51 | Willkommen im Vielvölkerstaat Malaysia

02.09.2017 – 25.09.2017 | Nach der kleinen Abenteuergeschichte des vorangegangenen Tages passierten wir am Nachmittag den Grenzübergang Sungai Kolok / Rantau Panjang und befanden uns nun in Malaysia, dem 20. Land unserer Reise. Der Grenzübertritt ging ohne Probleme und schnell vonstatten. Ein Visum war für uns nicht nötig und lediglich ein Stempel im Reisepass genehmigt uns einen Aufenthalt von maximal 90 Tagen im facettenreichen Vielvölkerstaat. Die rund 50 km nach Kota Bharu spulten wir relativ fix runter. Dabei führte nur eine Straße vom Grenzort nach Kota Bharu und wir sammelten erste Erfahrungen mit den Fahrkünsten malaiischer Autofahrer.

Entspannte Tage in Kota Bharu

Kota Bharu ist die Hauptstadt des Bundesstaates und Sultanats Kelantan, welcher als Wiege der malaiischen Kultur gilt. Während unseres fünf-tägigen Aufenthaltes erhielten wir erste Eindrücke des hiesigen Lebens. John, den wir in einem kleinen Küstenort an der Ostküste Südthailands kennengelernt hatten, gab uns damals schon einen kleinen Vorausblick auf das, was hier nun sahen. Das Leben im Bundesstaat Kelantan ist eher traditionell, konservativer und strenger muslimisch geprägt als in anderen Bundesstaaten Malaysias, was u.a. auch darin sichtbar wird, dass die arabische Sprache im städtischen Erscheinungsbild allgegenwärtig ist. Die malaiische Sprache verwendet lateinische Buchstaben. Steht also auf einem Schild bspw. der Name eines Restaurants oder eines Brautkleidungsgeschäft in lateinischen Buchstaben, so folgt gleich darunter die arabische Sprache. Lesen, oder gar sprechen und verstehen tuen wahrscheinlich nur die wenigstens unter den Einheimischen, wenn überhaupt 😀 So sagt das jedenfalls Ewan. Dass das Leben in Kelantan so konservativ und islamistisch geprägt ist, liegt vor allem an der islamistischen Partei PAS, die seit ihrer Gründung im Jahr 1955 maßgeblich die Politik in jenem Bundesstaat mitbestimmt.

Kurz nachdem die Dunkelheit hereingebrochen war, standen wir vor Ewan’s Guesthouse. Nach einer kurzen Weile des Wartens brachten wir unsere Taschen ins Zimmer und machten alsbald Bekanntschaft mit Ewans Frau und deren drei Kindern, mit denen wir nun im gleichen Haus wohnten. Die zwei jüngsten Kinder, beides Jungs, waren wie zwei kleine Flummis oder wie der Ball im Flipperautomat, also stets in Bewegung wie ein Duracellhase auf Speed und LSD 😀 Keine Ecke im Haushalt war vor den den beiden sicher, auch hatten sie keine Berührungsängste mit den Gästen, die manchmal auch als Kletterturm angesehen wurden^^ Danny, das dritte und zugleich älteste Kind (10 Jahre) im Bunde, ließ auf den ersten Blick die gleiche familiäre Herkunft missen, denn Danny war phlegmatisch, faul und könnte sich nahtlos in die Kategorie ‚Wonneproppen‘ von Mareike Amados Mini-Playback-Show einfügen 😀 Wenn die zwei Duracellhasen einen an Mogli erinnerten, dann wäre Danny Balu der Bär 😉 Robert und ich hatten fix einen Draht sowohl zu den Kiddies als auch zu Ewan und seiner Frau. Anschließend machten wir uns auf den Weg, um unsere hungrigen Mägen zu füllen. Ewan ließ uns wissen, wo wir leckeres Essen finden würden. Knapp zehn Minuten später fanden wir uns in Chinatown wieder. Yummy! 🙂 Malaysia gilt als Vielvölkerstaat, in denen die Malaien, Chinesen, indigene Völker und Inder die vier großen Bevölkerungsgruppen bilden. Je nachdem wo man sich in Malaysia befindet, ist die prozentuale Zusammensetzung dieser drei Gruppen anders ausgeprägt. Im konservativen und islamistisch geprägten Kelantan sieht die Verteilung im Jahr 2016 so aus: 95,9 % Malaien, 3,2 % Chinesen, 0,3 % Inder und 0,6 % andere. In Ostmalaysia auf der Insel Borneo, das eine größere Fläche hat als die malaiische Halbinsel, machen bspw. indigene Völker zwei Drittel der Bevölkerung aus.

