Wir 2018-07-26T15:41:24+00:00

Ca. 22.000 Kilometer, ca. 100.000 Höhenmeter, 12 Monate, 21 Länder und 2 abenteuerhungrige Jungs. Oder anders ausgedrückt: Mit dem Drahtesel von Rostock nach Australien. Das ist zumindest die Idee. Mal sehen, wo wir (falsch) abbiegen, hängen bleiben oder wohin das Rad uns trägt …

Eine Radreise, wie wir sie uns in den Kopf gesetzt haben ist nur bedingt planbar. Jeder Tag wird anders sein und mit vielerlei unterschiedlichen Überraschungen, Hindernissen und Erlebnissen aufwarten: Visaanträge können abgelehnt werden, in Karten dargestellte asphaltierte Straßen können sich als unwegsame Pfade erweisen, das Klima kann einen launischen Spielverderber abgeben, wir können auf eine bosnische Hochzeit eingeladen werden (was im Übrigen ziemlich fetzig wäre) oder oder oder. Die Reise wird uns sicherlich ein hohes Maß an Spontanität, Flexibilität und Improvisationskünsten abverlangen, dafür werden wir hoffentlich mit vielen Abenteuern, lustigen und bizarren Begegnungen und Geschichten, einem Hohen Maß an Freiheit sowie neuen Erkenntnissen und Ansichten – freudig oder schmerzlich – belohnt. Abenteuerlust, Offenheit, Neugier, Zuversicht sowie Naivität haben wir reichlich im Gepäck. Wenn man an dieser Stelle ein Zitat – wenn auch in abgewandelter Form – anwenden möchte, wäre hier unserer Vorschlag: „Die Radreise ist wie eine Pralinenschachtel, man weiß nie was man bekommt.“

Bei der Reise wollen wir uns keinem zu großen zeitlichen Druck aussetzen. Klar gibt es externe Faktoren wie z.B. das Klima, die Visageschichten oder Roberts Aufhebungsvertrag für ein Jahr, welche uns einen gewissen Zeitplan vorgeben. Dennoch wollen wir uns die Freiheit nehmen, nach Lust und Laune einen Schlenker nach links oder rechts zu machen, oder an einem Ort länger zu verweilen. Das Fahrrad erscheint uns dabei das geeignetste Mittel zur Realisierung unserer Idee und wir einfach Bock darauf haben. Wir können das Tempo selber bestimmen, es ist nicht so langsam, als wenn man wandert, aber auch nicht zu schnell, um das jeweilige Land gut kennen zu lernen.

Gleichzeitig können wir nahezu überall hinfahren, je nachdem wie uns der Sinn steht und sind daher relativ unabhängig. Kein (langes) Warten auf ein Auto, das einen hoffentlich mitnimmt oder dehnbare Busabfahrtszeiten (obwohl ich diese Art des Reisens auch sehr mag). Das Was und einige Hoffnungen sind dargelegt, aber warum, wieso, weshalb das Ganze mag sich vielleicht der eine oder andere fragen? Dazu muss Tobi, als Initiator der Reise, kurz in die Biographiekiste greifen.

Robert

Moins! Ich bin Robert, 1985 in Rostock zur Welt gekommen, Ingenieur und kann mich leicht für Technik begeistern, liebe das Fahrradfahren, unternehme gerne was mit Freunden und liebe es einfach auch mal nichts zu tun.

Tobsen

Moinsen! Ich bin Tobsen, Baujahr 1986,  Rostocker Jung‘ und Geograph. Ich mag es sowohl unter freiem Himmel mit Musik in den Ohren durch die Gegend zu schlendern, sei es im urbanen Dschungel oder in der Natur, als auch einfach in den eigenen vier Wänden zu entspannen, Bücher zu lesen und Leinwände mit Farbe zu beschmieren 😀

Als kleiner Schieter war ich oft bei meinen Großeltern auf dem Land. Mein Opa hatte einen Atlas, den ich oft zur Hand nahm und darin umher blätterte. Von meinem Opa weiß ich auch, dass ich schon als kleiner Schieter die verschiedenen Länder unseres blauen Planeten mit ihren jeweiligen Hauptstädten und Flaggen versucht habe auswendig zu lernen und auf der Karte zu zeigen. Die Faszination für andere Länder begleitet mich also schon ziemlich lange. Nach dem Abi zog ich von Rostock in das kleinere Greifswald, um dort Geographie zu studieren. In Greifswald wohnte ich in einer internationalen 4er-WG mit Leuten u.a. aus Kamerun, Polen, Nepal, Vietnam und Spanien zusammen, was eine tolle Zeit war. Nach Abschluss des Studiums bin ich für ein Jahr nach Sizilien gezogen, wo ich in verschiedenen Projekten rund um die Thematik Umweltbildung und Naturschutz mitgearbeitet habe und auch eigene Projekte realisieren konnte. Wie zu Studienzeiten habe ich auch hier wieder wunderbare Menschen kennengelernt und Neues, mir Unbekanntes lieben gelernt. Im Juni 2013 bin ich dann nach Rostock zurückgekehrt. In den folgenden drei Jahren habe ich in einem Planungsbüro gearbeitet, die Arbeit hat Spaß gemacht und das Klima unter uns Kollegen hätte besser nicht sein können. Dennoch wurde im Laufe der Jahre mein Bedürfnis nach Abwechslung und Reisen immer größer. Ich wollte adieu zum Hamsterrad und zum Murmeltier sagen und wieder raus in die Welt. Ich bin zwar vorher schon gut hier und da umhergereist, meistens aber nur für zwei bis drei Wochen pro Jahr. Dieses Mal sollte es aber länger werden …

