52 | Hängengeblieben in Melaka

25.09.2017 – 03.11.2017 | Von Kuala Tahan nach Melaka haben wir fünf Tage Radfahren veranschlagt und demnach würden wir am Freitagnachmittag in der alten Hafenstadt an der Westküste ankommen. Die großen Hauptverkehrsstraßen versuchten wir dabei weitestgehend zu meiden, was uns auch gelang. Der Verkehr hielt sich auf unseren Straßen meistens in Grenzen, nervig war aber öfters die Qualität des Seitenstreifens, der mit Bodenwellen und Schlaglöchern unterschiedlicher Größen sowie stellenweise Schotter aufwartete. Aus Thailand kannten wir derartiges nicht und waren daher etwas verwöhnt von der dortigen Qualität…hehe. Unsere Räder trugen uns durch hügelige Landschaften, die sich oftmals durch weite Palmölplantagen auszeichneten.

Drei von vier Nächten zwischen Kuala Tahan und Melaka campten wir auf dem Gelände von Moscheen. Sowohl in Kuala Krau als auch in Triang und Gemencheh hatten wir keine Probleme die Erlaubnis für das Zelten auf dem Moscheengelände zu bekommen. Die Imame und die anderen Gläubigen waren alle sehr entspannt, zuvorkommend und freundlich, und legten eine unserer Meinung nach ganz andere Mentalität an den Tag als jene, die wir in den Bundesstaaten Kelantan und Terengganu kennengelernt haben. Zuvor hatten wir in Kuala Krau und Triang auch bei Schulen nachgefragt, obwohl wir uns schon vorab denken konnten, dass die Antwort ’nein‘ lauten wird. So war es dann auch. Also Schulen kann man knicken. Krankenhäuser ebenso. Im stark chinesisch geprägten Städtchen Kuala Krau trafen wir aber auf einen Arzt, der sehr engagiert war uns zu helfen. So geleitete er uns mit seinem Auto zur örtlichen Moschee und fragte später den Iman, zwecks Übernachtungserlaubnis. Dieser war beim ersten Mal aber nicht da, sodass wir uns für 19 Uhr verabredeten, da dann das Abendgebet bevorstand und er den Iman dann fragen könnte. Die Zwischenzeit nutzten wir, um zu Abend zu essen.

Gesellschaftliches Kaleidoskop

Auf dem Weg nach Kuala Krau und auch auf den anschließenden Kilometern bis Melaka fiel uns auf, dass sich das Aussehen und die Zusammensetzung der Bevölkerung offensichtlich zunehmend veränderte. Waren viele Dörfer und Städte entlang der Ostküste und auch noch bis nach Kuala Tahan überwiegend malaiisch geprägt, so charakterisierten nun die Chinesen – sichtbar durch die Menschen, Geschäfte und Fabriken plus Werbeschilder, Architektur – die durchquerten Siedlungsbilder. Die Diversität der Bevölkerungsgruppen führt seit der Unabhängigkeit Malaysias von Großbritannien im Jahr 1957 immer wieder zu Spannungen. Dies liegt u.a. auch darin begründet als dass man Malaysia das Politik- und Wirtschaftssystems betrachtend als Zweiklassengesellschaft ansehen kann. Nachfahren indischer und chinesischer Einwanderer stehen in den Kabinetten der jeweiligen Regierungen oftmals nur in zweiter Reihe. Auch im gesellschaftlichen Leben sehen sie sich benachteiligt, was u.a. dadurch zum Ausdruck kommt, dass malaiische Bürger Privilegien genießen, leichter Studien- und Arbeitsplätze bekommen ebenso wie Jobs in Staatsbetrieben, günstigere Kredite und andere Vorteile. Hingegen dominieren die Malaiien, welche überwiegend dem sunnitischen Islam angehören, die Justiz, den Staatsapparat, den Öffentlichen Dienst und die Massenmedien. In der Wirtschaft dominieren die Chinesen und Inder. Jedoch soll mit der ‚Neuen Ökonomischen Politik‘, welche infolge blutiger Unruhen im Jahr 1969 eingeführt wurde, diesen Umstand entgegengewirkt werden. Diese Politik, die bis heute praktiziert wird und Gegenstand kontroverser Debatten ist, hat sich u.a. zum Ziel gesetzt, die in vielen Bereichen unterlegene malaiische Volksgruppe gegenüber der chinesischen und indischen zu stärken.