Kota Bharu, 1941 Landungsort der japanischen Invasoren im Zweiten Weltkrieg, wartete unserer Meinung nach mit nix Speziellem auf, von dem wir sagen würden, deswegen müsste man (unbedingt) in diese Stadt kommen. Trotzdem genossen wir unsere Zeit hier sehr, was vor allem an den Leuten lag, mit denen wir Zeit verbrachten oder auch am entspannten In-den-Tag-hinein-leben. Oftmals begleitete uns der kleine Danny, den wir fix in unserer Herz schlossen, beim Schlendern durch die Stadt. Auslöser war meistens ein Wort mit fünf Buchstaben – essen! 😀 Wenn uns Ewan oder seine Frau fragte, wo wir hingehen, als wir das bunte Metalltor passierten, antworteten wir stets mit „erst einmal was essen gehen“. Danny muss wohl in einer Ecke gestanden haben, wo wir ihn nicht sehen konnten. Denn als wir wenig später wieder in Chinatown waren und an einem Stand etwas Obst kauften, hörten wir auf einmal unsere Namen. Wir waren überrascht, wer uns hier denn beim Namen nennt, bis wir auf einmal Danny hinter einem Auto hervorlugen sahen, der etwas schüchtern auf uns zu kam. Wir fragten ihn, was er denn hier mache und woraufhin er fragte, ob er uns beim Essen Gesellschaft leisten könne. Ein breites Lächeln konnten wir uns nicht verkneifen und als wir ’na klar doch‘ sagten, lächelte auch der kleine Danny. Das war quasi der Anfang und von da an, war er oftmals an unserer Seite und führte uns sowohl zum Mittag als auch zum Abendessen zu leckeren Köstlichkeiten. Danny war schon echt ’ne Marke 😀 Überall kannten sie ihn, sei es in der großen Markthalle, auf dem Nachtmarkt oder in Chinatown. Also überall wo es was zu essen gab^^ Unser erster Eindruck vom Verkehr in Malaysia war, Autofahren ist nicht so deren Stärke, den Führerschein in der Kellogspackung gefunden und Fußgängern und Radfahrern wird nicht allzu viel Beachtung geschenkt. Aber Danny geht wie ein König über die Straße (oder wie ein Schwerlasttransporter den nichts aufhalten kann), hält wie ein Superheld einen ausgestreckten Arm und mit der offenen Handfläche auf die uns zukommenden Autos und siehe da, sie halten, und König Danny tapst voran 😀 Herrliche Beobachtung 😀

