sich und schauten zu, was wir machten. Mit der Zeit kamen immer mehr Schüler und das Gelände verwandelte sich langsam von einem ruhigen Schlafplatz zu einem HalliGalli-Eldorado 🙂 Eine ältere Lehrerin spendierte jedem eine Nudelsuppe und so saßen wir zu dritt an einem Tisch, erzählten, lächelten und beobachteten die wild spielenden Kinder. Ab und zu tauchte spontan ein Schüler oder eine Schülerin wie aus dem Nichts vor uns auf, stand stramm und erzählte uns wasserfallartig was auf Englisch. Verstanden haben wir nicht wirklich viel und fragten uns, warum die das denn machen. Erst ein wenig später schnallten wir, dass die Lehrerin, die Schüler mit einem strengen Blick herbei bat. Irgendwann kam eine zweite Lehrerin herbei und fragte, ob wir eine gute Nacht hatten. Sie gesellte sich zu uns und wir hielten einen kurzen Plausch. Zu der vorherigen Nudelsuppe gesellten sich jetzt noch Schweinefleisch und was Süßes auf Maisbasis, was unser sympathisches und korpulentes Gegenüber spendierte. Nach einer weiteren kurzen Weile kam eine dritte Lehrerin herbei und begrüßte uns mit einem breiten Lächeln. „Die schaut nicht schlecht aus“ sagten wir mit einem Schmunzeln, welches sich ein paar Augenblicke später in ein „Was hat sie uns gerade gefragt?“ (mit großen und fragenden Augen) verwandelte. Denn sie fragte uns, ob wir frei seien! Die korpulente Lehrerin sprang auf den Zug auf und meinte zu uns „sie schaut doch schick aus oder!?“ 😀 Kurze Zeit später fanden wir uns vor einer Klasse wieder (wir wurden von der einen Lehrerin gefragt, ob wir nicht Lust hätten, mal kurz in ihre Klasse vorbei zu schauen). Und nun standen wir da. Vor vielen vielen Augenpaaren. Mir war es nicht wirklich angenehm vor der Klasse zu stehen, zum Glück war Robert dabei, der ein bisschen von unserer Reise berichtete und ein paar Fragen an die Schüler richtete, die kicherten, als ob sie einen berühmten Popstar (Justin Bieber ^^) vor sich sähen. Nach und nach kamen die Schüler zu uns nach vorne und machten ein Foto mit uns. Willkommen in Thailand 😉

Nicht mehr weit bis Bangkok

Die Schule hatten wir längst hinter uns und wir auf den Weg nach Nakhon Ratchasima, welche zu den fünf größten Städten Thailands gehört. Dort verbrachten wir vier Nächte, wobei wir die letzten zwei spontan verlängerten, da ich mich nicht gut fühlte. Nakhon Ratchasima empfanden wir als eine Großstadt, welche sich nicht großartig von Udon Thani oder Khon Kaen unterschied und mit nichts wirklich besonderem aufwartet. So streiften wir tagsüber durch die Straßen und abends über den Nachtmarkt. Nach der vierten Nacht stellte sich bei mir nicht wirklich Besserung ein und da unsere Vorfreude auf Bangkok größer wurde, je näher wir dieser Metropole kamen (endlich wieder Thai Chicken Cashew in unserem Lieblingsrestaurant und Rotee bei Sarah essen :-), beschlossen wir, dass ich einen Nachtzug von Nakhon Ratchasima nehme und Robert die restliche Strecke nach Bangkok allein mit dem Fahrrad zurücklegt. Gegen Mittag machte sich Robert auf den Weg nach Bangkok und ich fuhr zum Bahnhof, um nach Abfahrtszeiten, Preise und Fahrradtransport nachzufragen. Mein Zug sollte um 23:35 Uhr abfahren und das Ticket plus Fahrradtransport fünf Euro kosten. Da kannste nicht meckern. Als ich abends am Bahnhof ankam, leitete ein Sicherheitsmann mich zum Sektor, wo der Transportwaggon halten sollte. Das Fahrrad hievte ich fix in den Waggon und zwei Männer, die sich für die Verstauung der Fahrräder, Motorräder und Co. verantwortlich zeichneten, packten meine Fahrradtaschen und wuchteten sie in den Waggon. Nachdem alles verstaut war, ging ich zu den Sitzplätzen. Das gestaltete sich ein wenig als Hindernislauf, denn die Sitze waren kurz und überall hingen die Unterschenkel im Flur. Alles im Zug war grün, die Wände, der Boden, die Decke, die Sitze und so fühlte ich mich wie eine Made in einer Olive 😀 Die kurzen Sitze waren nicht wirklich gemütlich für eine Nacht im Zug und so döste ich eher als das ich schlief. Am nächsten Morgen um 5:30 Uhr kam ich in Bangkok an und fuhr die restlichen Kilometer zum Spinning Bear Hostel 🙂