In Gemencheh hatten wir ebenfalls auf dem Gelände einer Moschee gezeltet. Bei der dortigen Ankunft haben wir nach knapp 100 km Fahrradfahren noch ein wenig Fußball mit den anwesenden Kiddies gespielt, was recht spaßig war 😀 Auch waren die kleinen Schieter ganz schön neugierig und haben quasi unsere Drahtesel von unten bis oben mit großen Augen untersucht. Irgendwann wollten wir dann aber doch unsere Ruhe haben, aber die kleinen wollten einfach nicht gehen 😀 Am Abend kam noch der Iman vorbei und hat sich zu uns gesetzt. Die Runde und als wir ihn am nächsten Morgen zum Frühstück wiedertrafen, war recht amüsant 🙂 Er hat früher in den USA studiert und eine Zeit lang gelebt, liebt das Reisen und hat im Alter zum islamischen Glauben gefunden bzw. sich diesem mehr zugewandt. Uns schien er sehr aufgeweckt und jung geblieben, und von seiner Art wie er kommunizierte, könnten wir uns ihn auch glatt in einem US-Hip-Hop-Video vorstellen zusammen mit Jay-Z oder R. Kelly, fehlte eigentlich nur noch eine dicke Goldkette 😀 Wir hatten viel Spaß und haben viel gelacht, er sieht das Reisen als perfektes Lernen an, Verständnis und Verstehen für einander zu schaffen und um Barrieren abzubauen. Seinen Kindern legt er es nahe und sagt häufig ‚geht raus und schaut euch die Welt an und dann kommt wieder‘, aber mit einer resignierenden Stimme sagt er uns aber auch, dass er damit bei seinen Nachwuchs leider auf eher taube Ohren stößt.

Privilegien

Die Zeilen schreiben wir gerade in Singapur. Vorhin als wir zum Frühstück in einem Restaurant saßen und jeder einen heißgeliebten Teh Tarik (Schwarztee mit süßer Kondensmilch) trank, kamen wir auf das Thema Privilegien. Robert ist zuvor durch Zufall bei Facebook auf ein Video gestoßen, das man als Anstupser sehen kann, um über Privilegien nachzudenken. Hier ist ein Link zu Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=vwx5IvypC5Q. Und als (weiße) Europäer auf Weltreise begegnet man öfters dem Wort Privileg, und das auf unterschiedlichster Weise. Sei es durch Gespräche zu verschiedensten Themen, durch das was wir sahen und durch die Leute, die wir unterwegs getroffen haben, mal sind wir dem bewusst begegnet, mal weniger. Sei es im Slum in Sisophon (Kambodscha), wo die Häuser aus den notdürftigsten Materialien zusammengebaut sind. Sei es in Laos, wo man hin und wieder als Weißer automatisch als reich angesehen wird und deshalb beim Einkauf gelegentlich abgezockt wird. Sei es im Gespräch mit einem Doktor der Psychologie, der in einem Tehraner Hotel an der Rezeption arbeitet, aber viel lieber in der Forschung tätig sein würde und zwar in Großbritannien oder in den USA, dies aber nicht kann, da er über keinen Reisepass verfügt. Diesen bekommt er nämlich nur, wenn er Militärdienst leistet und das möchte er aus diversen Gründen nicht. Reisefreiheit und berufliche Selbstverwirklichung oder Verrat an den eigenen Prinzipien, moralisch-ethischer Konflikt sozusagen. Sei es in Melaka, wo wir Shukri getroffen haben. Er würde so gerne Europa bereisen wollen. Aber aufgrund unserer starken Währung, kann er sich ein Flugticket nicht leisten, geschweige denn die restlichen Kosten, die anfallen, wenn man in einem Land reist. Sei es der Anblick von zerschossenen Gebäuden in Sarajevo, die von der vierjährigen Belagerung der Stadt zeugen und stellvertretend für vieles, was sich in den Balkanländern in den 1990er Jahren ereignete, angesehen werden kann. Sei es im COPE Visitor Center in Laos, wo immer noch viele Menschen mit den Folgen der Bombadierung durch die USA während des Vietnamkrieges zu kämpfen haben und nicht wissen können, ob sich bei der Bestellung des Feldes eine Clusterbombe im Boden versteckt, wohlwissend das die medizinische Versorgung im eigenen Land als rudimentär betrachtet werden kann. Nicht umsonst sagte man uns in Kambodscha und Laos, dass, falls wir einen medizinischen Notfall in jenen Ländern hätten, man uns unbedingt nach Bangkok bringen müsse.