Im Guesthouse kamen öfters auch Freunde von Ewan vorbei, so auch Aldo. Er ist Techniker für Telekommunikationsmasten, seine Arbeit führt ihn quer durch Malaysia, von Kota Bharu über Kuala Lumpur bis in den Süden in Johor Baru. Wenn er in Kota Bharu beruflich unterwegs ist, kehrt er immer bei Ewan ein. Durch Aldo und seinen Kumpel haben wir die Stadt noch einmal von einer anderen Seite bzw. auf andere Art kennengelernt. Auch kulinarisch. Und das war der Hammer! Mit dem Essen, was wir kurze Zeit später genießen durften, traten wir in den kulinarischen Himmel ein und nun stand für Robert und mich fest: Malaysia wartet mit der leckersten Küche auf unserer bisherigen Reise auf! 🙂 Aber welche kulinarische Spezialität gab nun letztendlich den entscheidenen Kick für unsere Euphorie? Hier kommts: Nasi Kerabu und Ayam Percik. Yam yam yam!!!! 🙂 Nasi Kerabu ist ein traditionelles malaiisches Gericht und kommt ursprünglich aus Kelantan, wo es auch Nationalgericht ist. Übersetzen kann man Nasi Kerabu mit ‚Reissalat‘ und in Kelantan gibt es viele Varianten davon. Ayam Percik ist gegrilltes oder gebratenes Hühnchen mit einer super leckeren Marinade. Diese kann unterschiedliche Komponenten und Gewürze aufweisen wie bspw. Gelbwurzel, Kumin und Koriander, zusammen mit Zitronengras, Kokosnussmilch und Tamarinde. Wenn das Hühnchen gebraten oder gegrillt ist, karamelisiert die Marinade auf dem Fleisch und verleiht diesem eine exquistive Hülle, die die Geschmacksrezeptoren einen noch nie zuvor gekannten Frühling erleben lässt 😉 Später fuhren wir noch zu einer lokalen Bäckerei und Konditorei, wo wir noch leckeres Gebäck einkauft und später im Guesthouse genossen haben. Im Auto fuhren wir auch durch andere Viertel am Stadtrand, welche wir sonst nicht gesehen hätten und sahen so auch traditionelle malaiische Bauten, welche oftmals aus Holz, Bambus und gewebten Materialien auf Stelzen errichtet sind, sei es zum Schutz vor Hochwasser und Tieren oder wegen der Luftzirkulation. Die Fahrt ging weiter und nach rund 45 Minuten machten wir Halt vor einem großen buddhistischen Tempel mit einem liegenden Buddha.

Nach fünf Tagen Kota Bharu ging es für uns weiter in den Süden. Ursprünglich hatten wir vorgehabt von Kota Bharu bis runter nach Singapur entlang der Ostküste zu radeln, hauptsächlich des Wetters wegen. Aber Aldo und Ewan als auch ein paar seiner Freunde rieten uns einen Abstecher in den Nationalpark Taman Negara zu machen. Auch Robert hatte schon Interessantes darüber gelesen. Danach, so die Vorschläge der anderen, können wir weiter nach Kuala Lumpur oder Melaka fahren und von dort weiter entlang der Westküste gen Singapur…

Entlang der Ostküste von Kota Bharu nach Kuantan

Das nächste größere Ziel war Kuantan, von wo aus wir gen Westen fahren wollten, um den Nationalpark Taman Negara zu besuchen. Am Tag der Abfahrt radelten wir ca. 44 km und erkoren die Stadt Pasir Puteh als Übernachtungsort aus. Dort angekommen haben wir uns erst einmal nach einem Restaurant umgeschaut und wurden ohne langes Suchen fündig. Nachdem wir unseren Mägen befriedigt hatten, war es Zeit einen Schlafplatz für die Nacht zu finden. Bei der örtlichen Schule wurden wir abgewiesen, sodass wir anschließend zur örtlichen Polizeistation gefahren sind. In Thailand hatten wir zwei-, dreimal bei der Polizei nachgefragt, ob wir auf deren Gelände zelten oder ob sie uns anderweitig helfen könnten. Das ging immer fix und ohne Probleme. So traten wir in die Polizeiwache ein und schilderten unser Anliegen. Während die Beamten uns um Geduld baten, schweiften unsere Blicke über die Wände, beobachten die Zellen in der Überwachungskamera und die königlichen Portraits, die an Eddie Murphy aus dem Film ‚Der Prinz von Zamunda‘ erinnerten. Im islamisch geprägten System der konstitutionellen Monarchie in Malaysia gibt es das Königsamt auf Zeit. Denn alle fünf Jahre wird ein neuer König gemäß eines Rotationsverfahrens aus der Runde der neun malaysischen Sultane gewählt (der Sultan fungiert als Fürst eine Bundesstaates). Ab und zu kamen paar Beamte vorbei, wechselten ein paar Worte und warteten weiter. Nach ca. 45 Minuten hatte man eine Lösung für uns gefunden. Man schlug uns vor, unsere Zelte am Busbahnhof aufzuschlagen. So geleitete uns ein Polizist, dessen Dienst schon vorbei war, mit seinem Moped zum besagten Busbahnhof. Dort angekommen herrschte noch ordentlich Trubel, ebenso auf der daneben befindlichen Tankstelle und dem obligatorischen KFC. Die Verantwortlichen des Busbahnhofs kamen auf uns drei zu und der Polizist übersetzte, dass wir unsere Zelte nach 23 Uhr aufbauen können, da ab dann Ruhe herrscht. Für uns war das kein Problem und so nutzten wir die verbleibenden zwei Stunden zum Duschen und zum Entspannen und Lesen und Dummlabern im KFC.