So fing ich an umherzuspinnen, wo es hingehen könnte. Afrika, Südamerika oder doch Europa und Asien? Schnell stand zumindest für mich fest, dass ich aus o.g. Gründen gerne mit dem Fahrrad reisen möchte. Robert und ich kennen uns jetzt schon über 10 Jahre. Da Robert ein leidenschaftlicher Radsportler ist und ein gutes Reiserad für solch eine Reise wohl am besten geeignet ist, lag es nahe, dass Robert meine erste Anlaufstelle war, welcher seinen Senf zu meiner Radauswahl geben sollte. Nach und nach habe ich ihn mit meinem Fernweh und meiner Abenteuerlust angesteckt. Prinzipiell fand er die Idee toll und hatte ebenfalls riesig Laune sich ebenfalls auf das Rad zu schwingen und loszufahren. Aber Robert hatte einen Anhänger, welcher wie ein altes Kaugummi an seiner Schuhsohle klebte und er sich nur schwer von seinem Begleiter zu trennen schien. Sein Begleiter hieß ‚Sicherheitsdenken‘ und war wirklich zäh. Ich meinte dann hin und wieder „hej Rob, wenn du Bock hast, kannst du mich auch für drei oder vier Wochen hier und dort begleiten“, woraufhin er immer meinte „ganz oder gar nicht“ ?? Robert hatte bis dato einen ziemlich straighten Karriereverlauf hingelegt und mit viel Ehrgeiz, aber auch einer Menge Laune Stufe um Stufe genommen, um da anzukommen, wo er vor seiner Reise stand. Von daher konnte ich sein Sicherheitsdenken nachvollziehen, welches bei mir weniger ausgeprägt ist. Ich möchte die Gegenwart genießen und mein Denken nicht von Eventulitäten, welche sich in 5, 10 oder 15 Jahren ereignen könnten, bestimmen lassen. Außerdem ist man in der heutigen Zeit schnell dazu geneigt zu meinen, die Welt sei ein schlechter Ort. Gewiss, viele Dinge laufen schief, aber dennoch möchte ich glauben, dass sie es nicht ist … Die kindliche Naivität lässt grüßen ?? Genug rumphilosophiert und geschwafelt, das kann ja keiner mehr ertragen ?? Na jedenfalls, an den genauen Tag kann ich mich nicht mehr erinnern, aber eines Tages ereilte mich die überraschende Nachricht „Digger, ich bin dabei!“. Feine Sache! Und nun sind wir da, wo wir jetzt stehen oder bald dort radeln …

Mach die Backen zu du Nappel da oben, jetzt bin ich an der Reihe! ??

Was soll ich dazu noch sagen (schreiben)? Tobi hat das ganz gut auf den Punkt gebracht. Er ist der Initiator der Reise und ich habe keine Ahnung, ob ich jemals allein so ein Wagnis angegangen wäre.

Ich bin seit es mich gibt eher der Heimscheißer. Bereits in der Schulzeit sind Freunde von mir für längere Zeit ins Ausland gegangen. Für mich zum damaligen Zeitpunkt unvorstellbar! Dennoch war die Sehnsucht nach der Ferne immer gegenwärtig und ich begann seit meiner Ausbildung von sowas zu träumen. Aber ich denke, so geht es vielen Euch? Ein großer Treiber für den Keim in meinem Kopf waren zwei Rostocker, welche mit dem Fahrrad die Welt umrundeten. Ihre Reise begann 1994 und sie waren zu diesem Zeitpunkt 22 Jahre alt. Da frage ich mich schon: „Habe ich was verpasst mit Anfang 30?“ Die Antwort für mich lautet: Nein! Ich bin halt einen anderen Weg gegangen, welchen ich jetzt für eine gewisse Zeit verlassen will.

Kurzfassung: Realschulabschluss (2002) – Berufsausbildung – Facharbeiter (sechs Monate) – Abitur – Industriemeister – Dualstudium (Stralsund) – Ingenieur (ein Jahr) – Masterstudium (Stralsund) – Planungsingenieur (seit 2014) – Abenteuer (Start 2016 für ein Jahr )

1. Weg: … – Geld verdienen – vielleicht Familie? – Auto – Haus – usw. Das erwartet man vielleicht an dieser Stelle als Fortsetzung.

2. Weg …– Job kündigen – Wohnung kündigen – alles verkaufen – Ballast abwerfen („…es reist sich besser mit leichtem Gepäck“) – Weltreise

Welcher Weg gefällt Euch besser?

Jetzt versteht Ihr vielleicht, warum dieser Kaugummi (aus Tobis Bericht) so schwer an meinen Sohlen klebte. Da kam mir Tobi mit seinem Wunsch nach einer Reise in die Welt gerade noch rechtzeitig – Danke Tobi!

Und mal ehrlich, wenn nicht jetzt, wann dann?!

Bin gespannt, was mich erwartet, wie wir uns verändern werden, ob wir uns noch ertragen können, aus welchem Blickwinkel wir die Welt sehen werden, wie viel gute Freundschaften wir hoffentlich schließen werden in dieser hoffentlich GEILEN Zeit!

Ich denke diese Zeit wird unser Leben verändern!