Es ist das Privileg unserer Geburt, das Privileg, dass wir in Deutschland geboren wurden. Es ist das Privileg, in einem wohlbehüteten Elternhaus aufgewachsen zu sein. Es ist das Privileg, dass wir Kinder sein durften als wir Kinder waren. Es ist das Privileg, von unseren Eltern gefördert zu werden. Es ist ein Privileg, die harte Arbeit, die Leistungen und Entbehrungen der eigenen Eltern als Basis für den eigenen Werdegang zu nutzen und wertzuschätzen. Es ist das Privileg, das wir in Deutschland über ein so einzigartiges mehrstufiges Bildungssystem verfügen. Es ist das Privileg in einem Land zu leben, wo es ein funktionierendes Sozial- und Gesundheitssystem gibt. Es ist ein Privileg mit dem deutschen Reisepass zu reisen, mit dem wir in 156 Länder ohne Visum einreisen können. Es ist das Privileg, sich selbst zu verwirklichen zu können. Nur weiß man das nicht bzw. nimmt es nicht bewusst wahr, man kratzt an der Oberfläche oder hat eine grobe Ahnung oder man hält all das ohne es besser zu wissen für selbstverständlich oder man vergisst es hin und wieder. All das trifft auch auf uns zu. Und das ist auch alles okay. Nur ist es gut, sich ab und zu wieder bewusst zu machen, welche Privilegien wir genießen. Das gibt uns die Gelegenheit verschiedene Perspektiven einzunehmen, Menschen, Dinge, Situationen oder was auch immer aus einem anderen Winkel zu betrachten und im Idealfall (besser) zu verstehen, Verständnis zu schaffen und Barrieren zu überwinden und nicht gleich zu bewerten. So, nun genug des pathetischen Geschwafels 😉

Die erste Nacht nachdem wir Kuala Tahan verlassen haben, schliefen wir vor einem Restaurant. Als wir zwischen Palmölplantagen dahinradelten, sahen wir bereits Blitze am Himmel und hörten kräftiges Donnern. Wir hatten überlegt bis nach Jerantut zu fahren, aber da dürfte es in jenem Moment schon ordentlich geschifft haben. So beschlossen wir vor einem Restaurant am Straßenrand Halt zu machen und erst einmal zu Abend zu essen. Danach haben wir bei einem indischen Tempel vorbei geschaut, aber letztendlich haben wir dann doch beim Restaurant nachgefragt, ob wir auf der überdachten Fläche zwischen den Tischen unsere Zelte aufstellen dürfen. Was folgte war ein ‚Ja‘, und ein breites Lächeln setzte sich auf unsere Lippen. Das Restaurant wurde von vier älteren Damen geschmissen, die uns während des Zeltaufbauens mit großen Augen neugierig angeschaut haben, aber stets ein warmes Schmunzeln im Gesicht trugen. Als es in der Nacht ordentlich regnete und donnerte und wehte, kam die älteste Dame heraus und schaute, ob es uns gut geht. Da haben wir gedacht, was für eine liebe Seele. Am nächsten Morgen hat sie uns noch Frühstück ausgegeben und auch unseren heißgeliebten Teh Tarik. Einfach irre, da haben wir uns mega gefreut!