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um fünf Uhr und wir schälten uns langsam aus unseren Zelten heraus. Ein wenig dehnen, ein wenig Frühsport und anschließend ging es zum Restaurant vom Vorabend. Wie sich auch später bestätigen sollte, verfügt Malaysia unserer Meinung nach nicht über ein so schönes, gut ausgebautes und wenig befahrenes Nebenstraßennetz wie wir es vom Süden Thailands kannten. So führte uns unsere Straße von Pasir Puteh über Cherang Ruku und Kuala Besut nach Merang. Und dies quasi unentwegt entlang der Küste. Als die Sonne wieder so langsam ihren Zenit erreichte, machten wir neben einer kleinen Garküche unsere obligatorische ausgedehnte Mittagspause. Mittag essen und dann wegratzen 😀 In Merang angekommen, hatten wir das Glück, dass wir unsere Zelte auf dem örtlichen Schulgelände aufstellen konnten. Das war zugleich das letzte Mal, dass wir auf einen Schulgelände in Malaysia zelten konnten. Denn in Malaysia zählen Schulgelände, wenn wir das richtig verstanden haben, zum Staatseigentum und auf diesem ist das Campen nicht gestattet. In diesem Falle hatten wir also Glück gehabt 🙂 Ebenso glücklich waren wir, dass gleich gegenüber von der Schule eine Straßenküche zu sehen war …

Buntes Kuala Terengganu

Am folgenden Tag kamen wir in Kuala Terengganu an. Dort trafen wir auf Marianna, die wir das letzte Mal in Hanoi gesehen haben. Als wir noch in Kota Bharu waren, erreichte uns eine Nachricht von Marianna, worin sie fragte, wo wir uns gerade rumtummeln und dass sie sich gerade an der Ostküste in Malaysias aufhält. Da dachten wir ‚was für ein Zufall!‘ und verabredeten, dass wir uns in Kuala Terengganu wiedersehen.

Insgesamt verbrachten wir drei Nächte in dieser Stadt, welche uns gut gefallen hat. Die Stadt an sich, v.a. die Innenstadt ist sehr farbenfroh gestaltet, viele Häusergiebel sind durch schöne Murals gekennzeichnet, viele andere Bauten sind in bunten, mal knalligen, mal pastellfarbenen Tönen, mal eintönigen, mal mehrfarbigen Gewändern gekleidet, Chinatown sieht ebenfalls sehr farbenfroh aus und überrascht in vielen kleinen, engen Gassen mit schöner Street-Art. Aber auch schöne, kleine Parks und Promenaden tragen zum positiven Gesamtbild bei. Hinzu kommt natürlich die lokale Markthalle mit einem leckeren und vielseitigem Angebot von Gerichten, chinesisch, indisch oder malaiisch. Und das I-Tüpfelchen, warum uns die Stadt so gut gefallen hat, ist die direkte Lage am Meer und der breite Sandstrand mit seinen für Malaysia typischen Riesenschaukeln. Gleich neben dem Strand befindet sich der Nachtmarkt, wo es den leckersten Bananenshake ever gab! 🙂

Marianna hatten wir wie schon gesagt mehrere Monate nicht mehr gesehen, sodass wir ordentlich viel zu erzählen hatten 🙂 In unserem Hostel in Kuala Terengganu trafen wir auch auf Abbas, einen Jordanier. Er lebt und studiert seit einigen Jahren in Malaysia. Zwar schreibt er gerade seine Doktorarbeit in Mathematik, aber seine große Leidenschaft ist Geschichte. Und so kam es, dass lange und interessante Gespräche zu verschiedenen Themenkomplexen wie bspw. Geopolitik, Islam, Entstehung des Nahen Ostens oder Astronomie die Abende bereicherten. Als Abbas erfuhr, dass wir auch nach Kuala Lumpur kommen, sagte er freudestrahlend, dass wir uns da gerne wiedertreffen können…