Roberts Fahrt nach Bangkok

Da war ich das erste mal wieder seit Vietnam alleine unterwegs. Meine Beine fühlten sich schwer an und ich fing bereits ab Kilometer 50 an zu kämpfen. Konnte mich nicht erinnern, auf der gesamten Reise schon mal solche schweren Beine gehabt zu haben.
Ich hatte mir vorgenommen in drei, maximal vier Tagen die 300 km bis nach Bangkok abzuspulen. Ab Kilometer 60 ging es in einen Nationalpark. Sehr schöne Landschaft, wenn da nicht die Anstiege gewesen wären. Meine Beine schrien nach einer längeren Pause. Das Wetter war an diesem Tag zum Glück gnädig. Überall schien es zu regnen, nur nicht da wo ich mich gerade aufhielt. Teils fuhr ich über nassen Asphalt ohne auch nur einen Tropfen abbekommen zu haben.

Inmitten des Nationalparks fragte ich auf einer Art Erlebnispark, ob ich für eine Nacht hier mein Zelt aufschlagen dürfte. Leider wurde mir dies verwehrt. Ich hatte überhaupt keine Lust mehr mich noch zu bewegen. Aber was solls, will ja nicht jammern 😉 Ein paar hundert Meter weiter sah ich den lokalen Markt. Die Sonne war inzwischen schon hinterm Horizont verschwunden. Dieses Mal hatte ich Glück und die Herrschaften führten mich zu einem nahegelegenem Kloster und stellten mich den Mönchen vor. Die waren sehr freundlich zu mir und boten mir einen Schlafplatz im Gebäude an. Dazu bekam ich noch ein bisschen zu Essen und Trinken. Geile Sache 😀 Der Tag war mal wieder gerettet und am Ende standen sogar 83 km auf dem Tacho.

Die Nacht schlief ich sehr unruhig. Hatte das Gefühl, mein Körper kämpft gegen eine Erkältung. Mh, wenn das so verläuft wie bei Tobi, dann sollte ich spätestens morgen schon ankommen. Könnte auch eine Erklärung für die lahmen Beine tags zuvor gewesen sein? Bereits 5:30 Uhr wurde ich von den Mönchen geweckt und saß an diesem Tag schon früh auf dem Fahrrad. Meine Beine fühlten sich wieder schwer an. Ich hatte mir dennoch 120 bis 140 km vorgenommen. Die Anstiege hatte ich bereits alle am ersten Tag absolviert. Das Wetter war wieder gnädig. Einmal sah ich die Regenschleier kommen und suchte Schutz auf einem Rasthof. Es war Timing. Eine halbe Stunde später ging es weiter. Bereits gegen 18 Uhr hatte ich mein Tagesziel von 140 km erreicht und ich belohnte mich mit einem leckeren Reisgericht und Cola. Ich fragte in ein paar Hotels nach einer Unterkunft für eine Nacht. Schnell stellte sich heraus, dass ich mich scheinbar bereits in der Preiszone von Bangkok befinde. Alles absolut überteuert. Ich suchte nach Schulen und wurde fündig. Leider war es inzwischen schon kurz vor 20 Uhr. Ich unternahm zwei letzte Versuche bei einem Krankenhaus und einer Raststätte. Auf der Raststätte hätte ich schlafen dürfen. Wenn da nicht diese scheinbar aus dem nichts kommende Motivation gewesen wäre 😉 Ach was solls, Rock ’n‘ Roll und mal schauen, vielleicht komme ich noch heute. Sind ja schließlich nur noch ca. 80 km. Eine Familie hielt mich kurze Zeit später an und fragte mich, wohin meine Reise geht. Sie waren über meine Ambition nicht erfreut und boten mir ihre Wohnung an, welche nur fünf Kilometer entfernt sein soll. Ich überlegte kurz, aber blieb bei meiner Entscheidung. So motivierte ich mich mit der Vorstellung, noch heute in Bangkok anzukommen. Gegen Mitternacht hatte ich mein Ziel tatsächlich erreicht und war zufrieden 😀 Am nächsten Tag hatte die Erkältung auch mich voll im Griff.