Melaka und ein kurzer Abstecher nach Kuala Lumpur

Am Freitagnachmittag kamen wir dann im Jalan Jalan Hostel in Melaka an. Wer in der letzten Zeit schon einmal die Route angeschaut hat, dem wird aufgefallen sein, dass wir die Hauptstadt Kuala Lumpur nicht mit dem Rad besucht haben. Grund dafür, dass wir Kuala Lumpur absichtlich beiseite ließen, war der, dass wir keine Lust auf den ganzen Verkehr hatten, sowohl in der Stadt selbst als auch im erweiterten Metropolgebiet. Unsere Idee war stattdessen drei Nächte in Melaka zu schlafen und diese städtische Perle zu erkunden, dann für vier Nächte nach Kuala Lumpur (mit dem Bus) und anschließend noch einmal zwei Nächte in Melaka verweilen. Aber inzwischen kennt uns vielleicht der ein oder andere und natürlich fand die Idee eine andere Ausgestaltung 😀 Zumindest erst nach Kuala Lumpur ^^

Mit Husein, der im Hostel arbeitet und auch dort wohnt, haben wir uns gleich von Anfang an gut verstanden, sodass wir am zweiten Tag gefragt haben, ob es okay wäre die Räder und unsere Taschen hier im Hostel zu lassen. Dann könnten wir uns nämlich einfach in den Bus schwingen und für vier Nächte nach Kuala Lumpur verschwinden. Sehr zur unserer Freude meinte Husein, dass das absolut kein Problem sei. Die Taschen haben wir dann in seinem Zimmer verstaut, die Räder ließen wir im Durchgang wo wir sie schon bei unserer Ankunft geparkt hatten.

Mit dem lokalen Bus fuhren wir zum zentralen Busbahnhof von Melaka und kauften dort zwei Bustickets nach Kuala Lumpur (KL). Zehn Minuten später befanden wir uns schon auf der Straße. Es war nicht nötig Tickets vorab zu kaufen, da Busse alle 30 bis 60 Minuten von Melaka nach KL abfahren. Als wir in KL angekommen sind, gings gleich in die Metro, die neben dem riesigen flughafenähnlichen Busbahnhof abfuhr. Nach ein paar Minuten fahren und ein paar hundert Metern gehen, kamen wir im Hostel an, dass Marianna ausgesucht hatte und schon auf uns wartete.

Die Tage in KL waren entspannt und wir schlenderten ohne großartige Ziele durch die Stadt. Jeden Mittag kam Abbas, den wir bereits in Kuala Terengganu an der Ostküste kennengelernt hatten, zum Hostel und holte uns ab. Unsere Streifzüge führten uns nach Little India / Brickfields, Chinatown, die Gegend um die Petronas-Towers und Bukit Bintang. Auf unserer Reise hatten wir viele Reisende getroffen, die von KL geschwärmt hatten, Singapur hingegen nicht mochten. Kuala Lumpur fanden wir beide jedoch ’nur‘ okay, hat uns nicht wirklich umgehauen. Keine Ahnung warum wir hier diesen Eindruck hatten. Im Artikel zu Belgrad hatten wir mal ein paar Zeilen geschrieben, welche Faktoren unser Bild und unsere Stimmung bezüglich eines Ortes beeinflussen…(Link zu Belgrad) Fett war auf jeden Fall die Aussicht, die wir vom 51 Stock des Appartmentkomplexes ‚The Face Suites‘ über das nächtliche KL hatten. Robert hatte durch Zufall Yuri in KL wiedergetroffen, den wir zuvor auf dem Nachtmarkt in Melaka kennengelernt hatten. Dieser gab uns den Tipp bezüglich der Aussicht. Und wie gesagt, die Aussicht war einfach richtig schön! Die beleuchteten Petronas-Towers, welche man als das Wahrzeichen von KL ansehen kann, der Turm, die anderen Hochhäuser und die vielen anderen Lichter der Großstadt. Feine Sache! Zudem genosssen wir mit Abbas, welchen wir erstmals in Kuala Terengganu kennenglernt haben, den perfekten Guide für die Stadt. Nach vier Nächten ging es dann wieder zurück nach Melaka.