An dem Tag, an dem wir in Kuala Terengganu angekommen sind, hatten wir auch den Bundesstaat Kelantan verlassen und befanden uns nun im Bundesstaat Terengganu. Dieser wartet unter touristischen Gesichtspunkten mit seinen typischen Fischerdörfern, wunderbaren Stränden, Inseln und Korallenbänken auf. Von den Inseln gelten v.a. die Perhenthian Islands als traumhaft und Besuchermagnet an der Ostküste. Marianna hatte aber noch einen kleinen Geheimtipp parat und dieser war die sehr kleine Insel Kapas, ca. 24 km südlich von Terengganu. So sprangen wir am zentralen Busbahnhof in einen Bus und ca. 30 min später befanden wir uns in Merang, wo wir ein kleines Boot bestiegen, um auf die Insel überzusetzen. Wenige Minuten später erreichten wie das kleine, beschauliche Eiland. Die Insel war wahrlich traumhaft! Ruhig, seeehr ruhig, eine andere Welt im Vergleich zum hektischen Festland, wenig Touristen, viele schöne Strände, kleine Buchten, fette üppige Vegetation. Lässt sich dort aushalten 😉 Auf dem Rückweg wurden wir bereits auf dem Wasser von den riesigen, tiefhängenden und grauen Wolken, die die Küstenlinie schon verschluckt hatten, mit ausgiebigen und heftigen Regengüssen beglückt 😀 Auf dem Festland angekommen, konnten wir uns leider nirgendwo unterstellen, da man uns sagte, dass der letzte Bus zurück nach Kuala Terengganu in ein paar Minuten abfahren würde und bis zur Haltestelle war es noch ein Weg. Also wieder ab in den Regen, durch die Bäche, die sich über die Straßen ergossen und hin zur Bushaltestelle. Inzwischen ließ der Regen nach, aber unser Bus kam nicht mehr bzw. war vielleicht auch schon weg. Nach ca. 45 Minuten des Wartens nahm uns eine Reisebus mit zurück nach Kuala Terengganu.

Robert hatte dagegen Glück gehabt und kam gerade noch rechtzeitig vor dem Regen im Hostel an. Er verbrachte den Tag damit sein Zelt zu reinigen. Die hohe Luftfeuchtigkeit zusammen mit den schwitzigen Nächten heißen den Schimmel sehr schnell willkommen. Seit ein paar Tagen beobachtet Robert sein Zelt genauer und wir waren uns nicht sicher, ob es vom Schimmel befallen war. So suchte sich Robert ein passendes Fleckchen im Park und reinigte sein Zelt.

Weiter nach Kuantan

Am Folgetag verließen wir die schöne Stadt und werden drei Tage später in Kuantan ankommen, wo wir uns wieder mit Marianna treffen. Während der drei Tage radeln ging es stets auf ein und derselben Straße parallel zur Küste gen Süden. Landschaftlich säumten Palmenwälder und -plantagen die Straße. Dahinter war dann entweder das Meer zu sehen oder lange Bergketten, die das gebirgige Innere der malaiischen Halbinsel markierten. Daher waren die Begegnungen während dieser Tage die Highlights.

Als es schon dunkel war, suchten wir an einem Abend einen Schlafplatz für die Nacht. Wir fragten in einer Moschee nach, aber die Herren waren uns sehr misstrauisch gegenüber. Als Robert dann nach mehreren Minuten erwähnte, dass wir auch die muslimischen Provinzen Narathiwat und Pattani im Süden Thailands gefahren sind und das wir da freundlich aufgenommen wurden, entspannten sich die Herren und ließen uns das Zelten auf dem Gelände der Moschee gewähren. Leider war der Untergrund nicht gut, da viele Scherben. Wir beschlossen daher wenig später weiterzufahren.