Bangkok, ein Gefühl wie zu Hause

Da wir schon vor knapp einem halben Jahr über unseren Aufenthalt in Bangkok geschrieben haben, werden wir hier nicht so viel dazu schreiben und nur ein paar Highlights beleuchten. Dazu zählen wir auch ein Wiedersehen mit Mandy und Julian aus Thüringen. Und dieses fand zufällig an einem Ort statt, wo wir alle dachten „das ist ja irre!“ 😀 Denn dieser Ort sollte sich als Bumrungrad International Hospital herausstellen…haha. Nachdem ein tastbarer Knoten, Knubbel oder wat auch immer in meiner rechten Leistengegend sich nach ein paar Tagen immer noch nicht verabschiedet hatte, hatten Robert und ich uns auf den Weg ins Bumrungrad International Hospital gemacht. Dieses ähnelte gefühlt eher einem 5-Sterne-Hotel. Zuvor hatten wir im Internet auf der Seite der deutschen Botschaft eine Liste mit Ärzten und Krankenhäusern gefunden, u.a. auch eine Ärztin im oben genannten Krankenhaus, die deutsch spricht. Nachdem wir im Krankenhaus angekommen sind und das Registrierungsblatt ausgefüllt hatten, wurden wir weiter ins ‚Women center‘ geschickt, denn sie ist Frauenärztin 😀 Im Wartesaal sahen wir dann zwei Gesichter, die uns irgendwie bekannt vorkamen, aber nicht einordnen konnten. Die beiden schauten uns an und fragten „ihr kommt doch aus Rostock oder!?“ Da waren wir beide baff und wir mussten leider zugeben, dass wir zwar die Gesichter irgendwie kennen, aber nicht wissen woher. Mandy sagte dann, dass wir uns in Hanoi am Hoan Kiem See kennengelernt haben, als wir unsere Fotos verkauften. Die beiden haben damals auch zwei Fotos gekauft 🙂 Und so saßen wir vier in diesem noblem Krankenhaus, lachten über diesen Umstand der Begegnung und hatten uns eine Menge aus den letzten Monaten zu erzählen. Da wir doch mehr Zeit im Krankenhaus verbrachten als vermutet, wurden wir alle mit der Zeit hungrig und machten uns anschließend auf den Weg in das nahegelegene arabische Viertel, wo wir unsere Bäuche mit lecker Shawarma vollhauten 😀 Der Knubbel stellte sich übrigens als vergrößerter Lymphknoten heraus und nicht als Leistenbruch, wie wir anfangs dachten. Der geschwollene Lymphknoten war das Resultat aus meinen Infektionen am rechten Schienbein und Fuß. Mich hatte irgendwas irgendwann in Laos gestochen oder gebissen, ich habs aufgekratzt, Fliegen kamen stets herbei und nach und nach entzündete sich der Mist. Und eigentlich wäre der ganze Mist vermeidbar gewesen. Eigentlich … Naja, jetzt gibbet Antibiotika zum Frühstück 😉

Im Laufe unseres Aufenthaltes haben wir uns noch öfters mit Julian und Mandy getroffen. Die beiden sind zwei wahrlich sympathische Leute mit denen wir eine tolle Zeit verbrachten. Sei es in der RCA (Royal City Avenue), in Chinatown, im arabischen Viertel oder auf der Khaosan Road. Wir werden die Zeit auf jeden Fall in schöner Erinnerung behalten, v.a. weil uns die beiden stets häufig zum Schmunzeln und Feiern brachten 😉 An einem anderen Tag fuhren wir zur Immigration Division, um unser Visa zu verlängern. Eigentlich eine kurze und unkomplizierte Angelegenheit, wenn da nicht die großen Massen wären, die das gleiche vorhatten wie wir^^ Nach vier Stunden waren wir wieder raus aus dem Gebäude und hatten unser Verlängerung im Pass.

In Bangkok haben wir auch unsere Fahrräder einmal ordentlich gewartet. Alles wurde auseinandergenommen, von Dreck befreit und gesäubert, neue Ketten wurden aufgezogen, das Ritzel gedreht, Ölwechsel wurde vorgenommen usw. Robert hat noch einen neuen Sattel von Brooks bekommen und die Freude war riesig 🙂 Das Ende unserer ‚Fahrradwartungstage‘ fand am gleichen Tag statt wie ein BBQ, den Im und P.Py im Spinning Bear Hostel veranstalteten. Robert und ich waren hin und weg vom vielen leckeren Essen! Mmmmh, aloy! :-))

Mittlerweile sind wir länger als gedacht in Bangkok. Dieses Mal hat es aber einen guten Grund^^ Denn wir haben viel Zeit damit verbracht, unsere Fotoausstellung im Rostocker Hof vorzubereiten. Vor langer Zeit meinte mal ein Freund von mir, dass eine Bekannte von ihm, Bilder im Rostocker Hof ausgestellt hat und ob das nicht auch was für uns wäre. Wir beide dachten „ja, wieso eigentlich nicht“ und kontaktierten in der Folge das Center-Management des Rostocker Hofes. Während wir uns im Vorbereitungsprozess befanden, Bilder aussuchten und Texte schrieben, wurde die Sache umfangreicher und umfangreicher. Neue Ideen kamen hinzu, dies und jenes könnte man so und so machten und am Ende haben wir viel mehr Zeit mit der Vorbereitung verbracht als wir ursprünglich dachten. Dass das so viel Zeit und Arbeit in Anspruch nimmt, hätten wir nicht gedacht. So hoffen wir jedenfalls, dass das Ergebnis hoffentlich gefällt. Die Ausstellung geht vom 21. August bis zu 02. September 🙂

2018-11-04T14:59:49+00:00 09.08.2017|Thailand|0 Kommentare