Unter Locals in Melaka

Unser Hostel befindet sich in der historischen Altstadt von Melaka. Jene ist stark von portugiesischen, niederländischen, englischen und chinesischen Einfluss geprägt, was vor allem in der Architektur offensichtlich wird. Der Mix der Kulturen und Mentalitäten, die Leute und der Charme der Altstadt, in dem sich alle Sehenwürdigkeiten tummeln, hatte uns in den Bann gezogen. Normalerweise reichen zwei Tage aus, um Melaka zu erkunden, aber wir blieben rund vier Wochen 😀 Beabsichtigt war das aber nicht 😀 Um den Mix der Kulturen mal etwas stärker zu illustrieren, reicht ein Blick in die Straße, in der sich unser Hostel befindet. In einer einzigen Straße befindet sich ein hinduistischer Tempel, eine Moschee und mehrere chinesische Tempel. Die schönen Wege sowie die weißen und bunt bemalten Häuser entlang des Melaka Rivers laden zu einem gemütlichen Spaziergang ein. Zahlreiche gemütliche Cafés entlang des Flusses und anderswo in der Altstadt laden zum relaxten Verweilen ein. Der Nachtmarkt in der Yonker Street zieht zahlreiche Touristen ein.

Am Abend verwandelt sich die, wir nennen sie mal die Kiehl’s Alley‘, neben dem Fluss in einen beliebten Ort für Einheimische und Touristen. Dann wird gelacht, gequatscht, getrunken, gesungen und musiziert. Und das bis spät in die Nacht oder gar bis in den nächsten Morgen und stets in einer einzigartigen familiären Atmosphäre. Neue Freundschaften wurden bei Bier und Gitarrenklänge geschlossen, aber keine Worte vermögen die geschriebenen Zeilen würdig in Worte zu kleiden, daher hier ein paar Bilder, von den wunderbaren Momenten unter Locals am Ufer des Melaka Rivers. Wir erlebten legendäre Abende mit den Einheimischen und anderen Reisenden. Es gehört für die Leute aus Melaka dazu, sich neben dem Fluss zu treffen und gemeinsam zu singen und zu tanzen. Das war pure Leidenschaft! Wir bekommen nur wenn wir daran denken GÄNSEHAUT 😀

Neben dem charmanten Stadtbild waren es auch die Leute (Locals oder andere Reisende), die wir hier getroffen haben, und weswegen man noch um eine weitere Nacht verlängerte 😉 Ich weiß, wir wiederholen uns hier, aber hier haben wir so viele tolle Leudde kennengelernt und es war einfach geil und ein schönens Geschenk mit denen Zeit verbringen zu können! Mit manchen mehr, mit anderen weniger, aber dennoch stets nice! 🙂 Da haben wir die dufte Karin aka Clumsy K mit der wir viel gelacht und die Wände im Hostel bemalt haben, der warmherzige Franco aus Chile, Miguel aus Spanien, mit dem wir ebenfalls viel rumgescherzt haben, sehr zum Leidwesen vieler hässlicher Fußballspieler aus Spanien und Deutschland ^^, der gutmütige Karl aus Finnland, das fußballverrückte argentinische Pärchen Flores und Martin (mit letzterem haben wir auch seinen 30. Geburtstag gefeiert), schöne Gespräche mit Lin aus Schweden, da war der taubstumme Jonathan aus Frankreich, mit dem wir viel via Handy kommuniziert haben, Samuel aus Deutschland, Husein der im Hostel arbeitet, da war das kalifornische Pärchen Jacky und Andrew, die uns mit der Art und Weise wie sie miteinander kommunizierten, oft zum Lachen brachten. Die beiden haben gefetzt und Andrew hat sich durch eine vorzügliche Entertainmentshow die Anerkennung der Karaoke liebenden chinesischen Bevölkerung gesichert.