Nach zwei, drei Kilometern fanden wir ein Haus mit Terrasse etwas abseits der Straße und zwischen Kokospalmen stehen. Das Haus sah unbewohnt aus, sodass wir spontan unsere Räder zur Terrasse schoben und die Zelte unter dem Vordach aufbauten. Kaum hatten wir das aber getan, kamen ein junger mit einem Baby auf dem Arm und ein alter Herr auf uns zu. Sie fragten freundlich was wir hier machen und wir erklärten es ihnen. Robert zeigte dem alten Mann ein paar Bilder unserer Reise, was dem Herrn offensichtlich gut gefiel. Mit der Zeit gesellten sich immer mehr Menschen zu uns, am Ende waren es so acht bis zehn Leute, alles eine Familie, Vater, Mutter, Kindern, Schwager, Onkel und Tanten. Die Leute bedeuteten uns, dass im Haus eine Dusche sei, die wir gerne benutzen können. Ein breites Lächeln umspielte unsere Lippen. Kurze Zeit später waren wir im Haus und sahen die großen Ventilatoren an der Decke. Die Mutter erkannte unsere Freude in den Augen, dass wir unsere Zelte auch im Haus aufstellen können. Jackpot dachten Robert und ich. Dusche plus Windzirkulation beim Pennen und daher hoffentlich kein Schwitzen 😀 Denn zelten im warmen und schwülen Südostasien kann ohne Abkühlung durch Regen oder ohne Wind seeeehr sehr schwitzig werden. Nach ein paar Selfies unserer Gastgeber mit uns, verabschiedeten sich diese und wünschten uns eine gute Nacht. Am nächsten Morgen um sechs Uhr klopfte es an den metallernen Rolltor und der junge Mann vom Vorabend stand vor uns. Und in seinen Händen ein gut gefülltes Tablet. Die Familie machte uns Nasi Lemak zusammen mit Gurken, Wasser und Eistee. Da waren wir beide baff! 🙂

In der nächsten Nacht fanden wir Unterschlupf in einer großen weißen Moschee. Ab Mittag zog sich der Himmel zu und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis die Wolken ihre Pforten öffneten. Wir hatten schon rund 70 km auf dem Tacho und beschlossen daher spontan eine Pause zu machen, den möglichen Regen abzuwarten und danach weiterzuradeln. Kurz nachdem wir unter einem Dach geparkt haben, fing es allmählich an zu regnen. Erst langsam, und dann immer intensiver. Die Zeit schritt inzwischen voran und ein Ende des Regens war nicht in Aussicht. So suchten wir jemanden, der unsere Frage, ob wir hier zelten können, beantworten könnte. Die paar Anwesenden, die ebenfalls unter dem Dach der Moschee waren, konnten uns nicht wirklich weiterhelfen. Irgendwann hatten wir aber Glück als wir einen Mann trafen, der es uns genehmigte auf dem Gelände der Moschee zu zelten. Feine Sache! Wir suchten uns die Küche der Moschee aus. Sie war nicht im Gebäude untergebracht, sondern draußen in einer Ecke des Geländes, wo wir nicht viel Aufmerksamkeit erregten. Glücklicherweise war unweit der Moschee eine kleine Garküche, wo wir unsere Mägen füllen konnten 🙂

Am Folgetag kamen wir im Backpackers Hostel in Kuantan an, wo Marianna schon auf uns wartete. Kuantan war auch so ein Fall wie Kota Bharu, also nichts besonseres, weshalb es hier nicht so viel zu sagen gibt. Nach drei Nächten verließen wir Kuantan. Unser nächstes Ziel war der Nationalpark Taman Negara, was drei Tage radeln für uns bedeutete.

Taman Negara, wir kommen!