Wie, mag sich vielleicht der eine oder andere fragen? Nun ja, jedes Wochenende verleibt sich ein großer Nachtmarkt die Jonkerstraße ein und es herrscht ein reges Treiben. In der Jonkerstraße befindet sich zudem eine große Bühne, welche ein riesiges chinesisches Tor darstellt. Jene Bühne zieht jedes Wochenende viele, viele chinesische Freunde der Karaoke an! Meistens mit dem Alter 40+. Fünf Ringgit darf der Sänger für seinen Auftritt blechen, den Song sucht sich der Sänger oder die Sängerin aus und dann startet die Show. Meistens stehen die Leute steif vor ihrem Mikrofon und singen ihren Song. An dieser Stelle greifen wir mal voraus und lassen die Emotionen eines indischen Bürgers mittleren Alters sprechen, nachdem er Andrews Auftritt gesehen hat. Dazu muss man sagen, dass der Herr in einem Restaurant in Blick- und Hörweite der Bühne arbeitet und somit eine 1A Jury darstellt 😉 Sinngemäß sagte er in etwa mit freudestrahlenden Augen, einem breiten Lächeln und ausschweifenden Armbewegungen: „Du hast jeden Ton daneben gehauen, aber das war scheißegal, die Show war einfach der Oberhammer, einfach mind-blowing und Freude bringend! Die Tanzmoves waren verdammt witzig und ich kann mich gar nicht daran erinnern, ob ich jemals einen (weißen) Touristen auf der Bühne gesehen habe, denn eigentlich ist das eher ein Ding der Chinesen. Mann, das ist Stoff für Malaysias Next Talent“ (:D) (entspricht in etwas Deutschland sucht den Superstar). Alter Lachs, haben wir uns alle prächtig amüsiert! Jean-Claude Van Dammes Tanzszene in „Kickboxer“ war nüscht gegen Andrews Show…haha. Ja, ok, nicht ganz^^ Aber wie kam es dazu? Als wir die Bühne passierten, meinten wir spaßig zu Andrew, dass das doch was für ihn wäre und fügten die Frage bei, welchen Song man bringen müsste, damit der auf die Bühne geht 😀 In seinem Gesicht war das Ringen offensichtlich, mache ich es oder mache ich es nicht? Er sagte in seiner für ihn typischen lauten militärisch anmutenden Megaphone-Stimme „The Fresh Prince of Bel-Air!“, so als ob ihm urplötzlich die Formel zur Lösung aller Probleme auf der Welt einfiele^^ Ab hin zum Karaokemaster und nachgefragt. Die Antwort war leider ein Nein und YouTube ging mit dieser Technik nicht. Der Karaokemaster, ein chinesischer Herr von hohem Alter, gab Andrew daraufhin zwei CDs mit englischsprachigen Songs. Die Wahl fiel auf den Song ‚Lonesome Cowboy‘. Er bestieg die Bühne wie Apollo Creed den Ring in ‚Rocky‘ – und die Show begann! 😀