Unsere Räder brausten über glatten Asphalt, meistens ging es lediglich stupide gerade aus. Die Nächte zwischen Kuantan und dem Nationalpark verbrachten wir in einem Bett in einen 24h-Restaurant für lau und einmal zelteten wir vor einem. Beide Male waren ganz unkompliziert, beim ersten sahen wir ein Bett in einem Raum und fragten, ob wir da eine Nacht schlafen können und die Antwort war ja. Beim zweiten fragten wir, ob wir unsere Zelte unter dem Vordach aufbauen könnten. Auch da war die Antwort ‚ja, kein Problem!‘ Dort füllten wir dann auch unsere Mägen 🙂

Das ist immer so schön, wenn das alles so unkompliziert verläuft 🙂 Schlafplatz, Dusche oder wo auch immer man sich vom Schweiß befreien kann und wat zum Essen, einfach geil! 😀 Beim ersten waren wir umso glücklicher, da wir die letzten Kilometer jenes Tages im strömenden Regen gefahren sind.

Von unserem letzten Schlafplatz waren es bis zu nach Kuala Tahan, dem Touriort im Nationalpark Taman Negara noch rund 65 km. Lediglich eine Straße führte dahin, welche wir nach unserem Besuch im Nationalpark auf unseren Weg weiter nach Melaka wieder zurückfahren müssen. Die Straße war anfangs von üppiger Vegetation gesäumt, gelbe Schilder warnten vor Elefanten, die wohl öfters die Straße überqueren. Leider bekamen wir keinen zu Gesicht. Ab und zu sahen wir aber Warane, die, als sie uns wahrnahmen, die schnelle Flucht in den Dschungel ergriffen. Können ganz schön große Viecher sein 😀 Viel öfter sahen wir sie aber breit gefahren als Asphaltdekoration. Irgendwann wurde die vielfältige und üppige Vegetation aber von Ölpalmenmonokulturen abgelöst. Kein schöner Anblick wie wir finden.

Sowohl Kuantan als auch weite Teile des Nationalparkes Taman Negara befinden sich im Bundesstaat Pahang, welcher aufgrund seines Reichtum an Naturschätzen als Naturparadies gilt. Rund zwei Drittel des Bundesstaates sind von üppigen Regenwald bedeckt. Mit dem Taman Negara befindet sich hier auch der größte Nationalpark Malaysias und wartet mit einer rund 130 Millionen Jahren alten Vegetation auf. Der Name ‚Taman Negara‘ ist dabei richtig kreativ gewählt und bedeutet übersetzt ‚Nationalpark‘ 😉

In der Dschungelwelt

In Kuala Tahan angekommen, bezogen wir das billigste Hostel des Ortes, was auch so aussah 😀 Es war schweineheiß im Zimmer und dazu nur einen mickrigen Ventilator für zwei Doppelstockbetten. Bevor du Donaudampfschifffahrtsgesellschaft aussprechen kannst, ziert schon eine große Schweißlache den Bettüberzug 😀 Das Gute am Hostel aber war der Ausblick auf den Nationalpark und die Vereinigung der beiden Flüsse Sungai Tembeling und Sungai Tahan. Beim ersten Begehen des Ortes checkten wir andere Hostels ab und trafen so auf zwei sympathische Mädels aus Bayern, die gerade für drei Wochen im Urlaub sind. Wir hatten einen amüsanten Nachmittag und tauschten Kontakte aus, sodass wir die beiden bei unserer Rückkehr möglicherweise in Greuther Fürth Trikots (ganz zu ihrer Freude 😀 denn sie sind FCN-Fans) besuchen kommen…haha. Am späten Nachmittag trudelte auch Marianna ein. Zusammen wollen wir in den kommenden vier Tagen ein wenig in die grüne Dschungelwelt eintauchen. Bei unseren Touren stießen wir auch auf Christopher aus Österreich und Joana aus Chile, welche uns Gesellschaft leisteten und schöne Gespräche hatten.