Melakaeinsichten

Auch hatten wir in Melaka fix zwei Stammlokale ausgemacht, zum Mittag gingen wir zum ‚Pakistani‘ und zum Abendessen zum ‚Inder‘. Manchmal nahmen wir auch beide Mahlzeiten beim Pakistani ein 😀 In beiden Lokalen waren wir schon bald auf du und du mit den Leuten, sie machten ihre Scherze mit uns und wir mit ihnen 😉

Irgenwann, es war noch relativ am Anfang, meinte ich mal zu Robert, dass das Zimmer, in dem wir schliefen, wie ein Krankenhauszimmer aussieht. Eines, was sich glatt in einer auf Stelzen gebauten Krankenstation irgendwo im Amazonasgebiet befinden könnte. Von draußen schallt das Dschungelorchester rein, unter dem Boden schlengeln sich Schlangen und drinnen siechen die Lebrakranken dahin. So ein Charme hatte das Zimmer irgendwie 😀 Gefragt hatte ich Victor, so heißt der Chef des Hostels, jedoch nicht. War zu schüchtern. Dann kam jedoch der Tag an dem Robert Victor davon berichtete und dieser dann auf mich zu kam. Und dann nahm die Aktion ihren Lauf. Für die Zeit, in der das Zimmer farblich aufgepeppt wurde, durften wir für lau bleiben 🙂 So checkten wir ein paar Farbläden, die Farben wurden ausgesucht, die Skizzen an die Wände gebracht und anschließend die Farben selbst. Viele Leute haben dabei mitgeholfen und es hat derbe viel Spaß gemacht! :-)) Hier ein paar Eindrücke von der Farbaktion:

Singapur ist nicht mehr weit

Nach vier Wochen verließen wir Melaka mit vielen schönen Erinnerungen und Begegnungen. Das war definitiv eine geile ‚Hängengeblieben-Zeit‘. Von nun an ging es entlang der Westküste nach Singapur. Drei bis vier Tage haben wir dafür angedacht. Während der ersten Etappe auf dem Weg nach Muar machten wir ca. 21 km hinter Melaka in einem großen Dorf eine Mittagspause und besuchten Mustafa. Mustafa war quasi jeden Abend in der ‚Kiehl’s Alley‘ am Start und war in der Musikerrunde, jener der immer sang und uns damit in den Bann zog. Nach zwei, drei Stunden ging es weiter und wir kamen in Muar an, wo wir wieder auf dem Gelände einer Moschee zelteten. Auch die übernächste Nacht verbrachten wir in Pontian in einer Moschee. Hier hatten wie jedoch gegen null Uhr unerwarteterweise Besuch von der Polizei erhalten. Sie wollten nach dem rechten schauen und was wir hier machen. Wir waren etwas perplex. Denn jedes Mal, wenn wir das Gelände einer Moschee betreten, fragen wir die anwesenden Leute oder gleich den Imam, ob wir hier zelten dürften. Ein Nein haben wir bis jetzt noch nie bekommen, aber wenn dem so wäre, würden wir das respektieren und weiterziehen. So hatten wir auch dieses Mal einen Mann gefragt. Er ist Feuerwehrmann, die Wache ist gleich neben der Moschee, und er hat dem Imam unser Anliegen geschildert und dieser hat uns wiederum eine positive Antwort gegeben. Während rund acht Leute anwesend waren und unsere Pässe neugierig und lange begutachteten, stellte sich heraus, dass es wohl noch einen zweiten Imam gab, der allerdings nix von uns zu wissen schien, weshalb er die Polizei gerufen hat. Ende vom Lied war, dass wir nach rund einer drei Viertel und ein paar ‚Fanfotos‘ wieder in unsere Zelte krabbeln konnten. Nun waren die Polizisten zwar weg, dafür besuchte uns ein Gewitter, was nun nicht wirklich enstpannt schlafen ließ. Mit dem nächsten Morgen begann auch die letzte Etappe in Malaysia …

2018-11-04T15:01:12+00:00 17.11.2017|Malaysia|0 Kommentare