Die Vegetation war der absolute Wahnsinn! 🙂 Der Dschungel leuchtete förmlich im satten Grün, die Bäume waren soooo verdammt riesig, da bekommste ’n Krampf im Nacken beim Hochschauen 😀 So hohe und majestätische Bäume haben wir beide noch nie gesehen und waren dementsprechend ziemlich baff und verzaubert! Es war faszinierend diese Bäume aus nächster Nähe bestaunen zu dürfen, deren unglaublich großen Stammumfang, die mind-blowing Brettwurzeln und andere Wurzelknäuel, die sich über den Boden erstrecken oder zwischen denen man sich stellen oder gar verstecken konnte. Kaum zu glauben, dass einige dieser Bäume 130 Millionen Jahre auf dem Buckel haben und somit zu den ältesten Bäumen auf der Welt gehören. Kein Vulkan, keine Eiszeit oder andere Naturereignisse haben die Evolution je gestört oder gar zerstört, was dazu führte, dass die Pflanzenwelt sich hier in Ruhe entwickeln konnte und schier undurchdringlich scheint und auch ist.

Bei unseren Wanderungen zum Bukit Teresek und zum Bukit Indah gaben am Anfang Holzstege den Weg vor. Später gingen diese in erkennbare Trampelpfade über bis diese dann irgendwann im dichten grünen Gestrüpp verschwanden und es nicht immer sofort erkennbar war, wo der Weg langgeht. Manchmal war es nur eine Ahnung, die uns in diese oder jene Richtung gehen ließ, ein Weg war dann nicht mehr als solcher zu erkennen. Wenn wir dann mal gelbe Plaketten auf Augenhöhe an den Baumstämmen gesehen haben, wussten wir, dass wir richtig sind. Die Pfade führten durch Bäche, über und unter umgekippte Bäume, durch grünes Dickicht, steile und matschige Hänge und es fehlte nur noch, dass Bear Grylls hinter dem nächsten Baum lauerte, eine Schlange köpfte, entleerte und den Hautschlauch als Wasserreservoir umfunktionierte… Der Sound bei den Touren war stets: Vogelgeschwitzer und das Summen von Insekten überall, das Säuseln des Windes in den Blättern, das Rauschen des Wasser, Affenkonzerte in der Ferne und ab und zu ein leises ‚verdammt‘, wenn ein Blutekel sich wieder am Bein zu schaffen macht.

In Malaysia muss man sich ja ob der Schwüle schon nicht großartig bewegen, um zu schwitzen. Es reicht schon einfach im Freien zu stehen. Aber bei derartigen Touren durch den Dschungel bist du definitiv ein Wasserfall auf zwei Beinen 😀 Vor allem ber Aufstieg zum Bukit Teresek (ca. 335m) ging es über Holztreppen relativ steil bergauf, sodass die Pumpe ordentlich zu tun hatte 😀

Schön war es auch die hiesige Flora nicht nur vom roten Erdboden zu beobachten und zu bestaunen, sondern auch aus der Höhe. Denn im Taman Negara befindet sich mit dem Canopy Walk einer der längsten Hängebrückensystemen der Erde (ca. 530m). Die Hängebrücken führen allmählich über kleine Plattformen, welche sich um die Baustämme schmiegen, in eine Höhe von rund 40 bis 50 m durch die grünen Wipfel der Urwaldriesen. War schon echt beeindruckend! Atmosphärisch wäre es ziemlich geil gewesen, wenn Nebel am Start gewesen wäre und man sieht, wie die Brücke langsam in nebligen Dunst zwischen den Wipfeln verschwindet. Aber auch so war das ein Erlebnis!

Der Ort Kuala Tahan als Tor zum Nationalpark kommt eher verschlaffen daher. Ein paar kleine Einkaufsläden, ein paar preiswerte Restaurants im Ort und paar höherpreisige auf den Floating Boats am Ufer des Sungai Tembling, viele Hostels und Guesthouses und auf der Seite des Nationalparkes ein Luxushotel. Das Leben spielte sich vornehmlich am Ufer ab, aber dennoch hatten wir das Gefühl, dass sich hier Fuchs und Hase gute Nacht sagen, hatten wir hier doch etwas mehr Action vermutet. Aber letztendlich passte die relaxte Atmosphäre zum Gesamtbild, dass sich uns hier bot.

Nach vier Tagen Aufenthalt in Kuala Tahan verabschiedeten wir uns von Marianna, die wir später noch einmal in Kuala Lumpur treffen werden und machten uns auf den Weg gen Süden nach Melaka.

2018-11-04T15:01:00+00:00 10.10.2017|Malaysia|0 Kommentare